Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 22 › Seite 346

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 3. November 1908, Seite 346

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Weib · Weib

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S Ver 2„Tuthierantes⸗

in die Seele jedes Menschen, der ungescheut das Böse vollbringt,
welches er doch als Böses erkennt. Und das wird Gott tun
vornehmlich bei den Juden, die ja von alters her sein Gesetz
und Zeugnis haben, es aber übertreten; doch auch bei den
Heiden, die ja wissentlich der Sünde dienen; am allermeisten
aber bei den abgefallenen oder heuchlerischen Christen, die das
vollste Licht der Wahrheit haben, es aber verachten. — Doch
Herrlichkeit und Ehre und den edlen, süßen Frieden der ewigen
Seligkeit wird Gott einem jeden geben, der im Glauben an
IEsum Christum das Gute wirkt und schafft, vornehmlich dem
Juden, als dem wahren Gliede der alten Gotteskirche, und auch
dem Heiden, der ein wahres Glied der Kirche geworden ist.

Denn höre und merke: bei Gott ist kein Ansehen der
Person. So viele Heiden gewesen sind und also das geschrie⸗
bene Gesetz der zehn Gebote nicht gehabt, aber gesündigt haben,
werden auch ohne dies Gesetz verloren gehen. Und so viele
Juden gewesen sind und also das geschriebene Gesetz der zehn
Gebote gehabt und dagegen gesündigt haben, werden durch
eben dies Gesetz gerichtet und verurteilt werden. So ist es am
allermeisten bei allen denen, die die Wohltaten der christlichen
Kirche genossen und doch frech gesündigt haben. Denn nicht
die Hörer des Gesetzes sind gerecht bei Gott, sondern die, welche,
wie beschrieben, durch den Glauben an Christum Täter des
Gesetzes geworden sind, werden vor dem Gerichte Gottes öffent⸗
lich gerechtfertigt werden.

Du sprichst: Das sehe ich ein. Nur eins ist mir nicht klar.
Auf was hin werden denn die Heiden, die gesündigt haben,
gerichtet, wenn sie doch das geschriebene Gesetz der zehn Gebote
nicht gehabt haben? Wie kann man daher sagen, daß sie wider
ihr besser Wissen gesündigt haben?

Ei, hast du vergessen, was ich schon im dritten Briefe ge⸗
zeigt habe? Doch höre!

Es kommt ohne Zweifel vor, daß Heiden, die doch das
geschriebene Gesetz nicht haben, von Natur die Gebote des gött⸗
lichen Gesetzes tun. Ich meine dies: Heiden, ohne daß sie das
geschriebene Gesetz kennen, meiden doch manchmal manche im
göttlichen Gesetz verbotene grobe Schanden und Laster und
befleißigen sich in vielen Stücken einer äußeren Ehrbarkeit und
Rechtschaffenheit. Sie tun so aus einem in ihnen wohnenden
natürlichen Drange. Sie, obwohl sie das geschriebene Gesetz
nicht kennen, sind sich selbst ein Gesetz. Was sie freilich auf der
einen Seite gut tun, das tun sie auf der andern Seite wieder
schlecht; und eine äußerliche Werkerei ist es in jedem Falle.
Aber doch — was zeigen und erweisen die Heiden damit?
Damit zeigen und erweisen sie, daß des Gesetzes Werk in ihr
Herz geschrieben ist, daß Gott ihnen in ihre Natur eine Kennt⸗
nis seines Gesetzes gegeben hat. Nicht wahr? Ja, Gott hat
sein Gesetz in die Herzen der Menschen geschrieben. Und solche
die Werke des Gesetzes lehrende Schrift ist auch bei den Heiden
nicht ganz ausgelöscht, nicht einmal bei den rohesten Heiden.
Das zeigt auch das Gewissen, das alle Heiden haben. Alle
Heiden haben ein Gewissen, ein Bewußtsein, ein Wissen von
diesem ihnen ins Herz geschriebenen Gesetz Gottes. Auch dies
Gewissen gibt Zeugnis von dem Gesetze Gottes, das in ihr Herz
geschrieben ist. Die Gedanken der Heiden reden in ihnen mit⸗
einander, anklagend oder auch entschuldigend, etwa so: Da habe
ich mich schwer versündigt; ach, so schlimm ist es doch nicht ge⸗
wesen, es kam so unversehens, ich wurde dazu verführt. Oder
so: Das darf ich nicht tun, das ist schlecht; aber jenes darf ich

sollen, so sprechen die Sekten gern:

wohl tun. Nun, beweist das nicht auch, daß Gottes Gesetz in

ihr Herz geschrieben ist und daß sie doch wissen, daß Gotk' als

Gesetzgeber und Richter ihnen nahe ist? Und siehst du nun

nicht, auf was hin die Heiden gerichtet werden, obwohl sie das

geschriebene Gesetz der zehn Gebote nicht haben? Und siehst
du nun, wie man allerdings sagen kann, daß sie wider ihr besser

Wissen sündigen? Und dies ihr Wissen und Gewissen von dem

göttlichen Gesetz wird gegen sie auftreten am Tage des Gerichts

als Verkläger und zugleich als Zeuge ihres mutwilligen Sün⸗

dendienstes. Und sie werden keine Entschuldigung haben.

Und nun höre! In aller Wahrheit und in Summa ver⸗
hält es sich mit dem Gerichte so: Gott wird das Verborgene
der Menschen richten. Das Verborgene der Menschen ist der
Glaube oder der Unglaube. Und nach dem Evangelium wird
Gott richten: Wer glaubt, wird selig werden; wer nicht glaubt,
wird verdammt werden. Und durch IEsum Christum wird
Gott richten, durch unsern lieben, guten Heiland, der uns so
gerne selig macht. An den glaube! Und dann sei ganz getrost!

Die Stellung der Fran in der christlichen Kirche.

II.
Wenn wir Lutheraner fest und bestimmt nach Gottes Wort
behaupten, daß die Frauen der Ordnung nach in christlichen
Gemeinde nicht regieren, nicht öffentlich das Wort verkündigen

„Ihr entrechtet die Frauen;
ihr räumt ihnen ja gar keine Stelle in eurer Kirche ein, gebt
ihnen gar nichts, für IEsum zu tun.“ Das ist aber wahrhaftig
nicht der Fall. Wir wollen heute hören, was die Frau im
Reiche Gottes tun kann und soll.

Zunächst sollen die Frauen ihrem Gott dienen, indem sie
Gottes Haus treulich besuchen, wo sie nach dem dritten Gebot
das Wort Gottes gerne hören und lernen sollen. Nicht nur die
Jünglinge, sondern auch die Jungfrauen werden im 148. Psalm
aufgefordert, zu loben den Namen des SErrn, und Christi
Wort: „Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren“
richtéet sich an die Frauen ebensowohl als an die Männer. Wenn
Frauen trotz vieler Hindernisse durch Hausarbeit, Pflege des
Mannes und der Kinder das Wort fleißig hören, so ist das ein
sonderliches Zeichen einer gottseligen Gesinnung und ein treff⸗
liches Stück ihres Christenwandels. Solch heilige Sehnsucht
nach dem Worte Gottes gewahren wir an den Frauen, die
Christo aus Galiläg nachfolgten, an Maria von Bethanien, die
IEsu zu den Füßen saß und lauschte, an der Prophetin Hanna,
die Tag und Nacht nicht vom Tempel wich. Ja, weite Wege
mußten die Frauen der Bibel oft gehen und mancher Mühe sich
unterziehen, um Gottes Wort zu hören. Maria und ihre Ge⸗
freundeten und Bekannten samt dem zwölfjährigen IEsus⸗
knaben hatten einen weiten Weg nach Jerusalem zum Tempel.
Hanna, die Mutter Sammels, kam in früher Stunde, um ihr
Herz vor Gott auszuschütten. Aber welchen Segen teilt ihnen
Gott da auch mit, gerade für ihr mühevolles Leben! In seinem
Hause finden sie nicht nur den immer nötigen Trost der Ver⸗
gebung der Sünden, sondern ihr Blick erhebt sich auch von den
Beschwerden dieses Lebens zur ewigen Ruhe, und ihre Hände
finden Kraft für die saure Berufsarbeit der kommenden Woche.

Wenn die Frauen zur Kirche gehen, so können und sollen
sie wachsen in der Erkenntnis. Das haben sie nicht nur für die

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