Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 20 › Seite 313
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Oktober 1908, Seite 313
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Und ich sahr einen Engel
liegen mitien durch den C
Himmel, der hatte ein emig
vangelium, zu urrkiindigen
denen, die auf Erden sißen
und wohnen, und allen Hei⸗
den, und Geschlechlern, und
Sprachen, und Völkern, und
sprach mit großer Stimme:
Kürchtei Gott, und gebei
üihn die Chre; denn die Stit⸗
seines Oerichis isl kommen,
und betel an den der gemacht
bar Himmel, und Erde, und
Meer, und die Wasser⸗
„Dran Ossb. Joh. 14, 6. 7.
Herausgegeben von der Beutschen Evangelisch⸗Lutherischen Iunode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Louis.
64. Jahrgang.
Ht. Soris Wo be 6. Obtober 1908.
No. 20.
Briefe aus dem Römerbrief.
Dritter Brief.
Die gottlose Welt.
Röm. 1, 18—32.
Geliebte Christen! Jetzt fängt der eigentliche Brief an;
ich meine den Römerbrief.
„Der Gerechte wird seines Glaubens leben.“ Mit diesen
Worten hatte der Apostel seine Einleitung geschlossen und zu⸗
gleich das Hauptthema seines Briefes angegeben.
Wie steht es nun mit denen, die nicht durch den Glauben
vor Gott gerecht sind? Wie steht es mit der gottlofen Welt?
Auf die ist Gott zornig. — Ja, danach fragt die gottlose
Welt nicht, und es kümmert sie nicht. Aber es wird ihr einmal
klar werden, was das ist, daß Gott auf sie zornig ist. Am
Jüngsten Tage wird Gottes Zorn vom Himmel her schrecklich
über sie geoffenbart werden.
Bedenke, dus was für Menschen die gottlose Welt besteht.
Nun ja, gottlose Menschen sind's, ohne Gottesfurcht im Herzen,
ohne Gottesfurcht im Leben und Wandel. Und die Wahrheit,
die Wahrheit, die ihnen in die Augen scheint, die ihnen ins
Herz schreit, die sie eines Besseren belehrt, diese Wahrheit hal⸗
ten sie auf, halten sie nieder, unterdrücken sie durch ihre gott⸗
lose Ungerechtigkeit.
Welche Wahrheit ist gemeint? — Alle Menschen ohne Aus⸗
nahme wissen etwas von Gott. Das, was allen Menschen von
Gott bewußt und erkennbar ist, das wissen also die Gottlosen.
Gott hat es ihnen kundgetan. Gott ist ja unsichtbar. Aber
solange die Welt geschaffen ist, kann und muß man Gottes
unsichtbares Wesen sehen, wahrnehmen, erkennen aus den Wer⸗
ken der Schöpfung. Aus den Werken der Schöpfung erkennt
man und nimmt man wahr Gottes ewige Kraft und Gottheit.
Durch seine Werke zeigt der unsichtbare Gott, daß er da ist, daß
er ein ewiger und allmächtiger Gott ist, daß er ein über alle
Begriffe 81 großer, Hater Gott 00 Das zeigt Gott
auch den gottlosen Menschen, damit sie keine Entschuldigung
für ihre Gottlosigkeit haben. Denn welche Entschuldigung soll⸗
ten sie haben, womit sollten sie erweisen können, daß sie nicht
dem Zorne Gottes verfallen seien? Sie haben, wie eben ge⸗
zeigt, Gott erkannt. Haben sie ihn nun gepriesen als Gott,
als den ewigen, allmächtigen, wunderherrlichen, großen, hei⸗
ligen Gott? Haben sie nach ihm gefragt, ihn gefürchtet mit
Herz und Tat? Haben sie ihm gedankt? Nein, gar nicht,
sondern sie haben diese ihnen bekannte Wahrheit von Gott auf⸗
gehalten, niedergehalten, unterdrückt, mit Füßen getreten. Und
so sind sie — und damit ist ihnen recht geschehen, wiewohl sie
auch damit Schuld auf Schuld häufen — eitel geworden in
ihren Gedanken, ihr törichtes Dichten und Trachten geht nur
aufs Eitle, Irdische, Vergängliche; ihr unverständiges Herz,
das keinen rechten Verstand annehmen wollte noch will, ist nun
ganz verfinstert, so daß das Licht der Wahrheit, das stets und
immerdar von Gott durch seine Werke in ihr Herz scheint, darin
nichts ausrichten, keine Bewegung zu Gott hervorbringen kann.
Für weise, für sehr weise halten sie sich; sie belächeln alle
Gotteserkenntnis und Gottesfurcht, allen Gottespreis und
Gottesdank; sie meinen, sie, sie seien die Götter dieser Welt,
und die Natur, die Natur sei das Letzte und Höchste, das zu
erkennen sei. Und damit sind sie in der Tat zu Narren, zu
unaussprechlichen Narren geworden. Ist's nicht so? — Und
das Außerste und Greulichste, was ihr eitles Dichten, ihr un⸗
verständiges und verfinstertes Herz und ihre wahnsinnige Weis⸗
heit fertiggebracht hat, ist das, womit die Erde seit Jahr⸗
tausenden bedeckt ist. Was ist das? Die abgefallenen und
gottlosen Menschen haben ja eine Erkenntnis der Wahrheit,
ein Wissen von der Herrlichkeit Gottes. Das ist ja gezeigt
worden. Aber was haben sie getan? Sie haben diese Herr⸗
lichkeit des unvergänglichen Gottes umgesetzt, umgebildet in
ein Gleichnis, nämlich in ein Bild von einem vergänglichen
Menschen, und sogar von Vögeln und vierfüßigen und kriechen⸗
den Tieren. So muß Gott sein, sagen sie. Das ist der Götzen⸗
dienst, der die Erde seit Jahrtausenden überschwemmt.
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