Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 61, Nummer 24 › Seite 377

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 21. November 1905, Seite 377

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Advent 3

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gemacht. In Leibes⸗ und Seelennöthen, in jeder Angst und Gefahr,

in der letzten Stunde unsers Lebens ist das Liedlein wohl zu gebrauchen
als der Hülferuf und Nothschrei eines bekümmerten und um Erbar⸗
mung flehenden Herzens. (Christenbote.)

Die größte Thorheit.

ö Denke dir einen Gefangenen, der zum Tode verurtheilt ist. Aber
er kennt seinen König. Er weiß, wenn er ihn um Gnade anfleht, so
wird ihm das Leben geschenkt. Wird er von einem Tag zum andern
zaudern, diesen Schritt zu thun? Wird er aus purem Leichtsinn alle
Mahnungen seiner Freunde, sein Bittgesuch doch abzusenden, in den
Wind schlagen? Wird er immer sprechen: Morgen ist auch noch ein
Tag? Undenkbar. Da wäre es ja doppelt gerecht, wenn über einen
solchen Verbrecher eines Tages unvermuthet der Henker käme und ohne
Erbarmen das Urtheil an ihm vollstreckte. — Aber handeln nicht
Tausende in der äußeren Christenheit so unglaublich thöricht? Sie
wissen, daß sie sterben müssen, ewig sterben wegen ihrer Schuld. Sie
wissen aber auch, daß ihr König Gnade für sie bereit hat. Aber sie
sfäumen beständig, dieser Gnade gewiß zu werden. Sie behandeln
ihre Rettung als eine Sache, die man sich möglichst aus dem Sinne
schlagen müsse. Gott behüte dich, lieber Leser, daß du nicht auch zu die⸗
sen Thoren gehörst!

Tod und Leben.

Der Tod ist ein Gewaltiger vor unsern Augen. Die Zahl der
Menschen in der Welt beträgt etwa 1391 Millionen. Nehmen wir
mit den Alten an, daß ein Geschlecht, eine Generation, 30 Jahre währt,
so werden in 30 Jahren etwa 139 Millionen Menschen geboren. Eben⸗
soviele sterben. Folglich nimmt der Tod täglich 127,032 Menschen
hinweg, in einer Stunde 5293, in jeder Minute 88. Es ist doch eine
gewaltige Macht, die der Tod ausübt. Dennoch dürfen, ja, sollen
wir glauben, daß ihm in Christo IEsu die Macht genommen ist, und
daß für alle gläubigen Christen der Tod verschlungen ist in den Sieg.
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Todesanzeige.

Am 9. November entschlief im festen Glauben an seinen Heiland
P. H. Gose bei Grant Park, Ill., in einem Alter von 53 Jahren,
9 Monaten und 10 Tagen an der Gesichtsrose. Am 12. November
fand unter sehr großer Betheiligung das feierliche Leichenbegängniß
statt. Im Trauerhause amtirte P. C. Brauer, die Leichenpredigt in
der Kirche hielt der Unterzeichnete, am Grabe hielt eine Ansprache und
amtirte P. A. Wangerin. Der Entschlafene hinterläßt eine tiefbetrübte
Gattin (geb. Schieferdecker) nebst 5 Kindern. Der Gott alles Trostes
errquicke die trauernden Herzen der Hinterbliebenen!
Albert H. Brauer.

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Neue Drucksachen.

Die Kirchengeschichte des Eusebius von Cäsarea. Aus dem Grie⸗
chischen übersetzt von F. A. Stroth. Neuer, nach dem Grund⸗
text revidirter Abdruck. Zweite Auflage. St. Louis, Mo.
Verlag von L. Volkening. 363 Seiten 93646, in Halb⸗
4* franz mit Goldtitel gebunden. Preis: 81.50 netto, Porto

15 Cts. Auch vom Concordia Publishing House zu beziehen.
Welchen großen Werth die Kirchengeschichte des im Jahre 340 gestorbenen
Bischofs Eusebius von Cäsarea hat, ist allen, die sich mit der Kirchengeschichte
der ersten drei Jahrhunderte nach Christo beschäftigt haben, wohl bekannt.

Es ist das älteste, reichhaltigste und werthvollste historische Werk des christ⸗
lichen Alterthums und behandelt in zehn Büchern die Zeit vom Anfang der
Kirche an bis zum Jahre 324. Eusebius hat nicht nur die damals noch vor⸗
handenen, seitdem aber vielfach verloren gegangenen Werke älterer Schreiber
benutzt und sie vielfach redend eingeführt, sondern auch selbst fleißig nach⸗
geforscht und viel aus der reichen Erfahrung seines Lebens mitgetheilt. Kirch⸗
liche und weltliche Archive und Bibliotheken standen ihm zu Gebote und sind
von ihm ausgebeutet worden. Fehlt es ihm auch öfters an der nöthigen Kri⸗
tik und Genauigkeit, so bleibt ihm doch ungeschmälert der Ruhm und Ehren⸗
titel des „Vaters der Kirchengeschichte“. Es war deshalb ein verdienstliches
Unternehmen, daß vor 36 Jahren unsern Kreisen durch den Verleger eine gute
deutsche Uebersetzung des Eusebius dargeboten wurde, nachdem die alte im
Jahre 1777 erschienene Uebersetzung Stroths durchgesehen, mit dem Grund⸗
texte verglichen und, wo es nöthig war, verbessert worden war. Damit wol⸗
len wir nicht sagen, daß diese Uebersetzung in jedem Punkte genau die Aussage
des Eusebius wiedergibt. Wenn es zum Beispiel S. 102 heißt: „Matthäus
hat sein Buch in hebräischer Sprache geschrieben“, so ist „sein Buch“ keine ge⸗
naue Uebersetzung des griechischen Wortes „Logia“, und wenn S. 86 von
Büchern, „deren Göttlichkeit ungewiß ist“, geredet wird, so trifft diese Ueber⸗
setzung nicht ganz den Sinn des griechischen Wortes „Antilegomena“. Trotz⸗
dem bleibt diese Uebersetzung unsers Wissens die „sorgsamste und im Ganzen
geschickteste“ in deutscher Sprache, wie es im Vorwort heißt, und die vor⸗
liegende zweite Auflage ist ein unveränderter Abdruck der ersten, nur daß, um
Citate leichter finden zu können, oben auf jeder Seite Buch und Capitel an⸗
gegeben sind. L. F.

Verhandlungen der ev.⸗luth. Cancordia⸗Shnode von Australien.
86 Seiten 8½4 45%. Oscar Müllers Buchhandlung, Hoch⸗
kirch, Victoria. Preis: 9 Pence.

Dieser Bericht der im März dieses Jahres versammelten Concordia⸗
Synode, die zugleich den Oestlichen District der ev.⸗Luth. Synode in Austra⸗
lien bildet, enthält vor allem eine lehrreiche und erbauliche Abhandlung von
dem jetzigen Districtspräses Darsow über den rechten Gebrauch des heiligen
Abendmahls. An der Hand von fünf Thesen wird ausgeführt, daß der HErr
das Sacrament für seine Christen eingesetzt hat, die es ordentlicher Weise ge⸗
meinsam in öffentlicher Versammlung genießen sollen; daß Glieder falsch⸗
aläubiger Kirchengemeinschaften nicht in der Kirche des reinen Wortes zum
Sacrament zugelassen werden dürfen; daß das Sacrament nicht Gottlosen
und Ungläubigen und solchen, die ein gegebenes Aergerniß noch nicht ab⸗
gethan haben, gereicht werden darf; daß zu einem gesegneten Abendmahls⸗
genuß allein der Glaube würdig und wohlgeschickt macht, und daß das Saera⸗
ment oft genossen werden soll. Außerdem wird Bericht erstattet über die neue
Anstalt der Synode in Adelaide, über die Innere Mission des Districts und
über das gemeinsame Missionswerk in Westaustralien und unter den Heiden.
Dabei wird auch die große Predigernoth der Synode betont, und die Augen
richten sich immer wieder nach America. Schon seit anderthalb Jahren be⸗
findet sich ein Beruf der Missionsgemeinde in der großen Stadt Melbourne hier
in St. Louis, und kürzlich traf ein Kabelgramm ein mit der Bitte um Zu⸗
sendung eines Missionars in das vielversprechende Arbeitsfeld in Westaustra⸗
lien. Wenn nur nicht auch bei uns die Predigernoth eine so schreiende
wäre! L. F.

Wer ist ein Lutheraner? Reformationsfestpredigt über Offenb.
14, 6. 7. von Martin Willkomm.

Das Vaterhaus, das droben ist, die Heimath aller selig Vollendeten.
Predigt über Offenb. 21, 1—5. von Edmund Hübner.
Je 15 Seiten 745. Zwickau i. S. Verlag des Schriften⸗
vereins der sep. ev.⸗luth. Gemeinden in Sachsen. Zu beziehen
vom Concordia Publishing House, St. Louis, Mo. Preis:
Je 5 Cts.

Die erste Predigt gibt die Antwort auf die Frage: Wer ist ein rechter
Lutheraner? indem sie ausführt: Ein rechter Lutheraner ist, wer 1. Gott von
Herzen fürchtet und 2. Gott allein alle Ehre gibt. Die zweite Predigt, die jetzt
in zweiter Auflage vorliegt, haben wir schon früher angezeigt. Beide sind
lesenswerth. L. F.

Dem Christkind zu Ehren. 16 Seiten 7744½. Concordia Pub-
lisbing House, St. Louis, Mo. Preis: 5 Cts.
Noch eine neue Weihnachtsliturgie, die die bekannten Texte und Lieder
in geschickter, neuer Zusammenstellung bietet. L. F.

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