Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 4 › Seite 69
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Februar 1916, Seite 69
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengemeinſchaften. 4„99
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aller verständigen Christen Augen als die prächtigste, Kathedrale
mit ihrem Meßaltar. Aber doch hält unser Bekenntnis es für
der Mühe wert, auf jenen Vorwurf auch dies auszusprechen:
„Wiewohl es nicht wahr ist, daß wir solche äußerliche Ornamente
alle wegtun.“ Wir haben ein Gefühl dafür, ob eine Kirche
„Iutherisch“ eingerichtet ist und einen „lutherischen“ Eindruck
macht. Allermeist ist natürlich das vom übel, wenn eine Kirche
so eingerichtet ist, daß alles in den Vordergrund tritt und auf⸗
fällt, nur nicht Kanzel, Altar und Taufstein. Eine solche Kirche
macht den Eindruck, als ob es eine Stätte sei, wo zuweilen auch
so nebenbei gepredigt und die Sakramente verwaltet werden, was
doch neben dem Gebet und Gesang der Gemeinde der Kirche
Werk ist — oder gar, wenn darin nicht gepredigt und gehört
werden kann. Das sind Dinge, die beim Kirchbau des Bedenkens
wert sind. Und sie brauchen gar keine besonderen Kosten zu
verursachen. E. P.
Missionar Wiebusch, der über vierzehn Jahre lang als
Heidenmissionar unter den Australnegern gewirkt hat, hat einem
Beruf Folge geleistet an eine Gemeinde in Australien. Er wird
seine Station nicht eher verlassen, als bis ein neuer Missionar
eingeführt ist und sich in die Arbeit einigermaßen eingelebt hat.
Er selbst schreibt im „Kirchenboten für Australien“: „Schwer,
sehr schwer ist es mir vor vierzehneinhalb Jahren geworden, mich
für die Annahme des vom Südaustralischen Distrikt der Austra—
lischen Synode an mich gesandten Berufes als Heidenmissionar zu
entscheiden. Da der liebe Gott aber meine geringen Dienste unter
den Australnegern wider Erwarten über Bitten und Verstehen
gesegnet hat, mich auch das Vertrauen nicht nur der ganzen
Synode, sondern auch der Eingebornen hat gewinnen lassen, so
ist mir die Arbeit sehr lieb, und darum die Entscheidung, meine
Verbindung mit der Synode und der Missionsstation als Heiden⸗
missionar zu lösen, schwer, sehr schwer geworden. Doch, damit
meine Kräfte in dieser schwoeren Arbeit nicht vor der Zeit aufge⸗
rieben werden, sondern, soweit Menschen urteilen können, ich noch
länger der Kirche und auch meiner Familie erhalten bleibe; da
ferner meiner heranwachsenden Kinder wegen ein Wechsel statt—
finden sollte, so erkannte ich in der obenerwähnten Vokation einen
Fingerzeig Gottes und erklärte mich gewissenshalber bereit, diesem
Rufe zu folgen. Meine beiden Gemeinden legten diese Berufs-—
sache gänzlich in meine Hand, und das werte Missionskomitee ge—
währte mir eine friedliche Entlassung. IEsus Christus, der große
Erzhirte seiner Kirche, wolle diesen unsern Schritt, den wir in
seinem Namen getan haben, segnen! Er wolle auch recht bald
einen geeigneten Mann zur Station senden, damit sein Werk hier
einen gedeihlichen Fortgang nehme!“ E. P.
Zum Kampf wider Rom. In einer uns zugesandten Buch—
anzeige finden wir die Bemerkung, daß unsere „Nation“ das
„Problem“ lösen müsse, wie dem verderblichen Einfluß der römi—
schen Kirche in unserm Lande gewehrt werden könne. Dazu ist
zu sagen, daß unsere Nation als solche wie auch alle andern
Staaten Rom gegenüber ziemlich machtlos sind. Durch staͤat—
liche Gesetze kann höchstens einigen äußeren übergriffen Roms
entgegengetreten werden. Und das hat einen gewissen Wert.
Die eigentliche Gefahr aber, die der menschlichen Gesellschaft
überhaupt und den Staaten insbesondere von seiten Roms droht,
liegt in der Tatsache, daß der Papst in den Gewi ssen der ihm
Untergebenen herrscht. Sie meinen, es sei ein Stück Frömmig—
keit, dem Papst untertan zu sein. Und gegen die Gewissen können
alle Ordnungen und alle Machtmittel des Staates nichts aus—
richten. Nur Gottes Wort kann die Gewissen vom Papst
freimachen. So fällt die eigentliche Lösung des „römischen Pro—
blems“ der Kirche zu, weil die Kirche die Aufgabe hat, Gottes
Wort allem Irrtum gegenüber auf den Leuchter zu stellen. Die
Kirche muß unermüdlich und klar sonderlich zwei Hauptstücke des
christlichen Glaubens lehren: 1. daß Gottes Gnade nicht durch
Menschenwerke, sondern nur durch den Glauben an Christi voll⸗
kommenes Verdienst erlangt wird; 2. daß in den Herzen und Ge—
wissen der Menschen weder des Papstes noch eines andern Men⸗
schen Wort, sondern allein Gottes Wort herrschen soll. Tut die
christliche Kirche dies, so löst sie das „römische Problem“, soweit
es überhaupt gelöst werden kann. F. P.
In Joplin, Mo., kam kürzlich die Klage der Katholiken gegen
das bekannte antikatholische Blatt 2½ Menace vor Gericht zur
Verhandlung. Die Klage war, daß die Menace unsittliche Druck⸗
sachen durch die Post versende. Der Prozeß endete mit Frei—
sprechung der MNenace, und das Urteil „Nicht schuldig“ wurde von
der Zuhörerschaft, die den Gerichtssaal bis auf den letzten Steh⸗
platz füllte, mit großer Befriedigung aufgenommen. Darob
natürlich großer Arger in katholischen Blättern. Wir lasen sogar,
daß man den Ausgang des Prozesses hetzweise für einen Sieg der
Kapitalisten über die Arbeiter ausschrie. Das ist unsinnig. Als
ob die Herausgeber Kapitalisten wären! So sieht das Blatt
nicht aus. Was da in Joplin entschied, war eben die Tatsache,
daß wir in unserm Lande noch Preß⸗ und Redefreiheit haben.
Dabei bestehen auch Gesetze gegen Lüge und Verleumdung. Wenn
die Nenacé in ihren Berichten über das Treiben der römischen
Geistlichkeit lügt und verleumdet, dann klage man sie darauf—-
hin an. Aber das zu tun, scheint es, getraut man sich nicht.
E. P.
Ein vielseitiges Seminar. In einem Methodistenblatt lesen
wir: „In dem Union Bible Seminary in Manila werden dieses
Jahr zwölf junge Männer graduieren, welche darauf auf den
Philippineninseln das Evangelium in sieben Dialekten verkündigen
werden. Diese jungen Männer reden nebst ihrer eingebornen
Sprache auch die englische, und einige können mehrere Dialekte
reden. Einer von ihnen predigt in drei Dialekten sowie englisch
und spanisch. In diesem Seminar werden nicht nur junge Männer
unserer Kirche, sondern auch der Presbyterianer-, Vereinjgten
Brüder- und Baptistengemeinschaft ausgebildet. Die verschiede⸗
nen Benennungen haben sich überhaupt in ihrer Tätigkeit auf
den Philippinen in einer Weise vereinigt, die geradezu für die
ganze Kirche mustergültig ist.“ — Was an diesem Seminar uns
in Verwunderung setzt, sind nicht die mancherlei Sprachen und
Dialekte, die da geredet werden; denn das können wir uns er—
klären. Aber daß auf einem Seminar für eine ganze Anzahl
Kirchengemeinschaften die Kandidaten ausgebildet werden können,
das erregt unsere Bewunderung. Wir haben immer dafürge—
halten, daß, wenn Lehrunterschiede vorhanden sind, die es nötig
machen, daß Kirchengemeinschaften getrennt bleiben, sie dann auch
das Zusammenarbeiten unmöglich machen. Wenn aber solche
Lehrunterschiede nicht vorhanden sind, dann sollte die Kirche nicht
gespalten werden. Mit einem guten Gewissen trennen wir uns
von der Irrlehre; aber dann können wir auch nicht ohne Ver—
leugnung der Wahrheit den Irrtum verbreiten helfen. E. P.
Von Billy Sunday berichten die Zeitungen, daß er in Syra⸗
cuse, N. Y., 21,155 Seelen „bekehrt“ und dafür 823,000 einge⸗
nommen habe, also etwas über einen Dollar für jeden „Bekehrten“.
Seinen ersten „Gottesdienst“ soll er so eröffnet haben: „Er stellte
sich in der Positur eines Ballettänzers mit vorgestrecktem, ge⸗
beugtem Bein in der Kirche vor etwa 10,000 Menschen hin, reckte
seine Faust in die Höhe und schrie: Laßt uns Gott einen Chau⸗
tauqua-Gruß geben!“ Bei diesen Worten zog er sein Taschentuch
aus der Tasche und schwenkte es durch die Luft. Ungefähr 10,000
Taschentücher folgten nach.“ Wird Gott sich über den Gruß ge—
freut haben! Der Hanswurst geht sehr fantiliär mit Gott uun;
er scheint von der Majestät Gottes keine Ahnung zu haben!
Solches Gebaren ist schon keine Albernheit mehr, das grenzt schon
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