Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 4 › Seite 72
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Februar 1916, Seite 72
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German transcription machine transcription, uncorrected
die Soldaten einen Sarg aus gehobelten Brettern. Der Sarg
wird draußen schön mit Tannenreisern geschmückt, die Gräber er—
halten schöne Steinfassungen und Kreuze; über jedes Grab wer—
den dann drei Gewehrsalven abgegeben, ferner sind die Gräber
schön angepflanzt mit Tännchen und Efeu. Auch die Franzosen—
gräber werden geschmückt und bekommen Kreuze. Dies wird alles
von uns gemacht. Auch die 22 Zivilisten bekommen eine Gedenk⸗
tafel mit einer Aufschrift in Deutsch und Französisch. Ferner
sind auch alle Straßen in den Dörfern mit Namen bezeichnet.
Angeschossene Häuser usw. wurden ausgebessert.
kommen, machen wir wieder Ordnung.
Am Anfang des neuen Jahres gedenke ich all der Wohltaten
meines Schöpfers. Ja, groß und wunderbar ist der HErr, der
mich in diesen Kriegsmonaten bewahrt und behütet hat. Und
in seiner Macht liegt es, mich auch ferner zu bewahren. Sollte
mir aber etwas zustoßen, so ist es in seinem Willen wohlbedacht,
und ich weiß, und Ihr wißt, es ist gut. „Was Gott tut, das ist
wohlgetan, es bleibt gerecht sein Wille“; und sollte es beschieden
sein, daß ich keinen weiteren Brief mehr schreiben kann, so preisen
wir alle doch den HErrn. Auch allen Lieben im Heimatland
danke ich herzlich für das treue Gedenken vor dem Gnadenthron
in Fürbitte und Danksagung. Auch für die leibliche Erquickung.
Der HErr sei Euer Segen! Ebenso herzlichen Dank für die
Blätter und Traktate. Trotz allem Schweren im Krieg darf ich
auf die Frage des HErrn: „Habt ihr auch je Mangel gehabt?“
sagen: SErr, nie irgend welchen; denn des HErrn Güte und
Treue ist groß. Möge der treue Gott Euch alle im neuen Jahre
bewahren und stärken in seiner Kraft; denn der SErr ist ja
unser Licht und Heil, vor wem sollten wir uns fürchten? Der
HErr ist unsers Lebens Kraft, vor wem sollte uns grauen? Wir
brauchen uns nicht mit quälenden Fragen zu beschäftigen: Wann
wird Friede sein? Viel wichtiger ist es für uns, daß wir den
Frieden haben, den die Welt nicht geben kann. O möchte doch
jedes Herz das verstehen und begreifen! Wie viele hoffnungslose
Menschen mag es daheim geben, und doch will IEsus Einzug
halten in den Herzen. Halleluja! JIEsus ist Sieger. Nun,
Gott befohlen! Mit herzlichen Grüßen an Euch und alle teuren
Lieben im Heimatland Euer
Adolf Hittler, Kanonier.
Stoßgebete
werden diejenigen Gebete genannt, die rasch und plötzlich, gleich—
sam wie Pfeile von einem Bogen, zu Gott gesandt werden. Sehr
bezeichnend ist für diese Gebete der englische Ausdruck „Cjacula⸗
tory prayers“. Ein solches Gebet tat Nehemia. Von Hanani,
der von Jerusalem zurückgekehrt war, hatte er vernommen, daß
das Wiederaufbauen der Stadt mit großem Unglück und viel
Schmach vor sich gehe. „Da er aber solche Worte hörte, saß er
und weinte und trug Leid zween Tage und fastete und betete vor
dem Gott vom Hinunel“, Neh. 1, 4. Seine Traurigkeit blieb
dem König nicht verborgen; dieser fragte ihn deshalb: „Warum
siehest du so übel? Du bist ja nicht krank? Das ist's nicht, son⸗
dern du bist schwermütig.“ Mit Furcht und Zittern antwortete
Nehemia dem König: „Der König lebe ewiglich! Sollt' ich nicht
übel sehen? Die Stadt, da das Haus des Begräbnisses meiner
Väter ist, liegt wüste, und ihre Tore sind mit Feuer verzehret.“
Und als der König fragte: „Was forderst du denn?“ antwortete
er nicht gleich, sondern: „Da bat ich den Gott vom Himmel“,
heißt es Neh. 2, 4, das heißt, er tat einen starken Seufzer, mit
welchem er sagen wollte: Des Königs Herz rühre an, o HErr,
damit seine Lippen deine Antwort aussprechen!
Nehemias Beispiel fordert uns zur Nachfolge auf; ja, diese
Wo wir hin⸗
Stoßgebete sollten bei uns recht in Brauch und übung kommen,
sozusagen, zur Gewohnheit werden.
den dadurch auch vor vieler Versuchung bewahrt und aus viel
Not errettet werden.
tätiges Leben hinein, weil sie uns an der Arbeit nicht hindern
und keine Zeit in Anspruch nehmen wie das Gebet im Kämmer⸗
lein und die Familienandachten. H.
—.
———
Mit versiegelter Order.
Von einem Kriegsschiff hieß es letzthin eimmal, es sei mit
versiegelter Order ausgelaufen. Wer in die Geheimnisse der
Marine nicht eingeweiht war, verstand das nicht gleich. Wenn
ein Schiff ausläuft, so muß ihm seine Order doch bekannt sein.
Auf Erkundigungen ergab sich, daß das Manöver allerdings ge⸗
übt wurde, vielleicht auch noch wird.
Ziel der Reise ist dem ganzen Schiffspersonal, auch dem Kapitän
zunächst unbekannt.
sagen wir mal, die Höhe von Montauk Point.
nun, wohin die Reise geht.
Mir scheint, dem etwas seltsamen Manöver liegt ein sehr
wichtiger Gedanke zugrunde: Ein rechter Seemann soll so bereit
sein, daß er jede Fahrt antreten kann.
Beim rechten Christen ist es geradeso.
allemal das beste, was er sich wünschen kann.
doch glauben, daß Gott ein Gott der Liebe ist, auch dann, wenn
Diese Gebete passen auch so schön in unser
Ein vorläufiges Ziel wird ihm genannt,‚,
ö Ist er dort ange⸗
kommen, so hat er dort die versiegelte Order zu öffnen und weiß
Das wäre nicht bloß dem
Gebot Gottes gemäß: „Betet ohne Unterlaß!“ sondern wir wür⸗
Das eigentliche und letzte .
—
——.—
Voll bereit sein ist
Nicht wissen und —
die Fahrt zunächst ins Ungewisse geht; doch glauben, daß Gottes
Gedanken über uns Gedanken des Friedens sind und nicht Ge⸗
danken des Leides, auch dann, wenn er die bittersten Verluste über
uns verhängt — das ist Christenart, das ist Sinn und Zeichen
eines echten Gotteskindes, das in allen Stücken und auch bei ver⸗
siegelter Order dem vertraut, der noch niemals was versehen in
seinem Regiment.
Buße und Gnade.
Der Dichter Schubart (gestorben 1791) war im Jahre 1777
vom Herzog Karl von Württemberg wegen Majestätsbeleidigung
auf der Festung Hohenasperg gefangengesetzt worden. Im dunkeln
Kerker kam er zur Erkenntnis seiner Sünden und wurde von
heftigen Gewissensqualen gefoltert. Er hat selbst davon berichtet:
„Die Hölle schien in meinem Herzen zu sein, denn ich fühlte ihre
sengende Flamme und flehte mehr als einmal Gott, meinen
Richter, nur um einen Tropfen Wasser — einen armseligen
Tropfen Trost — an.
rung meiner Qualen bat ich ihn..
und ohne sie zu lesen, schrie ich: „So laß mich sterben, Welten—
richter, mit dem Feuergesetz unter meinen Schläfen!“
Ich las sie mit verschlingendem Herzen des Geistes.
meiner Gebeine.
getragen, hob sich mein Geist.
mir aus! Ja, ich habe gesündigt!“ sprach ich.
Nicht um Abwendung, nur um Erleichte⸗
So in der größten Ver⸗
zweiflung, nahe dem Tode, griff ich einmal nach der Bibel, schlug
sie auf, legte mein glühendes Haupt auf die aufgeschlagene Stelle,
Als ich
mit vorgepreßten Augen die Stelle anstarrte, so war's die liebliche
Geschichte vom verlornen Sohn (Luk. 15), die dem reumütig um⸗ 4
kehrenden Sünder so herrlich eine freie, volle Gnade verheißt.
Gottes un⸗
sichtbare Kraft drang in meine Seele, in mein Herz, in das Mark
Von kommender Hoffnung, wie auf Flügeln
Vielleicht streckst du die Arme nach E
„Ich bin nicht wert,‚
daß ich dein Sohn heiße. Ach, vielleicht erbarmst du dich meiner!“ ö
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