Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 9 › Seite 158
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. April 1916, Seite 158
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158
S Der BTutheraner
Er hat eine ewige Erlösung erfunden: das ist das andere.
Es muß doch manches Mal den Besten im Alten Bunde zum
Bewußtsein gekommen sein, daß die Sühne durch „der Ochsen
und der Böcke Blut“ nur eine unvollkommene gewesen ist.
Gott dem SErrn gegenüber, dem Quell der Ewigkeit, zu han⸗
deln mit zeitlichen Gütern und vergänglichen Dingen in Sachen
des Gewissens und der Seligkeit, das ist doch nicht so einfach.
Nun, siehe da, meine Seele, hier ist dein HErr JEsus Christus!
Ihn nennt der Prophet auch den Vater der Ewigkeiten. Er ist
der Sohn des ewigen Vaters; er kommt aus der Fülle der
Ewigkeit und geht in die Fülle der Ewigkeit hinein. Darum
hat auch, was er spricht und wirkt, was er leidet, und was er
erwirbt, einen ewigen Wert. Geh hin im Glauben zu seinem
Kreuz und fasse deinen Hohenpriester mit den Armen der Liebe,
so wirst du aus dem Staub der Erde und der Eitelkeit der Zeit
emporgehoben zur Glorie des Himmels und zur ewigen Selig—
keit. Geh hin an das offene Felsengrab. Dort kannst du dessen
göttlich gewiß sein: es ist eine ewige Erlösung erfunden. Daran
nimm auch du dein Teil, so wirst auch du „das verheißene ewige
Erbe empfahen“.
Diesen Hohenpriester sahst du nun wieder in der Passion
an seinem Kreuz. Da ist er im vollen, grundlegenden Werke
der Erlösüng zu erkennen und zu begrüßen. Geh nicht vor⸗
über! Versenke Auge und Herz ins Geheimnis seiner Sühne
und schaue, wie am Kreuze der Spruch wahr geworden ist:
„Wo die Sünde mächtig worden ist, da ist doch die Gnade viel'
mächtiger worden.“ Aber er ist auch noch unser Hoherpriester
auf dem Thron. In seiner herrlichen Auferstehung ist uns
und allen Sündern die Absolution gesprochen worden. Immer
noch breitet er seine Hände aus vor dem Gnadenthrone und
bittet für mich und dich, für alle seine Lieben im Erdentale.
Das ist ein großer Trost. Wenn ein Stephanus seinen Hei—
land sah in des Himmels Glanz, bereit, ihn anfzunehmen nach
dem Märtyrertum auf Erden, wer hindert dich zu glauben, daß
auch dir seine Arme entgegengestreckt sind wie dem Schächer
in der letzten Stunde? O so breite du deine Arme nach ihm
aus und flehe, daß er nicht ablassen möge, dich zu retten ans
den toten Werken, dich zu locken zu dem ewigen Erbe, und
daß er endlich dich einführen möge als eine Beute seines blu—
tigen Ringens, seines glorreichen Sieges, zu seinem Frieden.
Dann wird dein eigenes priesterliches Tun sich erheben vom
armen Beten und Ringen zun himmlischen Preisen und zur
ewigen Anbetung. Theo. Färber.
Was ist von der „Boy Scout''-Bewegung zu halten?
Die Boy Scout-Bewegung hatte ihren Ursprung in Eng—
land. Im Burenkriege hatte Sir Robert Baden-Powell die
Beobachtung gemacht, daß durch die unnatürliche Lebensweise
der Stadtberwohner, besonders auch der in Städten heran—
wachsenden männlichen Jugend, sich gewisse Mängel des Geistes
und Körpers einstellten, die den Städter unvorteilhaft vont
Landbewohner und auch dem Bewohner der Wildnis unter—
scheiden. Er organisierte daher im Jahre 1907 eine Schar
von Knaben, die er hinaus in Feld und Wald nahm, damit
sie dort durch allerlei übungen des Geistes und Körpers die
Eigenschaften gewinnen möchten — Entschlossenheit, Gewandt—
heit, Standhaftigkeit, Selbständigkeit usw. —, deren Entwick⸗
Seine
lung das eingeengte Leben der Großstadt hinderlich ist.
Bemühungen gewannen rasch den Beifall von Erziehern, und 3
bald wurden allenthalben Boy Scout-Truppen organisiert. 4
Schon im Jahre 1909 wurden in den Vereinigten Staaten
Truppen nach demselben Muster gesammelt, und seitdem hat!
diese Bewegung in unserm Lande großes Aufsehen gemacht.“
In allen Großstädten des Landes, bald auch in kleineren Ort⸗
schaften, bildeten sich Boy Scout-Vereine, und im Jahre 1914
war die Zahl der Truppenführer auf 25,804, die Zahl der
eingeschriebenen Knaben aber auf etwa 300,000 angewachsen.
Auch die Knaben unserer Gemeinden werden eingeladen, sich
Es ist deshalb keine überflüssige 1
Was ist
der Bewegung anzuschließen.
Mühe, wenn wir uns mit der Frage beschäftigen:
von dieser neuesten Erscheinung auf dem Gebiete der Jugend—
pflege zu halten?
Daß in dem Boy Scout-Programm Gedanken enthalten!
sind, die vom erzieherischen Standpunkt aus als wertvolle Er⸗
gänzung des Schulunterrichts zu begrüßen sind, tritt schon aus
oberflächlicher Bekanntschaft mit dieser Bewegung hervor. Die
Knaben werden ins Freie geführt, in Wald und Feld, und da 1
wird ihnen von kundigen Führern das wunderbare Leben und
Treiben der Natur gezeigt. Sie werden vertraut mit dem
Leben der Tiere des Waldes und Stromes, lernen auch Pflanzen
unterscheiden, lernen, wie man im Freien ein Lager aufschlägt,
es auch bei Wind und Regen wohnlich hält, üben sich dann
im Laufen, Ringen, Schwimmen, Pfeilschießen, im Signali- 3
sieren, Erdmessen, Photographieren, im Pfadfinden, im Schrei—
nern, in der Hilfleistung bei Unglücksfällen, im Retten Er—
trinkender usw. uswv. Gewiß ein Programm, das fast mit
unwiderstehlicher Anziehungskraft auf einen gesunden, frischen,
intelligenten Knaben einwirken muß. Man sehe nur die Hand—
bücher an, die für die „Pfadfinder“ herausgegeben worden sind.
Schon beim Blättern des Buches leuchten einem normalen
Jungen die Augen; er beneidet die glücklichen Knaben, die den
Spuren eines Hasen oder eines Marders durch den Schnee
folgen können, mit Flaggen kunstgerecht signalisieren, verwun—
dete Gespielen verbinden, allerhand künstliche Knoten binden,
gewaltige Drachen fliegen lassen, sogar, wie die Indianer, durch
Reiben zweier Hölzer Feuer machen.
da will er auch ein „Pfadfinder“ werden; andere Knaben der
Nachbarschaft haben schon eine Truppe organisiert, warum soll
ihm der Vater das unschuldige Vergnügen nicht gönnen?
Das hängt nun davon ab, welchen Zweck die Boy Scout—
Bewegung verfolgt, und auch davon, welche Mittel sie zur Ver—
folgung dieses Zweckes gebraucht. Und da fällt uns in der
vorliegenden Literatur vor allem auf, daß alle die genannten
Dinge nicht den ganzen Zweck der Boy Scout-Bewegung aus—
machen, sondern nur Mittel sind — und nicht die einzigen —, 4
um den eigentlichen Zweck dieser Vereinigung zu befördern.
Und dieser
Hauptzweck der Boy Scout-Bewegung ist, Knaben zur Fröm⸗
migkeit und Tngend zu erziehen.
Das ist nicht eine Nebensache, sondern Hauptsache. Das
ist Zweck und Ziel der ganzen Bewegung. „Charakterbildung“,
heißt es in dem offiziellen Blatt Scοαμtiny (1. April 1915,
S. 15), „ist der eigentliche Zweck des Pfadfindertums. Jeder
Schritt in unserm Programm üist nur ein Mittel zu diesem
—
Es dauert nicht lange, 1
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