Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 25 › Seite 390

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Dezember 1904, Seite 390

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und Ermunterungen hinzugefügt. Das Resultat der Visitation
war in allen Gemeinden im Ganzen ein befriedigendes; überall
trat zu Tage, daß Gottes Wort nicht umsonst gepredigt wird, ja,
mit Verwunderung wurde der Unterzeichnete oft erfüllt, wenn er
wahrnehmen durfte, wie Gott in dem kurzen Zeitraum von drei
Jahren die reine Predigt seines Wortes in Brasilien so reich
gesegnet hat.

Am 17. Mai war die Visitation der fünf Gemeinden im Sao
Lourenzer Gebiet beendigt, und in dieser Zeit wurden 162 Mei⸗
len auf Colonistenwagen zurückgelegt. Nun ging die Reise von
Pelotas aus zu Wasser nach Porto Alegre, wo wir am 24. Mai
glücklich anlangten. Das nächste Ziel war die Gemeinde in
Estancia Velha, an welcher der inzwischen nach Deutschland zu⸗
rückgekehrte P. Brutschin viele Jahre gestanden hatte und die nun
P. Klein bedient. An dieser Gemeinde werden wir allem An⸗
schein nach Freude erleben; sie hat eine gute Zukunft. Sie
bringt den Gehalt ihres Pastors allein auf, besitzt eine auf einer
Anhöhe gelegene schöne Kirche, in welcher eine in Deutschland
gebaute Pfeifenorgel mit Pedal sich befindet, hat, wie fast alle an⸗
dern Gemeinden, einen Kirchhof, eine Schule und Pfarrwohnung
und ist schuldenfrei.

Die nächste Gemeinde, die besucht wurde, war die in Sao
Leopoldo. Diese Gemeinde besteht schon seit vielen Jahren.
Ursprünglich zur evangelischen (unirten) Gemeinde gehörend,
hatte sich eine Anzahl Glieder von derselben getrennt. Sie wand—
ten sich schließlich an die Pastoren Mahler und Klein (letzterer
stand damals zeitweilig P. Mahler in Porto Alegre zur Seite)
und beriefen P. Klein, der dem Rufe folgte. Er gründete sofort
eine Gemeindeschule, die nach einem Jahr bereits 61 Schüler
zählte. Da P. Klein nach kurzer Arbeit in Sao Leopoldo den
an ihn ergangenen Beruf der Gemeinde in Estancia Velha an⸗
zunehmen sich genöthigt sah, berief die Gemeinde P. Stiemke,
der zur Zeit der Visitation bereits in sein neues Arbeitsfeld ein⸗
getreten war. Auf Grund einer gerichtlichen Entscheidung be⸗
nutzen beide Theile, die Lutherischen und die Unirten, eine
und dieselbe Kirche abwechselnd einen Sonntag um den andern.
Deshalb möchte unsere Gemeinde gern zu einer eigenen Kirche
kommen, und in der Versammlung wurde auch darüber ver⸗
handelt. Da die Gemeinde jedoch nicht im Stande ist, ohne
Beihülfe einen Kirchbau auszuführen, so wird sie sich zur geeig⸗
neten Zeit an die Liebe ihrer Glaubensbrüder in Nordamerica
wenden.

Etliche Stunden von Sao Leopoldo entfernt liegt die Ge⸗
meinde P. Müllers in der sogenannten „Baumschneiz“. Da der
Weg dorthin nicht mit dem Wagen zurückgelegt werden konnte und
man es dem des Reitens ungewohnten Visitator erleichtern wollte,
so kam P. Müller mit einer zehn Mann starken Deputation zu
Pferd nach Sao Leopoldo. Von der unirten Gemeinde in der
„Baumschneiz“ hatten sich 22 Glieder losgesagt und sich an
P. Klein gewandt. Derselbe nahm sich der Leute an, die dann
P. Müller beriefen. Leider entstand wegen der Benutzung der
Kirche ein Proceß, der kurz vor der Abreise des Unterzeichneten
von dem Richter dahin entschieden wurde, daß beiden Theilen
das Recht der Benutzung der Kirche zustehen solle. Die Gemeinde
P. Müllers zählt 50 Glieder, die Schule 20 Schüler.

L. Lochner.

Zur kirchlichen Chronik.

Ameriea.

Ueber das Befinden Herrn D. Gräbners wieder einmal etwas
zu hören, wird den Lesern des „Lutheraner“ gewiß erwünscht sein.
Leider können wir nicht berichten, daß er sich auf dem Wege der
Besserung befinde; er ist im Gegentheil in den letzten Monaten zu⸗
sehends schwächer geworden, da die großen Schmerzen, von welchen
er nun über ein Jahr lang gemartert worden ist, seine Kraft verzehrt
haben. Er hat zwar sein Leiden immer mit Geduld und Ergebung
getragen, doch sehnt er sich jetzt nach Ruhe und Erlösung. Hat es
Gott auch bisher nicht gefallen, unsers Herzens Wunsch zu gewähren
und dem theuren Mann seine Gesundheit wieder zu schenken, so wollen
wir doch anhalten mit unserer Fürbitte für ihn und nicht vergessen,
daß des Gerechten Gebet viel vermag, wenn es ernstlich ist.

C. C. Schmidt.

Innere Mission in Süd⸗California. Da auch Glieder unserer
Synodalgemeinden in den Wintermonaten namentlich Süd⸗California
besuchen, so bringen wir hier zur Kenntniß, daß seit Oetober in Long
Beach, zwanzig Meilen von Los Angeles gelegen, und ebenso in
East Los Angeles regelmäßig von Pastoren unserer Synode ge⸗
predigt wird. In Los Angeles selbst steht unsere Kirche an der
8. und Flower⸗Straße. Außerdem finden sich in Süd⸗California
Gemeinden und Predigtplätze an den folgenden Orten: Orange, Ana⸗
heim, San Diego, Otay Mesa, Olivenhain, Pasadena, Azusa, Oxnard.

F. P.

Gemeindeschulen an der Paeifie⸗Küste. In Lodi, Cal., und
in Salem, Oreg., sind kürzlich Gemeindeschulen eröffnet worden.
Die Gemeinde in Blooming, Oreg., hat den Bau eines schönen
Schulhauses vollendet. Es heißt darüber in dem uns vorliegenden
Bericht: „Beide Gottesdienste (bei der Einweihung) waren gut be
sucht; unter andern waren auch Gäste aus Gales und Portland zugegen.
Das Schulhaus selbst ist ein schönes, geräumiges Gebäude, wohl das
beste und schönste seiner Größe im County, eine Zierde für die ganze
Umgebung. Gott führe der St. Petri⸗Gemeinde nun auch bald einen
tüchtigen, treuen Lehrer zu und lasse seinen Segen auf dessen Arbeit
ruhen!“
großen Schulhauses (zweistöckig und 404 75 Fuß) in Angriff ge⸗
nommen. F. P.

Eine Versammlung von Vertretern verschiedener Wohlthä⸗
tigkeits⸗ und Missionsgesellschaften fand vom 1. bis 4. November
innerhalb der Emmaus⸗Gemeinde zu Fort Wayne, Ind., statt. Vertre⸗
ter waren erschienen aus den Stadtmissionsgesellschaften von St. Louis,
Chicago, Buffalo und Fort Wayne; aus den Kinderfreundgesellschaf⸗
ten von Wisconsin, Minnesota, Illinois, Michigan, Indiana, Mis⸗
souri und New Nork; aus den Hospitalgesellschaften von Fort Wayne
und Springfield. Anwesend waren ferner der Superintendent der An⸗
stalt für Schwachsinnige und Epileptische, ein Abgesandter des Direc⸗
toriums der Waisenhausgesellschaft in Indianapolis, der Waisenvater
des Waisenhauses in Addison, Ill., und endlich noch verschiedene Gäste
aus Fort Wayne und Umgegend. Gleich zu Anfang der Sitzungen
wurde beschlossen, daß zu der nächstes Jahr in Chicago abzuhaltenden
Versammlung Vertreter aller Missions- und Wohlthätigkeitsvereine
und ⸗Anstalten eingeladen werden sollen. Bei den diesmaligen drei⸗
einhalbtägigen Verhandlungen hat sich herausgestellt, daß mit großem
Nutzen viele Schwierigkeiten besprochen werden können, welche in aller
derartigen Arbeit sich erheben und überwunden werden müssen. Der
stattgehabte Austausch von Gedanken und Erfahrungen kann nur för⸗
derlich einwirken auf die Arbeit der verschiedenen Gesellschaften und
Anstalten, so daß auch die Gaben der Christen desto vortheilhafter ver⸗

Ebenso hat die Gemeinde in Orange, Cal., den Bau eines

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