Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 22 › Seite 352

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 3. November 1908, Seite 352

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Luther 1 · Papſttum 4 · Regierung 11

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S TutperaneEN

Was der Mann hatte, verstanden nicht alle; das aber fühl⸗
ten alle, daß es etwas Großes sein müsse, die Sonne im Herzen
zu tragen, gegen die selbst die Herrlichkeit der scheidenden Alpen⸗
sonne wie ein mattes Abbild erbleicht.

Gott gebe uns., daß wir, wenn einst die dunkle Wolke des
Todes uns den Anblick der irdischen Sonne verhüllt, auf IEsum
schauen und sagen können mit jenem Mann auf dem Rigi:

„Fahr' hin! Ein andre Sonne,
Mein JIEsus, meine Wonne,
Gar hell in meinem Herzen scheint.

Der Hauptirrtum des Papsttums.

Des Papsts und aller Rotten Hauptlehre ist: Willst du der
Sünden los und selig werden, so mußt du nicht allein glauben.
sondern so und so leben, so viel tun und leiden; ja, unsere Papi⸗
sten gar nichts vom Glauben verstanden noch gelehrt haben, ohne
daß sie jetzt das Wörtlein „Glaube“ von uns gelernt und müssen
sich ihrer vorigen Lehre selbst schämen, fahen's an zu flicken und
nennen wohl den Glauben, machen aber den Zusatz vom Verdienst
der Werke, daß der Glaube doch muß nichts sein. Und, was das
Argste ist, wenn sie lange davon gelehrt haben, so haben sie es
endlich mit solchem Stank versiegelt und öffentlich gesagt: es
möge ein Mensch fromm sein und viel Gutes tun, aber doch wisse
er nicht, ob er Gnade oder Ungnade bei Gott erlange. Das sagen
sie von den Frommen, die da gerecht sind und gute Werke tun und
sollen doch nicht wissen, wie sie mit Gott dran sind. Das hat sie
der leidige, verfluchte Teufel aus der Hölle heißen reden und
predigen. 5

Daraus kann man ja merken, was ihre Früchte sind und wie
ihre Lehre dem reinen Wort Christi gemäß sei. Denn erstlich
sagen sie nichts vom Glauben, daß wir durch Christum Vergebung
der Sünden haben, sondern heißen mich gute Werke tun, dadurch
ich soll von Sünden rein werden, und doch, wenn ich die alle ge⸗
tan habe, soll ich nicht wissen noch glauben, daß ich einen gnädigen
Gott habe, so doch die Schrift mich lehrt, daß ich zu vor muß
glauben und wissen, daß mir Gott gnädig sei durch Christum, ehe
ich Werke tue, die Gott gefallen. Darum kann ich frei schließen,
daß, wer also lehrt oder glaubt und lebt, der ist nicht in dem Wein⸗
stock, sondern ist eine verlorene Rebe, mit all seinem Tun und
Früchten verdammt, weil sie nichts lehren, denn daß man soll

immerdar zweifeln und nimmer gewiß sein könne, ob man in

Christo, das ist, in Gottes Gnaden, sei und rechte Früchte habe
oder nicht. Um welches willen allein das Papsttum als des Teu⸗
fels Verführung zu verdammen ist, obschon sonst nichts dran sträf⸗
lich wäre. (Luther.)

Wunderbare Gotteswege.

Merkwürdige Führungen Gottes erfährt ja jedes Kind Gottes
im eigenen Lebenslaufe. Wohl dem äußeren Auge am sichtbarsten
offenbaren sie sich auf dem Gebiete der Mission, der äußeren sowohl
als der inneren. Manche herzerfreuende Beispiele aus alter und
neuer Zeit sind dem Christenvolke schon mitgeteilt worden. Zu
ihnen zählt auch das Folgende, das wir mündlichen Mitteilungen
des waldensischen Pastors Calvino verdanken: V

In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts lebte in
Rom eine berühmte Malerin, die eine sehr eifrige Katholikin war.
Eines Tages erhielt sie den Auftrag, ein biblisches Bild zu malen.
Um ihre Aufgabe entsprechend lösen zu können, wollte sie die
biblische Geschichte — es war eine neutestamentliche —, auf die
sich das Bild beziehen sollte, zuvor lesen und sich dann in ihren
Inhalt versenken. Vergebens aber fragte sie in allen Buchläden

Roms nach einer Bibel; dieses Buch war damals in der „heiligen
Stadt“ verboten und daher in Buchhandlungen nicht anzutressen.
Da wandte sich die Malerin an ihren papistischen Beichtvater und
bat ihn, ihr zu dem angegebenen Zweck eine Bibel zu verschaffen.
Dieser versprach, ihre Bitte zu erfüllen. In seinen Bemühungen
glücklicher als sie, gelang es ihm bald, das gewünschte Buch zu
finden, und er übergab es ihr mit der Mahnung zur Vorsicht. Sie
las nun daraus, was ihr als Vorbereitung zu der Arbeit nötig
schien, die sie beginnen sollte. Doch siehe da, drei Tage später
drangen kirchliche Beamte in ihr Künstlerheim ein, bezichtigten sie
zu ihrem maßlosen Erstaunen der Ketzerei, entrissen ihr die Bibel
und führten sie ins Gefängnis. Bei einem Verhör, dem sie sich
nach mehreren Tagen unterwerfen mußte., beteuerte sie, entrüstet
über die ihr zu teil gewordene Behandlung, ihre Unschuld. Aber
höhnisch wies man auf das ketzerische Buch, das bei ihr gefunden
worden war, und rief ihr zu: „Dies ist der beste Zeuge gegen

Sie!“ Da berief sie sich auf ihren Beichtvater. Dieser erklärte

daß die Malerin zu seinen treuesten Beichtkindern gehöre und eine
gute Katholikin sei. Zugleich bestätigte er, was sie über die Her⸗
kunft und die Benutzung der bei ihr vorgefundenen Bibel ange⸗
geben hatte. Sie wurde hierauf abgeführt und, obgleich ihre Un⸗
schuld aufs klarste bewiesen war, doch noch volle drei Monate in
enger Haft gehalten. Nach ihrer Freilassung verließ sie Rom,
begab sich nach Florenz. wo Gewissensfreiheit herrschte, und fing
nun an, die Bibel zu lesen. Denn, sagte sie sich, wenn man mich
für den Besitz dieses Buches so hart gestraft hat, so muß es eine
besondere Bewandtnis mit diesem Buche haben, und dahinter will
ich kommen. Aber während sie so las, fielen ihr die Schuppen von
den Augen; der Geist Gottes fing sein Werk in ihrem Herzen an.
Sie trat öffentlich zum Protestantismus über. Und nun steht
ihr eigener Sohn einer Gesellschaft vor, die sich den Verkauf und
die Verbreitung der Heiligen Schrift in ganz Italien zur Aufgabe
gemacht hat. (Hausfreund.)

Luthers wahrer Geburtstag.

Wie allbekannt, wurde Luther am 10. November 1483,
abends zwischen elf und zwölf Uhr, zu Eisleben geboren, weshalb
man auch am 10. November sein Gedächtnis feiert. Das ist, chro⸗
nologisch ganz genau genommen, nicht ganz richtig. Die Geburt
Luthers fiel nämlich in die Zeit der unbedingten Herrschaft des
julianischen Kalenders, dessen Angaben von der wahren Sonnen⸗
zeit zu Ende des 15. Jahrhunderts um neun Tage abwichen. Be⸗
kanntlich warf dann auch Gregor XIII. bei seiner Kalenderverbesse⸗
rung die inzwischen angelaufenen zehn Tage Unterschied zwischen
der wahren und der Kalenderzeit weg. Weil nun die Protestanten
den verbesserten Kalender erst 1700 annahmen, so kamen bis dahin
derartige, in Wirklichkeit bestehende Zeitunterschiede bei historischen
Gedenktagen nicht zum Vorschein und wurden bei der beränderten
Zeitrechnung meist übersehen. was auch bei Luthers Geburtstag
der Fall ist. Eigentlich entspricht der wahre Geburtstag Luthers
unserm 19. November.

An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.

Zu Luthers Zeit regierten die Päpste Sixtus IV., 1471 bis
1484, Innozenz VIII., 1484—1492, Alexander VI., 1492 bis
1503, Julius II., 1503—1513, Leo X., 1513—1521. Was
berichtet die Geschichte von ihnen? Sixtus IV. hielt ein schlechtes
Haus in Rom, das ihm jährlich 20,000 Kronen eintrug. Er war
es, der in der Kirche zu Florenz die Mediceer ermorden ließ. Ihm
folgte Innozenz VIII., der, wie er sich selbst nannte, „unschuldige“

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