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Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. April 1916, Seite 157
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Cvangelium, zu verkindigen
denen, die auf Erden sißen
und wohnen, und allen Hei-
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drunnen. Offb. Joh. 14, 6.7
—.— — *
—.— — —4
* —
Berausgegeben von der Deutschen Evangelisch⸗Lutherischen Suynode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigiert von dem Lehrerkolleginm des theologischen Seminars in St. Lonis.
72. Jahrgang.
Ht. Louis, Mo., den
25.
Ryril 1916. Nr. 9.
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Unser Hoherpriester.
Hebr. 9, 11—15.
Es ist eine feine Erziehung Gottes gewesen, die er mit
dem Volke des Alten Bundes vornahm, wenn er nur in den
Vorhof des Tempels das ganze Volk, dagegen in das Heilige
die Priester und ins Allerheiligste den Hohenpriester eintreten
ließ. Auf Schritt und Tritt sollte das Volk erinnert werden
an die Macht der Sünde — denn unsere Untugenden scheiden
uns und unsern Gott voneinander — und an die Macht der
göttlichen Gnade; denn es gefiel Gott wohl, unter seinem
Volke zu wohnen. Aber doch ist das alles nur ein Schatten
der wahren, der zukünftigen Güter gewesen. Der Aufwand
bei den Opfern des Alten Bundes ist wohl groß gewesen, so
groß, daß wir hie und da einmal unsere faulen, trägen Chri⸗
sten hineinführen möchten in jene hohen Anforderungen, welche
Gott der HErr an Hab und Gut seines Volkes stellte. Aber
dennoch war es nur „der Ochsen und der Böcke Blut“, also in
keinerlei Weise etwas, was den Riß zwischen Gott und den
Menschen gründlich hätte ausbessern können. Das Opfer und
der Priester und der Tempel — alles ist unvollkommen und
irdisch gewesen und konnte einzig und allein unter göttlicher
Geduld etwas helfen und einen Trost aus der göttlichen Gnaden⸗
fülle gewähren.
In welch selige Zeiten sind doch wir geraten! Wir haben
auch einen Hohenpriester, aber nicht wie jene. Wir haben
„Christum, der sich selbst ohne allen Wandel Gott geopfert hat“.
Das will etwas heißen. Geht einmal auf die Straßen dieser
Welt und seht, ob ihr einen Menschen findet „ohne allen
Wandel“, ohne Flecken und Makel! Geht in die Paläste der
Großen und in die Hörsäle der Gelehrten, sucht in den Prunk⸗
gemächern der Reichen und in den Hütten der Armen: nir⸗
gends findet ihr einen Menschen „ohne Wandel“. In der
Heiligen Schrift finden wir einen, das ist Christus, unser
SErr. Darum rufen wir in dieser Osterzeit Himmel und
Erde, Engel und Menschen auf und sagen: „Freut euch mit
uns! Wir haben einen Hohenpriester gefunden ohne Tadel,
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der imstande war zu suchen und zu sühnen und selig zu machen,
was verloren ist.“
Ach, wie hat es uns in der perflossenen Passionszeit so
wohl getan, seinen Fußtapfen nachzugehen im Leben, wo sie
triefen von Liebe und Erbarmen, im Leiden, wo sie zeugen
von Demut und Geduld, und im Sterben, wo wir sahen den
Heiligen Gottes, der, ohne Sünde, Sünde trägt, und der den
Ungerechten die vollste Gerechtigkeit zuvendet! „Einen solchen
Hohenpriester sollten wir haben, der da wäre heilig, unschuldig,
unbefleckt, von den Sündern abgesondert und höher, denn der
Himmel ist.“ Er ruft seinen Feinden zu: „Welcher unter euch
kann mich einer Sünde zeihen?“ Sie hätten es gerne getan,
aber sie fanden nichts. Darin müssen Juden und Heiden,
Herodes und Pilatus und die Hohenpriester zusammenstimmen.
Wir aber ergreifen es mit Freuden. So ist denn doch auf der
ganzen weiten Welt, die mit der Flut der Sünde überschwemmt
ist, ein Punkt zu finden, wo das Täublein unserer Seele Ruhe
finden kann. Wir haben einen Heiligen, einen Reinen, einen
Hohenpriester, der vor Gott treten und ein reines Opfer dar⸗
bringen kann in seinem Blut. Das ist unser Hoffnungsanker.
Von ihm haben wir teure Zusagen. Er kann unser Ge⸗
wissen reinigen von den toten Werken. Das ist eins. O wie⸗
viel ist damit gegeben! Tote Werke gibt es in der Welt mehr
als genug. Wir meinen nicht Werke, die den Stempel der
Vergänglichkeit schon an sich tragen, sondern Werke, die oft
gar schön ausstaffiert sind mit dem Gepräge der Heiligkeit;
aber die Selbstgerechtigkeit und Eitelkeit des natürlichen Geistes
sind darin Meister, und darum tragen sie den Tod in sich und
führen uns zum Tode. Auf solche Werke der eigenen Gerechtig⸗
keit konnten sie denken, da kein Erlöser war — in der Zeit des
Gesetzes. Aber nun ist der verheißene Hohepriester da, der
uns einen neuen und seligen Weg zeigt. Es gilt, rein zu wer⸗
den von allem Eigenen und Irdischen: sein Blut tritt süh⸗
nend ein. Da sage ich:
Nichts kann ich vor Gott ja bringen
Als nur dich, mein höchstes Gut:
IEsu, es muß mir gelingen
Durch dein rosinfarbnes Blut.
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