Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 2 › Seite 21

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. Januar 1908, Seite 21

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Lehre. — Falſche Lehrer 11 · Auhang · Kirchengemeinſchaften · Paſtor 5

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—— — — —— —

Geisteskranke halten wir regelmäßig Gottesdienst ab. Besucht
werden diese Gottesdienste durchschnittlich von etwa 80 Pa⸗

tienten, die der Besserung schon näher stehen und zu den Ge⸗

—

unsern Gebeten nicht vergessen.

nesenden gehören. Es ist eine irrige Meinung, daß es unge⸗
ziemend und unnütz sei, Wahnsinnige zu gottesdienstlichen
Versammlungen anzuhalten. Gerade Geisteskranke sind in

vielen Fällen seelsorgerlichen Zuspruches in ganz besonderem

Maße bedürftig und dafür empfänglich. Innere Haltlosigkeit,

Trostlosigkeit und Trostbedürftigkeit, Willensschwäche, vermeint⸗

liche oder wirkliche Sorgen sind in vielen Fällen die besonderen
Begleiterscheinungen der Krankheit. Dies alles macht die
Geisteskranken in unzähligen Fällen zu Personen, deren seel⸗
sorgerliche Behandlung nötig und erfolgreich ist. Es ist freilich
wahr, daß die Missionsarbeit unter ihnen viel Mühe und Sorge
bereitet, und oft wird die ganze geistige Kraft und Erfahrung
in Anspruch genommen, um in ihrer Mitte doch einigermaßen
mit Nutzen wirken zu können. Heute zum Beispiel sitzen sie
ruhig, still in sich versunken da und scheinen sich um die ganze
Welt außer ihnen nicht zu kümmern, morgen sind sie vielleicht
das gerade Gegenteil, lebhaft, gesprächig und zutraulich, und
doch ist dies nach kurzer Zeit auch wieder verschwunden; einmal
heiter und wohlgelaunt, zugänglich und dankbar für freund⸗
lichen Zuspruch, nach wenigen Tagen traurig und trübselig,
verstimmt oder voller Aufregung. Für den einen Kranken paßt
ein freundlicher Gruß, ein kurzes Wort, an einem andern muß
ich vielleicht schweigend vorübergehen, um keinen Sturm zu
erregen, ein dritter aber sehnt sich nach einem Seelsorger, vor
dem er sich ungescheut ausklagen kann, dem er alle seine Schmer⸗
zen und Leiden offenbaren darf, der all sein Wünschen und Be⸗
gehren ruhig anhört und ihm vor allem mitleidige Teilnahme
entgegenbringt und ein Wort des Trostes und der Hoffnung
für ihn hat.

Was nun die Predigt in der Irrenanstalt betrifft, so muß
diese stets den Verhältnissen angepaßt sein. In einfachen,
schlichten Worten wird den Kranken das Evangelium von
Christo verkündigt. Mit Vorliebe predige ich ihnen von den
Krankenheilungen des Heilandes. Den Gesang übernimmt ein
Quartett, abwechselnd mit Instrumentalmusik. Wohl hat man

eine eigenartige Zuhörerschaft vor sich: Geistesschwache, die

kaum mehr das Einfachste zu fassen vermögen, daneben Ge⸗
nesende und bereits völlig Genesene, die eine kräftigere Geistes⸗
nahrung verlangen, Feingebildete neben ganz einfachen Zu⸗
hörern. Nebenbei finden sich auch Zuhörer ein, die ängstlich
auf die Worte des Predigers lauschen, um darin eine Bestäti⸗
gung ihrer Ideen und Anschauungen zu finden oder die die
Worte so drehen, bis sie für ihre Ideen passen; mancher gibt
mit Kopfnicken oder andern Zeichen zu verstehen, ob er mit dem

Redner einverstanden ist oder nicht. Wenn nun durch unsere

lutherischen Gottesdienste ein tief betrübtes und bekümmertes
Herz erleichtert worden ist, wenn ein Trostwort auch nur für
Augenblicke eine freudigere Regung in einem armen Herzen
erweckt, wenn ein Kranker an dem schönen erbaulichen Gesang
unserer Singchöre sich erbaut hat, dann sind wir mit unserer

Arbeit in der Irrenanstalt wohl zufrieden.

Unser HErr und Meister IEsus Christus sagt: „Wahrlich,

ich sage euch, was ihr getan habt einem unter diesen meinen
geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“

So laßt uns
denn auch der armen Geisteskranken gedenken und ihrer in

E. Dlg.

Zur kirchlichen Chronik.

Amerika.

Die zur Generalsynode gehörende Wittenbergsynode hat fol⸗
genden Beschluß gefaßt: „Wenn Männer, die in der christlichen
Kirche den Titel Pastor führen — und einige von ihnen sind
Lutheraner — sich damit abgeben, Spekulationsgeschäfte zu för⸗
dern, und zum Anlegen von Geldern in solchen Geschäften auf⸗
fordern, so sei, da sie damit in den Augen der Welt ihr Amt in
übeln Ruf bringen, und da solche Spekulationen leicht zum Scha⸗
den derer, die ihr Geld anlegen, ausfallen können, hiermit be⸗
schlossen, daß nach unserer Meinung der Kirche durch solche Hand⸗
lungsweise ihrer beglaͤubigten Vertreter schwerer Schaden zugefügt
wird; und ferner sei beschlossen, daß wir uns genötigt sehen,
solche Handlungsweise ernstlich zu tadeln, und daß wir hiermit
alle unsere Leute warnen, mit solchen Männern und Geschäfts⸗
unternehmungen sich in irgend welcher Weise einzulassen.“ Eine
solche Erinnerung und Warnung scheint allerdings in unserer Zeit
nicht überflüssig zu sein. Wir meinen auch, daß Pastoren sehr
vorsichtig sein sollten, ehe sie ihren Namen für irgendwelche ge⸗
schäftliche Unternehmungen hergeben. In der Regel wird der eine
von zwei Fällen statthaben: entweder können Pastoren nur ober⸗
flächlich sich um das betreffende Unternehmen kümmern und haben
keine genaue Einsicht in den Stand der Dinge, in die finanzielle
Lage, in die Geschäftsaussichten ꝛc., und dann ist es ungehörig,
wenn sie den Gebrauch ihres Namens gestatten, wodurch leicht
andere verleitet werden können, sich an dem betreffenden Unter⸗
nehmen zu beteiligen; oder aber sie kümmern sich eingehend um
die Sache, sind wirklich bei einem solchen Unternehmen tätig, und
das will sich dann nicht mit ihrem Amte vertragen. Der selige
D. Walther führt in seiner „Amerikanisch⸗lutherischen Pastoral⸗
theologie“ folgende Worte von Rambach an: „Es gibt Vorteile
und Gewinste, die allen andern Christen in allerlei Ständen er⸗
laubt und rechtmäßig sind, deren sich aber ein Lehrer (des gött⸗
lichen Wortes) nicht bedienen kann, ohne seinem Amte einen Vor⸗
wurf zu machen. Es würde allezeit für einen Lehrer etwas
Unanständiges sein, wenn er vor Gericht einen Prozeß führen,
oder den Patienten Rezepte verschreiben oder als ein Soldat auf
die Wache ziehen wollte. Ebensowenig schickt sich die Beschäftigung
mit Handel und Verkehr, oder auch die Betreibung einer Pro⸗
fession für ihn.“ (S. 388.) L. F.

Es ist beachtenswert, daß die törichtsten und verkehrtesten
Irrlehrer Reichtümer auf Reichtümer sammeln und in verschwen⸗
derischer Pracht und Herrlichkeit leben, namentlich die neuen Pro⸗
pheten und „Heilande“ unserer Zeit. Was die „Mutter“ der
Ohristian Scientists, Mary Baker G. Eddy, und der vor einiger
Zeit verstorbene Lügenprophet John Alexander Dowie aus ihrer
Religion für Nutzen gezogen haben, ist durch die Prozesse, die über
ihr Geld und Gut geführt worden sind, allgemein bekannt ge⸗
worden. Das Religionsbuch der Scientists, das von der Eddy
in immer neuen Auflagen herausgegeben wird, hat ihr schon mehr
als eine Million eingebracht. Dowie hat jahraus, jahrein wie
ein Fürst in verschwenderischer Pracht gelebt. Jetzt wird von
einer Führerin der Theosophen, Frau Catharine Tingley in Cali⸗
fornia, berichtet, daß allein der Park um ihr Haus 8300,000
gekostet hat. Ebenso hat Frank W. Sandford, der Gründer der
„Holy Ghost and Us“⸗Schwärmerei, große Summen für sich
zusammengebracht. Von den betrogenen Anhängern dieser
Schwärmereien gilt, daß sie es vertragen, wenn sie jemand zu
Knechten macht und sie schindet und ihnen nimmt, 2 Kor. 11, 20 f.,
und bei den Lügenpropheten selbst trifft zu, daß sie lehren, was
nicht taugt, um schändlichen Gewinns willen, Tit. 1, 11.

L. F.

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