Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 2 › Seite 22
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 28. Januar 1908, Seite 22
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Erkenntnis Gottes 3 · Erziehung 18 · Gericht 6 · Vater Unſer. —3. Bitte. 75⁵⁰⁶ · Kirchengemeinſchaften
22.
Ausland.
In Palästina ist, wie jüdische Blätter mitteilen, die Zahl
der Juden auf 85,000 gestiegen und hat damit die Zahl der dor⸗
tigen Christen (80,000) überschritten. Etwa 5000 jüdische Kolo⸗
nisten haben sich in 27 Ansiedlungen niedergelassen und bear⸗
beiten ganz beträchtliche Ländereien. Das ist eine Wirkung der
sogenannten zionistischen Bewegung, die zwar sehr abgenommen,
aber doch noch nicht aufgehört hat. Die meisten Juden freilich
wollen nichts davon wissen. Sie setzen sich überall fest, ganz be⸗
sonders in der Großstadt New York, und der Götze, dem sie
dienen, ist der Mammon. L. F.
—
Aus Welt und Zeit.
Ein Millionär und Knabenerziehung. Dr. A. E. Winshiv
von Boston hielt dieser Tage vor den Lehrern Minnesotas einen
Vortrag über Erziehung. Er hob hervor, wie die meisten Eltern
sich so wenig um ihre Knaben kümmern. Wenn ihrem Vieh etwas
zu fehlen scheine, so eilten sie zum Tierarzt und bezahlten ihn
gerne für seine Dienste; wenn man in seinem Besitzstand beein⸗
trächtigt werde, gehe man bald genug zum Advokaten, der die
Sache in Ordnung bringen und die Rechnung senden soll. Wie
viele Eltern aber fragen Fachleute um Rat, wenn mit ihrem Sohn
nicht alles recht steht, oder denken daran, was für wertvolle Dienste
ihnen geleistet worden sind, wenn man ihnen Rat gibt in Sachen
der Kindererziehung. Wenn Geld erworben oder sonst ein irdi⸗
scher Gewinn herausgeschlagen werden kann, können die Väter
der Sache schon Zeit und Aufmerksamkeit widmen; aber wer
kommt, um einen Vortrag über Erziehung zu hören, oder liest
ein Buch über diese Frage? Als der Redner vor kurzem einen
Vortrag in Jowa hielt, sagte ihm der Vorsitzer, als er eben an⸗
fangen wollte: „Sehen Sie den Mann, der dort hereinkommt?
Das ist ein ganz bedeutender Geschäftsmann; ihm verdankt unsere
Stadt ihren ganzen Wohlstand. Er ist ein tatkräftiger Charakter;
mit ihm müssen Sie näher bekannt werden.“ Nach dem Vortrag
wurde er auch vorgestellt, und als der Redner ihm gratulierte zu
seinen großen Erfolgen im Leben, sagte dieser: „Es ist wahr,
daß ich diese Stadt erbaut habe und daß ich mich es habe Arbeit
und Anstrengung kosten lassen und daß ich Millionen besitze, und
doch ist mein Leben ein ganz und gar verfehltes (JI am a total
failureé in life): ich habe fünf Söhne, und sie sind alle Tauge⸗
nichtse geworden (they have gone to the devil). Was habe ich
also ausgerichtet in der Welt, daß ich nicht einmal meine eigenen
Jungen recht erzogen habe!“ T h. B.
Ein Gottesgericht. Aus Ada, O., wurde vor einigen Wochen
folgender Fall berichtet: Als Amos Clarke, ein Farmer im Alter
von vierzig Jahren, der zwanzig Meilen südlich von hier auf dem
Lewiston⸗Reservoir wohnt, am Sonntagabend öffentlich Gott
herausforderte, wurde er plötzlich vom Tod hinweggerissen. Clarke
war seit Jahren als ein Gottesleugner bekannt und hatte an jenem
Abend wieder in der Gegenwart seiner Familie und mehrerer Nach⸗
barn behauptet, es gebe keinen Gott, und hatte Nott aufge⸗
fordert, ihn zu strafen, wenn es einen gebe. Kaum hatte er diese
Worte ausgesprochen, als er vom Schlage getroffen wurde, und
wenige Minuten später war er eine Leiche. Seine Familie be⸗
kennt sich zum Christentum, da die Kinder im geheimen von ihrer
Mutter darin unterrichtet worden sind. — Nicht immer greift
Gott so plötzlich ein. Viele Spötter und Lästerer seines Namens
und Wortes läßt er dahingehen, bis sie im Tode erkennen, daß
es doch einen Gott gibt. Aber bisweilen streckt er seine allmäch⸗
tige Hand aus und schlägt sie nieder, daß man sofort erkenne, daß
er sich nicht spotten läßt. L. F.
8 Der 2.„Tutherants
Von den Monopolen.
Wenn etliche ihre monopolia und eigennützige Käufe sonst
nicht vermögen aufzurichten, weil andere da sind, die auch der⸗
gleichen Ware und Gut haben, fahren sie zu und geben ihr Gut
so wohlfeil, daß die nicht dagegen mögen aufkommen, und zwingen
sie damit dahin, daß sie entweder nicht verkaufen können, oder
mit ihrem Verderben so wohlfeil verkaufen müssen wie jene. Also
kommen sie doch zum monopolion. Diese Leute sind nicht wert,
daß sie Menschen heißen, oder unter Leuten wohnen, ja sie sind
nicht wert, daß man sie unterweisen oder ermahnen sollte, sinte⸗
mal der Neid und Geiz so grob und unverschämt hie ist, daß er
auch mit seinem Schaden andere zu Schaden bringt, auf daß er
je allein auf dem Platze sei. Recht täte die weltliche Obrigkeit,
daß sie solchen nähme alles, was sie hätten, und triebe sie zum
Land hinaus.
Item, das ist auch ein Griff des Eigennutzes, daß drei oder
vier Kaufleute haben einerlei oder zweierlei Ware unter ihren
Händen, welche andere Leute nicht haben, oder nicht feilhaben.
Wenn sie nun merken, daß solche Ware will gelten, und alle Tage
teurer wird, so rotten sie sich zufammen und geben den andern
für, wie solche Ware sehr gesucht wäre, und nicht viel sind, die
dergleichen feil haben. Sind aber etliche, die dergleichen haben,
so mutzen sie einen Fremden auf, den lassen sie alle solche Ware
aufkaufen. Weil sie denn dieselbige Ware ganz in ihren Händen
haben, machen sie einen Bund miteinander auf die Weise: Wir
wollen diese Ware, weil keine mehr vorhanden ist, so und so hoch
aufs Geld halten, und welcher sie billiger gibt, der soll so und so
viel verfallen sein.
Item, das ist auch ein Feines, wenn einer dem andern ver⸗
kauft mit Worten im Sack die Ware, die er selbst nicht hat. Näm⸗
lich also: Es kommt ein fremder Kaufmann zu mir und fragt,
ob ich solche oder solche Ware feilhabe. Ich spreche: Ja, und
habe doch keine und verkaufe ihm dieselbige um 10 oder 11 Gul⸗
den, die man sonst um 9 oder 8 Gulden kauft, und sage ihm zu,
über zween oder drei Tage dieselbe zu überxeichen. Indessen gehe
ich schnell hin und kaufe solche Ware zusammen, da ich vorher
wußte, ich würde sie weit billiger kaufen, als ich sie ihm gebe, und
überreiche ihm dieselbige, und er bezahlet mir sie, und handle also
mit seinem, des andern, eigen Geld und Gut ohne alle Fahr,
Mühe und Arbeit und werde reich. Das heißt fein sich auf der
Gasse ernähret durch fremd Geld und Gut, daß man nicht darf
über Land und Meer ziehen.
Alle solche Finanzer heißt man Gurgelstecher und Kehle⸗
abschneider, werden aber für große und geschickte Leute gehalten.
(Luther.)
— 88.—.—
Nicht unser, sondern Gottes Wille geschehe.
Eine Mutter hatte ein einziges Kind, ein Söhnlein; dieses
Kind wurde so bedenklich krank, daß Menschen nicht anders denken
konnten, als daß es bald sterben müsse. Die Mutter konnte und
wollte sich nicht darein ergeben, und als die Krankheit ganz offen⸗
bar dem Tode zuführte, da wurde sie wie unsinnig und voll rasen⸗
der Verzweiflung, denn das Kind war ihr lieber als die ganze
Welt und als Gott selber. Als das der Prediger hörte, ging er
in das Haus, um der Mutter Trost und Ergebung zuzusprechen;
aber es war alles umsonst. Da versuchte er es auf eine andere
Weise; er stellte sich an das Bett des todkranken Kindes und betete
unter anderm laut also: „HErr, wenn es dein Wille ist, so schenke
diesem Kindlein Leben und Gesundheit wieder.“ Die Mutter
hörte diese Gebetsworte und schrie wie rasend: „Nicht wenn es
sein Wille ist, das kann ich nicht ausstehen, es muß sein Wille
sein; er darf mir mein Kind nicht sterben lassen!“ Der Prediger
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