Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 20 › Seite 321

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Oktober 1908, Seite 321

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tod 3 · Regierung 11

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ein freundliches Wort. Er sah alles als unverdiente Güte an.
„Besonders bewegt war er, als am Weihnachtsabend ein brennen⸗
der Christbaum in sein Krankenzimmer getragen wurde und alle
Kranken sich in seinem Zimmer versammelten und ihnen, die an
der Hauptfeier nicht hatten teilnehmen können, nun noch eine be⸗
sondere Feier gehalten wurde.

Daß er von seinem Krankenlager nicht wieder aufstehen
werde, fühlte er selbst. Aber er fürchtete sich nicht vor dem Ster⸗
ben. Je näher das Ende kam und je gewisser ihm dies wurde,
desto stiller und friedlicher, ja glücklicher wurde er. Etwa eine
„Stunde vor seinem Ende rief er nach seinem Seelsorger. Er
wiederholte ihm das Bekenntnis seiner besonders schweren Sünden,

auch das Unrecht gegen seine Mitgefangenen. „Aber“, so setzte
er hinzu, „ich möchte jeden umarmen und ihm das Unrecht ab⸗
bitten.“ Er deutete an, daß ihm auch von anderer Seite Unrecht
zugefügt worden sei, aber er setzte gleich hinzu: „Ich habe keinen
Feind; wenigstens bin ich gegen keinen feindlich und bitter gesinnt;
ich sterbe völlig ausgesöhnt mit Gott und Menschen.“

Von seinem geöffneten Fenster aus konnte er auf die Bäume
blicken; die hatten sich gerade mit dem schönsten Frühlingsgrün
gekleidet. „Wie schön! wie schön!“ sagte er mit unbeschreiblichem

„Lächeln. Und dies Lächeln ward noch größer und seliger, als der
Prediger ihn von der Pracht dieser Bäume hinwies auf die noch
unendlich größere Pracht der himmlischen Lebensbäume und ihm
den Vers der Sehnsucht vorsprach:

Paradies, Paradies,

Wie ist deine Frucht so süß!

Unter deinen Lebensbäumen

Wird's uns sein, als ob wir träumen.

82 Bring uns, HErr, ins Paradies!

Die Angst vor dem Tode war völlig ausgetrieben; er hatte
nur noch den einen Wunsch: „Ich möchte heim!“ Freilich äußerte
er auch einmal, daß es ihm doch vielleicht zu schwer werden könnte,
wenn der HErr noch länger verziehen würde; er fragte: „Doch
wenn das Ende noch länger auf sich warten läßt, wird das Böse
mich nicht zu sehr anfechten? Nicht wahr, JEsus ist doch stärker
als das Böse?“ Dankbar ließ er sich hinweisen auf den starken
Helden, der gesprochen hat: „Ich gebe meinen Schafen das ewige
Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird
sie mir aus meiner Hand reißen.“ Nun war auch diese Sorge ge⸗
hoben. Unter den Gebetsworten des Seelsorgers schloß er die

Der Prediger hat die Leichenrede, die er diesem Manne ge⸗
halten hat, kürzlich veröffentlicht. Da heißt es am Schluß: „Ich
will nichts weiter hinzusetzen; die Bekehrungsgeschichte dieses Ent⸗
schlafenen redet für sich selbst. Die Reden über die Torheit des
christlichen Glaubens, die man heutzutage so viel, auch in diesem
Hause, hört — an einer Geschichte wie dieser werden sie zuschan⸗
den. Ich wünsche, daß mein Ende sei wie dieses Ende, daß ich

so friedlich und fröhlich abscheiden möge wie dieser! Ich wünsche,

daß recht viele von uns umkehren und dereinst sterben mögen wie
dieser entschlafene Bruder!“

Gottes schützende Hand.

Erst vor einigen Monaten ist's geschehen; die Zeitungen er⸗
zählten davon und gingen über solche Erlebnisse dann, wie man
wohl sagt, „zur Tagesordnung über“. Aber wir wollen's ein⸗
mal festhalten, was jene Schweizerfamilie im Januar 1908 erlebt
hat, so daß jeder, der nur sehen will, die darin waltende unsicht⸗
bare, aber allmächtig schützende Gotteshand erkennen kann.

x — Im Isental war's, Kanton Uri. Der Besitzer eines einsamen
Hofes, Theodul Bissig, war an einem Abend der vorletzten Januar⸗
woche eben mit der Fütterung seines Viehes beschäftigt, als er

— *
*

durch ein donnerartiges Getöse aufgeschreckt wurde. Er sprang
aus dem Stalle gegen das Haus hin und bemerkte nun, daß sich
droben am Berge eine gewaltige Felsmasse losgelöst hatte und in
mächtigen Blöcken über den stahlhart gefrorenen Boden talwärts
donnerte. Ein solcher Felsblock in der Größe eines Stubenofens
kam in fürchterlichen Sätzen direkt gegen das Haus zu, in dem des
Alplers Familie, die Frau mit zwei kleinen Kindern und einer
Pflegerin, sich befand. Mit schrecklichem Gekrach durchschlug der
Felsblock gleich einer riesigen Kanonenkugel das ganze Gebäude
der Länge nach, so daß es wie ein Kartenhaus zusammenstürzte
und im Augenblick in einen Trümmerhaufen verwandelt war. In
der letzten Sekunde hatte Frau Bissig, die eben in der Küche mit
der Bereitung des Nachtessens beschäftigt war, noch ins Freie flüch⸗
ten können. Was aber war aus den beiden Kindern und der Magd
geworden, die im Augenblick des Unheils in der Wohnstube gespielt
hatten? Angsterfüllt machten sich die Eltern ans Suchen und
Nachgraben, und zu ihrer grenzenlosen Freude fanden sie die drei
völlig unversehrt in der einzigen Ecke des Hause, die noch halb
aufrecht geblieben war. Alles andere samt dem Hausrat war
gänzlich zerschmettert und zum Teil weit über die Wiese zerstreut,
nur das Winkelchen, wo die Magd mit den beiden Kindern spielend
hinter dem Tisch gesessen, war durch ein Wunder verschont ge⸗
blieben.
Der alte Gott, von dem der 91. Psalm sagt, lebt noch!

Der Mensch weiß seine Zeit nicht.

Wenn ich zu einem neuen Tag erwacht bin, so ist vor mir
wieder eine Bahn eröffnet, auf welcher der Lauf meines Lebens
gehen soll. Wie lange dies noch währt, ist mir unbekannt, auch
was mir nun begegnen wird, kann niemand voraussagen; denn
der Mensch weiß seine Zeit nicht. Es ist auch Gottes Wille, daß
ich nicht wissen soll, was zukünftig ist. Aber das ist mir bekannt
und von meinem Vater im Himmel geoffenbart, wohin der Lauf
meines Lebens zielt, und welches der Weg ist, auf welchem ich mein
Ziel erreichen kann. Schenke mir doch, Gott, den rechten Glauben
an deinen lieben Sohn IEsum Christum und einen frommen Sinn,
der deinen Willen liebt und im Gehorsam gegen deine Gebote
seine Freude findet! Erfülle mein Herz mit der Sorge, daß ich am
ersten trachte nach deinem Reiche und seiner Gerechtigkeit, alles
andere aber dir anheimstelle, der du mir gewiß wirst zufallen
lassen, was mir nützlich ist! Halte meine Sinne und Gedanken
in guter Zucht auf deinen Wegen! Lehre mich aufsehen auf IEsum
Christum, und im Vertrauen auf ihn führe mich durch diese Zeit
und leite meinen Gang heute und allezeit bis an mein seliges
Ende!

Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste
verkündiget seiner Hände Werk.
Ps. 19, 2.

Wer aber hört die Stimme der Natur? Du schaust gen Him⸗

mel und fragst, ob es regnen will, oder ob eine trockene Erntezeit

zu erwarten sein wird. Dabei denkst du an dich und an deinen
Acker; aber die mächtige Hand Gottes, die die Wolken über die
Erde dahinführt und die auch dich gern zum Guten leitet, siehst
du nicht. Du gehst durch das Feld und freust dich über den guten
Stand der Früchte, denn du brauchst sie zur Nahrung. Aber die
bunten Blumen am Wege siehst du nicht, verachtest sie vielleicht
sogar, und doch hat sie dein himmlischer Vater zu deiner Freude
dahin gepflanzt und will dir damit sagen: „Du bist mein liebes
Kind, und ich will dir nicht bloß das geben, was du nötig hast,

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