Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 2 › Seite 18

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. Januar 1908, Seite 18

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tod 3 · Welt

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18

Andere wünschen sich wohl oft den Tod, aber warum?
Nicht darum, weil sie gern das alte Sündenkleid abstreifen und
den Heiland ihrer Seele ewiglich anschauen und preisen möch⸗
ten, sondern weil sie ihres unglücklichen Lebens überdrüssig sind.
Sie murren wider Gott, daß er ihnen so viel Unglück zuschickt,
sie wollen sich nicht demütigen unter Gottes gewaltige Hand,
wollen nicht erkennen, daß sie zeitliches und ewiges Unglück mit
ihren Sünden verdient haben, wollen daher auch nicht in der
Gnade Gottes durch Christum Trost suchen, sondern wollen nur
lieber tot sein, als so unglücklich leben. Ihr Wunsch zu sterben
ist also kein Verlangen, das aus dem Glauben, sondern das aus
trostloser Verzweiflung kommt, daher auch so viele Hand an sich
selbst legen und sich das Leben nehmen. Ach, unglückselige
Menschen, die da hoffen, der Tod solle ihrer Qual ein Ende
machen, während sie doch kein Vertrauen zu der Erbarmung
Gottes in Christo, keinen Glaubenstrost und keine Hoffnung
des ewigen Lebens haben! Ach, unseliger Tod! Wer möchte
wohl so sterben, ohne Trost, ohne Hoffnung, zeitlich sterben und
ewig verderben?

O wie gar anders geht der Irämne) ehrwürdige Greis
Simeon seinem Abschied aus dieser Welt entgegen! Simeon
stand durch Erleuchtung des Heiligen Geistes in rechter Er⸗
kenntnis IEsu Christi, den er mit fröhlichem Lobgesang be⸗
kannte als den Heiland der ganzen Sünderwelt. Simeon stand
im treuen Dienst des HErrn und folgte dem Trieb des Heiligen
Geistes. Simeon betete zuversichtlich und war der Erhörung
seiner Gebete im Glauben gewiß. Simeon war fromm und
gottesfürchtig, und zwar nicht heuchlerischerweise oder nur zum
Schein, sondern von Herzen; denn nicht er selbst, sondern der
Geist der Wahrheit sagt es uns durch St. Lukas, daß Simeon
fromm und gottesfürchtig war. Simeon übte sich also in der
Liebe Gottes und des Nächsten, in der Geduld unter dem Kreuz.
Simeon trachtete mit Geduld in guten Werken nach dem ewigen
Leben, und sein Herz wurde je länger, desto mehr mit Sehnsucht
nach dem Himmel erfüllt. Aber seinen Trost und seine Hoff⸗
nung setzte Simeon nicht auf seine Frömmigkeit und Gottes⸗
furcht, nicht auf seinen gottseligen Wandel, nicht auf seine guten
Werke (dies alles war ja auch bei ihm noch mangelhaft und
unvollkommen), sondern er wartete auf den Trost Israels, auf
den Heiland Gottes, auf den Christ des HErrn. Dahin war
schon längst seines Herzens Hoffnung und Sehnsucht gerichtet
gewesen, daß doch endlich einmal die Zeit erfüllt sein möchte,
da die Hilfe aus Zion über Israel käme, und der SErr sein
gefangen Volk erlösete, wie schon längst verheißen, was ja auch
der alten Väter Schar höchster Wunsch und Sehnen war. Auf
diesem sichern Glaubensgrund, der teuren Erlösung durch Chri⸗
stum, baute Simeon seinen Trost und seine Hoffnung auf, daß
auch Angst und Schrecken des Todes von ihm fliehen mußte,
und er mit lautem Jubel ausrufen konnte: „HErr, nun lässest
du deinen Diener im Frieden fahren.“

Welch ein Glück! so rufen wir billig aus und wünschen
vom allertiefsten Herzensgrund, daß uns doch auch einmal eine
so selige Heimfahrt zuteil werden möchte. Nun, das kann wohl
geschehen und eben deshalb wird uns dieser teure Gottesmann
im Worte Gottes vorgestellt, damit wir an seinem Beispiel
lernen, wie man im Frieden fahren kann. Denn wenn wir
voll Verwunderung fragen: Warum bist du so freudig, lieber
Simeon? so haben wir ja jetzt die Antwort gehört. Lebt Chri⸗
stus durch den Glauben in unsern Herzen, wachsen wir in der

Gnade und Erkenntnis unsers HErrn und Heilandes IEsu

Christi, lassen wir von seinem guten Geist uns führen auf ebener

Bahn, üben wir uns fleißig in der Gottseligkeit, setzen wir aber
über das alles, und besonders wenn es zum Sterben kommt,
unsers armen Herzens Trost und Hoffnung einzig und allein
auf das allerheiligste Verdienst unsers Sündenbüßers IEsu
Christi, dann ist auch uns das Erbteil aller Heiligen im Licht
des ewigen Lebens gewiß, dann können auch wir, wie Simeon,
im Frieden fahren. ö

Kommt gleich der Tod auf uns gedrungen,

So sind wir dennoch wohl vergnügt,

Weil der, so längst den Tod bezwungen,

Uns mitten in dem Herzen liegt.

Mit ihm, seinem geliebten Heiland, hat ja jeder Christ schon
längst für die Zeit seines Abscheidens den stillen Herzensbund
gemacht:

Da will ich nach dir blicken,

Da will ich glaubensvoll

Dich fest an mein Herz drücken;

Wer so stirbt, der stirbt wohl.

Darum heiße es bei uns allen:
Ja, HErr IEsu, bei dir bleib' ich, „
So in Freude, wie in Leid;
Bei dir bleib' ich, dir verschreib' ich
Mich in Zeit und Ewigkeit.
Deines Rufs bin ich gewärtig,
Auch des Rufs aus dieser Welt;
Denn der ist zum Sterben fertig,
Der sich lebend zu dir hält. Amen.

Drei Vorträge über das sündliche Weltwesen.

X.

Es ist eine besondere Veranlassung, die uns heute in dem
Gotteshause unserer lieben Muttergemeinde zusammengeführt
hat. Der freundlichen Einladung der Prediger und Kirchen⸗
ratsmitglieder aller Schwestergemeinden unserer Stadt folgend,
haben wir uns hier eingefunden, um uns zu JEsu Füßen
niederzusetzen, um uns von ihm, unserm himmlischen HErrn
und Meister, aus seinem heiligen Worte durch den Mund seiner
berufenen Diener in einer besonderen Angelegenheit belehren,
ermuntern und im Glauben stärken zu lassen.

Der SErr hat die Saat seines lauteren Evangeliums, die
unsere nun schon längst in Gott ruhenden Väter hier ausgestreut
haben, in Gnaden über Bitten und Verstehen reiche Frucht
tragen lassen: Aus der einen Gemeinde, die hier vor siebzig
Jahren gegründet wurde, ist ein ganzer Kranz von Gemeinden
entstanden, deren Mitglieder nach Tausenden zählen; und sie
alle haben dank der Gnade Gottes das schönste, köstlichste und
teuerste Erbe, welches unsere seligen Väter in Christo hinter⸗
lassen haben, überkommen und bis auf diese Stunde noch zu
eigen. In unserer Mitte, in unsern Schulen, von unsern Kan⸗
zeln wird das reine Evangelium von der Gnade Gottes in
Christo IEsu reichlich gelehrt und verkündigt. Dieses teure
lautere Evangelium ist unser Schatz, unsere Krone, denn es ist
das Wort, welches unsere Seelen selig macht, das Wort, welches
uns tröstet, wenn uns die Sünde anficht, das Wort, welches in
den Tränen der Trübsal dieser Erde Himmelsglanz und Freude

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