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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Februar 1916, Seite 70

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S „Putheranes

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mehr an Verrücktheit. Ob die Welt, sofern sie noch etwas Ver⸗
stand hat, noch nicht bald von solchem Treiben angeekelt wird?
Aber so weit scheint man doch zu kommen, daß man dafürhält,
daß ein Land an einem solchen Narren genug hat. In Omaha,
Nebr., wollte ein Kongregationalistenprediger seiner zerfallenden
Gemeinde durch Sundays Methoden auf die Beine helfen. Sein
Auftreten leitete er ein: „Bisher war mein Name Rouse, von
jetzt ab soll er von Hindenburg heißen.“ Der Erfolg blieb aber
aus, und der neue Hindenburg sucht einen andern Beruf.

Daß Protestanten sogar in Rom wirken und da Kirchen
haben, darüber hat sich der Papst jüngst überaus heftig ausge⸗
sprochen. Er sagte: „Es ist eigentlich überflüssig, zu beweisen,
daß derjenige, der den Glauben raubt, den Namen eines Räubers
wahrhaft verdient. Aber was tun jene Sendboten des Satans,
die mitten in der heiligen Stadt Tempel errichten, in denen Gott
die wahre Ehre verweigert wird; die Pestkanzeln errichten, um
unter dem Volk Irrlehren zu verbreiten; die mit vollen Händen
Lüge und Verleumdungen gegen die katholische Kirche und ihre
Diener ausstreuen? Solch teuflische Machenschaften sind ebenso
viele überfälle auf den Glauben der Söhne Roms, und diese
überfälle sind um so gefährlicher, weil sie so häufig geschehen;
und sie sind um so hinterlistiger, weil sie nur allzuoft von den
Lockmitteln irdischer Vorteile begleitet sind. O ihr armen Fami⸗
lienväter, denen die kostenlose Erziehung der Kinder angeboten

wird um den Preis der Entfernung von der Kirche; arme Söhne,

denen eine Unterstützung für die kranken Tage der alten Eltern
versprochen wird unter der Bedingung, daß Eltern und Kinder
sich zur evangelischen Sekte bekennen! Es hat keinen Zweck, die
Gefahren, die dem Glauben der Söhne Roms drohen, noch weiter
zu beschreiben; es genügt ja, die Straßen dieser erhabenen Stadt
zu durchschreiten, um zu sehen, auf wieviel Art und Weise dem
katholischen Glauben nachgestellt wird, und hinterlistige Angriffe
auf ihn an seinem eigensten Sitz unternommen werden. Ebenso
ist es unnütz, viele Worte zu verlieren, um die ganze Niedertracht
solcher überfälle hervorzuheben, eben weil sie auf den Mittelpunkt
der katholischen Religion gerichtet sind. O es ist keine Gefahr
vorhanden, daß die Pforten der Hölle die übermacht gewännen!
Aber nichtsdestoweniger, wer wollte nicht zunächst den Schaden
beklagen, den diese heilige Stadt selber davon leiden, und dann
den Skandal, der in der katholischen Welt erregt würde, wenn
Luther und Calvin es erreichten, ihre Zelte in der Stadt der
Päpste dauernd zu errichten? . . . Jetzt ist es an der Zeit,
den Glauben unserer armen Mitbürger zu erhalten; jetzt ist es
an der Zeit, zu verhindern, daß jener verdammenswerte Raub
zu ihrem Verderben geschehe. Es scheint uns nicht, geliebte Söhne,
daß man unsern Worten den Vorwurf der übertreibung machen
könne, wenn wir all diese Angriffe auf den Glauben der Söhne
Roms als eine wahre Räubertat bezeichnen. Aber die Ver—
schwörung solcher Räuber muß zunichte gemacht werden durch eine
starke Organisation von Verteidigern des Glaubens, und diese be—
sitzt ihr in dem „Werk zur Erhaltung des Glaubens in Ron!“.“ —
Dieser heftige Ausbruch des Papstes hat allgemein überrascht und
befremdet. Die „A. E. L. K.“ leitet diesen Erguß mit folgenden
Worten ein: „Papst Benedikt XV. hat durch mehrere Außerungen
seiner gerechten und frommen Denkweise sich manche Sympathie
auch bei den Evangelischen erworben. Daher wollte es niemand
glauben, daß er jetzt mitten im Kriege bei der feierlichen An-
sprache an das ‚„Werk zur Erhaltung des Glaubens“ am 22. No—
vember die schwersten Kränkungen gegen die Protestanten ausge⸗
sprochen haben soll. Man hielt die Zeitungsberichte darüber für
ein Mißverständnis. Allein, nun bringt die ‚Deutsch⸗Evangelische
Korrespondenz“ vom 13. Dezember 1915 den vollständigen italie—
nischen Text mit der deutschen übersetzung, der nur tief betrüben

—

kann. Wir verstehen den Papst nicht und hoffen auch jetzt noch
auf eine Aufklärung. Wie ganz anders sprach sich der edle Bischof
Keppler über den Frieden der Konfessionen aus!“ — Auch Katho⸗
liken kam diese Explosion des Papstes unerwartet und zu dieser
Zeit ungelegen. Unter dem Stichwort „Aufklärung tut not“
druckt der „Bayerische Volksfreund“ die herausfordernde An⸗
sprache des Papstes ab und bemerkt dazu: „Wir verzichten auf
die Wiedergabe der Kritik, die die ‚Deutsch⸗Evangelische Korre⸗
spondenz‘ an diesem Bericht über die Ausführungen des Papstes
übt; denn es ist uns wahrlich nicht darum zu tun, in einer Zeit,
in der die deutschen Protestanten und Katholiken einmütig gegen
eine Welt von Feinden kämpfen und alle Konfessionsstreitigkeiten
ruhen lassen, neuen Streit anzufachen. Was wir mit dieser Ver⸗
öffentlichung bezwecken wollen, ist, daß sich maßgebende Stellen
dazu äußern, ob der Papst tatsächlich so gesprochen hat, oder ob
der Osservatore Romano dem Papst diese Worte in den Mund
gelegt hat in der Absicht, zwischen den deutschen Protestanten und
Katholiken Unfrieden zu stiften. Und wenn — wir hoffen das
Gegenteil — der Papst wirklich so gesprochen haben sollte, wie
der Osservatore Romano berichtet, dann werden sich die deut—
schen Katholiken und Protestanten für eine spätere Zeit vorbe—
halten können, wie sie sich zu diesen Außerungen stellen werden.“
— Merkwürdig, daß man das gar nicht fassen kann und glauben
mag, daß der Papst so geredet haben soll. Er hat da nur offen
seines Herzens Gefühle ausgesprochen. Daß er so in der Sache
denkt, ist doch leicht zu verstehen. Man kann höchstens fragen, ob
er weise gehandelt hat, gerade in diesen so erregten Zeiten so zu
reden. Und daß der „Burgfriede“, der schier alle Unterschiede des
Glaubens in allgemeine Gleichgültigkeit gegen Glauben und Lehre
aufzulösen drohte, gestört wird, ist kein Schade. Das braucht
auch der patriotischen Einmütigkeit keinen so großen Eintrag zu
tun. Katholiken und Protestanten können als Landsleute gegen
den Feind des gemeinsamen Vaterlandes Schulter an Schulter
kämpfen und dabei doch wissen, daß sie in Sachen des Glaubens
geschiedene Leute sind. Und je mehr sie das wissen und in den
Schützengräben davon reden, desto besser ist es. Und wenn die
echten Protestanten da ordentlich Verantwortung tun von der
Hoffnung, die in ihnen ist (1 Petr. 3, 15), dann ist das für die
Wahrheit viel besser als ein fauler „Burgfriede“. E. P.

Die alte Stadt Mansfeld, deren Name jedem Lutheraner
bekannt ist, hat kürzlich ihrem größten Sohn, Martin Luther, ein
herrliches Monument errichtet. Der junge Martin hat dort drei—
zehn Jahre seines Lebens zugebracht. Sein Vaterhaus steht noch.
Das Monument ist ein Brunnen; auf einem Block von Sandstein
steht der Knabe Luther, als Student gekleidet, einen Stab in
seiner Hand, den Ranzen auf dem Rücken, fertig, nach Magdeburg
zu reisen. Relieftafeln, ebenfalls in Bronze, zeigen die Porträte

der Eltern Martins, den Anschlag der 95 Thesen und D. Luther

als Prediger des ewigen Evangeliums. Die Grafschaft Mans⸗-
feld, deren größte Stadt Eisleben ist, erstreckt sich über Gebirge,
die teils zu Thüringen gehören, teils zum Harzgebirge. Die
Gebirge sind voll von Kupferadern und werden noch inmier;
miniert. Wie wir alle wissen, war Martins Vater selbst Berg⸗
niann, ehe er durch Fleiß und Sparsamkeit Teilhaber eines
Schmelzofens wurde.

In Großbritannien befanden sich vor dem Kriege 24 deutsche
Pastoren, von denen heute jedoch nur noch 4 anf ihrem Posten
sind, sämtlich in London. 20 sind entweder interniert oder nach
Deutschland zurückgekehrt. Die vier noch im Amt stehenden Pasto—
ren halten Gottesdienste in sieben Kirchen, deren Gemeinden an
Gliederzahl sehr abgenommen haben. Es ist ihnen auch erlaubt,
die Feldlager als Prediger des Evangeliums zu besuchen.
sie berichten, findet sich zu ihren Versammlungen eine große An⸗
zahl Zuhörer ein. (Z. u. A.)

Wie

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