Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 4 › Seite 66

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 15. Februar 1916, Seite 66

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66 S Der V„TutheranedSs

Es ist sehr gut und heilsam, daß sich der Missionar beim
Beginn eines neuen Vierteljahres vergegenwärtigt, was er in
den letzten drei Monaten getan und nicht getan hat, und einen
Bericht darüber schreibt. Sollte ich nun schreiben, was ich alles
nicht getan habe, und wieviel nötige Arbeit liegen geblieben ist,
die einen gewissermaßen anklagt, so würde es einen langen
Bericht geben. Ich will mich diesmal damit begnügen zu er—
zählen, was ich vom 1. Juli bis zum 30. September 1915 ge—
trieben habe.

a. An der Gemeinde. Der Missionar ist Pastor
seiner Gemeinde. Darum hielt ich jeden Sonntag Gottesdienst
mit Predigt (einmal in Ambur) und legte die Evaͤngelien den
Leuten aus. Die Christenlehre haben wir in der Woche, Mitt⸗
wochabends um ½6 Uhr. Wir waren Anfang Juli im Kate⸗
chismus bei der Himmelfahrt Christi und stehen jetzt bei der
Erhaltung im Glauben. Man merkt jedesmal, wie wenig
unsere Christen vom Katechismus noch verstehen, und wie nötig
daher der Unterricht ist. Warum aber haben wir das Katechis⸗
museramen nicht am Sonntagnachmittag? Am Sonntag findet
hier der Wochenmarkt statt, wo auch unsere Christen ihre Ein⸗
käufe machen, und der Missionar benutzt die Zeit, um mit seiner
Familie eine deutsche Predigt zu lesen.

Von den Neugetauften ist leider einer, Nijanamuttu, ins
Heidentum zurückgefallen. Seine Eltern und Verwandten hat—
ten für ihn eine Hochzeit arrangiert, und während ich zur Kon—
ferenz in Ambur war, überredeten sie ihn, durch eine sehr ein⸗
fache Zeremonie sich vom Christentum loszusagen. Mehrere
Versuche, ihn zu besuchen und mit ihm zu sprechen, schlugen fehl.
Jetzt kommt er, da ihn wohl der Hunger plagt, um bei mir
Gärtnerdienste zu tun. Vielleicht gibt Gott Gnade, daß er
seine schwere Sünde einsieht und zur Kirche zurückkonimt.

b. Katechumenen. Eigentlich kann man die Leute
in Bellampatti noch kaum so nennen, wiewohl ich nun zwei
Jahre dahin gehe; denn der weiten Entfernung wegen komme
ich nur einmal den Monat in das Dorf, und dann kann ich
keinen regelmäßigen, fortlaufenden Unterricht halten. Wenn
ich jetzt ein kleines Haus zur Unterkunft baue, kann ich vielleicht
zeitweilig einen Lehrer hinsetzen.

Kuppanan, der Führer, ein Sudra (höheres Kastenglied),
möchte gerne in seinem Dorf in public“, wie er sich ausdrückt,
getauft werden. Er ist auch wieder hier zur Kirche gekommen,
so daß man wohl annehmen kann, daß er die Furcht vor den
Parias überwunden hat und auf dem besten Wege ist, seine
Kastenvorurteile abzulegen.

Es macht mir viel Sorge, daß ich in Bellampatti nicht
vorwärtskomme; aber es ist kaum möglich, mehr zu tun. Auch
für den Bau muß noch eine günstigere Zeit abgewartet werden.

c. Schulen. Der Besuch der Schulen war im letzten
Quartal folgender: ö

Juli. August. September.
Erste Schule (Stadt 86 9¹ 82
Pariacherischulsss 33 30 29
Chettiampattischulss 17 17 17

Die Zahlen stellen den Schulbesuch am Ende jedes Monats dar.

Lehrer Samuel gibt den Religionsunterricht in der ersten
Schule ganz und einige Stunden in den beiden andern Schulen.
Ich selbst besuche täglich wenigstens eine Schule, gebe eine Re—
ligionsstunde und überzeuge mich, daß auch in den andern
Fächern ordentlich gearbeitet wird.

Die oberen Klassen, der dritte und vierte „standardꝰ der

ersten Schule, sind fast ganz entvölkert, so daß ich nur wenig
Katechismusstunden, aber mehr biblische Geschichtsstunden in

den niederen Klassen gegeben habe.

d. Heidenpredigt.
mehr getan werden. Wo aber soll der Missionar die Zeit her⸗
nehmen? Früh auf Heidenpredigt gehen und dann noch die

Schulen versehen und, was es an anderer Arbeit noch gibt,

besorgen, ist fast unmöglich. Nur dreimal bin ich frühmorgens
auf die Dörfer gefahren. Höhere Kasten weichen mir aus

oder wollen nur Englisch sprechen. Die Sudras sind ganz ge⸗ ö

mütliche Leute. Was von ihnen auf dem Lande wohnt, ist
ziemlich dummes Volk. Ihre Götzen beten sie an, weil es so
Mode ist, weil ihre Väter dasselbe getan haben.
den stummen Götzen, wie sie geführt werden. Sündenerkennt⸗
nis findet man wenig und Angst vor dem Tode auch nicht.
Ehe man darum von Christo predigt, muß man sie erst aus
dem Sündenschlafe aufrütteln. Es scheint auch oft, als stimm⸗

ten sie dem zu, was der Missionar von ihren Sünden sagt, 1

und sie geben zu, daß Gott nicht anders handeln kann, als sie
verdammen.

und es interessiert die allerwenigsten, was nun der Missionar

von der Gerechtigkeit Christi, von der Vergebung der Sünden 4

und vom ewigen Leben sagt. Wie schön müßte es sich pre⸗

digen lassen, wenn da Leute wären, die fragten: „Was muß

ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe?“
In der Stadt habe ich mehrere Male, gewöhnlich abends,
Straßenpredigten gehalten. Eine unendlich schmutzige Gasse,

die an einem Tempel vorbeiführte, gab Anlaß zu einer Predigt
über Schmutz und Unreinigkeit des Herzens. Wie der Schmutz

vor dem Tempel den Leuten als etwas Alltägliches nicht auf⸗

fällt, so leben sie auch in ihrem Sündenschmutz dahin und be⸗
denken nicht, daß sie doch sollten Tempel des heiligen Gottes

sein. Wie sie jahrelang an Geldschulden tragen, wie Groß⸗

väter noch nicht bezahlt haben, was sie bei ihrer Hochzeit ge⸗ 1

borgt haben, so drückt sie auch nicht die täglich sich häufende
Sündenlast. Wie kann man von der Sünde rein werden?

1. Nicht durch selbsterwählte heilige Werke, als Wallfahrten,

Opfer, Almosen und dergleichen, sondern 2. durch das Blut
IEsu Christi, des Sohnes Gottes.

mein Fahrrad Auskunft haben will, ein anderer nach einem
Traktat verlangt, oder daß, was gewöhnlich der Predigt eine
andere Richtung gibt, Zwischenfragen gestellt werden. Hier

in diesem Falle war es ein junger Katholik, der mich fragte,‚

ob man den Sohn vor der Mutter anbeten solle.
eine satanische Bosheit gehört doch dazu, die Heiden zur An⸗
betung der Maria aufzufordern!
vor diesem Afterchristentum der römischen Kirche warnen.

Auf dem Wochenmarkte am Sonntag fand ich bald eine
kleine Zuhörerschaft, die sich schnell vermehrte, als ein junger,
reichgekleideter Mohammedaner in die Schranken trat, um

mieine Predigt zuschanden zu machen. Ich predigte von der

Gerechtigkeit Christi.

Auf diesem Gebiet sollte viel

Sie dienen

„Nun ja, so fahren wir denn zur Hölle wie ö
unsere Väter auch“, so sprechen sie, und dabei bleiben sie stehen,

So predige ich denn mit
allerlei Unterbrechungen, die dadurch entstehen, daß einer über

Da mußte ich die Heiden E

Dagegen wollte er beweisen, daß Chri⸗
stus keine Gerechtigkeit habe: 1. weil er nicht wie wir von
Vater und Mutter geboren sei (diese fanatischen Mohamme⸗
daner entblöden sich nicht, die reine Jungfrauengeburt Christi
mit ihrem Schmutz zu besudeln, obwohl ihr eigener Koran!

so
we
die

do
nie

sch
die
zei

der

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