Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 9 › Seite 163
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. April 1916, Seite 163
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man sie taufen kann.
W.,-TutberaneS
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Unsere eigenen Missionare, soviel ihrer in Indien an Ort
und Stelle sind, arbeiten treu und fleißig und unverdrossen
weiter. Es geht bei ihnen durch Freude und Leid, durch schöne
und traurige Erfahrungen, durch böse Gerüchte und gute Ge—
rüchte. Wir lassen wieder einige Mitteilungen folgen, diesnial
vom Südgebiet in und um Nagercoil und Trivandrum.
Missionar G. Hübener von Nagercoil schreibt in seinem
letzten Bericht: „Aus der Statistik meiner Dörfer wird die
Kommission sehen, daß ich im vergangenen Jahre nicht eine
Heidentaufe gehabt habe, obgleich die Zahl der Taufbewerber
eine große ist. Diese Taufbewerber sind fast durchweg solche,
die bereits längst hätten getauft werden können,
damals, als die andern aus ihrem Dorfe getauft wurden, wenn
sie eben fleißig und regelmäßig wie die andern die Unterrichts—
stunden besucht oder sich sonst nichts hätten zuschulden kommen
lassen. Hat man aber erst einmal in einem Dorfe eine größere
Anzahl getauft, so kann man nun diese nicht sich selbst über⸗
lassen und sich hauptsächlich nur mit den Nichtgetauften beschäf—
tigen, um auch diese Zurückgebliebenen so weit zu fördern, daß
Die Getauften müssen eben vor allem
weiter gefördert, zum heiligen Abendmahl vorbereitet, tiefer
in die Schrift eingeführt werden. Es ist auch nicht so, wie ich
kürzlich in einem unserer Blätter las, daß bei uns eigentlich
nicht gepredigt würde. Ich predige regelmäßig, weil ich das
für nötig und nützlich halte. Zieht man dazu in Betracht die
beträchtliche Mehrarbeit, die mir durch die Abwesenheit meines
Bruders [Missionar A. Hübeners! entstanden ist, so läßt sich
hieraus wohl erkennen, wie es kommt, daß ich von keinen
Hei dentaufen im vergangenen Jahre berichten kann. Wenn
Gott Gnade gibt, hoffe ich aber in ein oder zwei Monaten in
Maruchaltalei einige taufen zu können.
„Am zweiten Adventssonntage konnten wir mit Lob und
Dank gegen Gott das neue Institutsgebäude für die Aus—
bildung eingeborner Missionsgehilfen! einweihen. Bruder Lutz
hatte die Einweihungszeremonien und die Liturgie übernom—
inen, während ich über 1 Tim. 1, 15 predigte. Es waren
wohl an 600 Leute da. Eine Freudenbotschaft ist auch die,
daß wir für diese unsere Schule jetzt von der Regierung An—
erkennung erlangt haben.“
Missionar A. J. Lutz, ebenfalls von Nagercoil, berichtet:
„In Vadasery [unserer ältesten Missionsstation inn Südgebiet!
geht es im ganzen gut vorwärts. Es ist fast in jeder Beziehung
ein Fortschritt zu verzeichnen. Freilich, der Teufel ruht nicht.
Im stillen arbeitet er fortwährend, und gerade wenn man es
nicht erwartet, erfährt man, was er angerichtet hat. Es hat
im vergangenen Jahre allerlei Streitigkeiten gegeben; dem
Worte Gottes jedoch miiß der böse Geist immer wieder weichen.
Und wenn auch das schwache Fleisch, wie den Christen überhaupt,
so anch unsern Christen in Vadasery oft böse Streiche spielt,
so sind sie doch im allgemeinen darauf bedacht, sich unter Gottes
Wort zu beugen. Die Schule hat einen großen Aufschwung
genommen. Es kommen jetzt 61 Kinder (zu Anfang des Jahres
waren es nur 25). Die große Mehrzahl derselben gehört zu
drei der niedrigsten Kasten, einige sind römisch-katholisch, und
vier gehören den Vellalas, einer hohen Kaste, an. Durch die
Schule allein aber wird die Mission voraussichtlich wenig ge—
winnen, sowohl was die niedrigen Kasten anlangt, als auch be—
sonders in bezug auf die höheren Kasten: einmal deswegen
nicht, weil es nur eine Elementarschule ist, die schwerlich mehr
und zwar
als vier Klassen haben wird, die Kinder also verhältnismäßig
nur kurze Zeit unter dem Einfluß der Schule stehen werden;
hauptsächlich aber deswegen nicht, weil wir bei dem gegenwär⸗
tigen Mangel an Arbeitern keine Heidenpredigt treiben können.
Es ist eben nicht genug, allein die Kinder, zumal nur die kleinen
Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren, unter christlichen
Einfluß zu bringen. Wir müssen auch die Eltern und die er—
wachsenen jungen Leute zu erreichen suchen, eben durch die
Heidenpredigt.“
Missionar Lutz erzählt dann noch in anderm Zusammen—
hang: „Der Mann, der wohl am meisten dazu beigetragen hat,
daß wir die Arbeit dort sauf einer neuen Station, Charal—
villai! aufnahmen, ist an der Cholera gestorben. Alle Leute
verließen ihn während seiner zweitägigen Krankheit außer unser
Katechet. Er starb, während wir Missionare auf der allgemeinen
Konferenz in Krishnagiri waren. Der Katechet sagte, der Mann
habe wenig Todesfurcht gezeigt; er habe sein Vertrauen auf
IEsum gesetzt und die Seinen der Gnade Gottes befohlen. Er
hatte erst sehr wenig Unterricht genossen, sehr wenig von Gottes
Wort gehört. Aber der Heilige Geist kann auch durch das
Wenige wirken, und so bin ich der Zuversicht, daß der Mann
selig entschlafen ist.“
Missionar IJ. Harms von Trivandrum schreibt: „Meinen
Bericht kann ich wohl am besten an die Statistik anknüpfen. Die
Zahlen zeigen freilich wenig Veränderung. Aber wenn ich mich
an die Zahlen hielte, würde ich das Amt niederlegen. Die
geben keinen Trost und Mut für weitere Arbeit. Im Rück⸗
blick auf das vergangene Jahr ist Grund genug für Selbst⸗
anklage und Unzufriedenheit, aber auch reichlich Grund, den
SErrn zu loben. Sein Wort hat neue Kräfte gezeigt, die
man nicht darin wähnte. Das sage ich zuerst von mir selber
und dann auch von meinen Katechumenen. Es hat Fälle ge—
geben, daß einer nicht auf Gottes Wort hören wollte, aber mit
immer größerer Gewißheit glaube ich, daß das Wort, das von
Anfang war und ist, allein die Parias retten kann aus ihren
Lügen und Verleumdungen und allem Schmutz Leibes und
der Seele.“
Von einer besonderen Schwierigkeit berichtet Missionar
O. Ehlers, ebenfalls von Trivandrum. Er schreibt: „In
dieses Qnartal fiel auch der Unterricht über die bösen Engel.
Ich habe mit meinen Gehilfen versucht, die Leute darüber
gründlich zu unterrichten. Das ist eben hier sehr nötig; denn
es kommt immer wieder vor, daß wegen Krankheit, Kinderlosig—
keit und anderer übel, die den bösen Geistern zugeschrieben
werden, sogenannte Teufelaustreibungen veranstaltet werden,
und es will manchen Leuten trotz der Belehrung noch nicht
recht einleuchten, daß solche Teufelhaus treibungen Gott ein
Greuel sind. Wenn der Teufel hineingetrieben würde,
meinen sie, wäre es ein ander Ding. Und dann gibt es auch
Leute, die von diesen Teufelaustreibungen Profit haben.“
So geht trotz aller Hindernisse und Störungen das Werk
des SErrn weiter durch Predigt und Unterricht in Gottes
Wort.
Schließlich wollen wir auch noch dankbar erwähnen, daß
unsere Gemeinden und Christen der Heidenmission fortgesetzt
ihr Interesse und ihre Liebe bewahren. Es hat uns in diesen
schweren Monaten nicht an den nötigen Geldern gefehlt, um
das Werk weiterzuführen, und wir gewinnen daraus die Hoff—
nung und die Gewißheit, daß sie uns auch, wenn wir nach Be⸗
— ö
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