Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 4 › Seite 73

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Februar 1916, Seite 73

61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74

Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner72_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

⤓ Download .txt · copy text

Ner „Dutheraneds

— ,

73

*

Ströme von Tränen stürzten dann aus meinen Augen und netzten
die Bibel. Nach langem Weinen breitete sich das Licht der Gnade
Gottes in meiner Seele aus, und ich stand in göttlichem Frieden
von meinem Kerkerboden auf. Ich hatte Heil gefunden.“

—

'in seliges Kind.

Der fromme Johann Heermann — er hat gedichtet das
schöne Lied „Herzallerliebster IEsu“ — lebte lange im Hause
des Valerius Herberger. Aus diesem lieben Hause nun erzählt
er eine anmutige Geschichte:

Schon lange ist's her, daß ein gottseliger Kirchendiener ein
Knäblein hatte, etwa sechs Jahre alt. Dasselbe fiel in eine ge—
fährliche Krankheit und betete sehr fleißig, daß sich männiglich
darüber zum höchsten verwunderte. Als ihn zur Zeit die Mutter
fragte, was er machte, sprach er: „O liebe Mutter, ich wollte
gern JEsun sehen.“ „Wo willst du ihn sehen, liebes Kind?“
szprach die Mutter. Der Knabe antwortete: „Im Himmel, im
ewigen Leben.“ Die Mutter fragte ferner: „Wann wirst du
hinkommen?“ „O gar bald, gar bald“, sagte er. „Nun recht“,
sprach die Mutter nicht ohne Tränen, „was hat aber Christus
für dich getan, daß du dich seiner also tröstest?“ Der Knabe
streckte seine beiden Armlein aus mit den Worten: „Liebe Mutter,
so ist er für mich am Kreuze gestorben!“ Und unter solchem Aus⸗
strecken der Arme ist er seliglich entschlafen.

Ewigkeit.

Eine Gesellschaft ergötzte sich an allerlei Spielen und
Scherzen. Zuletzt gab man Rätsel auf. Ein alter Christ
fragte: „Welches ist wohl das längste Wort?“ Darauf rieten
die andern allerlei, zum Beispiel Oberlandesgerichtspräsident,
Obertelegraphenassistentengattin usw. Aber der Alte wollte alle
diese Wörter nicht gelten lassen. Endlich fragte man ihn: „Nun,
Großvater, was ist's denn?“ Da sagte er ihnen: „Das längste
Wort heißt „Ewigkeité.“ „Und welches ist das kürzeste?“ Wieder
fand niemand das Richtige. „Das kürzeste Wort“, sagte der
Greis, „heißt — jetzt'“, denn es dauert nur einen Augenblick.“

Laßt uns alle bedenken, daß wir das „Jetzt“, die schnell
dahineilende Zeit, so gebrauchen, daß wir uns vor der Ewigkeit
nicht entsetzen müssen!

h ˖ ?-BP
Todesanzeige.

Aus den letzten Nummern des „Lutheraner“ haben wir ge—
sehen, daß Gott gar manchen treuen Diener am Wort aus unserer
Mitte zu sich gerufen hat. Auch mir ist der Auftrag geworden,
über das Absterben eines treuverdienten Pastors zu berichten. Es
ist unser lieber Bruder P. Georg Mohr, den Gott nach nur
fünftägiger Krankheit von uns genommen hat. Derselbe wurde
am 22. November 1846 in Schaafheim, Hessen-Darmstadt,
Deutschland, geboren, getauft, christlich geschult und konfirmiert.
Dauer ein aufgeweckter und begabter Knabe war, sollte er sich
auf Wunsch seiner Eltern auf das Schulamt vorbereiten. Er war
auch in seinem Studium schon so weit vorangeschritten, daß er in
einer Anstalt als Aushelfer dienen konnte. Im Hause des Herrn
Achenbach, eines Bruders unsers seligen P. L. Achenbach, wo er
viel verkehrte, hörte er von . Wynekens „Notruf“, der die große
Predigernot in Nordamerika schilderte. Dieser „Notruf“ bewog
ihn, nach Amerika auszuwaudern und dem SErrn in seiner
Kirche daselbst zu dienen. Zunächst besuchte er die Brunnsche

St. Louis ein.

Anstalt in Steeden und studierte dort drei Jahre. Mit mehreren
jungen Männern aus jener Anstalt wanderte er im Jahre 1867
nach Amerika aus und trat in das theologische Seminar in
Nach wohlbestandenem Examen übernahm er die
Gemeinde in Purcells, Ind., und wurde dort im Sommer 1869
ordiniert und eingeführt. Vier Jahre stand er dieser Gemeinde
vor. Dann nahm er einen Beruf an die lutherische Gemeinde in
Holland, Ind., an und amtierte dort zwei Jahre. Im Jahre
1875 wurde er von der Gemeinde bei Stacers, Ind., berufen.
Da wirkte er am längsten, nämlich 27 Jahre. Krankheitshalber
mußte er hier sein Amt niederlegen. Nach einem Jahre erholte
er sich wieder so weit, daß er einen Beruf an eine Gemeinde bei
Champaign, Ill., annehmen konnte. Hier wirkte er noch sieben
Jahre. Im Jahre 1910 mußte er das Amt wieder niederlegen.
Er verzog nach Evansville, Ind., wo er sich dauernd niederließ.
Hier hat er oft in den beiden hiesigen Gemeinden den Pastoren
ausgeholfen. Am 7. Januar erkrankte er an der Grippe. Am
11. Januar empfing er das heilige Abendmahl. Sein Zustand
schien gar nicht so gefährlich zu sein. Aber schon nach etlichen
Stunden trat eine Wendung zum Schlimmeren ein, die eine bal⸗
dige Auflösung andeutete. Seine letzten Stunden waren trotz
des Todeskampfes herzerquickend für die Umstehenden. Am
12. Januar frühmorgens ist er eingeschlafen. Sein Alter brachte
er auf 69 Jahre, 1 Monat und 22 Tage. Er hinterläßt seine
trauernde Witwe Luise, geb. Boßecker, mit der er 46 Jahre in
glücklicher Ehe gelebt hat. Am 14. Januar wurde er christlich
bestattet. Im Hause amtierte bei der Leichenfeier sein alter
Freund, P. C. A. Frank, und hielt eine Rede über 1 Mos. 48, 21.
In der St. Pauluskirche hielt der Unterzeichnete die Leichenpredigt
über 1 Kor. 15, 55—58. P. W. G. Polack predigte englisch über
Dan. 12, 3. Am Grabe wurde die Leiche vom Unterzeichneten
eingesegnet. Gott tröste die hinterlassene Witwe!

O Jerusalem, du Schöne,

Ach, wie helle glänzest du!

Ach, wie lieblich Lobgetöne

Hört man da in sanfter Ruh'!

O der großen Freud' und Wonne!

Jetzund gehet auf die Sonne,

Jetzund gehet an der Tag,

Der kein Ende nehmen mag.

E. W. Heinicke.

— ———ͤ⅛——
Uene Drucksachen.

Alle an dieser Stelle angezeigten Bücher, Musikalien, Bilder usw. kön⸗
nen durch das Concordia Publishing Honse, St. Louis, Mo., zu den bei⸗
gefügten Preisen bezogen werden. Wo eine andere Bezugsquelle angegeben
wird, wolle man, bitte, bemerken, ob zu besorgen, falls nicht vorrätig.

Synodalberichte des Jahres 1915. 8. Süd⸗Illinois⸗Di⸗
stritt. 92 Seiten. Preis: 18 Cts. Sa. Kansas-Distrikt.

60 Seiten. Preis: 12 Cts. Concordia Publishing House, St.

Louis, Mo.

Das Urteil des lutherischen Grundbekenntnisses, das ist, der Augs-—
burgischen Konfession, über das römische Meßopfer hat der
Referent, Prof. W. H. T. Dau, dem Süd⸗Illinois Distrikt in sehr gründ—
licher Weise vorgetragen. Aus den symbolischen Büchern der römischen
Kirche sowie aus den gelesensten und sichersten alten und neuen römischen
Quellen mehr privaten Charakters hat er gezeigt, wie die römische Kirche
ihr tägliches Meßopfer feiert und als höchsten Gottesdienst will angesehen
und geehrt haben, wie es aber dem Worte Gottes zufolge in Wirklichkeit
geschieht zu Schmach dem Leiden und Verdienst Christi, der mit seinem
einen Opfer auf Golgatha in Ewigkeit volleudet hat, die geheiligt
werden. Jeder lutherische Christ, der unter Katholiken wohnt, kann hier
lernen, was es für ein antichristischer Glaube ist, dem sein katholischer
Nachbar anhängt. — Und was es ist um den Kampf des Geistes
wider das Fleisch, das kann er in dem schönen Referate des Kansas⸗

English translation

Not yet translated.