Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 9 › Seite 159
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. April 1916, Seite 159
Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner72_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
gion und Moral geschehen.
oy Scout-Bewegung hallt diesen Grundsatz wider.
wicklung des Charakters durch Erholung, die durch hohe Ideale
wieder, sind das Ziel aller Regeln und Einrichtungen.
Gebote zu tun.
S er „TuthieranedS
159
Egweck. Alles praktische Wissen“ (wie oben ausgeführt) „soll
12 Knaben nur unter einer Führerschaft halten, die seinen
Charakter entwickeln wird. Alle Verdienstabzeichen haben den⸗
selben Zweck. Die ganze Organisation ist nur ein Mittel, um
Charakterbildung zu erreichen.“ Und das soll durch Reli—
Zwar lehnt die Bewegung
allen eigentlichen religiösen Unterricht ab; das stehe der Kirche
zu; aber doch beansprucht die Bewegung den Ruhm, „größere
Gelegenheit für die religiöse Entwicklung des Knaben“ zu bieten
als irgendeine sonstige Bewegung, die sonderlich das Wohl der
1 Knaben zum Zweck hat. (S. 7 f.) Die ganze Literatur der
„Ent⸗
ö geleitet wird“, ist Ziel des ganzen Programnis. (Richardson
k. und Loomis.) „Das Ziel ist, das Gewissen des einzelnen durch
die Prinzipien des Kundschaftertums zu entwickeln.“ (e
Scout Scheme, S. 24.) „Der Kundschafter verspricht, eine
feine Reihe von Tugenden sich aneignen zu wollen.“ (e
Fraininꝗ of Boy Scouls, S. 3.) „Das Problem der Eharakter⸗
bildung ist hier dadurch gelöst, daß Lehrer von nachahmens⸗
werter Persönlichkeit vorgesehen sind, Männer, die ihre Schüler
i alles einführen, was wahrhaftig, gerecht, rein, lieblich und
ehrbar ist.“ (Scoutin9, 1. Dez. 1915, S. 5.) „Die Pfad⸗
finderbewegung ist entschieden religiös“ (S. 6) „und befriedigt
das Verlangen nach einem aktiven Christentum.“ Weil „das
Laster und die Unredlichkeit in unserer Zeit ihr Haupt so hoch
erheben“, sind die Boy Scouts gegründet worden, sagt das offi⸗
zielle Handbuch (S. 267). „Reine Sitten“, heißt es immer
„Wenn
das religiöse Element fehlen würde, so hätte die Bewegung
einen unersetzlichen Mangel.“ (Tae PScριονν f Scoutin9,
S. 12 f.) Man regt sogar an, religiöse “standards and tests“
einzuführen, etwa auch ein “merit-badge“ auszuteilen an solche,
die durch tägliches Gebet, Kirchenbesuch, das Sichenthalten vom
Fluchen während eines Zeitraums von sechs Monaten ihre reli—
giöse Entwicklung bewiesen haben. (Scouting9, III, 13, S. 7.
15;, III, 15, S. 11.) Doch gehen solche Vorschläge nicht vom
Hauptquartier aus. Die Organisation als solche fordert
auch gar nicht, daß ein Knabe religiösen Unterricht empfängt
oder einer Kirche angehört, sondern erlaubt das nur; denn
man ist vollständig überzeugt, daß
das Scout Law ein Ersatz für den Religionsunterricht
und durchaus hinreichend zur Bildung des Charakters, wie er
sein soll, ist. Das Pfadfindergesetz lautet, wie folgt: 1. Der
Pfadfinder ist zuverlässig. 2. Der Pfadfinder ist loyal, 3. ist
öbilfreich, 4. — ist freundlich, 5. — ist höflich, 6. — ist lieb—
reich, 7. — ist gehorsam, 8. — ist guter Laune, 9. — ist spar⸗
sam, 10. —- ist mutig, 11. — ist reinlich, 12. ist ehrerbietig.
Man sieht, es fehlt das „Du sollst nicht“ ganz und gar, und
das „Du sollst“ ist nur angedeutet. Offenbar haben wir es
hier mit einem verzuckerten Ersatz für die etwas lästigen zehn
Das spricht man auch deutlich genug ans.
„Wenmn man zu einem Knaben sagt: „Du sollst“, so geht er,
wenn er etwas Geist (spirit) hat, durch die Lappen. Im
Pfadfindergesetz kommit das Wort nicht vor. Das Scout Law-
ist durchaus bejahend. Es ist ganz Tn! niemals: ‚Tu das
„ nicht!?“ Um recht klar zu niachen, daß diese zwölf Gebote
das Wesen des Scout movement ausmachen, druckt man sie un—
zählige Male ab, gewöhnlich noch mit beigefügten kurzen Er⸗
klärungen; so sehen sie dem lutherischen Katechismus von
weitem etwas ähnlich. Ja, man hat sogar eine eigene Boy
Scout-Bibel herausgegeben, der das Scout Law als Anhang
beigedruckt istl! Das Boy's Lifée Magneine zeigt dreizehn Aus—
gaben dieser Bibel oder auch des Neuen Testaments, dem das
Scout Law beigedruckt ist, in seiner Nummer vom Dezember
1915 an.
Und zwar wird immer wieder eingeschärft, daß es Ge—
wissenssache ist, diese zwölf Gebote zu befolgen. (Zum
Beispiel in Naνng Men of Lhem, S. 8.) Es wird das
Scout Law auf eine Linie gestellt mit den „geschriebenen und
ungeschriebenen Gesetzen, die es von jeher gegeben hat, und die
das Verhalten der Menschen reguliert haben“. „Alle Völker“
— das schließt auch die Juden und das Gesetz Mosis ein —
„haben seit alter Zeit solche Gesetze gehabt.“ (εεe Boy Scoul
Scheme, S. 12.) Bekanntlich werden die Knaben auf dieses
Gesetz eidlich verpflichtet.
In der Befolgung des Scout Law wird dann besonders
auf den Grundsatz Gewicht gelegt: One Goοι urn d Day“
— „Jeden Tag ein hilfreicher Dienst“.
Charakter aufgebaut! „The daily good deed builds up the
boy“, sagte der Präsident der Boy Scouts vor einem Jahre in
einer Ansprache. (Scoulin9, II, 23, S. 105.) Man hat auch
schon wunderbare Bekehrungen berichtet, die durch die Boy
Scouts in der Befolgung ihrer Tugendregel zustande gekom—
mieen sind. Präsident Colin H. Livingstone erzählte bei der
letzten Jahresversammlung freudestrahlend, daß in Virginia
ein übelgearteter Bursche durch einen good turn“ der Pfad⸗
finder bewogen worden sei, ein Scout-Buch zu kaufen und es
zu lesen, und daß er jetzt Pastor werden wolle! Auch werden
die Knaben aufgefordert, sie sollten doch andere Knaben, auch
solche, die keine Scouts werden wollen oder können, veranlassen,
daß sie die zwölf Gebote der Pfadfinder befolgen. In dem
offiziellen Buche 5⁰ Scouls f America heißt es tatsächlich,
dieser „good turn“ sei die praktische Religion, und der Knabe,
der andern am meisten behilflich sei, ehre Gott am besten.
Freilich, es sei nötig, daß diese guten Werke ganz aus freiem
Willen geschähen (S. 18); aber das kann der Knabe' auch,
denn nach Lehre der Boy Scout-Literatur ist jeder Knabe, im
Grunde genommen, gut. Diese
Leugnung der Lehre vom erbsündlichen Verderben aller
Menschen
tritt immer wieder in den Schriften der Boy Scout-Bewegung
hervor. Man geht aus von der Evolutionslehre. In
dem Buche T½²ε Scout Movement Applied to thεe Church wird
ausgeführt, daß die Menschheit aus ursprünglich tiefer Bar—
barei, in der sie Wurzeln und Insekten gegessen habe, ent—
wickelt worden sei. Damit sind die ersten zwei Kapitel der
Bibel gestrichen. Auch das Hauptbuch der Pfadfinder redet
allen Ernstes davon, daß die Erde schon „ungezählte Jahre“,
ehe Menschen darauf gewohnt hätten, bestanden habe. (Hand-
bοον, S. 138.) Von dem Boy Scout movement sagt das
Magazin Scoutiny (III, 15, S. 5): „Die Bewegung stimmt
mit der Evolutionstheorie.“
Daher weiß man auch von keinem Sündenfalle etwas und
auch von keinem erbsündlichen Verderben. Das Dichten und
Trachten des Herzens ist nicht böse von Jugend auf, sondern,
Dadurch wird der
English translation
Not yet translated.