Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 60, Nummer 25 › Seite 393
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Dezember 1904, Seite 393
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Vater Unſer. —5. Bitte 8
— . utberane.
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anders als vergeben; ich weiß auch, daß die Stunde nicht fern ist, wo
hm Gott vergeben wird.“ Auf meine Gegenfrage, woher sie solche
Zuversicht nehme, entgegnete sie: „Aus Gottes gnädigen Verheißungen.
Ach, Herr Pastor, mein Kind, an dem viele Gebetsthränen kleben,
kann nicht verloren gehen.“ Nun reichte ich ihr das heilige Abend⸗
mahl, und die Kranke ging darauf im Frieden heim.
Zum Begräbniß war auch der ungerathene Sohn Christian er⸗
schienen; aber er stand anscheinend gleichgültig und theilnahmlos da.
Bleich, abex mit trotzigem Gesichtsausdrucke stierte er auf den Sarg und
»ODas so friedliche Antlitz der Mutter. Der Zug setzte sich in Bewegung.
Christian schritt dicht neben mir, das Gesangbuch in der Hand, aber
„ sein Mund blieb geschlossen. Da, als der Sarg hinabgesenkt worden
war und hohl und dumpf die Stricke, sich an den Brettern reibend,
hervorgezogen wurden, stürzt sich auf einmal Christian in das Grab,
wirft sich Uber der Mutter Sarg und schreit, daß es allen Anwesenden
durch Mark und Bein geht: „O Mutter, vergib mir alle meine Sünden!“
Als man den Tiefzerknirschten endlich aus dem Grabe gezogen
hatte und er einem Zuspruch zugänglich geworden war, konnten ich und
seine Geschwister ihn trösten mit der Versicherung, daß die Mutter ihm
vergeben und noch kurz vor ihrem Tode die feste Zuversicht ausge⸗
sprochen habe, daß er auch die Vergebung Gottes suchen werde. „Das
will ich, ach, das will ich, Herr Pastor“, schluchzte er, und er hat sein
Versprechen gehalten. Von Stund an ward er ein anderer Mensch. —
Bedarfst auch du der Vergebung, lieber Leser, o so eile und ver⸗
söhne dich mit deinem Widersacher, ehe der Tod ihm oder dir den
Mund schließt und du keine Vergebung mehr erlangen kannst.
Die schlimmsten Feinde des Menschen.
Bei einer Kirchenvisitation examinirte ein Pfarrer die Erwachsenen
und die Kinder in den Lehren des Glaubens und fragte dabei unter
anderm, welches die drei ärgsten Feinde des menschlichen Geschlechts
seien. Die Antwort war: „Die Sünde, der Tod und der Teufel.“
„Hierauf wandte er sich an ein Kind und fragte, welches denn unter
den Dreien der Schlimmste sei. Das Kind antwortete: „Der Tod;
ich will gerne in den Himmel, aber nicht sterben und nicht ins Grab.“
Er richtete nun dieselbe Frage an einen Mann. Dieser antwortete:
„Der Teufel; denn wenn man an die Hölle denkt, so schaudert's einem
und die Haare stehen einem zu Berge.“ Endlich wandte er sich mit der⸗
selben Frage an einen erfahrenen, in Gottes Wort gegründeten Greis,
und der antwortete: „Die Sünde; denn hätte dieser Feind uns nicht
zuvor an seine Kette gelegt, so hätten die zwei andern Feinde, Tod und
Teufel, keine Macht an uns. Gelobt sei Gott, daß IEsus Christus uns
von aller Sünde erlöst und damit Tod und Teufel für uns unschädlich
gemacht hat!“
Der Ernst der Ewigkeit.
In Frankreich lebte ein vornehmer Mann von großem Verstand,
aber ein Gottesleugner, der weder einen Himmel noch eine Hölle
gglaubte und darnach auch sein Leben führte, nämlich als ein Knecht
des Teufels. In gesunden Tagen spottete er aller christlichen Ermah⸗
nung, als er aber auf sein Sterbebett kam, gerieth er in eine solche
Gewissensangst, daß er selber bekannte, kein verzagtes Weib und kein
zartes Kind könnten sich so vor dem Tode fürchten wie er, der ihm
sonst so tapfer habe trotzen wollen. Obwohl ihn nun ein gottesfürch⸗
tiger Edelmann auf die große Barmherzigkeit Gottes und das Verdienst
Christi weisen wollte, war es doch vergeblich; er rief in verzweifelten
Reden, sein Herz sei für solchen Trost ganz ehern und stählern und er
e, daß sein Ort bei Kain, Ham, Judas und allen Verächtern der
theit bereitet sei. Einer seiner Sündengesellen kam auch herzu,
um zu sehen, ob der Tod auch einen solchen „tapferen“ Sünder er⸗
schrecken könnte. Den sah er mit tiefem Seufzen an und sprach:
„Wenn der Mensch von dem Augenblick seiner Geburt an wissen
könnte, was man ein wenig vorher empfindet, ehe man seinen Geist
aufgibt, so würde von zwei Dingen eins geschehen: entweder würden
alle Menschen von der Wiege an begehren zu sterben, oder in einer
solchen Weise zu leben, daß sie ohne Furcht sterben könnten. Ich habe
keinen Glauben gehabt, jetzt fange ich an einen zu haben, aber einen
wie die Teufel, welche glauben und — zittern! Nun ist der Würfel
geworfen, nun das Los gezogen, welches für immer gilt — für mor⸗
gen, für tausend Jahre, für Millionen Jahre und wieder für Millio⸗
nen Jahre — in alle, alle Ewigkeit. Nun nagt der Wurm, der nimmer
stirbt, nun brennt das Feuer, das nimmer verlischt — nimmer!“
„Es sind ja Gott geringe Sachen.“
Der Prediger Schade an der Nicolai⸗Kirche zu Berlin war augen⸗
leidend und die Aerzte erklärten eine Operation für nothwendig. Der
sonst so feste Mann konnte keinen Muth dazu fassen und rang mit Gott
im Gebet um Kraft. Da fügte es sich, daß Currendeknaben unter
dem Fenster das Lied sangen:
Was mein Gott will, das g'scheh allzeit,
Sein Will der ist der beste;
Zu helfen den'n er ist bereit,
Die an ihn glauben feste.
Das Herz des Predigers war tief bewegt und heiße Thränen rannen
ihm über die Wangen. Kurz darauf kamen die Aerzte. Wie erstaunt
waren sie, das Uebel gehoben zu sehen. Der starke Thränenstrom
hatte die im Auge befindliche Geschwulst erweicht.
Warum so spät?
Eine alte muhammedanische Frau in Bengalen, die in ihrem
Dorfe wegen ihrer Frömmigkeit in hohem Ansehen stand, fragte kürz⸗
lich eine Bibelfrau, die ihr von Christo erzählte: „Wie lange ist es
her, seitdem der IEsus, von dem du redest, für die sündigen Menschen
gestorben ist?“ Auf die Antwort, daß dies vor einer langen Zeit ge⸗
schehen sei, entgegnete die Alte mit großem Ernst und tiefer Erregung:
„Wo seid ihr denn so lange gewesen, daß ich diese wunderbare Nach⸗
richt nicht vernommen habe? Siehe mich an! Ich bin jetzt eine sehr
alte Frau. Mein ganzes Lebenlang habe ich gebetet, Almosen ge⸗
geben, die Tempel der heiligen Männer besucht, mein Leib ist aus⸗
gedörrt von vielem Fasten, und nun sagt man mir, daß dies alles
nutzlos und daß IEsus gestorben sei, um meine Sünden hinweg⸗
zunehmen. Wo seid ihr so lange geblieben, und was habt ihr gemacht,
daß ich hiervon bisher nichts gehört habe?“ — Lieber Leser, liegt nicht
in diesen Worten eine Anklage?
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Todesanzeige.
Es hat dem HErrn über Leben und Tod gefallen, aus der Zeit
in die Ewigkeit abzurufen P. O. Gölz, seit zwölf Jahren Pastor der
Salems⸗Gemeinde zu Gretna, La. Er starb nach nur kurzer Krank⸗
heit am Freitag, den 18. November, im Alter von 34 Jahren und
wurde am Sonntag unter zahlreicher Betheiligung auf dem Gottes⸗
acker zu Gretna christlich zur letzten Ruhe bestattet. Es trauern um
ihn seine Eltern und Geschwister in Brooklyn, N. Y., seine hinter⸗
lassene Wittwe und vier Kinder, seine verwaiste Gemeinde und seine
hiesigen Amts⸗ und Conferenzbrüder. Gott sei allen Betrübten ein
reicher Tröster! G. J. Wegener.
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