Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 4 › Seite 67
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Februar 1916, Seite 67
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8Der „Tutheraneß S 67
Rärias Keuschheit rühmt); 2. weil er gekreuzigt worden und
halso ein übeltäter sei. Ich kam erst zu Worte, als der Türke
oom lauten Schreien heiser geworden war. Es war nicht
schoer, den Leuten zu zeigen, daß schon mancher unschuldiger⸗
weise bestraft worden, und die Kreuzigung daher kein Beweis
der Schuld sei. Der Mohammedaner drückte sich, als ich fer⸗
ner zeigte, wie er mit der Wahrheit umging. Erst behauptete
JDer, daß IEsus noch im Grabe ruhe; dann leugnete er wieder,
daß er überhaupt gestorben sei. — Auf dem Markte wurde ich
1 viele Traktate los; auch einige Bibelteile wurden von den
1 euten gekauft.
e. Kassierergeschäfte. Was mich oft von der Mis—
sionsarbeit abhält, sind die mancherlei Sekretärs⸗ und Kas⸗
siererpflichten. Die Bankanweisungen zu schreiben, nimmt ja
nicht viel Zeit in Anspruch, aber es müssen auch so viele Briefe
ö dazu geschrieben werden, und jeden Monat sind die Monats-⸗
rechnungen zu prüfen, und die Bankrechnung muß besorgt und
opiert werden. Die eigene Monatsrechnung darf auch nicht
vergessen werden. Das Book Depot macht zwar nicht viel
Geschäfte, aber viel Arbeit. Meine Korrespondenz schließt alle
Nissionare ein. Seit dem 1. Januar 1915 habe ich schon
487 Briefe und Karten geschrieben, und das in den „schläfrigen
Indien“, wie sich einmal ein lieber Verwandter in Amerika
ausdrückte!
f. Vaterpflichten. Diese gehören zwar nicht in den
Quartalbericht, lassen sich aber in Indien keineswegs igno—
rieren, weil man sie nicht auf Lehrer und andere übertragen
kann. Wenn meine Frau nicht täglich das Schulzepter schwänge,
würden meine Kinder jedenfalls nicht genügend unterrichtet
werden. Religionsunterricht und Englisch sowie Rechnen bleibt
mir doch meist überlassen. Viel mehr als eine bis anderthalb
Stunden kann ich am Tage kaum dem Unterricht meiner Kinder
Uwidmen, und wenn ich beim Unterricht bin, kommt sicher irgend
jemand, der mich sprechen oder ein Schulbuch kaufen will. Wo
leibt nun die Zeit für das Studium?
g. Studium. Die noch übrige Zeit muß fürs Studium
ausgekauft werden. Die übersetzung und überarbeitung der
übersetzung des Katechismus in die; tamulische Sprache hat
1 manche Stunde ausgefüllt. Dazu mußte ich mich brieflich mit
den andern Gliedern des Komitees verständigen. Sodann habe
ich es mir zur Aufgabe gemacht, täglich, wo möglich, ein paar
Zeilen Griechisch oder Hebräisch in der Bibel zu lesen.
Das interessante Studiun der Hindustanisprache habe ich
so gut wie an den Nagel hängen müssen, weil keine Zeit übrig
war; und doch erfahre ich es immer wieder, wie nützlich mir
die Kenntnis auch dieser Sprache wäre.
ö Anhang zu „Schulen“. In dem großen Paria—
dorf habe ich eine Abendschule für solche Knaben, die am Tage
nicht zur Schule kommen können, weil sie arbeiten müssen, ein⸗
gerichtet. Es sind über 20 Kinder und junge Burschen er—
schienen. Leider kann ich noch nicht genng Aufmerksamkeit
dieser nenen Einrichtung widmen. Die Zukunft muß auch
zeigen, ob die Abendschule weiter durchzuführen ist.
So weit Missionar Naumanns Bericht. L. F.
Alle Gläubigen müssen wirken, nicht um ihretwillen, son—
dern um der andern willen, daß sie denselbigen dienen.
(Luther.)
Nachrichten ans unsern Missionen.
Innere Mission. Südliches Idaho. Im Jahre 1901
wurde in der Nähe des Yellowstone Park mit der Mission im
südlichen Teile des Staates Idaho der Anfang gemacht. Zwei
Predigtstationen mit 80 Seelen bildeten das Gebiet. Zwei
Jahre hernach kam ein zweites Gebiet hinzu, fast 400 Meilen
von Squirrel entfernt, ganz an der Grenze Oregons. Da
hatten wir nun fünf Predigtstationen, 130 Seelen, zwei Mis⸗
sionare. Drei Jahre später hatten wir schon neun Stationen,
die von drei Missionaren bedient wurden. Von 1909 bis 1912
war die Seelenzahl auf nahezu 500 gestiegen. Manche Ent⸗
täuschung wurde den Missionaren zuteil, manche Strapazen
mußten sie durchmachen, manche Versuchung trat an sie herau,
mauche Hindernisse stellten sich in den Weg, aber deimoch ging
das Werk des HErrn voran. Denn schon im Jahre 1913
hatten wir an unsern 13 Stationen eine schöne Seelenzahl,
die von fünf Pastoren nach bestem Vermögen bedient wurden.
Sichtlich hat der HErr unsere Missionsarbeit in den letzten zwei
Jahren gesegnet. Nicht nur ist die Zahl der Gemeinden und
Predigtplätze auf 24 gestiegen, sondern die Seelenzahl hat
sich auch in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt. Zurzeit
bedienen sechs Missionare mehr als 1100 Seelen, und es scheint,
als ob die Mission erst im Werden begriffen ist. Nicht nur sind
die klimatischen Verhältnisse fast ideal, sondern Gott hat es
auch an einem äußerst fruchtbaren Boden nicht fehlen lassen.
Viele Lutheraner tragen sich auch gerade jetzt mit dem Ge—
danken, sich in Idaho niederzulassen. Und wer nur immer
diese fruchtbare Hochebene kennt, kann Gott nicht genug danken
für den Segen, den er über uns ausschüttet. Wir sehen daher
auch in diesem Staate einem festgegründeten lutherischen Zion
entgegen. Wir bitten die lieben Glaubensgenossen, die sich hier
ankaufen wollen, nicht blindlings irgendwo sich niederzulassen,
sondern da, wo wir bereits ein Häuflein gesammelt haben, oder
wo doch Aussicht ist, daß dort bald regelmäßig Gottesdienst
stattfinden wird. Man wende sich in diesen Sachen an irgend—
einen Pastor in Idaho. Wie einst Samuel, so können auch wir
nicht umhin, ein Ebenezer, einen Denkstein, zu errichten zum
Lobe Gottes. Wir bekennen: „Bis hieher hat uns Gott ge—
bracht durch seine große Güte“; wir danken: „Hab' Lob und
Ehre, Preis und Dank für die bisher'ge Treue“; wir flehen:
„Hilf ferner auch, du treuer Hort, hilf uns zu allen Stunden!“
Segne auch fernerhin unsere Süd⸗Idaho-Mission zu deines
Namens Ehre und zu vieler Seelen Heil! F. E. Traub.
Polenmission. Wie in allen unsern fremdsprachigen Mis—
sionen, so fehlt es auch in der Polenmission an der dem Mis—
sionar beim Missionieren so nötigen Literatur. Darüber spricht
sich einer unserer Missionare in einem Brief an die Missions⸗
kommission folgendermaßen aus: „Ich habe einen neuen Mis⸗
sionsplatz in P. angefangen, und Gott wolle helfen, daß es
gelingen möge! Die Schwierigkeit liegt darin, daß wir keine
Gesangbücher in lateinischem Druck und auch keine Katechismen
und Biblischen Geschichten haben. Für den Anfang habe ich
einige Lieder drucken lassen. — Am notwendigsten ist aber ein
Missionsblatt in polnischer Sprache. Ich habe die Notlage
unserer C.-Konferenz vorgelegt und sie um die nötigen Geld—
mittel gebeten. Die Konferenz hat beschlossen, die Sache nach
Kräften zu unterstützen. Ich möchte daher die Kommission sehr
bitten, die Sache so bald als möglich in Beratung zu ziehen
. N
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