Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 4 › Seite 68
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Februar 1916, Seite 68
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68
Der „Tuthsranet
und dieser Not nach Kräften abzuhelfen. Denn es ist kaum
möglich, mit großem Erfolg zu missionieren ohne diese Hilfs—
mittel. Ein Blatt ist unentbehrlich, um das Feld für den Mis—
sionar vorzubereiten. Gesangbuch und Katechismus sind nicht
weniger nötig, um die gesammelte Schar zu unterrichten.
„Ich will der Kommission ein Beispiel erzählen: Ich habe
letztes Jahr in M. mit mehreren Familien angeknüpft, die der
römischen Kirche den Abschied gegeben haben. Ich hatte aber
nichts Gedrucktes, was ich ihnen hätte zurücklassen können. Bei
einer Familie ließ ich mein einziges Exemplar des polnisch—
lutherischen Katechismus. Durch das Lesen dieses Katechismus
ist bei Vater und Mutter das Gewissen wach geworden. Nach
einem Jahre kam der Mann zu mir nach C. Indem er mir
seine geistliche Not klagte, bat er mich um Trost und Hilfe.
Ich tat mein möglichstes und bin überzeugt, diese Leute werden
durch Gottes Gnade gute Christen bleiben. Aus Mangel an
etwas anderm gab ich dem Vater etliche meiner Predigtmanu—
skripte mit. Wieviel mehr hätte ich ausgerichtet, wenn ich
einem jeden, mit dem ich schon in meiner Missionsarbeit in
Berührung gekommen bin, etwas Gedrucktes hätte lassen können!
Ein Missionsblatt ist ebenso notwendig, um die zerstreuten pol—
nischen Lutheraner zu sammeln und eine innere Verbindung
unter ihnen zu erhalten. Die Kosten würden sich schon in kurzer
Zeit selbst decken, wenn man nur den Mut hätte anzufangen
und das Werk fortzusetzen.
„Ich hoffe, die Kommission wird sich der Sache mit Lust
und Freude annehmen. Die Früchte werden nicht ausbleiben.“
So weit der Missionar. Es ist ohne Zweifel den andern
Missionaren aus der Seele herausgesprochen, was dieser eine
sagt. Die letzte Delegatensynode hat darum, überzeugt von
der dringenden Notwendigkeit fremdsprachiger Literatur, eine
besondere Kommission ernannt, die für solche Literatur Sorge
tragen soll. Es ist das die Fakultät des Seminars in Spring—
field. Diese wird sich ohne Zweifel sofort mit der Sache be—
fassen. Eine Gemeinde, die von dieser Not in Kenntnis gesetzt
wurde, bewilligte durch ihren Kirchenrat sofort 550 für den
Druck polnischer Literatur. Gewiß werden andere folgen um
der Sache des Reiches Gottes willen. J. D. Matthius.
——
Zur kirchlichen Chronik.
über die kürzlich in New Äork versammelte Lehrerkonferenz
haben die vier großen deutschen Zeitungen daselbst kürzere oder
längere Berichte gebracht. Der „New Yorker Herold“ berichtete in
seiner Weise unter dem 31. Dezember, wie folgt: „Gestern fand
die Jahresversammlung der Vorsteher der lutherischen Schulen
des Nordostens, welche hier in den Hallen der St. Johannes⸗
gemeinde, Ost 119. Straße, abgehalten wurde, ihren Abschluß.
Aus allen größeren Städten der Umgegend, wie Boston, Phila—
delphia, Paterson, Schenectady, New Britain, Meriden, Bristol,
Kingston, Holyoke usw., waren Vertreter erschienen. Der Be—
richt zeigte, daß fast alle lutherischen Schulen in den verschiedenen
Orten in voller Blüte stehen. Auch an vielen andern Orten macht
sich das Bedürfnis für diese Art Schulen bemerkbar. Nicht daß
die Lutheraner Feinde der öffentlichen Freischulen wären; nein,
mit Freuden bezahlen sie ihre Steuern zu deren Erhaltung; aber
diese Schulen können den Kindern nicht das geben, was vielen
Leuten von der größten Wichtigkeit ist. Und das ist nicht zum
letzten die Pflege der deutschen Sprache. In den Sitzungen des
Konbents spiegelte sich so recht der Geist dieser Schulen wider.
Alle anwesenden Lehrer waren im Lande geborne Amerikaner
und hatten ihre Ausbildung in diesem Lande genossen.
wurde allgemein bald in der deutschen Sprache vorgetragen und
debattiert, bald in der englischen, just, wie es das Thema er⸗
Auch in den brennenden Fragen der Gegenwart wußte
man ausgezeichnet Bescheid, da man neben der englischen auch
forderte.
stets eine deutsche Zeitung in der Tasche hatte.“ (Z. u. A.)
Zweckentsprechende, würdige Kirchengebäude.
bei einem Kirchbau sich Rat holen können.
in seinem Jahresbericht:
Amerika keinem Gegenstande weniger ernstliche Aufmerksamkeit
gewidmet als dem Charakter ihrer gottesdienstlichen Gebäude.
Während sie ihren Glauben sorgsam behütet und bewahrt und eine
Gottesdienstordnung angenommen hat, in der ihre Lehre und ihr
Glaube wunderbar schön zum Ausdruck kommen, hat sie doch den
Entwurf der Gebäude, in denen dieser Glaube gepredigt werden
Und doch!
Das General⸗
konzil hat von Synode wegen ein Komitee, bei dem Gemeinden
Dieses Komitee sagt
„Vielleicht hat die lutherische Kirche in
soll, und die doch auch in jeder Hinsicht ihrer Gottesdienstordnung ö
entsprechen sollten, oftmals Männern übertragen, die weder die
nötige Kenntnis von Kirchenarchitektur überhaupt noch irgendein
Verständnis für die Eigentümlichkeit des lutherischen Glau⸗
bens und lutherischen Kultus besitzen. Daher erklärt es
sich, daß Gebäude errichtet wurden, die alle Grundsätze eines .
korrekten Stiles verletzen und gänzlich verfehlen, die Idee, wenn
nicht das Ideal, unserer Kirche von der Gestalt eines würdigen 4
Gotteshauses zum Ausdruck zu bringen.“ — Der Berichterstatter
über ihre Synodalversammlung hat sich die Kirchen des Ortes
angesehen und berichtet:
große und ansehnliche Kirche.
noch die Fassungskraft des Gebäudes.
Orte, dem Altar gegenüber, aber der Altar selbst verschwindet fast
in seiner gedrückten Stellung unter der Kanzel. Auch die schwe⸗
dische Zionskirche in Rock Island, wo man zwar dem Altar und
der Kanzel den rechten Ort im Gotteshause angewiesen hat, macht ö
doch in ihrem ganzen Arrangement einen ziemlich „verunglückten⸗
Eindruck.“ Er erinnert die Leser daran: „Wir haben im General—
konzil ein offizielles Komitee für Kirchenarchitektur.“ Wir haben
kein solches Komitee. Nicht als ob es für ein solches unter uns
kein Arbeitsfeld gäbe. Man sieht und besucht zuweilen Kirchen,
wo einem ein solches Komitee stark in den Sinn kommt, und zwar
mit mehr als bloß beratender Gewalt.
und innere Ausstattung der Kirchengebäude ist ja gar nicht eine
Sache der Notwendigkeit und des Gewissens. Als die Papisten
gegen die Lutheraner die kindische Anklage erhoben: die Luthe⸗
raner seien der Greuel der Verwüstung an heiliger Stätte; das
könne man zum Beispiel daran sehen, „daß die Altäre nicht bedeckt
Versteht sich: die äußere x
„Die Schweden haben in Moline eine
Die geräumigen Galerien erhöhen .
Die Orgel steht am rechten
seien, nicht Lichter drinnen brennten und dergleichen“, da sagte
unser Bekenntnis: „So es schon also wäre, redet Daniel nicht von
solchen Dingen, die gar äußerlich sind und zur christlichen Kirche
nicht gehören, sondern meinet viel eine andere greuliche Ver—
wüstung, welche im Papsttum stark gehet, nämlich von Verwüstung 1
des nötigsten größten Gottesdienstes, des Predigtamts und Unter⸗
Denn bei den Widersachern predigt man
das mehrer' Teil von Menschensatzung, dadurch die Gewissen von x
drückung des Evangelii.
Christo auf eigene Werk' und Verxtrauen geführet werden..
Und wenn man gleich von äußerlichem Wohlftehen sagen sollt',
so sind unsere Kirchen besser gezieret denn des Gegenteils.
wöhnet sei und mit Fleiß und züchtig zusammenkomme, lerne
und bete.“ (Apol., S. 259 f.) — Ganz gewiß, eine Kirche, in der
reiner Gottesdienst im Schwange geht, und wenn es eine Block⸗
hütte oder ein Erdhüttlein wäre, ist viel schöner in Gottes und
Denn
der rechte äußerliche Kirchenschmuck ist auch rechte Predigt, rechter !
Brauch der Sakramente, und daß das Volk mit Ernst dazu ge⸗
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