Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 20 › Seite 314
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Oktober 1908, Seite 314
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſangbuch 4 · Weib · e
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Und für all dies sollten sie eine Entschuldigung haben?
Welche? Sag an, wenn du eine weißt! Hierfür sollten sie
Gottes Zorn und Gericht nicht verfallen sein? Ah, Gott hat
ihnen Wahrheit genug zu erkennen gegeben, um ihnen alle
„Entschuldigung zu nehmen.
Nun geht hin, sagt Gott aber schon hier auf Erden zu
ihnen, und seht, wie weit und wohin ihr mit eurer Gottlosigkeit
kommt! Und so ist das ganze Tun und Treiben der Gottlosen
lauter Ungerechtigkeit. Das ist eine Strafe und ein Verhäng⸗
nis Gottes — und doch wieder eigene Schuld. Gott zieht seine
gut regierende Hand von ihnen ab und gibt sie hin in ihrer
bösen Herzen Gelüste.
Und wohin ist die gottlose Welt auf diese Weise gekommen?
Erstlich in greuliche Unreinigkeit. In unendliches, un⸗
begrenztes Huren⸗ und Schandwesen. Die ursprünglich hei⸗
ligen Geschlechtstriebe ihrer Natur sind in lauter Unreinigkeit,
in lauter Unzucht und Schändlichkeit verkehrt. Ach ja, es ist so.
So sind die Gottlosen aus Gottes gerechter Strafe und eigener
Schuld dahin gekommen, daß ihre eigenen Leiber an ihnen
selbst geschändet werden. Ja, das ist eine gerechte Strafe.
Denn sie haben ja die Wahrheit Gottes vertauscht mit der Lüge
und haben das Geschöpf geehrt und ihm gedient statt des Schöp⸗
fers, der da gelobt ist in Ewigkeit. Amen. Und nun? Nun
schänden sie ihre eigenen von Gott geschaffenen Leiber an sich
selbst! Sogar in ganz schändliche Lüste hat Gott sie dahin⸗
gegeben um ihrer Gottlosigkeit willen. Denn ihre Weiber
haben verwandelt den natürlichen Gebrauch in den unnatür⸗
lichen. Ach, das soll gar nicht näher ausgeführt werden.
Ebenso auch die Männer haben verlassen den natürlichen Ge⸗
brauch des Weibes und sind einer an dem andern in ihren
Lüsten erhitzt und treiben Mann mit Mann Schande. — Ja,
so haben sie den Lohn ihres gottlosen und mutwilligen Irr⸗
tums, daß sie die Erkenntnis Gottes verworfen haben, an sich
selbst empfangen. Wie das denn sein sollte und ihnen recht
geschieht.
Und wie sie Gott nicht für wert gehalten haben, daß. sie
ihn erkennten und von seiner Erkenntnis sich regieren ließen,
so hat Gott sie noch ferner dahingegeben in ihren verkehrten
und nichtswürdigen Sinn, daß sie tun, was nicht taugt. In
ihrem Verhalten gegen ihren Nächsten, gegen ihre Mitmenschen,
sind sie, wie offen zutage tritt, voll Ungerechtigkeit, Bosheit,
Arglist, Geiz und Habsucht; sie sind voll Neid, Mordsucht,
Hader, Lift, Tücke; sie sind Ohrenbläser, Verleumder; gott⸗
verhaßte Leute sind sie, die andere schmählich behandeln, hoch⸗
fahrend auf ihren Nächsten herabblicken; Ruhmredige sind sie,
und sie suchen nur immer Schlechtigkeiten zu erfinden; unge⸗
horsam sind sie den Eltern, störrig, unverständig, unverträglich,
lieblos, unbarmherzig. Gar wohl wissen sie das Recht Gottes,
daß, die solches tun, des Todes würdig sind, nicht wert, in
menschlicher Gesellschaft zu leben; aber doch tun sie solches nicht
nur, sondern haben auch Gefallen an denen, klatschen denen
Beifall, die solches tun.
Ein erschreckliches Bild der gottlosen Welt in wenig
Zeilen! Aber ist es nicht treffend? Macht die Augen auf und
schaut hinein in die gottlose Welt! Und so steht es nicht nur
bei den barbarischen Völkern, sondern wahrhaftig auch gerade
in der zivilisierten Welt. Lest diese Schilderung der gottlosen
Welt noch einmal langsam durch und dann sagt, ob ihr das
alles nicht auch hier zu unserer Zeit gewahrt.
Und nun merkt euch zweierlei, o Christen!
ist dies eine Schilderung der ganzen gottlosen Welt und alled
ja aller Menschen, die nicht durch den Glauben vor Gott gerecht
geworden sind. Zwar findet sich dies nicht in gleichem Maße
und in gleicher Greulichkeit bei jedem Weltmenschen. Bei
manchen ist die natürliche Erkenntnis Gottes noch nicht so ganz
mit Füßen getreten. Manche wollen daher noch auf äußerliche
Zucht halten. Manche erheben sogar ihre Stimmen gegen die
äußersten Auswüchse solch gottlosen Wesens und Tuns und
werden dann totgeschwiegen, totgeschrieen, totgestimmt, tot⸗
gelacht. Aber bei jedem, ja bei jedem Weltmenschen findet sich
der Keim und die Wurzel und das mehr oder minder hohe
Gewächs dieser Gottlosigkeit und wird die Frucht des ewigen
Todes bringen, wenn er nicht durch den Glauben vor Gott ge⸗
recht wird. — Und zweitens: Auch wir Christen, die wir durch
den Glauben vor Gott gerecht und neugeboren sind, sehen gar
wohl, daß wir in unserer alten Natur noch alle Triebe dieser
Gottlosigkeit stecken haben. Und gar leicht und schnell wird
diese Gottlosigkeit aufwuchern und uns verderben, wenn wir
nicht in der Glaubensgerechtigkeit und in der neuen Geburt
bleiben.
Es gibt nur eine Hilfe für die ganze Welt und jeden
Menschen: die Gerechtigkeit, die IEsus Christus beschafft hat,
die vor Gott gilt, die durch den Glauben ergriffen wird, die
zur ewigen Seligkeit führt. C. M. 3.
*
Die Stellung der Fran in der christlichen Kirche.
Es wird in unserer Zeit viel über Frauenrechte, über die
sogenannte Frauenfrage, die Emanzipation der Frau, geredet
und geschrieben. Man hält in Amerika, England, Deutschland
und andern Ländern Frauenkongresse ab, um über die Stellung
zu sprechen, welche die Frau in der Familie, im Staate und in
der Kirche einnehmen sollte. Welchen Umfang diese Bewegung
bereits angenommen hat, sieht man daraus, daß der Bund
deutscher Frauenvereine, der sich gerade auch mit diesen Fragen
beschäftigt, dem Berichte eines sozialistischen Blattes zufolge
jetzt 100,000 Mitglieder zählt. Wenn wir das Ergebnis aller
dieser Besprechungen und Vorschläge kurz zusammenfassen wol⸗
len, so lautet es: Die Stellung der Frau in Familie, Staat
und Kirche muß eine andere werden, als sie heute ist.
Wie sehr nun diese Bewegungen auch auf kirchliche Kreise
einen Eindruck gemacht haben, sehen wir daraus, daß in manchen
kirchlichen Körperschaften die Frauen jetzt die Gemeinde mit⸗
regieren, das Stimmrecht ausüben, ja selbst als Prediger und
Missionare auftreten. Vor einiger Zeit hat eine gottlose Zei⸗
tung es als das unsterbliche Verdienst der Frau Eddy gerühmt,
daß sie, ohne zu erröten, die Meinung der Frau als gleich⸗
berechtigt neben die des Mannes stelle, also zum Beispiel ihre
eigene Meinung für ebenso wichtig halte wie die des HErrn
IEsu, kurz, daß in den Versammlungen der von ihr gegrün⸗
deten Gesellschaft der Christian Scientists die F Frau ebenso das
Wort führe wie der Mann.
Es wird nun niemand leugnen wollen, daß in der Welt⸗
geschichte in Hunderten von Fällen Frauen im Hause tyranni⸗
siert und im Staate entrechtet worden sind, daß auch in der
Kirche ihre Stellung oft den Vorschriften des Wortes Gottes
nicht entsprochen hat. Wenn also diese Kongresse und Be⸗
0
Erstens: Es
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