Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 24 › Seite 374

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. November 1905, Seite 374

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Ser Tutheranst

Zwecke systematisch betrieben wird, sei es, daß man in den Ge⸗
meinden eine gute Collectenordnung einführt, sei es, daß man sich
des sogenannten Couvertsystems bedient oder eine andere gute und
erprobte Ordnung befolgt. Und dabei muß immer im Auge behalten
werden, daß drei Kassen die wichtigsten sind, die vor allem bedacht
werden sollen. Das ist die Missionskasse, die Lehranstaltskasse im
weitesten Sinn und die Synodalkasse. L. F.

Ausland.

Die dänische Freikirche beabsichtigte, am 4. und 5. November
das Jubiläum ihres fünfzigjährigen Bestehens in der Martins⸗Kirche
in Kopenhagen zu feiern. Zugleich sollte dort am letztgenannten Tage
die Einführung des neu berufenen Candidaten H. Rosenwinkel als
Pastors der Kopenhagener Gemeinde stattfinden, während Präses
J. M. Michael auch fernerhin der Gemeinde in Helsingör vorstehen
wird. Wir werden in einer späteren Nummer Näheres über die Jubel⸗
feier mittheilen können, lassen aber heute schon einen kurzen Ueberblick
üÜber die Geschichte der Freikirche folgen, den uns P. Michael hat zu⸗
gehen lassen: „Die ev.⸗luth. Freikirche in Dänemark wurde am 4. No⸗
vember 1855 gegründet, indem damals P. N. P. Grunnet in Gemein⸗
schaft mit etwa 20 Laien die erste ev.⸗luth. Freigemeinde in Kopenhagen
ins Leben rief. Die Veranlassung dazu bildete der große und fort⸗
dauernde Mißbrauch, welchen die dänische Staatskirche mit Gottes
Wort und den Sacramenten trieb. Besonders Schriftstellen wie 2 Cor.
6, 14—18. Röm. 16, 17. Matth. 18, 15—20. 1 Cor. 5, 13.
machten es jenen ernsten Christen unmöglich, mit falschen Propheten
und offenbar gottlosen Leuten zusammen in einer Kirchengemeinschaft
zu bleiben. Nachdem die kleine Freigemeinde sich viele Jahre hin⸗
durch mit einem gemietheten Locale zur Abhaltung ihrer Gottesdienste
und anderer Versammlungen beholfen hatte, fand am 5. März 1877
die Grundsteinlegung zur Martins⸗Kirche statt, welche am 19. August
desselben Jahres eingeweiht wurde. Zu dieser Zeit war die kleine
Schaar trotz aller Feindschaft von Seiten der staatskirchlichen Prediger
zu einer Gemeinschaft herangewachsen, welche in vielen Theilen Däne⸗
marks Glieder und Gemeinden zählte. Für diese wurde unter P. N. P.
Grunnets Redaction ein Blatt herausgegeben, zuerst unter dem Titel
„En Rösti Orken“, das heißt, „Eine Stimme in der Wüste“, später
unter dem Namen „Evangelisk⸗luthersk Maanedsskrift“, das heißt,
„Evangelisch-lutherische Monatsschrift'. Nach P. N. P. Grunnets
Tode wurde das Blatt, nachdem es eine kurze Zeit eingegangen war,
aufs neue herausgegeben, und zwar unter dem Namen „Frikirken“, das
heißt, „Die Freikirche'. Unter diesem Namen erscheint es noch heute.
Von den andern Schriften, welche unsere Freikirche in den verflossenen
50 Jahren herausgegeben hat, sind besonders zu nennen ihr Gesang⸗
buch und das Büchlein: „Hvad lärer den evangelisk⸗lutherske Frikirke?“
das heißt: „Was lehrt die ev.⸗luth. Freikirche? Die dänische Frei⸗
kirche hat seit ihrer Gründung bis auf diesen Tag viele schwere Pru⸗
fungen bestehen müssen, unter welchen die Spaltung im Herbst 1895
die schwerste war. Wohl sind es darum zur Zeit nicht so viele Mit⸗
glieder, wie seiner Zeit bei der Feier des 25jährigen Jubiläums, aber
wir feiern doch das 50jährige Bestehen der Freikirche mit großer Freude
und herzlichem Dank gegen Gott, der uns nicht nur Über alle Schwie⸗
rigkeiten in Gnaden hinweggeholfen, sondern uns auch so gestellt hat,
daß wir nun zwei Pastoren haben. Neben P. N. P. Grunnet, welcher
40 Jahre lang der Leiter der dänischen Freikirche war, gedenken wir
in Dankbarkeit Präses O. Willkomms aus Sachsen, welcher viele
Jahre hindurch sich als treuen Freund unserer Freikirche erwiesen und
ihr besonders während der Krankheit P. N. P. Grunnets und nach
dessen Tode mit Rath und That beigestanden hat. Gleichfalls danken
wir der Ehrw. Missouri⸗Synode in America, welche uns besonders
in finanzieller Hinsicht viele Jahre hindurch unterstützt hat und noch

unterstützt. Aber vor allem danken wir unserm Vater im Himmel
und bitten ihn, er möge auch in Zukunft die Freikirche in Dänemark
segnen.“ L. F.

Vor zweihundert Jahren in diesem Monat wurden die ent⸗
scheidenden Schritte gethan zur Begründung der ersten eigentlichen
Heidenmission der lutherischen Kirche. Das war die dänisch⸗hallische
Mission unter dem Tamulenvolke zu Trankebar in Ostindien, die dann
im 19. Jahrhundert von der Leipziger Mission aufgenommen worden
ist und in der auch unsere Synode seit elf Jahren arbeitet. Am
11. November 1705 wurden nämlich die beiden ersten Missionare
Ziegenbalg und Plütschau in Kopenhagen von dem lutherischen Bischof
Bornemann von Seeland ordinirt und am 29. November bestiegen sie
das Schiff, das sie nach Trankebar bringen sollte. Der Tag ihrer
Ankunft daselbst, der 9. Juli 1706, wird dann als der eigentliche
Jubiläumstag gefeiert werden. L. F.

In Bethel bei Bielefeld, wo sich die bekannten von P. von
Bodelschwingh gegründeten Wohlthätigkeitsanstalten befinden, ist am
15. October die neue „Theologische Schule“ eröffnet worden. Sie
bezeichnet einen Protest gegen die auf den deutschländischen Univer⸗
sitäten vorgetragene Theologie. Weil auf diesen landeskirchlichen
Hochschulen die Lehre von der göttlichen Eingebung der heiligen Schrift
nicht nur nicht gelehrt, sondern sogar ganz offen bekämpft und über⸗
haupt von vielen theologischen Lehrstühlen der nackte Unglaube ver⸗
kündigt wird, hat Bodelschwingh auch diese Anstalt gegründet, die, wie
bei der Einweihung hervorgehoben wurde, eine „Bibelschule“ werden
soll. Zugleich soll sie den übrigen Bielefelder Anstalten dienen, und
umgekehrt sollen die Studirenden durch das Vorbild dieser Anstalten in
die christliche Liebesthätigkeit eingeführt werden. Bodelschwingh hat
diese Sache mit großem Eifer gefördert, aber die Zukunft muß erst
zeigen, ob diese theologische Hochschule wirklich im Sinne des alten
und ganzen Bibelglaubens geführt werden wird. L. F.

Der „Bote aus Belgien“ ist ein Blatt, das im Dienste der
belgischen Missionskirche steht, einer Gemeinschaft, die in dem sonst
stockkatholischen Belgien das Evangelium verkündigt und namentlich
die armen Kohlengräber dieses Landes ebenso aus der römischen
Gewissenstyrannei zu erretten wie vor der Socialdemokratie und der
Gottesleugnung zu bewahren sucht. Dieses Blatt berichtet, wie fröh⸗
lich die Predigt des Evangeliums in vielen Orten aufgenommen wird,
wie muthig von vielen ihr Glaube trotz List, Haß und Feindschaft
unduldsamer römischer Priester bekannt wird, und welche großen Opfer
diese Kohlengräber oft bringen, um Schulen und Kapellen zu errichten,
Predigtstationen zu gründen und Pastoren zu berufen. Wie sich trotz
großer Hindernisse und Schwierigkeiten das Evangelium immer weiter
ausbreitet, zeigt der „Bote aus Belgien“ an einigen Beispielen. In
Borinage im Hennegau bestanden vor zehn Jahren vier protestantische
Kirchen und ebensoviele Sonntagsschulen. Jetzt wird an neun Orten
regelmäßiger Sonntagsgottesdienst abgehalten, und in 11 Sonntags⸗
schulen werden 638 Schüler unterrichtet. Außerdem bestehen dort
noch 3 Missionsschulen mit über 100 römisch⸗katholischen Schülern.
In Hornu, einer mitten im Steinkohlengebiet gelegenen Stadt von
11,000 Einwohnern, wurden erst vor wenigen Jahren die ersten Gottes⸗
dienste in einem Privathause von einem Prediger aus der Nachbar⸗
schaft gehalten. Später wurde ein Saal mitten im Arbeiterviertel
gemiethet, und trotz aller Beschimpfungen und Verfolgungen ist die
Zahl der Bekenner so rasch gestiegen, daß der Saal bei Weitem nicht
mehr den Bedürfnissen genügt. So verbreitet sich in einem katho⸗
lischen Lande nach dem andern das Evangelium und rettet Seelen aus
den verderblichen Netzen des römischen Antichrists. Zugleich wird von
dieser belgischen Missionskirche auch der Kampf gegen die in jenem
Lande ganz entsetzlich verbreitete Trunksucht geführt, zu der die
200,000 Trinkhäuser so viel Anlaß geben. L. F.

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