Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 9 › Seite 166

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. April 1916, Seite 166

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stellen und erklären. Er gab als Zweck dabei an: er wolle in
seinen Abendreden die Wunder der Welt vorführen und so den

Leuten die Größe ihres Gottes recht nachdrücklich zum Bewußtsein
bringen. — Warum berichten wir öfter solche Albernheiten, wie

sie in Sektenkirchen oft vorkommen? Nicht zur Kurzweil; denn
es ist mehr zum Weinen. Sondern einmal als Protest. Wir
sagen uns von solchem Treiben los; und wenn die noch verständige
Welt darüber solche Urteile fällt wie in eben genanntem Blatte,
dann soll sie erfahren, daß es noch Christen gibt, die darüber
ebenso und noch härter urteilen. Sodann auch uns zur Warnung.
Und zwar nicht bloß für unsere Pastoren, sondern auch für die
Zuhörer. Denn wie sind jene Prediger wohl zu solchen Narreien
gekommen? Sie haben beobachtet, daß so viele Leute des Wortes
Gottes satt und überdrüssig sind und deswegen nicht zur Kirche
kommen. Da meinen sie dann, das Evangelium ziehe nicht mehr;
da müsse man dann so allerlei veranstalten, die Neugierde der
Leute zu erregen, und dann den Leuten in homöopathischen Dosen
so ein bißchen Gotteswort beibringen. Seien wir ja zufrieden
und dankbar, wenn uns Gottes Wort gepredigt wird in aller Ein⸗
falt, und seien wir ja gierig nach der vernünftigen lauteren Milch
des göttlichen Wortes! Jeder Christ, dem die schlichte Predigt
des Wortes Gottes langweilig und zum Ekel ist, führt seinen
Pastor in Versuchung, und sein Verdienst ist es nicht, wenn bei
uns nicht solche widerliche Dinge sich ereignen wie die genannten.
Wir sollen ein für allemal wissen, daß es Gott nun einmal ge—
fallen hat, „durch törichte Predigt selig zu machen die, so daran
glauben“, 1 Kor. 1, 21. Und wir haben als Kirche gar nicht den
Auftrag, Leuten durch allerlei Mittelchen das Wort Gottes zu
überzuckern und es ihnen dann so unvermerkt beizubringen wie
einem widerstrebenden Kinde die Medizin. Wir haben einfach das
Evangelium öffentlich und sonderlich mit allem Fleiß zu predigen
und zu bezeugen und dem Worte selbst es zu überlassen, seine
Wirkung zu tun. In der Weise sollen wir pflanzen und begießen;
das Gedeihengeben besorgt Gott selbst. Für den Fall, daß Leute
nicht hören wollen, hat der HErr gleich das erste Mal, als er
Boten mit dem Evangelium aussandte, die nötige Weisung ge—
geben, nämlich: Schüttelt den Staub von euren Füßen zum
Zeugnis über sie und sagt ihnen: Das Reich Gottes ist euch nahe
gewesen. Solchen Leuten soll es dann in der Ewigkeit noch ge—
sagt werden, daß sie Mosen und die Propheten hatten und die
hätten hören sollen. Die richtige Pastorengesinnung spricht sich
aus in dem Worte Pauli: „Ich hielt mich nicht dafür, daß ich
etwas wüßte unter euch ohne allein IEsum Christum, den Ge—
kreuzigten“, 1 Kor. 2, 2. Und danach ist es nicht schwer, die
rechte Zuhörergesinnung zu bestimmen. E. P.

Aus dem neuen katholischen Jahrbuch berichtet die St. Louiser
Republic: „Nach dem amtlichen katholischen Jahrbuch (Cat,olic
Directory), das von P. J. Kennedy & Sons in New York gedruckt
und verlegt wird, gibt es in den Vereinigten Staaten 16,564,109
Katholiken; das ist ein Zuwachs von 254,799 mehr als im vorigen
Jahre. Aushängebogen (advance sheets) des Jahrbuches kamen
gestern nach St. Louis. Missouri steht mit 490,000 Katholiken,
derselben Zahl wie im vorigen Jahre, unter den Staaten an elfter
Stelle. Sechsundzwanzig Staaten haben eine katholische Bevölke⸗
rung von mehr als 100,000. Zweiundfünfzig Diözesen melden
eine Zunahme, sechs Diözesen zeigen Abnahmen, und dreiund⸗
vierzig Erzdiözesen und Diözesen zeigen keine Veränderung in
der Gliederzahl. Nach Joseph H. Meier, dem Redakteur des
Jahrbuches, sollten noch wenigstens 1,656,410, die als katholische
Wandervögel gelten (representing the floating Catholic popu-
lation of the United States), zu den amtlichen Zahlen des
Jahrbuches hinzugezählt werden. Weitere Zahlen sind: 10,058
Kirchen mit seßhaften Priestern, 5105 Missionskirchen, 6201 Stu⸗
denten in 85 Seminaren, die sich auf das Priesteramt vorbereiten,

112 Altenheime, 210 höhere Schulen (colleges) für Knaben, 685
Akademien für Mädchen, 5588 Parochialschulen mit 1,497,949
Schultindern, 282 Waisenhäuser mit 48,089 Waisenkindern. Das —
Jahrbuch gibt die Zahl der katholischen Geistlichen in den Ver⸗
einigten Staaten mit 19,572 an, von denen 14,318 Weltgeistliche 4
Mit Einschluß der Katholiken
auf den Inselbesitzungen beträgt die Zahl der unter der Flagge;

und 5254 Ordensgeistliche sind.

der Vereinigten Staaten lebenden Katholiken 24,922,062.“

über den Fortschritt der Negerrasse gibt Dr. Maveety, Sekre⸗

tär der Freedmen's Aid-Gesellschaft, der Negermission der Bischöf⸗
lichen Methodistenkirche, folgende Angaben: „Seitdem die Neger
emanzipiert wurden, ist ihre Zahl von vier auf zehn Millionen

gestiegen. Ihr Gesamtbesitz an Geld und Eigentum beträgt heute,

obwohl sie zur Zeit ihrer Befreiung ohne jedes Eigentum waren,.
Sie haben 135 Privat-Hochschulen,
30,000 Lehrer, 82 Banken sowie 500 Zeitungen und Zeitschriften. 4
Die des Lesens und Schreibens Unkundigen haben um 47 Prozent 3
abgenommen. Sie haben 1500 Advokaten, 3500 Ärzte und meh⸗
rere tausend Prediger, von denen etliche zu den vorzüglichsten
Sie besitzen 149 große 1
Handelshäuser, 9096 kleinere Geschäfte und 1186 Fabriken.
Unter ihnen finden sich Dichter, Autoren, Musiker, Künstler und

mehr als §600,000,000.

in den Vereinigten Staaten gehören.

Erfinder. Heute befinden sich 2,000,000 Negerkinder in den
öffentlichen Schulen, in denen 30,000 farbige Lehrer, die in den
letzten fünfzig Jahren herangebildet wurden, unterrichten. Auch
sind während dieser Periode eine Anzahl höherer und niederer
Schulen von Farbigen entstanden, im ganzen etwa 100. Die

Farbigen haben während dieser fünfzig Jahre zu diesen Schulen 3 *

etwas über 6,000,000 Dollars beigetragen außer der Summe,
welche sie in Steuern bezahlt haben.

545,000,000. Die Entwicklung der Industrie unter ihnen fand
nach zwei Richtungen hin statt, und zwar erstens in der Zahl und
Unterschiedlichkeit derselben.

anderer Industrien.

Jahren so gut wie gar kein Farbiger eine Farm sein eigen nannte.
Im Jahre 1900 gab es etwa 42,000 Neger in den Berufszweigen:
Prediger, AÄrzte, Advokaten, Lehrer, Journalisten, Ingenieure,
Künstler und andere.“

bigen Glieder unserer Kirche und durch sie für die zehn Millionen

Farbigen in den Vereinigten Staaten.“ — Wir treiben ja auch 3
seit Jahren Mission unter den Negern; und das Evangelium hat 1
auch da seine Kraft bewiesen. Äußerlich kann der Neger wie andere 1
Aus der geistlichen Not jedoch kann 1
weder der Neger noch irgendein anderer Mensch sich selbst helfen. 4
Aber das Evangelium von Christo bringt das bei dem Neger 1

Menschen sich emporarbeiten.

ebensogut fertig wie bei Leuten anderer Hautfarbe;
Kraft Gottes, selig zu machen alle, die daran glauben.

es ist die

will.
getauft wird, soll selig werden“ hat er den Neger nicht ausge—
nommen. E. P.

Die zuverlässigsten Quellen 3
hinsichtlich der Abgaben, welche die Farbigen für diese Schulen
in der Form von Steuern beigetragen haben, schätzen diese auf 3

Nehmen wir die Ackerbauindustrie. A
Der Zensus von 1900 gab 1,300,000 als Farmarbeiter an.
Heute gibt es so viele Farmarbeiter wie im Jahre 1860, aber 3
Arbeiter sind heute ebenfalls beschäftigt in einer großen Anzahl
Nach dem Zensus von 1910 wurden etwa
1,000,000 Farmen durch Farbige bearbeitet, und etwa 200,000 4
dieser Farmen sind Eigentum von Farbigen, während vor fünfzig

Der Bericht teilt mit: „Die Freedmen's
Kid-Gesellschaft der Bischöflichen Methodistenkirche mit ihren 4
21. Schulen, 351 Lehrern und 5804 Schülern bildet den Beitrag.
den unsere Kirche liefert in der Heranbildung von Predigern, 4
Schullehrern, Äraten und Industrieleitern für die 325,000 far⸗

Und die
Kirche soll nicht vergessen: im Neger liegt ein Stück der „Kreatur“
vor, der der Heiland durch sie das Evangelium gepredigt haben
Und von der hinzugesetzten Verheißung: „Wer glaubt und

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