Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 25 › Seite 392
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Dezember 1904, Seite 392
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Dreieinigkeit 7 · Pilgrim
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sein versunken. Das Bekenntniß der Kirche ist für das moderne
Geistesleben abgeschafft. Die Kirche sammelt sich um Lebensgrund⸗
sätze, welche auf nothwendiger Vernunftwahrheit beruhen. Christus
darf nicht Gegenstand der Anbetung sein; er hat keine religiöse, son⸗
dern nur geschichtliche Stellung einzunehmen. Die Bibel sei nicht
und enthalte nicht Gottes Offenbarung, denn eine solche gebe es nicht.
Die Religion sei Sache der Vernunft und ein Ergebniß der geschicht⸗
lichen Entwicklung. Der früher vielgenannte ungläubige P. Dr. Sulze
sprach aus, daß der gebesserte Mensch selbst seine früheren Verfehlungen
sühne, das heißt, die Vergebung der Sünden kann sich jeder selbst
ertheilen, es bedarf dazu keiner Versöhnung durch einen Mittler. In
einer größeren Abendversammlung endlich wurde erklärt, weder JIEsus
noch die Kirche könne irgend welchen Glauben lehren. Vielmehr müsse
sich der Einzelne seinen Glauben selbst schaffen. Und solche groben
Irrlehrer bleiben im Amt und dürfen in den protestantischen Landes⸗
kirchen die Seelen morden. L. F.
Glänbige Christen sind Fremdlinge und Pilgrime hier
auf Erden.
St. Petrus nennt uns Christen Fremdlinge und Pilgrime, anzu⸗
zeigen, was unser Leben auf Erden sei und wofür man es halten soll.
Ein Fremdling heißt ein Einkömmling oder Ausländer, der an
dem Ort, wo er wohnet, nicht Bürger ist von Geburt, sondern anders⸗
woher gekommen; der also nicht einheimisch ist, wie die Kinder Israel
Fremde und nicht Einheimische waren in Egypten, darein sie kommen
waren aus dem Lande Canaan durch die Theurung, wie Moses ihnen
oft vorhält und spricht: Ihr seid Fremdlinge gewesen in Egyptenland.
Ein Pilgrim heißt ein Wanderer, der ein Land durchreist und
nicht in einer Stadt oder auf einem Dorfe ist, da er hin gehöret, son⸗
dern an einem fremden Ort nur herberget als im Durchgang; der
nicht allein ein Einkömmling ist wie ein Fremder, sondern auch ein
Gast, und nichts Eigenes hat noch zu haben gedenkt an dem Ort seiner
Wallfahrt, sondern lediglich durchpassirt, wie die Kinder Israel Pilger
waren in der Wüste. Also sind die Christen Fremdlinge und Pilger
in dieser Welt.
St. Petrus will anzeigen (1 Petr. 2, 11.), daß wir dieses Leben
nicht anders ansehen sollen, als ein Fremdling und Pilgrim das Land
ansiehet, darin er ein Ausländer und Gast ist. Ein Fremdling darf
nicht sagen: Hier ist mein Vaterland! denn er ist da nicht einheimisch.
Ein Pilgrim gedenket nicht zu bleiben im Lande, da er wallet, und in
der Herberge, da er über Nacht liegt, sondern sein Herz und Gedanken
stehen anderswohin. In der Herberge nimmt er nur seine Nothdurft,
Mahl und Lager und wandert immer wieder davon, bis er an den
Ort kommt, wo er daheim ist. Also seid ihr Christen, spricht Petrus,
nur Fremdlinge und Gäste in dieser Welt und gehöret in ein ander
Land, da ihr eine stete Herberge und bleibende Stadt habt ewiglich.
Darum stellet euch als Fremdlinge und Gäste in diesem fremden Land
und Gasthof, nehmet daraus nicht mehr denn Essen und Trinken,
Kleider und Schuhe und was ihr bedürfet zu dieser Nachtherberge,
und denket immer an euer Vaterland, da ihr Bürger seid.
Wir sollen als Kinder des Lichtes mit allem Fleiß trachten nach
dem, das droben ist, und dieser Welt also brauchen, daß wir derselben
nicht mißbrauchen und uns in Sorgen der zeitlichen Nahrung und
weltliche Geschäfte nicht so tief verwickeͤln. Mit solchen Gedanken
soll ein Christ umgehen und sagen: Weil ich je auf Erden leben muß,
solange Gott will, so will ich also essen und trinken, pflanzen und
bauen und nehmen, was Gott bescheret, nicht als wäre solches das
rechte Gut, sondern als eine zeitliche Nothdurft. Und gleichwie ein
Fremdling und Gast im fremden Land und Gasthof solches alles gedenkt
zu verlassen und seinen Stab weiter zu setzen, also denke ich auch aus
dieser Welt als aus dem fremden Land und aus dem bösen, unsicheren
Gasthof immer hinweg in das rechte Vaterland des ewigen Lebens,
da eitel Sicherheit, Ruhe, Friede und Freude sein wird ewiglich.
Meine Seele verlanget und sehnet sich nach dir, o HErr; ich
wünsche daheim zu sein bei dir. Komm, Tod, komm, letzter Tag,
mein bester Geburtstag; komm, du letzte Stunde meines Abschiedes!
Ich bin ein Gast und Fremdling auf Erden und habe hier keine blei⸗
bende Stadt; die zukünftige suche ich. Wie der Hirsch schreiet nach
frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu dir.
dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.
kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue?
ich hören werde die fröhliche Stimme:
Freude! (Nicolai, „Freudenspiegel des ewigen Lebens“.)
Von der heiligen Dreifaltigkeit.
Es ist alles sehr unzulänglich, was man ersonnen hat, um das
Geheimniß von der heiligen Dreifaltigkeit unserm Verständniß näher
zu bringen. Gregorius von Nazianz, welcher von Kaiser Theodosius
zum Patriarchen von Constantinopel ernannt wurde, diese Würde aber
ein Jahr darauf schon niederlegte, um in der Stille zu leben, und vor
mehr als 1500 Jahren starb, sagt: „Kaum habe ich das einige gött⸗
Meine Seele
Wann werde ich dahin
O des edlen Tages, da
Gehe nun ein zu deines HErrn
liche Wesen mir recht vorgestellt, so umstrahlt mich bald das dreifache
Wunderlicht der drei göttlichen Personen. Und kaum habe ich ein
wenig angefangen, die drei Personen zu unterscheiden, entzückt mich
wieder die Einigkeit des göttlichen Wesens und heißt mich innehalten.
So will ich denn ohne ferneres Rachforschen drei in einem und eins
in dreien verehren und anbeten.“
Als Johann Velcurio, Professor der Physik an 12 Universität
Wittenberg, auf dem Sterbebette lag, fragte man ihn, ob er sich auch
betrübe, daß er sterben müsse. Da hat er geantwortet:
„Der Vater
ist mein Liebhaber und Freund; der Sohn ist mein Erlöser und Hei⸗
land; der Heilige Geist ist mein Tröster und Beistand; wie könnte
ich doch traurig sein!“
Dies erzählt uns Philipp Melanchthon. Als aber dieser selbst
entschlafen war, fand man auf seinem Tisch ein Blatt, worauf er die
Gründe geschrieben hatte, weshalb er sich freue, bald abzuscheiden.
Da stand auch geschrieben: „Weil ich ohne Stückwerk erkennen werde
das selige Geheimniß der allerheiligsten Dreieinigkeit.“ Alle Seligen
schauen nun, was sie geglaubt haben. Wir aber wollen bedenken:
Es hat niemand Gott, er habe ihn denn als dreieinigen. Es gibt
keinen lebendigen, wahren Glauben an Gott, es sei denn ein Glaube
an den dreieinigen Gott — Vater, Sohn und Heiligen Geist.
Vom Vergeben.
Eines Tages, so berichtet D. Büchsel, wurde ich an das Sterbe⸗
bett einer frommen Wittwe gerufen, um ihr das Sacrament zu reichen.
Als ich fragte, ob sie noch etwas auf dem Herzen habe, antwortete sie:
„Nein, ich habe alles mit meinem Heiland abgemacht und will mich
nur noch einmal seines Leidens und Sterbens getrösten zur Vergebung
aller meiner Sünden.“ Auf die weitere Frage, ob sie auch mit niemand
mehr in Feindschaft lebe, erwiderte sie: „Nein, ich habe alles ver⸗
geben.“ Bei diesen Worten fingen die im Zimmer anwesenden Kin⸗
der an, heftig zu weinen, und auf mein Fragen sagte man mir, es sei
ein ungerathener Sohn vorhanden, der der Mutter schon viel Herze⸗
leid bereitet habe. Als ich sie dann abermals fragte, ob sie auch ihrem
Christian alles vergeben habe, antwortete sie: „Wie kann eine Mutter
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