Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 24 › Seite 371
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. November 1905, Seite 371
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Erziehung 2 · Erziehung 16 · Lehrſtreit 5
SE „HutferaneEN
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Wahl des Berufes fordert, so gilt es, auch in Bezug auf die
Mädchen die rechte Weisheit zu üben. Wohl ist es sehr schön
und gut, wenn die Verhältnisse es gestatten, auch unsere Töchter
nach ihrer Confirmation die Schule noch besuchen zu lassen, und
es ist gewiß von großem Vortheil, daß wir auch für diesen Zweck
lutherische Hochschulen haben; aber dabei dürfen wir doch nie
aus den Augen lassen, daß die eigentliche Bestimmung der Jung⸗
frau die ist, einst mit Gottes Hülfe eine tüchtige, christliche
Hausfrau zu werden. Alle christlichen Mütter sollten dies
Ziel stets im Auge behalten und daher ihre Töchter schon früh⸗
zeitig zur Hülfe im Haushalt verwenden und sie in alle zur
Führung eines Haushaltes nöthigen Arbeiten einführen. Ist
man aber nicht in der Lage, seine Töchter zu Hause zu behalten,
so lasse man sie dienen.
Aber gerade hier gilt es wiederum, recht vorsichtig zu sein.
Viele Herrschaften betrachten ihre Dienstmädchen nur als Arbeits⸗
maschinen und meinen, daß sie keinerlei Verpflichtung gegen die
unsterbliche Seele des Mädchens haben. Geschieht die Arbeit
einigermaßen zur Zufriedenheit, so fragen sie nichts darnach, ob
die Mädchen bis tief in die Nacht schwärmen, ob sie in die Kirche
oder zum Tanz und ins Theater gehen, ob sie Gottes Wort hören
und lesen, oder ob sie einen leichtfertigen Wandel führen. Die
meisten Herrschaften meinen ihrer Pflicht völlig zu genügen, wenn
sie die Mädchen nicht geradezu mit Arbeit überbürden und ihnen
den bedungenen Lohn zu rechter Zeit auszahlen. Und leider gibt
es auch viele christliche Eltern, die auch nicht mehr verlangen.
Blindlings, ohne Ueberlegung suchen sie für ihre Töchter nach
echt materialistischem Grundsatz möglichst wenig Arbeit, aber viel
Lohn und viel Freiheit. An die große Seelengefahr ihres Kindes
denken sie nicht. Da sollen treue Eltern ganz anders handeln.
Sie sollen sich vor allem fragen, ob die betreffende Herrschaft
auch Willens und fähig ist, sich auch um die Seele ihres Kindes
zu kümmern, ob sie diesem Gelegenheit gibt zum Besuch des
Gottesdienstes und auf einen ordentlichen Lebenswandel achtet.
Am besten ist es immer, wenn die Töchter in einer ernst lutheri⸗
schen Familie dienen, wenn sie dort auch nur halb so viel Lohn
erhalten als anderswo.
Sehr thöricht und leichtsinnig handeln aber diejenigen
Eltern, die ohne die dringendste Noth ihre unreifen, kaum der
Schule entwachsenen Töchter in die großen Fabriken zur Arbeit
senden. Das läßt sich nur so erklären, daß die Eltern die großen
Gefahren, denen ihre Töchter an solchen Plätzen ausgesetzt sind,
sonderlich zu den Sünden wider das sechste Gebot, nicht kennen;
sonst müßte man eine große Gleichgültigkeit der Eltern gegen
das Seelenheil der Kinder annehmen.
Ein weiterer Punkt, der von großer Wichtigkeit ist in Bezug
auf die Erziehung der confirmirten Kinder, ist die Ueber⸗
wachung des Umganges. Es liegt viel Wahres in dem
deutschen Sprüchwort: „Sage mir, mit wem du umgehst, und
ich will dir sagen, wer du bist.“ Der Verkehr ist von großem
Einfluß auf die Bildung des Charakters. Gerade in der Zeit,
von der wir reden, sind die Kinder äußerst empfänglich für alle
Eindrücke, gute und böse. Es fehlt ihnen naturgemäß noch die
Festigkeit und die Erfahrung. Wie leicht gerathen Kinder gerade
in diesem Alter, von bösen Buben oder Mädchen verlockt, auf
greuliche Abwege. Welcher erfahrene Seelsorger hätte nicht
schon die traurige Erfahrung gemacht, daß oft auch solche Kin⸗
*
der, die zur Zeit des Confirmandenunterrichts zu schönen Hoff⸗
nungen berechtigten, sich von andern verleiten ließen und tief in
den Schlamm der Sünde geriethen. Liegt nicht oft die Haupt⸗
schuld bei den Eltern, die es versäumten, über den Umgang
ihrer Kinder zu wachen? Einen vertrauten Umgang sollte
man nur mit Glaubensgenossen gestatten. Auch sollten Eltern
wohl darauf achten, daß ihre Kinder des Abends nicht zu lange
ausbleiben. Gerade dies späte Heimkommendürfen ist schon
manchem confirmirten Kinde eine Gelegenheit zur Sünde ge⸗
worden, abgesehen davon, daß der Körper zu seiner rechten Ent⸗
wickelung der nöthigen Zeit zum Schlafe dringend bedarf.
Wie aber die Ueberwachung des Umganges der Kinder
nöthig ist, so auch die Ueberwachung dessen, was die Kinder
lesen. Es wird heutzutage unendlich viel gedruckt, Gutes und
Schlechtes, und unsere Kinder sind im Stande zu lesen und wollen
oft lesen. Während aber das Lesen, wenn in rechte Bahnen ge⸗
lenkt, zur Fortbildung der Kinder sehr dienlich sein kann, so wird
andererseits ein Lesen von schlechten Romanen und Liebesgeschich⸗
ten, ein Lesen der sogenannten dime novelsꝰ und „yellow
journals'?' und dergleichen Schandliteratur die Seele des Kin⸗
des vergiften. Darum sollen Eltern nicht nur das Lesen solcher
Schriften verbieten, sondern ihren Kindern gute, lehrreiche Bücher
und Zeitschriften anschaffen, damit sie an solchen Geschmack be⸗
kommen. Ist man selbst nicht bekannt mit guten Büchern, so
werden Pastor und Lehrer gewiß gern dazu behülflich sein. Eine
gute Weise zur Einführung guter Bücher ist auch diese, daß man
eine Gemeindebibliothek anlegt, aus der Jung und Alt gute
Bücher für eine bestimmte Zeit leihen kann.
Endlich sei noch eins genannt, und zwar das Allerwichtigste.
Man halte mit herzlicher Liebe, aber auch mit rechtem Ernste auf
den fleißigen Gebrauch der Gnadenmittel von Seiten der Jugend
und schließe dabei ja die Christenlehre mit ein. Am leichtesten
wird man das erreichen, wenn man selbst keinen Gottesdienst
ohne dringende Noth versäumt, sondern mit den Kindern zum
Gotteshause geht und sich auch täglich durch, wenn auch kurze,
so doch kernige Hausgottesdienste mit ihnen zusammen erbaut.
R. v. N.
Nöthige und unnöthige Streitigkeiten.
Bei der Versammlung des lutherischen General Council,
welche kürzlich in Milwaukee stattfand, wurde tadelnd auf „die
Disputanten bei den intersynodalen Conferenzen“ hingewiesen.
Ebenso wurde in der unirten Zeitschrift kürzlich wieder der
Versuch gemacht, über die Streitigkeiten zu spotten, die leider!
unter den Lutheranern dieses Landes bis auf diesen Tag nie auf⸗
gehört haben.
Ueber diesen Tadel, der ganz besonders uns sogenannte
„Missourier“ treffen soll, möchten wir uns mit einigen Worten
aussprechen.
Es hat von jeher in der christlichen Kirche zweierlei Streit
gegeben, unnöthigen und nöthigen Streit. Unnöthig ist der
Streit über Dinge, die nicht zum christlichen Glauben und Leben
gehören. Solchen unnöthigen Streit gab es in der christlichen
Kirche auch zur Zeit der Apostel. Der Apostel Paulus warnt
in seinem ersten Briefe an Timotheus vor den Leuten, die „Acht
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