Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 22 › Seite 348

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 3. November 1908, Seite 348

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Weib · e 3 · Weib · Gemeindegeſang

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348

e.

Gott den Frauen Gelegenheit zum Bekennen. Oft kommt im
Gespräch mit Nachbarn, Bekannten und Freunden die Rede
auf Religion, auf Kirchgehen, Beten, Bibellesen, auf lutherische
Gemeindeschule, und da gilt es zu bekennen, was unsers Her⸗
zens Glaube ist. Da gilt auch der Frau: „Wer mich bekennet
vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himm⸗
lischen Vater.“

Schließlich dienen christliche Frauen durch gottgefälligen
Wandel im eigenen Hause dem Reiche Gottes. Was der Pre⸗
diger auf der Kanzel lehrt über Glauben, Liebe und Hoffnung,

„Keuschheit, Milde, Geduld, Fleiß und Sparsamkeit ꝛc., das
leben sie daheim und missionieren so in ihrem Kreise. Gott
ruft alle, die er in seinen Weinberg ruft, zum Arbeiten. So
auch die Frauen in ihrem Gebiet. In treuer Häuslichkeit, in
herzlicher, liebevoller Unterordnung gegen den Mann, in müt⸗
terlicher Zärtlichkeit gegen die Kinder legen christliche Frauen
ein lautes Zeugnis ab gegen den Irrtum unserer Zeit, der von
der rechten Stellung der Frau im Hause nichts mehr wissen
will. Hier, in der Erziehung ihrer Kinder, hat die Frau ihr
herrlichstes, eigenartiges Arbeitsfeld. Könige und Propheten,
Apostel und Märtyrer haben auf dem Schoße ihrer Mütter
reden und beten gelernt. Welch eine Verantwortung hat da
Gott den Frauen gegeben! Die Seelen ihrer Kinder dem Hei⸗
land zuzuführen, sie für den Himmel zu erziehen, ist ihr schwer⸗
ster, seligster Beruf auf Erden. Es ist wichtig, daß sie den
Kindern das Leben schenken, sie mit Mühe und Not jahraus,
jahrein speisen und kleiden, sie in Schwachheit und Krankheit
hüten und pflegen; aber wichtiger ist, daß sie die Seelen der
Kinder zu dem weisen, der gesagt hat: „Laßt die Kindlein zu

mir kommen“, daß sie die Lippen ihrer Kinder zu IEsu beten

lehren.

Überschauen wir darum im Lichte des Wortes Gottes die
Stellung der Frau in der christlichen Kirche, so müssen wir
sagen: Obwohl die Frau nicht herrschen und öffentlich lehren
soll, so hat sie doch einen großen, seligen Beruf, so groß, daß
auch die eifrigste Frau nicht sagen kann: „Für mich gibt es
nichts mehr zu tun, ich habe alles längst getan für den HErrn.“
Ja, wer nach dem Beispiel frommer Frauen der Bibel dem
Heiland recht dient, der wird immer neue Arbeit finden, der
wird den ganzen Betrug der Neuzeit, den Irrwahn der auf⸗
geklärten, emanzipierten Frauen durchschauen und verab⸗
scheuen lernen. Das gebe Gott! J. W. Th.

Das evangelisch⸗lutherische Kirchenlied.

VII.

Mit den beiden zuletzt genannten Dichtern, Valerius
Herberger und Philipp Nicolai, sind wir nun schon in das
17. Jahrhundert eingetreten. In diesem Jäahrhundert erlebte
das Kirchenlied seine zweite Blütezeit, und was vorher auf⸗
gebaut war, das wurde jetzt aus gebaut und vollendet. Alles,
was noch an einer allseitigen Abrundung unsers geistlichen
Liederschatzes fehlte, das kam jetzt hinzu, wie der Leser sich
davon aus seinem Gesangbuch überzeugen kann. Denn nicht
nur ließ man die schon von Luther angeschlagenen Töne in
andern Harmonien erklingen, sondern man schlug auch ganz
neue Töne an, zu denen die früheren Sänger nicht den Anlaß
gefunden hatten.

sonst seine helfende Hand ausgestreckt hatte.

Besonders war es der in die erste Hälfte dieses Jahr⸗
hunderts fallende Dreißigjährige Krieg, der unserer Kirchen⸗
lieddichtung ungemein förderlich wurde. Geschweige, daß diese
Zeit des beständigen Sengens und Brenneus, des Wütens und
Mordens, wo jeder Tag neuen Schrecken, neue Angst brachte,
den Liederquell hätte stopfen können, so ließ sie ihn nur um so
reichlicher fließen. Denn „Not lehrt beten“. Dieses Wort hat
sich in dieser Schreckenszeit, wie vielleicht nie wieder, weder vor⸗
her noch nachher, bestätigt. Freilich konnten das keine Lieder
sein, wie sie die Reformationszeit hervorgebracht hatte, nämlich
frische, fröhliche Bekenntnislieder der Menge, sondern es waren
die stillen Gebete des einzelnen, der darin dem lieben Gott seine
Not vortrug, sich der Hilfe Gottes getröstete oder auch ihm Lob
und Dank darbrachte, wenn er aus großer Gefahr errettet oder
Die Zeit war eben
längst vorbei, wo die Dichter sich dazu berufen fühlten, für die
Gemeinde zu dichten. Jetzt dichteten sie für sich oder die Familie
und dachten wohl gar nicht daran, daß ihre Lieder jemals von
den Gemeinden gesungen werden würden.
herrliche Lied, zum Beispiel Rinckarts „Nun danket alle Gott“,

erst lange nach seiner Entstehung im Volke bekannt geworden!

Gerade dieser Umstand gibt den Liedern dieser Zeit ihr
Gepräge. Da sie nicht für die Menge bestimmt sind, sondern
den persönlichen Bedürfnissen der Verfasser sich anschmiegen,
was man auch an der häufig vorkommenden Einzahl „Ich“
sehen kann, während es früher hieß: „Wir glauben all' an

einen Gott“, „Ein' feste Burg ist unser Gott“, „Es ist das

Heil uns kommen her“, so sind diese Lieder nicht mehr so
gemeindemäßig, ihr Ton ist nicht mehr so trotzig, so markig,
so freudig, sie schreiten nicht mehr in so wuchtigem Männer⸗
schritt der früheren Streiter für Gottes Sache einher, sondern
ihr Gang ist mehr sanft und leise. Und während früher das
Lehrbekenntnis in den Liedern vorherrschte, so finden wir jetzt
mehr die persönliche Aneignung der Heilslehren zu eigener Er⸗
bauung, Stärkung und Erquickung darin vor. Man lese zum
Beispiel die Lieder: „Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld“
(No. 73), „Herzliebster IEsu, was hast du verbrochen“
(No. 75), „Gott Lob und Dank, es ist nunmehr die fröhl'che
Zeit jetzt kommen her“ (No. 106), und man wird verstehen,
was damit gemeint ist. Zeugnislieder des christlichen Lebens
mit dem vorherrschenden Charakter des Erbaulichen, so kann
man sie kurz nennen.

Auf der andern Seite sind die Lieder dieser Zeit sprachlich
glatter und vielfach auch schöner als die früheren. Die frühere
Silbenzählung, die oft die schönsten Erzeugnisse rauh und
holperig gemacht hatte, weicht jetzt einem regelmäßigen Vers⸗
bau, und allerlei dichterischer Schmuck in der Versform und im
Ausdruck, den die frühere Zeit nicht gekannt hatte, ziert die
Lieder. Man vergleiche zum Beispiel das Lied No. 41 mit
No. 20 oder No. 38, so wird man das deutlich wahrnehmen.
Freilich entbehren die Lieder jetzt der kernigen Kürze, die den
früheren eigen ist.

Daß aber so viele dieser Lieder, trotzdem sie gar nicht für
die Gemeinde bestimmt waren, doch in die Gesangbücher ge⸗
drungen und Kirchenlieder geworden sind, das kommt daher,
daß sie schlicht und einfach in gesunder Weise das aussprechen,
was die ganze Gemeinde der Gläubigen bewegt und was jeder
Christ für seine Seele bedarf, und mit ganz besonderer Vorliebe
werden sie heute noch von unserm Volke gesungen.

Ist doch manches

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