Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 4 › Seite 64

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Februar 1916, Seite 64

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SE er „Wutheransd —

an beide ein eindringliches Ermahnungsschreiben. In dem
Schreiben erkennt Luther an, daß es sich um „eitel weltliche
Sachen“ handle. Er fügt aber hinzu: „So steht da doch
Gottes Wort, welches uns Predigern und der ganzen Kirche
gebeut, für die weltlichen Herrschaften zu sorgen und zu beten
um Friede und stilles Wesen auf Erden.“ Er erinnert die
Fürsten daran, daß das, was die Schrift von den Fried—
fertigen und den Friedenbrechern sage, alle Menschen ohne
Unterschied verbinde. Er rät zur „Arbitration“, und Luther
hat zu der Zeit Krieg und Blutvergießen verhindert. Luther
will es sich auch nicht nehmen lassen, dem ganzen Volk und
den Fürsten vorzuhalten, daß sie durch Selbstruhm und Ver—
trauen auf eigene Macht Gottes Zorn über das Land führen
und also das Land verderben. Er weist es ausdrücklich zurück,
daß dies eine ungehörige Einmischung der Kirche in weltliche
Dinge sei.

So haben auch diejenigen unserer Synodaldistrikte sich
keiner Vermischung von Staat und Kirche schuldig gemacht,
die in einer Kundgebung an unsere Landesregierung auf ein
Ding hingewiesen haben, das „vor Gott und Menschen“ un—
recht ist, nämlich auf die Teilnahme am Kriege und auf die
Verlängerung des Krieges durch unsere Munitionslieferungen.
Hier gilt nicht das Wort: „Geschäft ist Geschäft“, sondern hier
gilt: Du sollst nicht töten und auch nicht töten helfen! Als
in unserm Bürgerkriege eine große Partei und auch einige
Leute in St. Louis die Fortsetzung des Krieges wünschten
wegen des guten „Geschäfts“, das sie im Kriege machten, sagte
D. Walther in einer Bußpredigt: „Sie wollen Fortsetzung des
Krieges um schinutzigen Gewinnes willen. Sie wollen Hun—
derttausende an den Bettelstab bringen, um dadurch selbst reich
zu werden; sie wollen, daß Hunderttausende obdachlos werden,
um sich selbst stolze Paläste bauen zu können; sie wollen immer
neue Hunderttausende ihr Leben auf den Schlachtfeldern unter
Qnalen aushauchen sehen, um selbst alle Tage herrlich und in
Freuden leben zu können. Solchen menschlichen Ungeheuern,
solchen wilden Tieren in Menschengestalt, ist Rat zum Frieden
Verrat und das zum Himmel aufsteigende Jammergeschrei der
in ihrem Blute Schwimmenden, der zahllosen Witwen und
Wajsen eine süße Musik für ihr geiziges, habsüchtiges, von der
Hölle entzündetes Herz.“ (Epistelpostille, S. 494.) F. P.

—

————

Die Schule der St. Matthäusgemeinde in New York.

Die St. Matthäusgemeinde in New York, die vor einem
Jahre ihr 250jähriges Jubiläum feiern durfte, hat in diesen
langen Jahren ihres Bestehens immer auch das Wohl ihrer
Jugend im Auge gehabt. Und da das Allerbeste, was man
der Jugend bieten kann, eine christliche Erziehung ist, so hat
die Gemeinde schon früh Gemeindeschulen eingerichtet.

Da die Parochie in den ersten sechzig Jahren das ganze
Hudsontal umfaßte, kam es in jener Zeit nicht zur Einrichtung
eigentlicher Schulen, obwohl die Pastoren und Eltern sich den
christlichen Unterricht der Jugend angelegen sein ließen. Erst
im Jahre 1754 wurde unter P. J. A. Weygand ein eigenes
Schulhaus gebaut und ein Lehrer angestellt, wahrscheinlich auf
Anregung des „Patriarchen“ der lutherischen Kirche in Amerika,
P'. H. M. Mühlenbergs, der die New Norker Gemeinde kurz

der Pastoren gehalten wird.

zuvor zeitweilig bedient hatte. Seitdem, also über 150 Jahre,
hat die Gemeinde mit einer kurzen Unterbrechung während des
Befreiungskrieges (1776 bis 1783) ihre Schule weitergeführt. —
Auch die erste englisch⸗lutherische Gemeinde in Amerika, die sich
1797 von der Muttergemeinde abzweigte, hatte an der Mott⸗
Straße ihre Schule in einem eigens dazu erbauten Schulhause.

Die deutsche Gemeinde führte ihre Schule von 1832 bis
1868 im unteren Raum der Kirche an der Walker-Straße.
Unter P. D. Karl F. E. Stohlmann kaufte sie im Jahre 1868
die Kirche an der Ecke der Broome⸗ und Elizabeth⸗Straße, und
zwar nahm man gerade dies Gebäude, weil es neben dem
eigentlichen Kirchenraum ein großes Erdgeschoß und zehn
Zimmer hatte, die sich vortrefflich zu Schulzwecken eigneten.
P. Stohlmann starb an demselben Tage, an welchem diese
Kirche eingeweiht werden sollte. Unter seinen Nachfolgern,
den Pastoren Georg Vorberg, D). Justus Ruperti und Johann
Heinrich Sieker, wurde die Schule treulich gepflegt und erreichte
unter der Leitung des seligen Direktor Edmund Bohm eine
Schülerzahl von 350. Damals war mit der Schule eine Aka⸗
demie verbunden, eine Hochschule für Knaben und Mädchen,
in welcher einige der Jünglinge so weit kamen, daß sie von
St. Matthäus direkt ins Predigerseminar eintreten konnten.
Etliche dieser St. Matthäus⸗-Zöglinge stehen heute noch in
unserer und andern Synoden im heiligen Predigtamt.

Hier an der Broome-Straße wurde in den Schulräumen
der St. Matthäusgemeinde auch das New Norker Progymna⸗
sium begonnen, das später nach Hawthorne und dann nach
Bronxville verlegt wurde. Etliche der Gemeindeschullehrer
unterrichteten auch im Progymnasium, besonders Direktor
Bohm, der der erste Direktor des Gymnasiums wurde und mit
demselben nach Hawthorne zog.

Im Jahre 1879 reichten die Räumlichkeiten im Kirchen—
gebäude nicht mehr aus, und die Gemeinde erbaute an der
Elizabeth⸗Straße ein fünfstöckiges Schulhaus 254100 Fuß.
Im Erdgeschoß war die Office des Direktors und ein großer
Spielraum für die kleineren Kinder. Auf den übrigen Etagen
befanden sich zehn Klassenzimmer und die Wohnung des Kirchen⸗
dieners. Da die Gemeinde damals eine Sonntagsschule von
1800 Kindern hatte, so war das Gebäude neben der Kirche auch
Sonntags bis obenhin gefüllt.

Nun kam die Zeit, da Juden, Italiener und andere Nicht⸗
lutheraner die Gemeindeglieder aus diesem Stadtteil verdräng—
ten, und die Schule schrumpfte infolgedessen so zusammen, daß
im Jahre 1906 das Schulgebäude in eine Fabrik verwandelt
wurde, und die Schule wieder in die Kirche zog. Im Jahre
1910 war es mit der Schule aus.

Aber inzwischen hatte die Gemeinde oben in der Stadt
eine Filiale eingerichtet, und unter dem ersten Pastor der—
selben, Martin Walker, entstand auch hier eine Schule. Im
Jahre 1909 wurde mit Kindergarten und den zwei ersten
Graden begonnen. Unter P. O. Ungemach kamen die übrigen
Grade hinzu, und heute hat die Schule 112 Kinder.

Der Unterricht wird gänzlich in englischer Sprache erteilt.
Doch wird in allen Klassen jeden Tag eine Stunde Deutsch
getrieben, und schon im Kindergarten lernen die Kleinen deutsche
Lieder und Gebete. Ein Oberlehrer, zwei Lehrerinnen und eine
Kindergärtnerin versehen den Unterricht. Jeden Morgen ver—
sammelt sich die ganze Schule zu einer Andacht, die von einem
Die Schule hat dieselben acht

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