Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 22 › Seite 351

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 3. November 1908, Seite 351

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Das 5. Gebot 22 · Geſang

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8 Der „Tutheranes

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regimentliche, staatskirchliche Gedanke, der nicht richtig ist, zum
Ausdruck kommt. Der Staat soll den Pastoren in ihrem Amte
nichts zu gestatten und nichts zu verbieten haben, sondern allein
Gottes Wort. Wenn aber überall die Pastoren nach diesen rich⸗
tigen Grundsätzen handeln würden, drüben in Deutschland und
namentlich auch hier in Amerika in den Kreisen der Uniert⸗Evan⸗
gelischen und der englischen Sekten, so würde der Kirche mancher
verdiente Vorwurf und manche berechtigte Schmähung erspart, und
viel Lügen und 11 bei e L Namen würde ver⸗
mieden werden. L. F.

47 Keiner hrislichen Mission, sie trage, welchen Namen sie
wolle, soll innerhalb der nächsten drei Jahre der Eingang in das
verschlossene Land Tibet gestattet sein. Dazu haben sich vor nicht
langer Zeit zwei „christliche“ Regierungen, die englische und die
russische, durch ein förmliches übereinkommen verpflichtet. Der
Grund ist natürlich ein politischer. Beide Länder haben ein poli⸗
tisches Interesse an Tibet und wollen in diesem Interesse die Frem⸗
den und mit ihnen die christlichen Missionare aus dem Lande
fernhalten. Die „Allgemeine Ev.⸗Luth. Kirchenzeitung“ aber be⸗
merkt dazu ganz richtig: Wenn auch die Weltmächte, und noch
dazu christliche, so die Tür für die Mission verschließen, so wird
schließlich doch bestehen bleiben, was der HErr sagt: „Ich werde
vor dir herziehen; ich will die ehernen Türen zerschlagen und die
eisernen Riegel zerbrechen“, Jes. 45, 2. L. F.

über die bevorstehende Hungersnot in Indien macht unser
Missionar Kellerbauer einige Mitteilungen gerade aus der Gegend,

in der die meisten unserer Missionsstationen liegen. Er hat es
mit Freuden begrüßt, daß unsere letzte Delegatensynode eine vor
längerer Zeit für Notleidende in Rußland, Japan und China ein⸗

ö gegangene Summe, die wir nicht zu befördern wußten, für Not⸗
leidende in Indien bestimmt hat. Er schreibt: „In der ganzen
Gegend, in welcher unsere vier Missionsstationen liegen, ist seit
Mai kein nennenswerter Regen gefallen, während seit Mitte Juni
auf den Westmonsun (Regen) gewartet wird. Am hiesigen Orte
(Barugur) sind im Monat Juli etwa 1½ bis 13½4 Zoll Regen ge⸗
messen worden, im laufenden Monat aber nur noch einzelne Centi⸗
meter; und im benachbarten Krishnagiri war der Regen noch viel
seltener. Daß die Lage auf den östlichen Stationen nicht besser
ist, erhellt daraus, daß der große Palar (Fluß), wasserleer ist,
ebenso wie alle kleineren Flüsse und große wie kleine Teiche in der
Umgegend; nur Brunnen von 30 und mehr Fuß Tiefe liefern
noch etwas Wasser. überall werden sie vertieft oder neue gegra⸗
ben; und nur an ganz günstig gelegenen Stellen ist es möglich,
einige wenige —. — künstlich zu bewässern. Im übrigen ist von
Feldbestellung kaum die Rede; und wo die Aussaat gewagt wor⸗
den ist, droht das meiste zu vertrocknen. Eine große, weitverbrei⸗
tete Hungersnot ist durch Gottes Gnade von Indien noch abge⸗
wandt worden; in den am meisten bedrohten Provinzen ist der
Regen zwar spät, ziun Teil aber reichlich gekommen. Dem gegen⸗
über muß ich betonen, daß unser Landstrich nicht so glücklich daran

war, und es nun auch sehr unwahrscheinlich ist, daß wir über⸗

haupt noch Regen erhalten. Es droht darum hier ein Notstand,
ähnlich wie er im Jahre 1901 herrschte, nicht zwar so, daß über⸗
haupt kein Getreide mehr zu haben sein würde, aber so, daß die
überwiegend vom Landbau lebende Bevölkerung in unserer ganzen
Gegend nichts mehr verdienen kann und darum Not leiden muß.

Und wenn es da schon bei den kleinen Bauern hart zugeht, wieviel
mehr bei der noch größeren Menge der Tagelöhner! — Die Not
hbhat schon angefangen, nämlich beim Vieh. Seit Wochen ist kein
grüner Grashalm mehr aufzutreiben. Stroh habe ich schon lange
eins mehr gesehen. Unser ganzes Grundstück, das sonst mit Rasen
leidlich bewachsen ist, ist seit der heißen Zeit strohtrocken, und selbst
de täglich bewässerten Büsche fangen an zu welken, nicht wegen
— Hitze, I wegen höuidet Ausdörrung des Bodens.

*

V.
*

Das Rindvieh macht einen jämmerlichen Eindruck. Zu weiden
gibt es nichts mehr. Nur die Bäume mit ihren tiefen Wurzeln
sind noch grün, und das Laub von einigen Sorten muß als Vieh⸗
futter dienen; aber das meiste Laub ist bitter und ungenießbar.
Da sieht man wohl eine Herde Kühe an der Straße stehen, gleich
den sieben häßlichen in Pharaos Traum; der Hirte hat ein paar
Banianenäste abgeschlagen, und wenn die paar Blätter abgefressen
sind, steht das arme Vieh jeden Tag wieder zwischen den kahlen
Asten und hängt traurig den Kopf, denn das Wenige ist hin. Viele
Leute haben schon das Letzte verkauft; die meisten Kälber kommen
vor Schwäche um, und Milch wird knapper und knapper. Wenn
nun auch bei den meisten nichts geerntet wird, wie es zu werden
droht, dann wird es sehr traurig. — Ich glaube darum auch im
Sinne meiner Amtsbrüder zu handeln, wenn ich alle für unsern
Hungersnotfonds einfließenden Gaben freudig willkommen heiße.
Daheim ist ja jetzt die fröhliche Erntezeit“ (der Brief ist am
18. August geschrieben), „und da werden sich sicherlich Christen
finden, welche über den großen Synodalbauten und der wich⸗
tigen Inneren Mission und allem andern diese äußere Notlage
nicht übersehen werden. Da eine allgemeine Ausbreitung der Not
nicht zu erwarten ist, sind ja nicht gleich Tausende nötig; aber
wen die Not trifft, für den ist sie bitter genug, und schon wenige
Dollars würden oft ausreichen, um einer verarmten Familie zu
einer neuen Existenz zu verhelfen.“ L. F.

Die Sonne im Herzen.

An einem Sommerabend des Jahres 1875 war auf dem
Berge Rigi in der Schweiz eine große Schar von Fremden versam⸗
melt. Stille waltete rings umher. Niemand sagte ein Wort,
alles war versunken in den herrlichen Anblick, den die Aussicht vom
Rigi, eine der schönsten in der ganzen Alpenwelt, bestrahlt von
der untergehenden Sonne, darbot, und zwar in einer Weise dar⸗
bot, wie es sehr selten der Fall ist. Ein Gewitter hatte am Nach⸗
mittage getobt, nun hatten sich die Wolken geteilt, der Himmel
strahlte in heiterer, tiefer Bläue. Nur im Westen stand noch eine
dunkle Wolkenwand, aber sie reichte nicht bis zum Horizont herab.
Unter ihr strahlte die untergehende Sonne im herrlichsten Glanze.
Die Kette der hohen Schneeberge im Osten des Rigi errötete unter
den Blicken der scheidenden Sonne in immer herrlicherem Alpen⸗
glühen. Im Westen, ganz in der Nähe, erglühte der dunkle Pila⸗
tusberg mit den drei zackigen Hörnern in wilder Herrlichkeit in
der untergehenden Abendsonne. Aber der Blick vorwärts übertraf
alles. Die weite Schweizerebene, auf der sich ein leichter Nebel
erhob, war wie ein goldiges, wogendes Meer. Mit hellem Glanze
blickten daraus die Seen hervor, sonderlich der Zuger See, dem an
Klarheit von allen Seen der Welt vielleicht nur der von Genezareth
gleichkommt.

Plötzlich senkte sich die dichte Wolkenwand herab, rasch die
Sonne bedeckend. Mit einem Schlage war die goldige Herrlichkeit
verschwunden. In kaltem, düsterem Grau lag die Gegend da. Un⸗
heimlich starrten die Alpenriesen den erschrockenen Menschen ent⸗
gegen. Ein Zittern ging allen durchs Herz, der Schmerz über die
Vergänglichkeit der schönen Hefriihteit der Erde, die sie soeben
geschaut hatten.

Einzelne Ausbrüche schmerzlicher überraschung wurden ge⸗
hört, als die Sonne verschwand, dann aber traten Augenblicke
beklommenen Schweigens ein. Da durchbrach eine tiefe Stimme
das Schweigen, und aller Augen wandten sich um nach dem hohen,
in einen Mantel gehüllten Mann, aus dessen Mund sie erklang.
Er sagte laut, fest und ruhig:

„Fahr' hin! Ein' andre Sonne,
Mein IEsus, meine Wonne,
Gar hell in meinem Herzen scheint.“

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