Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 4 › Seite 62

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Februar 1916, Seite 62

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengemeinſchaften. 4„99

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6² S G„TuthiecranesSs

Zöllner.“ Und Eph. 5, 11 ermahnt Paulus alle Christen,
die damals lebten, und auch die, welche heute leben, wie auch
alle, die noch leben werden: „Habt nicht Gemeinschaft mit den
unfruchtbaren Werken der Finsternis; strafet sie aber viel⸗
mehr!“ Wo in der Kirche Gottes Wort recht gehandhabt, wo
reine Lehre und heiliges Leben gelehrt und geübt, dagegen
falsche Lehre und gottloses Wesen aus Gottes Wort gestraft
wird, da stehen die Stühle zum Gericht und sind nicht erst in
einem noch zukünftigen tausendjährigen Reich zu erwarten.

3. Das Regieren der Heiligen mit Christo.
Von den Heiligen wird gesagt: „Diese lebten und regierten
mit Christo tausend Jahre.“ Wenn von Chiliasten behauptet
wird, daß Christus vor dem Jüngsten Tag in verklärter, sicht⸗
barer Gestalt auf Erden erscheinen werde, so steht davon in
diesem Kapitel kein Wort. Wénn ferner von ihnen behauptet
wird, daß Christus ein herrliches sichtbares Reich auf Erden
haben werde, darin eitel Heilige sein werden, so steht auch
davon weder hier noch sonstwo in der Schrift ein Wort. Und
doch ist es wahr: „Der HErr hat ein Reich, und er herrschet
unter den Heiden.“ Dieses Reich ist seine Kirche, die Gemeinde
der Heiligen. Daß Christus jetzt schon in diesem Reich regiert
und herrscht, ist allen Christen bekannt; denn Gott hat ihn
„gesetzt zu seiner Rechten im Himmel über alle Fürstentümer,
Gewalt, Macht, Herrschaft und alles, was genannt mag werden,
nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen, und
hat alle Dinge unter seine Füße getan“. Und die Seinen herr⸗
schen, kämpfen und siegen mit ihm in diesem Reich. Schon im
45. Psalm heißt es von dem Messias: „Anstatt deiner Väter
wirst du Kinder kriegen; die wirst du zu Fürsten setzen in
aller Welt“; die sollen als Könige und Fürsten mit ihm herr⸗
schen in aller Welt. So lesen wir auch im 5. Kapitel der
Offenbarung: „Und hast uns unserm Gott gemacht zu Königen
und Priestern, und wir werden Könige sein auf Erden“, das
heißt, wir werden herrschen auf der Erde. 1 Joh. 5, 4:
„Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt;
und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“
Das heißt mit Christo herrschen, wenn man durch den Glauben
an ihn gesiegt hat. Wo Gottes Wort regiert, da herrscht der
Heiland mit seiner Gemeinde. Das geschieht schon jetzt und
nicht erst in einem noch zukünftigen tausendjährigen Reich.

4. Die erste Auferstehung. Bekanntlich wird von
Chiliasten behauptet, daß Christus vor dem Jüngsten Tag
sichtbar auf Erden erscheinen, und daß dann eine Anzahl der
Heiligen leiblich von den Toten auferstehen werden, um tau⸗
send Jahre mit Christo zu leben und zu regieren. Dies nennen
sie die erste Auferstehung und die allgemeine Auferstehung der
Toten am Jüngsten Tage die zweite Auferstehung. Eine solche
Unterscheidung aber ist der Heiligen Schrift gänzlich fremd.
Wo von der zukünftigen leiblichen Auferstehung der Toten ge⸗
redet wird, wird klar bezeugt, daß alle auferstehen werden,
die Guten und die Bösen. So sagt Christus Joh. 5, 28: „Es
kommt die Stunde, in welcher alle, die in den Gräbern sind,
werden seine Stimme hören und werden hervorgehen, die da
Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber
Übels getan haben, zur Auferstehung des Gerichts.“ Damit
stimmt auch vollständig, was Johannes Offenb. 20, 12. 13 von
der allgemeinen Auferstehung sagt, daß der Tod und die Hölle
die Toten gaben, die darinnen waren.

Wird aber in der Schrift vielleicht noch eine andere Auf⸗

erstehung gelehrt, die von der leiblichen Auferstehung wesent-⸗E
Es gibt auch eine geistliche

lich verschieden ist? Allerdings.
Auferstehung, die bei Lebzeiten eines Menschen stattfindet. So
wird zum Beispiel den geistlich Toten (den Ungläubigen) ge⸗
predigt: „Wache auf, der du schläfest, und stehe auf von den
Toten, so wird dich Christus erleuchten!“ Eph. 5, 14. Und
Eph. 2, 5 heißt es: „Da wir tot waren in den Sünden, hat
er uns samt Christo lebendig gemacht...
ihm auferwecket.“

wirket.“
durch den Glauben an JEsum geistlicherweise vom Tod der 1
Sünde aufersteht. Die erste Auferstehung ist die Bekehrung. ö

Wenn man sich nun im 20. Kapitel der Offenbarung die
Kennzeichen der „ersten Auferstehung“ ansieht, so findet man
da lauter Dinge, die der geistlichen Auferstehung eigen sind

und auf alle Gläubigen aller Zeiten Anwendung finden.
Johannes schreibt: „Selig ist der und heilig, der teil hat an

der ersten Auferstehung; über solche hat der andere Tod keine

Macht, sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein ö

und mit ihm regieren tausend Jahre.“
ersten Auferstehung, heißen „selig“.
preisungen in der Schrift, die allen Gläubigen gelten: „Selig
sind, die da geistlich arm sind, denn das Himmelreich ist ihr“;

Die teilhaben an der

„Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren“; 4
„O selig bist du, die du geglaubt hast“; „Selig sind, die nicht

sehen und doch glauben.“ Um also „selig“ zu sein, braucht
man nicht auf ein tausendjähriges Reich zu warten.

Die teilhaben an der ersten Auferstehung, heißen ferner
„heilig“.

Ferner: „über solche hat der andere Tod keine Macht.“
Der andere Tod ist nach V. 14 die ewige Verdammnis.

tausendjähriges Reich beschränken dürfen?

Endlich wird von denen, die an der ersten Auferstehung E
teilhaben, gesagt, daß sie „Priester Gottes und Christi“ sein
Priester Gottes ist einer der Ehrentitel, die alle

Schon Jesaias sagt von denen, die im
Reich des Messias leben: „Ihr aber sollt Priester des HErrn .
heißen“; und Petrus ermahnt die Christen seiner Zeit: „Ihr

werden.
Gläubigen tragen.

als die lebendigen Steine bauet auch zum geistlichen Hause und
zum heiligen Priestertum, zu opfern geistliche Opfer, die Gott
angenehm sind durch IEsum Christum.“

was nicht bei jedem Kinde Gottes hier in dieser Zeit zuträfe.
Wir sehen auch hier nichts, was der Annahme widerspräche,

daß Offenb. 20 unter der „ersten Auferstehung“ die Bekehrung 4
bußfertiger Sünder und unter dem tausendjährigen Regieren
Christi mit seiner Gemeinde sein Regieren mit dem Evan⸗

gelium zu verstehen ist.

Ein tausendjähriges Reich, wie es von Chiliasten gelehrt

wird, ist nach der Schrift nicht zu erwarten. Einmütig lehrt

die Schrift, daß Gottes Reich hier auf Erden durch die Predigt U
des Evangeliums gebaut und erhalten wird, ein Reich, in dem

und hat uns samt

So schreibt auch Paulus den Christen zu .
Kolossä: „Ihr seid auferstanden durch den Glauben, den Gott
Das ist die erste Auferstehung, wenn ein Mensch

Man lese doch die Selig⸗ *

Heilige sind nach der Schrift „die Geheiligten in
Christo IEsu“ in den Gemeinden: die Kirche, „die Gemeinde
der Heiligen“, die mit Christo durch den Glauben von Sünden
auferstanden sind. ů

ist der selige Trost aller Gläubigen, daß sie dem ewigen Feuer
entronnen sind. Mit welchem Rechte würde man diesen Trost, H
der doch allen Christen gemein ist, auf ein noch zu erwartendes

Es wird also V. 6
von den Leuten der „ersten Auferstehung“ nichts ausgesagt.

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