Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 25 › Seite 388
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Dezember 1904, Seite 388
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Staatsſchule
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SEDer 2„VutfieraneSee
und doch ewig neue Botschaft von Christo, dem Sünderheilande,
zu verkündigen. Die Zuhörer aber sollen die Predigt nicht nur
hören und merken, sondern auch treulich auf sich anwenden. Und
da der Prediger dieses Mittel des Evangeliums nicht nur durch
die öffentliche Predigt den Leuten nahe bringen soll, sondern auch
in der Privatseelsorge, so ist es Pflicht der Zuhörer, dem Pastor
dazu auch Gelegenheit zu geben, zum Beispiel dadurch, daß sie
sich persönlich zum heiligen Abendmahl anmelden, den Pastor
von Krankheitsfällen benachrichtigen und dergleichen mehr.
Aber der HErr IEsus hat nicht nur das Predigtamt ein⸗
gesetzt, sondern verlangt auch von den Christen, daß sie selbst in
Gottes Wort forschen sollen. Schon im Alten Testament spricht
der Prophet Jesaias (Cap. 34, 16.): „Suchet nun in dem Buch
des HErrn und leset.“ Der HErr JeéEsus selbst spricht Joh.
5, 39.: „Suchet in der Schrift; denn ihr meinet, ihr habt das
ewige Leben darinnen, und sie ist's, die von mir zeuget.“ Der
Apostel Paulus ermahnt die Colosser (Cap. 3, 16.): „Lasset das
Wort Christi unter euch reichlich wohnen in aller Weisheit.
Lehret und vermahnet euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen
und geistlichen lieblichen Liedern und singet dem HErrn in eurem
Herzen.“ Aus allen diesen Sprüchen geht klar hervor, daß die
Christen das Mittel des Evangeliums auch in ihrem eigenen
Hause gebrauchen sollen, und zwar sowohl in der gemeinsamen
Hausandacht als auch jeder für sich. Dieses stille sich Hinein⸗
versenken in Gottes Wort mit gleichzeitigem herzlichen Gebet um
die Erleuchtung des Geistes wird gerade in unserer Zeit mit ihrem
geschäftlichen Rennen und Jagen ein rechter täglicher Ruhepunkt
für unsere Seele werden. Je mehr wir aber aus diesem treuen
Lesen des göttlichen Wortes daran erinnert werden, daß wir
Fremdlinge und Pilgrime auf Erden sind und unsere Heimath
im Himmel haben, ja, je kräftiger in uns dadurch das Heimweh
nach dem Himmel erweckt wird, um so nichtiger und eitler werden
uns die Dinge dieser Erde vorkommen, und der materialistische
Zeitgeist wird in seiner verderblichen und ungläubigen Gestalt
immer mehr offenbar werden.
Doch sei hier auch noch auf eine andere Weise, der Fäulniß
in der Welt durch das Evangelium zu wehren, hingewiesen; das
ist die treue Benutzung unserer Gemeindeschulen.
Unsere lutherischen Gemeindeschulen sind fürwahr ein köstlicher
Schatz unserer Kirche. Gerade die Gemeindeschule ist es gewesen,
welche in der Hand Gottes ein Mittel war, unsere Synode zu
dem zu machen, was sie ist, und für nichts, nächst der reinen
Lehre, sollten wir unsern Vätern, die nun schon zumeist in der
himmlischen Heimath sind, so dankbar sein, als für die Gemeinde⸗
schule. Man hält so oft die öffentlichen Schulen für religions⸗
lo se Schulen. Aber das sind sie thatsächlich häufig nicht. Sehen
wir uns die Schulbücher, die in den öffentlichen Schulen gebraucht
werden, nur ein wenig genauer an, so werden wir bald erkennen,
daß darin allerdings oft eine Religion nebenbei gelehrt wird,
aber freilich nicht die rechte, sondern die falsche Religion der Werk⸗
gerechtigkeit und des Fleisches. Als das religiöse Grundprincip
gilt gewöhnlich der Satz: „Thue recht und scheue nie⸗
mand.“ Dieser Grundsatz wird aber nicht nur heimlich, sondern
ganz öffentlich gelehrt, ja, sogar gedruckt. In einem Lesebuch im
Staat Wisconsin findet sich zum Beispiel folgendes Sprüchlein:
One, two, three, four, flve, six, seven—
All good children go to heaven.
Ohne viel Mühe kann man gar bald den rationalistischen, mate⸗
rialistischen Geist entdecken, der durch die öffentlichen Schulen
weht. Ist es dann zu verwundern, wenn dieser Geist Einfluß in
der Kirche gewinnt, solange christliche Eltern ohne die dringendste
Noth ihre Kinder in solche Schulen schicken? Dazu kommt, daß
man über Glaubensstellung und Charakter der Lehrer in den
öffentlichen Schulen meist gar nichts weiß. Wie können Eltern
ihre Kinder Leuten zur Erziehung anvertrauen, von denen sie
doch nicht wissen, ob sie überhaupt dazu fähig sind, ja, von
denen sie wissen, daß sie das eigentliche Erziehungsmittel, das
Wort Gottes, nicht brauchen dürfen? Ein Pferd oder eine
Nähmaschine mag man niemandem anvertrauen, von dem man
nicht weiß, daß er damit umzugehen versteht, aber mit ihren aller⸗
köstlichsten Besitzthümern, den Seelen ihrer durch Christi Blut
erkauften Kinder, gehen viele, die den Christennamen tragen,
weit leichtfertiger um und senden sie in solche Schulen, in denen
sie in große Seelengefahr kommen. Das geschieht zum Theil aus
Unkenntniß oder aus Gleichgültigkeit oder auch, weil die Eltern
die in den lutherischen Schulen geübte Zucht nicht für ihre Kinder
haben wollen, obwohl selbst verständige Ungläubige eine straffe
Zucht für nöthig halten. So sagt zum Beispiel der bekannte
Pädagog Adolf Diesterweg in seinem „Pädagogischen Wollen
und Sollen“, Seite 128: „Aus laxer Behandlung gehen keine
kräftigen Menschen, nur Schwächlinge hervor; die strenge Er⸗
ziehung stählt die Kräfte.“ Die christliche Erziehung in unsern
Schulen ist für unsere Kinder von ganz unberechenbarem Werth;
sie ist es allein, welche die rechte Mitte treffen kann zwischen einer
weichlichen Kindervergötterung und einem Stockmeisterthum.
Ohne Gehorsam ist kein rechtes Schulehalten möglich; der Ge⸗
horsam bildet den Charakter des Kindes. Möchten wir darum
doch nicht vergessen, daß in unsern Gemeindeschulen unsern Kin⸗
dern die einzige Waffe gegen den materialistischen Zeitgeist nicht
nur gezeigt wird, sondern daß sie daselbst auch im rechten Ge⸗
brauch dieser Waffe unterwiesen werden.
Die Gefahr, von dem materialistischen Geiste angesteckt zu
werden, droht unsern Kindern aber nicht nur in den öffentlichen
Volksschulen, sondern auch und in mancher Hinsicht in verstärk⸗
tem Maße in den Hochschulen und Universitäten. Wohl hat die
Kirche als solche zunächst nur die Aufgabe, für die Heranbildung
von Predigern und Lehrern zu sorgen und die dazu nöthigen An⸗
stalten zu gründen und zu unterhalten. Aber jeder Christ, der
den verderblichen Einfluß des Materialismus erkennt, sollte ge⸗
wiß auch dazu helfen, daß auch christliche Hochschulen gegründet
und erhalten werden, um auch dadurch dem Materialismus ent⸗
gegenzuarbeiten. Zu diesem Punkte seien einige Worte Luthers
beigefügt (Volksbibliothek, Band 4, Seite 81): „Ja, sprichst
du, ob man gleich sollte und müßte Schulen haben, was ist uns
aber nütze, lateinische, griechische und ebräische Zungen und an⸗
dere freie Künste zu lehren? Können wir doch wohl deutsch die
Bibel und Gottes Wort lehren, die uns genugsam ist zur Selig⸗
keit? Antwort: Ja, ich weiß leider wohl, daß wir Deutschen
müssen immer Bestien und tolle Thiere sein und bleiben; wie uns
denn die umliegenden Länder nennen und wir auch wohl ver⸗
dienen. Mich wundert aber, warum wir nicht auch einmal sagen:
Was soll uns Seide, Wein, Würze und der fremden ausländi⸗
schen Waaren, so wir doch selbst Wein, Korn, Wolle, Flachs,
Holz und Stein in deutschen Landen nicht allein die Fülle haben
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