Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 9 › Seite 169
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. April 1916, Seite 169
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dern um ihrem HErrn in den Bedürftigen zu dienen. Und ob sie
den Mann mit in den Himmel gekocht hat? Wenn der alte Onkel
in den Himmel gekommen ist, dann ist er durch seines Heilands
Gnade hineingekommen, nicht durch die Suppen seiner Frau.
Ob überhaupt andere uns durch ihr Tun mit in den Himmel
bringen können? Mancher Mann denkt das. Er sieht es ganz
gern, wenn seine Frau fromm ist, wenn sie zur Kirche geht, wenn
sie Gutes tut. Er selber hält von dem allem nicht viel. „Das
ist für die Frauen“, sagt er, und im Herzen lebt bewußt oder un—
bewußt der Gedanke: „Vielleicht kommt davon etwas mir zugute.“
„Bete für mich mit“, sagt er wohl zu seiner Frau, wenn sie des—
Sonntags zur Kirche, er in sein Arbeitszimmer geht. — Lieber
Mann, für dich beten kann deine Frau wohl, aber für dich mit
beten kann sie nicht. Deinen und ihren Vater um deinetwillen
anrufen, dazu ist sie imstande, aber deine Kindespflicht, die du zu
leisten hättest, an deiner Statt zu leisten, das geht über ihr Ver—
mögen. Kann auch ein anderer für dich mit essen, mit trinken,
mit schlafen, mit lernen? Nein, das kann er nicht. Wo es sich
um das handelt, was so recht eigentlich zur Erhaltung und Förde—
rung deines eigenen Menschen dient, da kann ein anderer dir nicht
helfen, da bist du auf dich selbst angewiesen. Und nun gar, wo es
sich um das Eigenste handelt, was du hast, um deine Seele —
wo es darauf ankommt, daß du selig wirst. Das hast du mit
deinem Gott abzumachen. Nicht die Gebete anderer, nicht die
Werke anderer werden dir zugezählt, als hättest du sie gebetet,
du sie getan. Wie du nicht um der Werke anderer willen ver—
dammt wirst, so wirst du auch nicht um der Werke, die andere
tun, den Segen empfangen. Es wird einst ein jeglicher eimp—
fangen, nachdem er — nicht ein anderer — gehandelt hat bei
Leibesleben, es sei gut oder böse. E. Gr.
Todesanzeigen.
Am 8. Januar starb in Milwaukee, Wis., P. emeritus
Karl Moritz Otto. Bei der am 12. Januar stattgefunde—
nen Beerdigung redete P. C. Gutekunst, sein früherer Amtsnach—
bar, über die Psalmstelle: „Unser Leben währet siebenzig Jahre.“
In der Imnianuelskirche, zu welcher der Entschlafene sich nach
seiner Amtsniederlegung gehalten hatte, predigte P'. Dietz sen.
über das Wort Simeons: „SErr, nun lässest du deinen Diener
in Frieden fahren.“ Der Amtsnachfolger des Heimgegangenen,
P. G. Kanieß, hielt den Nachruf, in welchem er die himmlischen
Freuden schilderte. Der Kinderchor der Immanuelsgemeinde trug
ein passendes Stück vor, und ein Frennd der trauernden Familie
sang das Solo: „Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht
von mir.“ Die Beisetzung der Leiche fand auf dem dortigen
Union-Gottesacker statt. Glieder des Milwaukeeer Ministeriums
fungierten als Träger, und P. Gutekunst amtierte am Grabe. —
Der Abgeschiedene gehörte unter die Zahl derer, welche erst im
reifen Lebensalter in den Dienst am Wort traten. Geboren am
5. September 1839 zu Markneukirchen, Königreich Sachsen,
wurde er in der dortigen lutherischen Landeskirche getauft, ge—
schult und konfirmiert. Nach seiner Konfirmation erlernte er das
in jenem Orte blühende Geschäft eines Geigenbauers. Im Kriegs-—
jahr 1866 trat er jedoch als 27jähriger Jüngling in die Missions—
anstalt zu Hermannsburg ein. Nach vierjähriger Vorbereitung
unter P. Theo. Harms wuͤrde er im Jahre 1870 als Missionar
nach Ostindien abgeordnet. Sieben Jahre durfte er dort im Wein—
berg des HErrn arbeiten. Infolge eines durch das heiße Klinia
Ostindiens verursachten Kopfleidens war er genötigt, sein Amt als
Heidenmissionar niederzulegen. Mit seinem zweieinhalbjährigen
Töchterlein reiste er nach den Vereinigten Staaten. Nachdem er
in Chicago von Gliedern unsers dortigen Ministeriums kolloquiert
worden war, folgte er einem Beruf der Gemeinde in Sadorus, Ill.
Nach zweijähriger, unter großen Schwierigkeiten bewerkstelligter
Amtsführung nahm er den Beruf der Gemeinde in Warsaw,
Ill., an. Von Warsaw aus siedelte er 1882 nach Town Scott,
Sheboygan Co., Wis., über und stand der dortigen Gemeinde
28 Jahre vor. — 2 Kor. 4, 7 schreibt Paulus: „Wir haben aber
solchen Schatz in irdischen Gefäßen.“ Dieses Wort findet auf alle
Diener am Wort, also auch auf den Entschlafenen, Anwendung.
Derselbe war einer von denen, die im 35. Psalm die „Stillen im
Lande“ genannt werden. In seiner vierzigjährigen Amtsführung
hat es ihm an Amts⸗ und Hauskreuz nicht gefehlt. Bei kärg—
lichem Gehalt und beschränkten Wohnungsverhältnissen hat er
zwölf Kinder großgezogen, von denen eine erwachsene Tochter ihm
im Tode voranging. Als ein anspruchsloser, uneigennütziger
Charakter war er stets mit dem ihm zugeteilten Los zufrieden. —
Im Jahre 1910 nötigteé ihn zunehmende Gedächtnisschwäche, sein
ihm liebes Amt niederzulegen. Er verzog nach Milwaukee und hat
dort noch fünfeinhalb Jahre gelebt. In der letzten Zeit wurde
sein Geist allmählich umnachtet; er hat aber, wie P. Dietz bezeugt,
solange er noch reden konnte, stets seinen Glauben an den Heiland
bekannt. Er erreichte ein Alter von 76 Jahren, 4 Monaten und
drei Tagen. Der Serr sei der Hinterbliebenen Trost und Hilfe
sowie ein Vergelter derer, die seiner in Liebe gedacht haben!
Möchte doch auch an uns wahr werden, wie es im Lied heißt:
Will mich der grimme Tod
Gleich aus der Welt vertreiben,
Mein JIéEsus lebt, und ich
Werd' unverändert bleiben.
Ist gleich allhier in kühler Erd'
Die Handvoll Staub verdorben,
Ich war des HErrn, ich bin des HErrn,
So bleib' ich ungestorben.
Edmund Hübner.
Wiederum hat es dem HErrn gefallen, einen treuen Diener
seiner Kirche in die selige Ruhe des Himmels einzuführen, näm⸗
lich P. Friedrich Hermann Reichmann. Er war ge⸗
boren am 26. März 1839 zu Chrieschwitz bei Plauen im König—
reich Sachsen. Schon in seiner Jugend hatte er seinen Heiland
kennen gelernt, und als Jüngling hielt er sich zu denen, die Got—
tes Wort liebten und selig werden wollten. Die in einem Mis-⸗
sionsblatt geschilderte große Predigernot unter den deutschen
Glaubensgenossen in Nordamerika erweckte und reifte in ihm den
Entschluß, dem HErrn in seinem Reich als ein Bote des Friedens
zu dienen. So trat er denn im Jahre. 1868 in das Missionshaus
bei Pfarrer Brunn in Steeden ein. Im folgenden Jahre wanderte
er mit mehreren Zöglingen aus nach Amerika, um in St. Louis
seine theologischen Studien zu vollenden. Nach bestandenem
Examen nahm er einen Beruf nach Farrow Town, Calhoun Co.,
Ill., an. Später bediente er die Gemeinden in Brussels, Ill.,
Puschetta Tp., O., Town Wien, Marathon Co., Wis., Auburn⸗
dale, Wood Co., Wis., und East Granville, Wis. Mit Treue und
Selbstverleugnung hat er vierzig Jahre lang das Amt, das die
Versöhnung predigt, verwaltet. Vor vier Jahren legte er wegen
Altersgebrechen sein Amt nieder und zog mit seiner Familie nach
Milwaukee. Krank und schwach, sehnte er sich nach der völligen
Erlösung von allem Jammnier dieser Erde. Am 13. Februar ent—
schlief er sanft und selig im festen Glauben an seinen Heiland
und Erlöser im Alter von 76 Jahren, 10 Monaten und 17 Tagen.
Am 16. Februar fand sein müder Leib die Grabesruhe auf Gottes
Acker. Nach einem kurzen Abschiedsgottesdienst im Hause bewegte
sich der Leichenzug nach der Emmauskirche. Hier predigte der
Unterzeichnete über die Worte des HErrn: „Wo ich bin, da soll
mein Diener auch sein.“ Hierauf folgte P. H. G. Schmidt mit
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