Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 24 › Seite 370
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. November 1905, Seite 370
Scan: Internet Archive, from the Graduate Theological Union's copy (one item per issue).
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Advent 3 · Der irdiſche Beruf. — 4 · Erziehung · Erziehung 4 · Erziehung 16
370
SEDer „Tutherane
Einige Worte über Kindererziehung.
3.
Mit der Confirmation, von der wir in unserm vorigen
Artikel handelten, ist jedoch die Erziehung der Kinder im Hause
nicht beendet, sondern gerade die Jahre vom vierzehnten bis
zwanzigsten sind für die Erziehung von der höchsten Bedeutung.
Diese Jahre sind die gefährlichsten und versuchungsreichsten im
Leben. Mit der Confirmation treten die Kinder in das jugend⸗
liche Alter, sie sind von dieser Zeit an der täglichen, persönlichen
Aufsicht des Pastors und Lehrers enthoben, werden auch leider
vielfach im elterlichen Hause als solche angesehen, die keiner Er⸗
ziehung mehr bedürfen, und sind darum jetzt weit mehr auf sich
selbst angewiesen. Das ist gerade die Zeit, in welcher die bösen
Buben recht anfangen, sie zu locken, da die Welt ihre Lust und
ihre Reize vor ihnen entfaltet und sie zu verflechten trachtet in
ihr wüstes und unordentliches Wesen. Da sollen deshalb die
Eltern sonderlich ein wachsames Auge auf ihre Kinder haben
und für deren weitere, rechte Erziehung sorgen. Dazu gehören
aber verschiedene Stücke, und es ist nothwendig bei der Be⸗
sprechung derselben, wenigstens theilweise, von Knaben und
Mädchen gesondert zu reden.
Der Mensch ist zur Arbeit geschaffen und soll durch seine
Arbeit Gott und dem Nächsten dienen. Unser heutiges Leben
aber ist so eingerichtet, daß die Menschen die allerverschiedensten
Berufsarten haben. Eine äußerst wichtige Angelegenheit, eine
Entscheidung von weittragendster Bedeutung, die die Eltern zu
treffen haben, ist darum die Wahl des Berufes für ihre
Söhne. Gott hat seine Gaben an die Jünglinge in sehr ver⸗
schiedener Weise vertheilt, und nach seinem Wort sollen sich die
verschiedenen Gaben erweisen „zum gemeinen Nutzen“. Deshalb
sollen sich die Eltern vor allem die Frage vorlegen, welche be⸗
sonderen Gaben, Neigungen und Fähigkeiten ihre Söhne etwa
haben und in welchem Berufe etwa sie ihrem Gott und ihrem
Nächsten am besten dienen können. Es ist jedoch Lehre der Er⸗
fahrung, daß diese Gaben und Neigungen im Alter von dreizehn
oder vierzehn Jahren häufig noch nicht klar zu Tage treten.
Sind daher die Eltern nicht so unbemittelt, daß sie die Arbeits⸗
kraft ihrer Söhne unbedingt zum Erwerb des Lebensunterhaltes
ihrer Familie bedürfen, so ist es ohne Zweifel das beste, sie noch
etliche Jahre zur Schule zu schicken. Da tritt aber die Frage
an die Eltern, in welche Schule sie ihre Söhne senden sollen.
Das beste wäre ohne Zweifel, wenn Eltern ihre Söhne auch
dann in lutherische Schulen senden könnten, in denen das
Wort Gottes das Mittel der Erziehung ist. Das ist leider nicht
immer ausführbar, und darum werden Eltern hier öfters in die
Lage kommen, ihre Kinder in die Staatsschulen zu schicken; und
es läßt sich dies auch eher verstehen, weil die Kinder dann doch
mehr Festigkeit besitzen und Falsches eher erkennen und beurthei⸗
len können. Doch darf man auch hier nicht vergessen, daß es
sich nur um einen Nothbehelf handelt. Wäre es erreichbar,
so sollten alle unsere Christenkinder, die nach ihrer Confirma⸗
tion überhaupt noch die Schule besuchen, nur in lutherische
Schulen gesandt werden. Deshalb sollten möglichst viele solcher
Schulen gegründet und unterhalten werden und in ihren Lei⸗
stungen möglichst gut sein. Das ist freilich zunächst nicht Auf⸗
gabe der Kirche. Die Kirche hat eigentlich nur Eine Aufgabe:
die Ausbreitung des Reiches Gottes. Alles, was unmittelbar
oder mittelbar diesem Zwecke dient, hat die Kirche zu thun, also
auch kirchliche Lehranstalten, Seminare, Gymnafien, Progymna⸗
sien, zu errichten und zu unterhalten. Lutherische Hochschulen
aber, die ihre Schüler für einen weltlichen Beruf heranbilden,
und lutherische Geschäftsschulen haben nicht in erster Linie
den Zweck, Gottes Reich zu bauen und auszubreiten, wohl aber
sind sie vorzügliche Einrichtungen, und Christen, die Gott der
HErr mit irdischen Mitteln gesegnet hat, können diese nächst
der Befriedigung der Bedürfnisse des Reiches Gottes nicht besser
anwenden, als durch Gründung und Erhaltung höherer Schulen.
Namentlich in allen größeren Städten unsers Landes sollten
solche Schulen gegründet werden. Solange aber zu wenig der⸗
artige Schulen vorhanden sind, wird man sich mancherorts mit
dem obenerwähnten Nothbehelf begnügen müssen. Sind aber
unsere Gymnasien in erreichbarer Entfernung, so sollten diese
fleißig auch von solchen besucht werden, die nicht gerade Pastoren
oder Lehrer werden wollen, denn in ihnen erlangen unsere Kna⸗
ben den rechten Grund einer allgemeinen Bildung, auf dem sich
dann die besonderen Fachstudien erbauen lassen.
Von der größten Wichtigkeit für die Erziehung ist dann
jedoch die eigentliche Wahl des Berufes.Der herrlichste
und ehrenvollste Beruf, den es überhaupt in der Welt gibt, ist
der Beruf eines rechtgläubigen Pastors, Lehrers oder Missionars.
Es ist eine nicht hoch genug zu schätzende Ehre, die Gott der
HErr armen Sündern zu Theil werden läßt, daß sie ihm helfen
dürfen in der Rettung der Sünderwelt. Kein anderer Beruf
birgt so herrlichen Lohn, schon in der Arbeit, als dieser; kein
anderer Beruf hat so süße Gnadenverheißungen. Wer daher
einen begabten Sohn hat, dessen Herz in Liebe für seinen Hei⸗
land und dessen Reich schlägt, der zögere ja nicht, ihn studiren
zu lassen, und lasse sich auch durch die Erwägung der Kosten oder
anderer irdischer Rücksichten nicht irre machen, sondern gebe nur
getrost seinen Sohn dem HErrn zum Dienst. Er, der dem
Knaben die Gaben gegeben hat, wird auch schon für die nöthigen
Mittel sorgen. Aber so herrlich der Beruf ist, so ist es doch ver⸗
kehrt, einen Knaben oder Jüngling in diesen Beruf hinein⸗
zuzwingen. Es ist wohl der schönste, aber auch zugleich der
verantwortungsreichste Beruf, und nur der wird darin etwas
ausrichten, der mit Lust und Liebe darin steht.
77*—
Das gilt freilich in gewissem Sinne von jedem Beruf.
Darum sollen Eltern ihre Knaben aufmerksam beobachten, um zu
erkennen, für welchen Beruf diese Neigung und Geschick haben.
Es können nicht alle christlichen Knaben und Jünglinge Pasto⸗
ren oder Lehrer werden, sondern Gott der HErr will in jedem
ihm wohlgefälligen Berufe Christen haben. Man kann auch in
jedem rechten Beruf Gott und dem Nächsten dienen.
sollen darum in der Wahl des Berufes für ihre Söhne äußerst
vorsichtig, langsam und sorgfältig sein.
troffen, so sollte der Beruf nicht ohne dringende Noth geändert
werden. Es gibt keinen Beruf in der Welt, der nur Lichtseiten
hätte. Wo Licht ist, da findet sich auch Schatten. Wir dürfen
nicht vergessen, daß der leider so häufige Wechsel des Berufes
auf das innigste mit dem materialistischen Zeitgeist zusammen⸗
hängt, der stets darnach trachtet, für eine möglichst geringe
Arbeitsleistung einen möglichst hohen Lohn zu erlangen.
Wie aber die rechte Erziehung der Knaben Sorgfalt in der
Eltern
Ist die Wahl aber ge⸗
English translation
Not yet translated.