Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 9 › Seite 170

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. April 1916, Seite 170

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8 er „Tuthierane

einer Ansprache an die Hinterbliebenen, und P. C. Zollmann, der
auch im Hause und am Grabe amtierte, brachte die herzliche Teil⸗
nahme der St. Petrigemeinde in East Granville zum Ausdruck
und verlas den Lebenslauf des Entschlafenen. Der treue Gott
und Heiland tröste die Hinterbliebenen und gebe uns allen seine
Gnade, daß wir seine Diener seien und bleiben im Leben, Leiden,
Sterben und dereinst in der Herrlichkeit. J. F. Rubel.

„Ei du frommer und getreuer Knecht, du bist über wenigem
getreu gewesen; ich will dich über viel setzen; gehe ein zu deines
SErrn Freude!“ Dieser Ruf des HErrn erging an P. Fried⸗
rich Kügele in Waynesboro, Augusta Co., Va., am 1. April
dieses Jahres. Schon vor etwa zwei Jahren lag er eine Zeitlang
schwer krank danieder, so daß sein Ende gekommen zu sein schien.
Doch erholte er sich wieder und hat diese paar Jahre noch in ge⸗
wohnter Treue, wenn auch mit gebrochenen Kräften, mit dem ihm
verliehenen Pfunde gewuchert. Seine Kräfte nahmen aber niehr
und mehr ab, und am 6. Februar hielt er seine letzte Predigt.
Zwar hoffte er von Woche zu Woche, noch einmal predigen zu
können, hatte auch eine Predigt ausgearbeitet über die christliche
Geduld im Leiden, aber zum Predigen ist er nicht mehr gekommen.
Ein Nierenleiden, verbunden mit Wassersucht, hatte sich eingestellt
und kündigte ihm den herannahenden Feierabend an. An dem
obengenannten Tage schlief er unter den Gebeten der anwesenden
Familienglieder unerwartet schnell ein. Nach einer Pilgrimschaft
von 70 Jahren, 1 Monat und 3 Tagen durfte er eingehen zu
seines HErrn Freude. Am 4. April haben wir seinen müden Leib
ins Ruhekämmerlein gebettet nahe bei der Kirche, in der er so
viele Jahre treu gelehrt und gepredigt hat. Außer dem Unter—
zeichneten waren noch folgende Anitsbrüder gekommen: PP. F.
Wenchel, Theodor Sorge, H. Schröder, F. Meuschke, E. Polzin
und Prof. H. B. Hemmeter. Nach einer kurzen Feier im Hause,
geleitet von P. Sorge, wurde die teure Leiche in die nahegelegene
Kirche gebracht. Hier leitete P. Wenchel den Gottesdienst als Ver⸗
treter des Präses des Englischen Distrikts und redete kurz über die
gesegnete Wirksamkeit des Entschlafenen zur Förderung und Aus⸗
breitung der Arbeit unserer Synode in der englischen Landes—
sprache. P. Schröder verlas einen Schriftabschnitt, und die Pasto⸗
ren Meuschke und Polzin sprachen je ein Gebet. Der Unterzeichnete
hielt auf besonderen Wunsch des Entschlafenen die Predigt über
die Worte Röm. 14, 8. Prof. Hemmeter vollzog die Einsegnung
am Grabe, in welchem der müde Leib nun ruht bis zum großen
Tage der Auferstehung. „Da soll der Leib von Erden so hell und
glänzend werden, wie JEsu Glieder sind.“ — P. Friedrich Kügele
erblickte das Licht der Welt am 16. April 1846 in Columbiana,
Columbiana Co., O., wohin seine gottseligen Eltern im Jahre
1834 von Württemberg her eingewandert waren. Diese hatten
ein warmes Herz für die Mission und lasen fleißig ein Missions—
blatt, das auch der heranwachsende Fritz bald liebgewann und mit
Interesse las. Dadurch erwachte in dem Knaben der Wunsch, ein
Missionar zu werden. In seinem siebzehnten Lebensjahr trat er
als Präparand in das praktische Seminar unserer Synode ein,
das damals mit dem theoretischen Seminar in St. Louis ver⸗
bunden war. Hier lernte Schreiber dieser Zeilen, der als Stu—
dent die Neueintretenden in der deutschen Sprache zu unterrichten
hatte, ihn kennen und liebgewinnen. Der fromme und fleißige
Jüngling machte solch treffliche Fortschritte, daß ihm nach zwei
Jahren der Rat gegeben wurde, nach Fort Wayne zu gehen und
einen vollen Collegekursus durchzumachen. So trat er dort im
September 1864 in die Tertia ein und kehrte im September 1867
als Student der Theologie nach St. Louis zurück. Nach wohl—
bestandenem Examen wurde er im Sommer 1870 als Missionar
nach Omaha, Nebr., geschickt, wo er im August ordiniert wurde.

Im Frühjahr 1871 folgte er aber auf den Rat der Synodal- 4
beamten einem Rufe nach Cumberland, Md. Hier blieb er bis 1
zum Frühjahr 1879. Da erhielt er einen Beruf von der eng⸗ 3
lischen Gemeinde in Coyners Store und Wahnesboro, Augusta 3
Co., Va., dem er Folge leistete. Am 24. April traf er in seinem 1
neuen Wirkungskreise ein und ist dort geblieben, bis der HErr des
Weinbergs ihm nach 37jähriger treuer Arbeit an dieser Gemeinde
Feierabend gegeben hat. — Infolge seiner Stellung an einer eng⸗
lischen Gemeinde wurde er in Gottes Hand ein Hauptbeförderer
der englischen Arbeit in unserer Synode, der Gründer der früheren
Englischen Synode von Missouri, der er jahrelang als Präses ge⸗
dient hat, und die seit dem Jahre 1911 als Englischer Distrikt 3
mit unserer Synode verbunden ist. Durch seine Predigtbücher ist 6
er als αοuntry parson“ weit über die Grenzen unserer Synode
hinaus bekannt geworden wie auch durch sein Boohh of Devotion
und durch die vielen Artikel, die er im Luteran Weiness ver⸗
öffentlichte. An den Lehrkämpfen der vergangenen Jahre nahm er
regen Anteil zur Verteidigung der lauteren Wahrheit. P. Kügele
war von Natur sehr friedfertig und bescheiden und nicht geneigt
zu streiten. Die göttliche Wahrheit aber, wie er sie durch Gottes
Gnade erkannte, stand ihm höher als der Friede unter den Men⸗
schen. (Sach. 8, 19.) Der Selige hatte auch eine Arbeit be⸗
gonnen über die Unterscheidungslehren der verschiedenen Kirchen⸗
gemeinschaften, die er der Kirche zur Feier des vierhundertjährigen
Reformationsjubiläums als seinen Beitrag zur Feier darbieten
wollte. Sie ist jedoch unvollendet geblieben. — Gott wolle den
trauernden Hinterbliebenen ein treuer Versorger und liebreicher
Vater in Christo IEsu sein und bleiben und der verwaisten Ge⸗
meinde bald wieder einen treuen Hirten schenken!
York, Pa., 11. April 1916. H. H. Walker.

Neue Drucksach

. 2—

eEn.

Alle an dieser Stelle angezeigten Bücher, Musikalien, Bilder usw. kön⸗
nen durch das Concordia Publishing House, St. Louis, Mo., zu den bei⸗
gefügten Preisen bezogen werden. Wo eine andere Bezugsquelle angegeben
wird, wolle man, bitte, bemerken, ob zu besorgen, falls nicht vorrätig.

Homiletisches Reallexikon nebst IXDRPX RRRUM. Buchstaben S, T
und U. Von E. Eckhardt, Battle Creek, Nebr. 1914. Sue—
cess Printing Co., St. Louis, Mo. 470 Seiten 6 ½ 9½½. Preis:
52.00. Porto extra. Zu beziehen vom Concordia Publishing
House, St. Louis, Mo.

In vorliegendem Bande, der in den nächsten Wochen den Abonnenten
zugeschickt werden wird, behandelt P. Eckhardt folgende Gegenstände: Sab—
bat, Sakramente, Saloon, Saufen, Schöpfung, Schrift, Schriftauslegung,
Seligkeit, Sklaverei, Sonntag, Sorge, Sozialismus, Spiritismus, Spra⸗
chenfrage, Sünde, Synergismus, Synode, Tanz, Taufe, Temperänz, Teu⸗
fel, Theater, Theologie, Tod, Tradition, Traureden, Unionismus, Unter⸗
stützungsgesellschaften und andere mehr. Den Schluß bildet ein Register
über die Gegenstände und als Anhang ein Verzeichnis der Sonntage des
Kirchenjahres, für welche sich Predigtdispositionen in den bisher erschiene⸗
nen Bänden des Werkes finden. Die in den früheren Bänden befolgte
Methode ist auch in diesem, dem vorletzten, wieder befolgt worden. Unter
dem Artikel „Schöpfung“ befindet sich zuerst eine Liste der Abhandlungen
über diesen Gegenstand und Angaben, wo sie in unsern Synodalzeitschrif⸗
ten und in andern Publikationen unsers Verlags zu finden sind. Dann
folgen die Paragraphen in folgender Anordnung: Die Welt hat einen
Anfang genommen; Gott ist der Schöpfer; Antithese: Pantheismus, Dua⸗
lismus, Evolutionismus, Nebeltheorie, Zufall, Alter der Erde, Geologie:
der Schöpfungsbericht der Schrift; doppelter Schöpfungsbericht, Sechs⸗
tagewerk, Schöpfungsplan, Zweck der Schöpfung; Gebrauch dieser Lehre.
Predigtentwürfe. Jede dieser Unterabteilungen wird ins einzelne gehend
behandelt, und am Rande sind Hunderte von Stellen in unsern Publika—
tionen angegeben, in denen Weiteres über die Lehre von der Schöpfung
nachgelesen werden kann. Ganz vorzüglich ausgeführt ist der Abschnitt
von der Taufe. Auf fiebzig Seiten wird alles summiert, was in den Zeit⸗ 3
schriften unserer Synode über diesen hochwichtigen Gegenstand geschrieben 1
worden ist. Die angeführten Stellen unter diesem Abschnitt zählen nach

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