Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 24 › Seite 369
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. November 1905, Seite 369
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Advent 3
61. Jahrgang.
Hinimel, der hatte ein ewig
Evangrlium, zu verkiindigen N
denen, die auf Erden sihen,
und wohnen, und allen Hei-⸗
den, und Geschlechtern, und
Sprachen, und Välkkern, und
sprach mil großer Stimme:
Sürchter Gott, und geber
üihm die Ehre; denn die⸗Zeit⸗
Nseines Gerichts isl kommen,
und belel an den, der gemacht
hat Himmel, und Erde, und
Meer, und die Wasser⸗
brunn
V 2 S
Herausgegeben von der Deutschen Evangelisch⸗Luth
*
erischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigirt von dem Lehrer⸗Collegium des theologischen Seminars in St. Lonis.
Zum Danksagungstag.
Ich will den HErrn loben allezeit; sein Lob soll
immerdar in meinem Munde sein. Ps. 384, 2.
Dich will ich loben allezeit,
Dein Lob sei stets in meinem Munde
Und geh empor mit Freudigkeit
Aus meines Herzens tiefstem Grunde.
Dir sei geweiht mein ganzer Sinn,
Mein Wort, mein Thun und all mein Streben;
Denn alles, was ich hab und bin,
Das hast du mir, mein Gott, gegeben.
Du hast einst meiner schon gedacht,
Bevor ich konnte dein gedenken,
Du hast mein irdisch Los bewacht
Und willst mir auch den Himmel schenken.
Ob du gleich thronst in Herrlichkeit,
Von dir kann keine Uluft mich trennen,
Ich darf trotz aller Niedrigkeit
Dich meinen Vater kindlich nennen.
Du hast, wenn ich aus Aengsten rief,
Dich meiner herzlich angenommen,
Und war das Dunkel noch so tief,
Ist doch von dir mir Licht gekommen.
Mach ganz mein Herz von Sorgen frei
Und gib, daß jeder meiner Tage
Ein Feuge wahren Glaubens sei
Und deine Hräfte in sich trage.
So geh ich preisend ein und aus,
Dn öffnest mir des Friedens Pforte,
Du rufst mich freundlich in dein Haus
Und sprichst zu mir aus deinem Worte,
Und deine Gnade schrankenlos
Macht ledig mich vom Druck der Sünden,
Ich ruh in ewger Liebe Schooß
Und laß nicht ab, es froh zu künden.
Es läßt nicht ab mein sehnend Herz,
In Lob und Flehen dich zu fassen,
Dich lauf ich an in Freud und Schmerz
Und will dich nicht im Tode lassen;
Dich will ich lieben inniglich
Und bis zum letzten Hauch dir dienen,
Dich will ich loben ewiglich
Mit Chernbim und Seraphinen.
St. Louis, Mo., den 21. November 1905.
No. 24.
Zum letzten Sonntag des Kirchenjahres.
Wir feiern heute den letzten Sonntag in dem gegenwär⸗
tigen Kirchenjahr. Ein wichtiger Tag! Er ist der letzte in der
Reihe vieler Tage, an denen Gott uns durch sein Wort zu sich
gerufen und unsere Seligkeit treulich gesucht hat.
Billig fragen wir uns daher heute, ehe das Kirchenjahr
vollends abgelaufen ist: Hast du in dem nun zu Ende gehenden
Kirchenjahre auf Gottes Gnadenstimme gehört? Hast du in diesem
Jahre Gottes Gnade gesucht und gefunden? Hast du in dem⸗
selben am ersten nach dem Reiche Gottes und seiner Gerechtigkeit
getrachtet und beides erlangt? Bist du ein Kind Gottes und ein
Schäflein der Heerde IEsu Christi geworden? Oder wenn du
am Anfange dieses Kirchenjahres schon ein gläubiger Christ warst,
bist du stärker im Glauben, brünstiger in der Liebe, lebendiger
in der Hoffnung, geduldiger im Kreuz geworden? Oder bist du
stehen geblieben? Dann bist du auch zurückgegangen. Denn wo
im Christenthum kein Fortschritt ist, da ist Rückschritt. Oder bist
du gar vielleicht in dem vergangenen Jahre abgefallen? Hast
du dich etwa von der Sünde überwinden lassen? Hast du etwa
die Welt wieder lieb gewonnen? Hast du etwa den Heiland aus
deinem Herzen verloren und bist damit aus Gottes Gnade ge⸗
fallen?
Dies sind Fragen, die wir uns heute am Ende des Kirchen⸗
jahres billig vorlegen. Müssen wir aber bei diesen Fragen be⸗
schämt unsere Augen niederschlagen, sind wir entweder keine
Christen geworden oder sind wir, wenn wir schon Christen
waren, zurückgegangen oder gar abgefallen, o dann sollten wir
den heutigen letzten Sonntag dazu anwenden, dafür zu sorgen,
daß dieses Kirchenjahr uns noch ein Gnadenjahr werde. Wenn
wir nur nicht widerstreben, Gott ist bereit, auch an diesem
letzten Sonntag uns das zu geben, was wir in den vergange⸗
nen versäumt haben; denn Gott ist langmüthig und geduldig;
seine Güte ist alle Morgen neu.
(Walther, „Licht des Lebens“.)
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