Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 22 › Seite 349
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 3. November 1908, Seite 349
Scan: Internet Archive, from the Graduate Theological Union's copy (one item per issue).
⤓ Download page image (full resolution)
German transcription machine transcription, uncorrected
Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Geſangbuch · ö Lutheraner 4
eeinige Dichter hingewiesen.
kennen nicht“!
349
Nach diesen allgemeinen Bemerkungen sei nun auch auf
Gleich am Eingang dieses Zeit⸗
raums steht einer, der zu den besten Dichtern unserer Kirche
gerechnet werden muß, nämlich Johann Heermann, ge⸗
storben 1647, jener fromme Dulder, dessen Leben eine fast un⸗
unterbrochene Kette von Kreuz und Leiden war, der alle Trüb⸗
sale des Dreißigjährigen Krieges zu schmecken bekam und oft
zum Tode betrübt war, wie er das auch ausspricht in dem Liede
No. 384:
Wie lang' hab' ich, o höchster Gott,
Getragen meine Last und Not!
Wie lange schreit doch für und für
Mein hochbetrübter Mut zu dir!
Und doch hab' ich kein' Hilf' von dir
Erlangt, das Kreuz wird schwerer mir;
Es nimmt von Stund' zu Stunden zu,
Läßt weder Tag noch Nacht mir Ruh'.
Wie erschütternd wirkt doch diese Klage, wie er sie auch in den
übrigen Versen, sowie in dem Liede (No. 373) äußert: „Treuer
Gott, ich muß dir klagen meines Herzens Jammerstand“! Wie
kaum ein anderer hat er „Dulden gelernt und Dulden gelehrt“.
Nicht weniger als vierhundert Lieder dichtete dieser herrliche
Mann, von denen fünfundzwanzig in unserm Gesangbuch stehen,
lauter Lieder, die ein unvergängliches Zeugnis für sein Glau⸗
bensleben ablegen, aber alle eine etwas gedrückte Stimmung
offenbaren, so daß nur selten ein wirklich freudiger Ton aus
ihnen herausschallt. Welch einen tiefen Einblick in die Lage
der Kirche der damaligen Zeit, nämlich der Jahre 1629 bis
1631, wo durch das sogenannte Restitutionsedikt Kaiser Ferdi⸗
nands II. der lutherischen Kirche scheinbar der Todesstoß ver⸗
setzt war, gewährt sein Lied No. 385: „Zion klagt mit Angst
und Schmerzen“! Wie ergreifend da sein Klageruf und Bitt⸗
gesang (No. 176): „Rett', o HErr JEsu, rett' dein' Ehr'“!
Von welcher innigen Liebe zu seinen Mitmenschen, auch zu
denen, die damals als die grimmigsten Feinde der wahren
Kirche den Weinberg Gottes zerwühlten, zeugt sein Bittgebet
(No. 175): „O JEsu Christe, wahres Licht, erleuchte, die dich
Hinwiederum, welch reiche Herzens⸗ und Le⸗
benserfahrung, welch frommer Christensinn, welch stille Er⸗
gebung spricht aus seinem Liede (No. 281): „O Gott, du
frommer Gott“, das er sich in all seinem Kreuz zum täglichen
Gebete dichtete! Wie glaubensvoll ist sein Bußlied (No. 230):
„Wo soll ich fliehen hin?“! — wie schön sein Abendmahlslied
(No. 198): „HErr JEsu Christe, mein getreuer Hirte“!
Wahrlich, hier haben wir einen Sänger vor uns, dessen Lieder
jedem Christen, besonders aber den Kreuzträgern, ein wahres
Labsal sind und in ihrer Einfalt und Innigkeit wunderbar tief
das Herz ergreifen und zum festen Glauben und zur kindlichen
Hingebung in den Willen des allgütigen Gottes ermuntern.
An Johann Heermann reiht sich eine große Schar Sänger
an, die der Kirche unvergängliche Gaben dargereicht haben. Da
ist Josua Stegmann, der um dieselbe Zeit, wo Heermann sein
„Rett', o HErr IEsu, rett' dein' Ehr'“ sang, sein „Bittgebet
für die Kirche unterm Kreuz“ verfaßte: „Ach, bleib mit deiner
Gnade“ (No. 2), ein Lied, das uns immer daran erinnern
sollte, welch ganz anderes Kreuz unsere Väter zu tragen hatten
als wir, und uns zur Dankbarkeit anspornen sollte, daß Gott
mit uns, die wir fürwahr kein besseres Los verdient hätten, so
gelinde verfährt; da ist Johann Matthäus Meyfart, der mitten
unter den Schrecknissen des großen Krieges das wunderherrliche
—*
NE V
2* * * — 2*
Lied No. 443 verfaßte: „Jerusalem, du hochgebaute Stadt“,
ein Lied, das uns gleichsam aus allem Jammer dieser Welt in
die Seligkeit des Himmels entrückt; da ist Martin Rinckart,
der um das Jahr 1630, also um dieselbe Zeit, wo Gott seiner
armen Kirche durch den frommen schwedischen König Gustav
Adolf Hilfe sandte, das allbekannte deutsche Tedeum verfaßte:
„Nun danket alle Gott“ (No. 346); da ist Georg Weissel, der
mitten in das Kriegsgeschrei seinen herrlichen Adventsruf hin⸗
eintönen ließ: „Macht hoch die Tür, die Tor' macht weit“; da
ist der begabte Johann Rist, der 658 geistliche Lieder dichtete,
darunter das Adventslied: „Auf, auf, ihr Reichsgenossen“
(No. 13) und das Abendlied: „Werde munter, mein Gemüte“
(No. 321); da ist Georg Neumark mit seinem Lied voll Gott⸗
vertrauens: „Wer nur den lieben Gott läßt walten.“ Doch
wer will die Sänger alle nennen? O. Hattstädt.
Sur kirchlichen Chronik.
Amerita.
Der 64. Jahrgang des „Lutheraner“ geht seinem Ende ent⸗
gegen, und wir ersuchen darum wieder alle unsere Leser freundlich,
bei ihren Bekannten ein Wort für dieses unser Synodalblatt ein⸗
zulegen und neue Leser zu werben. Gern stellt ihnen unser Ver⸗
lagshaus zu diesem Zwecke Probeexemplare in beliebiger Anzahl
zur Verfügung und sendet ihnen diese kostenfrei zu oder sendet sie
auch direkt durch die Post an Personen in unsern Gemeinden, die
noch keine Leser sind, aber als solche wohl gewonnen werden könn⸗
ten, wenn ihnen mehrere Nummern des „Lutheraner“ nachein⸗
ander zugehen und sie dadurch das Blatt kennen lernen. Nur
wolle man in diesem Falle die Namen und Adressen ganz genau
und recht deutlich schreiben. Durch solche Empfehlung an Freunde
und Bekannte, namentlich auch durch die eifrigen Bemühungen
vieler Pastoren, Lehrer, Vorsteher und anderer Gemeindeglieder
hat der „Lutheraner“ in den letzten Jahren seine Leserzahl ganz
bedeutend vermehrt. Er sollte aber in jedem Hause unserer großen
und weitverzweigten Synode gehalten und gelesen werden. Das
würde zum Segen für die einzelnen Familien, für die Gemeinde,
zu der diese gehören, und für die ganze Synode ausschlagen. Im
Interesse der Kirche bitten wir unsere Leser um den genannten
Dienst. L. F.
Bitten um Mitteilung der Namen und Adressen von Glau⸗
bensgenossen, die ihre bisherige Heimat verlassen und an andere
Orte ziehen, sind in der letzten Zeit wiederholt im „Lutheraner“
von Pastoren und Reisepredigern unserer Synode veröffentlicht
worden. Die Erfüllung solcher Gesuche ist ein Liebesdienst, den
man nicht übersehen, sondern gern erweisen sollte, durch den unse⸗
rer Inneren Mission eine schätzenswerte Hilfe zu teil wird und
manche Seele vor geistlichem Verderben bewahrt werden kann. Zu⸗
gleich seien auch solche, die eine neue Heimat suchen, daran erin⸗
nert, daß sie doch in jedem Falle an einen Ort ziehen sollten, wo
sie die rechtgläubige Kirche und Schule in der Nähe haben. Wie
traurig es sonst gehen kann, mag ein Auszug aus einem langen
Briefe zeigen, der kürzlich an uns von einer Frau aus dem fernen
Nordwesten gerichtet wurde, die mit ihrer ganzen Familie von der
lutherischen Kirche zu den Spiritisten oder Geistersehern abgefal⸗
len ist. Sie schreibt: „Wir sind auch lutherische Leute und Leser
des „Lutheraner‘, wir haben zwanzig Jahre der Gemeinde in K.
im Staate Y. angehört und sind seit sechs Jahren hierher gezogen.
Hier haben wir keine lutherische Kirche. Wir wurden auf unserer
Reise mit P. N. N. in Z. bekannt; wir waren auch in seiner Kirche,
aber es ist zu weit für uns, um oft dorthin zu kommen; es ist
English translation
Not yet translated.