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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Februar 1916, Seite 61

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Und ich sahe cinen Engel 43—

liegen mitien durch den 73

Himmel, der hatte ein ewig 1
Evangeliuni, zu verkündigen

denen, die auf Erden siden
und wohnen, und allen Hei-
den, und Seschlechtern, und
Sprachen, und Völkern, und
sprach mil groher Atimme:
Lürchtei Golt, und gebei
imn die Ehrt; denn die. Zeit
seines Gerichis ist Bommen,
und belel an den der gemachi
har Himmel, und Erde, und
Meer, und die wasser⸗

HBerausgegeben von der Beutschen Evangelisch-Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Itaaten.

Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Lonis.

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72. Jahrgang.

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St. Louis, Mo., den 15. Februar 1916.

Nr. 4.

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Vom Chiliasmus.

III.

Es werden im 20. Kapitel der Offenbarung insonderheit
vier Punkte genannt, die wir jetzt näher besehen wollen: 1. die
Überwindung Satans, 2. die Stühle zum Gericht, 3. die Re⸗
gierung der Heiligen mit Christo und 4. die erste Auferstehung.
. 1J. Wer ist zunächst wohl der Engel, der den Drachen über⸗
windet und unschädlich macht? Ist das Christus, „der Engel
des Bundes“, der den Teufel überwunden und ihm seine Macht
genommen hat, oder ist es irgendein erschaffener Engel, der mit
diesem Auftrage erst noch betraut werden soll? Gleich nach
dem Sündenfall hat Gott dem Teufel das Urteil gesprochen,
daß des Weibes Same der Schlange den Kopf zertreten solle.

Die beiden Mächte, die einander feindlich gegenüberstehen, sind
der Weibessame und die Schlange. Daß Christus dieser ver⸗
heißene Weibessame ist, weiß jeder wohlunterrichtete Christ;
und daß unter dem Drachen in Offenbarung 20 die alte
Schlange, „welche ist der Teufel und Satan“, zu verstehen ist,
ist dort klar gesagt. Der Kampf, welcher Offenb. 20 beschrieben
wird, ist eben jenes Kopfzertreten. Und wann hat das statt⸗
gefunden? Die Antwort auf diese Frage ist zugleich eine Er—
ledigung des Streites um den Ausdruck „tausend Jahre“.

Das erste, was die Evangelisten von Christo nach seiner
Taufe berichten, ist sein fortwährender Zusammenstoß mit dem
Teufel. Nicht nur an seine eigene Versuchung, sondern auch
+man die zahlreichen Heilungen von Besessenen haben wir hier
zu denken; und jedesmal tritt uns Christus als Besieger und

überwinder des Teufels entgegen, als der Stärkere, der über
den Starken gekommen war, ihm seinen Harnisch nahm, dar—
auf er sich verließ, nämlich durch Sünde und Tod die Menschen
ewig zu verderben.
die Welt davon überzeugen werde, „daß der Fürst dieser Welt

ö gerichtet ist“. Das ist also nicht erst noch zu erwarten, son—

dern ist bereits geschehen. Auch nach 1 Joh. 3, 8
„(„Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, daß er die Werke des

Er verheißt auch, daß sein Heiliger Geist

—

Teufels zerstöre“) ist Christus nicht erst noch zukünftig, um
die Werke des Teufels zu zerstören, sondern er ist bereits dazu
erschienen. So sind denn auch nun schon seit fast zweitausend
Jahren alle Gläubigen aufgefordert worden, „Dank zu sagen
dem Vater, welcher uns errettet hat von der Obrigkeit der
Finsternis“. Wir brauchen also nicht erst noch auf ein so⸗
genanntes tausendjähriges Reich zu warten, um von der ver⸗
derblichen Macht und Herrschaft Satans frei zu werden; denn
wir sind jetzt schon versetzt in das Reich des lieben Sohnes
Gottes, die herrliche Freiheit ist längst erworben und wird
durch die Predigt des Evangeliums frei in aller Welt ver⸗
kündigt.

2. Die Stühle zum Gericht. „Und ich sah Stühle;
und sie setzten sich darauf, und ihnen ward gegeben das Gericht.“
Daß mit diesem Gericht nicht das Jüngste Gericht gemeint sein
kann, ist offenbar, denn von dem Weltgericht ist erst am Schluß
dieses Kapitels die Rede. Wo mögen denn vor dem Jüngsten
Tag Stühle zum Gericht zu finden sein? Das ist nichts Un⸗
bekanntes in der Schrift; auch der Ausdruck ist ihr nicht fremd.
Wir finden ihn schon im 122. Psalm, wo von Jerusalem ge⸗
sagt wird: „Daselbst sitzen die Stühle zum Gericht, die Stühle
des Hauses Davids.“ Damit ist doch nichts anderes gesagt,
als daß zu Jerusalem Wahrheit und Recht gelehrt und geübt,
und falscher Gottesdienst und böses Wesen gestraft werden soll.
Solche Stühle zum Gericht sieht nun auch Johannes vor sich
in diesem Gesicht. Denen, die auf diesen Stühlen sitzen, ist
nun das Gericht gegeben, daß sie richten und urteilen sollen,
was rechte oder falsche Lehre, was christliches oder gottloses
Leben ist in dieser Welt. Solches Gericht wird in Gottes
Wort allen Heiligen zur Pflicht gemacht, einerlei in welchem
Jahrhundert oder Jahrtausend sie leben mögen. So hat Chri⸗
stus das Gericht über die Wölfe den Schafen gegeben, wenn
er befiehlt: „Sehet euch vor vor den falschen Propheten!“ Das
letzte und höchste Gericht hier auf Erden über einen unbußfer⸗
tigen Sünder gibt Christus der Kirche, wenn er sagt: „Höret
er die Gemeinde nicht, so halt ihn als einen Heiden und

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