Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 24 › Seite 373
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. November 1905, Seite 373
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und zwar mit allem Ernst gekämpft und gestritten haben —
darüber sollten sie nicht gescholten, sondern von allen Christen
gelobt werden.
Bei der Versammlung, welche Vertreter des General Council
im vorigen Jahre mit Vertretern anderer lutherischer Synoden
in Pittsburg abhielten, ging es allerdings ohne eigentlichen
Kampf ab. Aber weshalb? Der Grund war nicht der, daß
bei der Versammlung nicht grobe Irrlehren vorgebracht und ver⸗
theidigt worden wären. Gerade Wortführer des General Council
verwarfen z. B. die Verbalinspiration, das heißt, sie leugneten
öffentlich, daß die ganze heilige Schrift Gottes Wort sei. Der
Grund des allgemeinen Friedens — nur Ein Mann scheint wider⸗
sprochen zu haben — war und ist der, daß das General Council
keine Kraft hat, auch grobe, grundstürzende Irrlehren zu be⸗
kämpfen und auszuscheiden. Der Friede im General Council
selbst und der Friede, in dem das General COouncil mit andern
Kirchenkörpern, z. B. auch mit der Generalsynode, lebt, ist da⸗
durch erkauft, daß man auch den nöthigen, von Gott ge⸗
botenen Kampf gegen die sich breit machende Irrlehre unter⸗
läßt. Das General Couneil als solches ist nicht ein Bekenner,
sondern ein Verleugner der von Irrlehrern angegriffenen
göttlichen Wahrheit. Es steht ihm darum übel an, wenn es ver⸗
ächtliche Seitenblicke auf „die Disputanten bei den inter⸗
synodalen Conferenzen“ wirft.
Und vollends nun die Unirten! Anstatt über den Streit,
der unter den Lutheranern um die Reinheit der himmlischen
Lehre geführt wird, zu spotten, sollten sie sich lieber wegen ihrer
Stellung zur Irrlehre schämen. Die Unirten sind wider Gott
eins geworden, den Irrthum in der Lehre zu dulden. Ja, die
unirte theologische Zeitschrift schrieb kürzlich (Märzheft, S. 145)
Folgendes über die göttliche Eingebung der heiligen Schrift:
„Wir werden gewiß keinem Bruder wehren, an die Eingebung
der Bibel Wort für Wort zu glauben“ (die der Apostel Paulus
lehrt 2 Tim. 3, 16.: „Alle Schrift, von Gott eingegeben“, und
Christus selbst Joh. 10, 35.: „Die Schrift kann nicht gebrochen
werden“), „und ihm dafür keinen unschönen Namen geben“ (das
ist wirklich sehr gütig), „wenn er dazu glaubt in seinem Gewissen
gebunden zu sein. Wir halten aber das also gebundene Gewissen
für ein irrendes und werden solchem irrenden Gewissen nie
das Recht zugestehen, den Glauben an die Verbalinspiration“
(das heißt, den Glauben, daß die Worte der Schrift von Gott
eingegeben seien) „zu einem bindenden Glaubensgesetz für alle
Christen zu machen.“ Nach dem Redacteur der unirten theo⸗
logischen Zeitschrift steht es demnach so: Die Lehre, daß die hei⸗
lige Schrift Gottes Wort ist, wird zwar noch geduldet, ist aber
für falsch zu erklären. F. P.
Zur kirchlichen Chronik.
à Ameriea.
x Aus unserm St. Louiser Predigerseminar ist zu berichten,
daß Prof. E. A. W. Krauß am 13. November glücklich mit seiner
Jamili hier eingetroffen und am 15. November der Studentenschaft
orgestellt worden ist. Er hielt dabei eine kurze Rede Über die Be⸗
deutung und Aufgabe der Kirchengeschichte und wird in den nächsten
en seine Vorlesungen über dieses Fach, sowie über Encyklopädie
und Methodologie beginnen. Gott segne unsern neuen Professor und
setze ihn zu reichem Segen für unsere Anstalt und Synode!
L. F.
In New Orleans wurde am 15. October das neue Concordia⸗
College feierlich eingeweiht. Unsere Brüder im Süden haben bekannt⸗
lich schon vor einem Jahre ein Progymnasium gegründet, um dadurch
auch an ihrem Theile der großen Predigernoth abzuhelfen, die sich in
unserm Südlichen District auch der klimatischen Verhältnisse wegen
ganz besonders empfindlich zeigt, und unsere Allgemeine Synode hat
auf ihrer letzten Versammlung dieser Anstalt finanzielle Unterstützung
zugesagt. Während des ersten Jahres war die Anstalt in den Schul⸗
räumen einer unserer New Orleanser Gemeinden untergebracht; vor
Kurzem jedoch hat die College⸗Gesellschaft für ungefähr 85000.00 ein
geräumiges zweistöckiges Gebäude von vierzehn Zimmern erworben,
das genügend Raum bietet für die Wohnung des Directors und die
nöthigen Lehr⸗‚ Wohn⸗ und Schlafzimmer der Schüler. Bei der Ein⸗
weihung amtirten die Pastoren Crämer, der Präsident der College⸗
Gesellschaft, Hartmann, in dessen Gebiet das Anstaltsgebäude liegt,
und Koßmann. Zugleich sollte die Einführung P. C. Niermanns als
Directors und zweiten Professors der Anstalt stattfinden, nachdem im
vergangenen Jahre Prof. Reisig allein den Unterricht ertheilt hatte;
doch mußte dies verschoben werden, da P. Niermann am Sterbebette
seiner Gattin stand, die eins der wenigen Opfer des gelben Fiebers
aus unsern Gemeinden geworden ist. Freilich hat auch sonst die
Seuche der jungen Anstalt Schaden zugefügt. Die erwarteten Schüler
von auswärts sind der Gefahr wegen nicht eingetroffen, und so konnte
das zweite Schuljahr nur mit den Schülern aus der Stadt selbst be⸗
gonnen werden. Von den letztjährigen Schülern sind 7 in die zweit⸗
unterste Klasse zurückgekehrt und in die unterste sind bis jetzt 10 ein⸗
getreten. Doch ist jetzt die Gefahr so gut wie beseitigt, und mit Gottes
Hülfe und unter seinem Segen wird die junge Anstalt bald wachsen
und gedeihen und zum Segen werden für unsere Kirche. Darum
wollen alle frommen Christen den HErrn der Kirche fleißig bitten.
L. F.
Unsere norwegische Schwestersynode hat am 15. October für
ihr Lehrerseminar in Sioux Falls, S. Dak., ein neues Wohngebäude
eingeweiht. Ihr Predigerseminar in Hamline bei St. Paul, Minn.,
zählt dieses Jahr 64 Studenten und ihr Gymnasium, das Luther⸗
College in Decorah, Jowa, 194 Schüler. In Folge der Zunahme
der Schülerzahl auf der letztgenannten Anstalt gebricht es an Raum,
und neue Gebäude müssen beschafft werden. — In Chicago, wo viele
norwegische Glaubensbrüder wohnen, ist kürzlich P. Birkelund als
Stadtmissionar eingeführt worden, der zugleich unserm dortigen deut⸗
schen Stadtmissionar, P. Schlechte, einen Theil seiner in englischer
Sprache auszurichtenden Arbeit abnehmen wird. L. F.
Unsere englische Schwestersynode soll nach dem Beschluß un⸗
serer Delegatensynode auch fernerhin von uns unterstützt werden, um
ihre Anstalten in der bisherigen Weise fortführen zu können. Daß
aber auch die englischen Gemeinden selbst darauf bedacht sind, ihren
Verpflichtungen gegen den Synodalhaushalt nachzukommen, zeigen
einige Berichte in der letzten Nummer des Lutheran Nitness. Die
englische Synode hatte allen ihren Gemeinden dringend empfohlen,
jährlich wenigstens je zwei Collecten für die Synodalkasse und für die
Missionskasse zu erheben. Daraufhin hat eine Gemeinde beschlossen,
in jedem Beichtgottesdienst eine Collecte für die Synodalkasse zu er⸗
heben, weil dadurch voraussichtlich eine größere Summe erzielt werden
könne als durch die zwei jährlichen Collecten, und eine andere Ge⸗
meinde hat sich verbindlich gemacht, jährlich wenigstens 8175.00 für
die Synodalkasse aufzubringen. Es ist für die Sache des Reiches
Gottes sehr wichtig und gehört zu dem geordneten und guten Zustand
einer Gemeinde, daß die Wohlthätigkeit und das Geben für kirchliche
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