Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 20 › Seite 316

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Oktober 1908, Seite 316

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſangbuch · Weib · Weib 2

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en „Tutperaness

Wie es nun der Regel nach dem Weibe nicht zukommt, das
Stimmrecht in der Gemeinde auszuüben, so darf es uns auch
nicht wundern, daß der liebe Gott nicht haben will, daß sie
öffentlich lehren und also Männer, Weiber und Kinder und
hiermit auch ihren eigenen Mann öffentlich unterrichten soll.
Es hat Gott gefallen, das Weib dem Manne unterzuordnen,
und nicht umgekehrt. 1 Kor. 11, 3 heißt es: „Ich lasse euch
aber wissen, daß Christus ist eines jeglichen Mannes Haupt,
der Mann aber ist des Weibes Haupt, Gott aber ist Christi
Haupt.“ Und 1 Kor. 11, 9 geht der Apostel auf den Ursprung
des Mannes und Weibes zurück und folgert daraus ihre gegen⸗
seitige Stellung. Er spricht: „Und der Mann ist nicht ge⸗
schaffen um des Weibes willen, sondern das Weib um des Man⸗
nes willen.“ 1 Tim. 2, 12—14 betont er dasselbe und fügt
noch hinzu, daß auch der Sündenfall zuerst durch das Weib
geschehen sei, und das Weib deshalb ihrem Manne untergeord⸗
net sei. Da heißt es: „Denn Adam ist am ersten gemacht, da⸗
nach Eva; und Adam ward nicht verführet, das Weib aber
ward verführet und hat die Übertretung eingeführet.“ Am
allerbestimmtesten haben wir Gottes Gebot Eph. 5, 22—24,
wo es heißt: „Die Weiber seien untertan ihren Männern als
dem SErrn, denn der Mann ist des Weibes Haupt, gleichwie
auch Christus das Haupt ist der Gemeine, und er ist seines
Leibes Heiland. Aber wie nun die Gemeine ist Christo unter⸗
tan, also auch die Weiber ihren Männern in allen Dingen.“
Zehn Verse weiter sagt der Apostel: „Das Weib aber fürchte
den Mann.“

Das Neue Testament verweist also aufs Alte Testament.
Dort hat Gott im Anfang der Welt die Stellung der Geschlech⸗
ter zueinander geordnet.
gab, sagt Gott über den Zweck der zu schaffenden Frau: „Es
ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; ich will ihm eine Ge⸗
hilfin machen, die um ihn sei.“
vor dem Sündenfalle, die Frau zur Gehilfin, nicht zur
Herrin ihres Mannes zu machen. Nach dem Falle aber be⸗
stätigt er diese Stellung noch einmal mit diesen Worten: „Und
dein Wille soll deinem Manne unterworfen sein, und er soll
dein Herr sein.“ Aus dieser gottgewollten Stellung der beiden
Geschlechter zueinander geht darum die Stellung, welche die
Frau in der Gemeinde einnehmen soll, offenbar hervor. Auch
hier soll ihre Stellung eine untergeordnete sein, was Paulus
mit klaren Worten bezeugt.

Haben wir nun aus Gottes Wort erkannt, welche Stellung
die Frauen in der christlichen Gemeinde nicht einnehmen sollen,
so wollen wir, will's Gott, in der nächsten Nummer ausführlich
besehen, was die Frau im Reiche Gottes tun kann und soll.

Das evangelisch-lutherische Kirchenlied.

VI.

Unter den Sängern des Reformationszeitalters, von denen
zuletzt die Rede war, muß auch erwähnt werden Nikolaus
Herman, der ehrenwerte Kantor des Pfarrers Johann
Mathesius in Joachimstal. Von ihm pflegte man zu sagen,
daß, wenn sein Pfarrer eine gute Predigt getan, er alsbald ein
gutes Lied dazu gemacht hätte. Und wahrlich, gar feine Lieder
hat er verfaßt, und zwar für seine lieben Schulkinder. Aber

1 Mos. 2, 18, ehe es noch eine Frau

Es war also Gottes Absicht

rasch fanden sie auch Eingang in die Kirchen, zum Beispiel:

„Lobt Gott, ihr Christen allzugleich“ (No. 30), „Die helle Sonn'
leucht't jetzt herfür“ (No. 294), „Hinunter ist der Sonnen⸗
schein“ (No. 317), Lieder, die ebenso einfach wie innig und
lieblich sind. Wie schön ist auch sein Gebet um ein seliges Ende:

Wenn mein Stündlein vorhanden ist

Und soll hinfahr'n mein' Straße,

So g'leit' du mich, HErr IEsu Christ,

Mit Hilf' mich nicht verlasse!

Mein' Seel' an meinem letzten End'

Befehl' ich dir in deine Händ', 4

Du woll'st sie mir bewahren. (No. 428.)
Fürwahr, unsere lieben Kinder, aber auch wir Erwachsenen
haben Ursache, diesem frommen Dichter für seine schönen Lie⸗
der zu danken.

Endlich wäre noch Michael Weiße, deutscher Pfarrer
in Böhmen, zu nennen, der durch seine Übersetzungen böhmi⸗
jcher Hussitenlieder bekannt geworden ist. Luther hatte seine
helle Freude an diesen Liedern der „böhmischen Brüder“ mit
ihrer innigen und sinnigen Rede und ihren wohlklingenden,
edlen Singweisen und nahm verschiedene in seine Gesangbücher
auf. Solche Lieder sind zum Beispiel das schöne Osterlied:
„Christus ist erstanden von des Todes Banden“ (No. 100),
das muntere Morgenlied: „Der Tag vertreibt die finstre Nacht“
(No. 440), vor allen aber das „christliche Trostlied zum Be⸗
gräbnus der lieben abgestorbenen Christen“: „Nun laßt uns
den Leib begraben“ (No. 417), zu dem Luther eine schöne
Schlußstrophe hinzudichtete und das jetzt noch fort und fort
an unsern Gräbern erschallt.

So hatte Luthers Vorgang manchen Sänger zum Singen
und Dichten angeregt. Offenbar lag Gottes Segen auf der
lutherischen Liederdichtung, die in so kurzer Zeit eine solche

Fülle herrlicher Lieder hervorbrachte, und mit unverhohlenem

Neid sahen die Gegner auf den immer größer und schöner
werdenden Schatz von Gesängen, die die lutherischen Gottes⸗
dienste zierten. Denn wo hätte es jetzt eine lutherische Ge⸗
meinde gegeben, die nicht in ihren Gottesdiensten sang? Und

wie mancher kam in die lutherischen Kirchen, nur um dem⸗

majestätischen Gesang der andächtigen Menge zu lauschen, der
sich freilich ganz anders anhörte als das gewohnte „Mönchs⸗

geplärre“ in den römischen Kirchen. Denn das muß auch als

eine besondere Gnade von Gott. hervorgehoben werden, daß
er so viele fromme Musiker erweckte, die den Liedern ihre

passenden Melodien gaben, die seit jener Zeit unzertrennlich

mit ihnen verbunden sind. Daß die Lieder aber so allgemeine

Aufnahme in den Gemeinden fanden, ist dem Umstand zuzu⸗
schreiben, daß sie, wie wir schon bei Luther gehört haben, genau
dem Bedürfnis der Menge entsprachen, indem sie ohne Ein⸗
mischung persönlicher Verhältnisse zum Ausdruck brachten, was
jeder Christ, wenn er anders ein solcher sein will, glaubt, be⸗
kennt und hofft, und zwar in volkstümlicher, einfacher, dem ge⸗
meinen Mann verständlicher Sprache. Deshalb machte sich
das lutherische Christenvolk diese Lieder zu eigen und prägte
sie sich zum unverlierbaren Besitz ins Gedächtnis ein. Denn
das galt damals für selbstverständlich, daß jedermann die Lieder
auswendig wußte, wie sie denn auch stets unverkürzt gesungen

wurden. Festbegründet war jetzt also der lutherische Gemeinde⸗

gesang, festbegründet damit auch der lutherische Gottesdienst,
dessen Grundforderung eine lebendige Teilnahme und Mit⸗
wirkung der Gemeinde ist.

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