Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 9 › Seite 159

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 27. April 1915, Seite 159

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Synode 5

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wir, daß es uns leichter fällt, die Zaghaftigkeit des eigenen
Herzens zu überwinden und die fleischliche Neigung zum Nach—
geben dem Zeitgeist gegenüber zu bekämpfen, wenn wir mit
Glaubensgenossen und Gemeinden uns zusammengeschlossen
haben, die treu und ohne Wanken in der Wahrheit bleiben. Ein⸗
zelne Christen und ganze Gemeinden werden nur aus Gottes
Macht durch den Glauben bewahrt zur Seligkeit; aber Gott
gebraucht den hohen Segen christlicher Gemeinschaft, um uns
in das einzige Gnadenmittel, ins Wort, hineinzuweisen und
uns beim Kampf gegen das eigene schwache Fleisch und Blut
zu unterstützen. Gar manche Gemeinde wäre längst von den
reißenden Fluten der Gleichgültigkeit gegen die reine Lehre mit
fortgerissen worden, wenn sie nicht zur Synode gehörte.
Brauchen wir ein anderes Bild. Auf dem Felde, ganz
allein, steht ein prächtiger Baum. Des plötzlichen Sturmes
Wüten kommt dahergebraust, und nach wenigen Augenblicken
liegt der schöne Baum am Boden. Ein anderer Baum, ebenso
stark und prächtig, ist mitten im Walde emporgewachsen. Der—
selbe Sturm schüttelt auch ihm heftig tobend die Zweige und
Blätter. Aber er bleibt stehen, denn er wird gestützt durch seine
Nachbarn und geschützt von den übrigen Bäumen. Es ist nur
ein Gleichnis, und jedes Gleichnis hinkt. Aber gewiß ist, daß
falsche Lehre und Gleichgültigkeit gegen die Wahrheit gar oft
wie ein heulender Sturm dahergefegt kommen; dann steht der
Baum einer Gemeinde im Walde einer rechtgläubigen Synode
viel sicherer und besser geschützt da als der einer solchen, die

außerhalb des Synodalverbandes geblieben ist.

Eine rechtgläubige Synode bedient sich vieler Mittel und
Wege, durch die ihre Glieder sich gegenseitig stärken und auf
der rechten Bahn erhalten. Bei ihren Versammlungen werden
hauptsächlich Lehrverhandlungen gepflogen. Dadurch wird die
Erkenntnis gefördert, und der Glaube mächtig gestärkt, sowohl
bei denen, die den Sitzungen beiwohnen, als auch bei denen, die
hernach den Synodalbericht kaufen und lesen. Wenn eine Ge⸗
meinde ihren Pastor verliert und einen andern berufen muß,
dann werden ihr von den Beamiten einer rechtgläubigen Synode
nur solche Kandidaten vorgeschlagen, die in der Wahrheit fest⸗
stehen und sich als bekenntnistreue Lutheraner erprobt haben.
Hätten wir keine Synode, dann wüßten wir gar nicht, woher
wir rechtgläubige Seelsorger nehmen sollten, ja, es wäre sehr
fraglich, ob wir sie überhaupt bekommen könnten. Die Synodal—
beamten sowie andere Glieder der Synode stehen den Gemeinden
auf Wunsch in Fragen der Lehre, des Lebens und der kirchlichen
Arbeit mit ihrem Rate zur Seite und helfen dazu, daß Einigkeit
in der Wahrheit erhalten bleibe.

Ist das nicht ein überaus herrlicher Segen, der mit einer
rechtgläubigen Synode verbunden ist? Was kann es auf Erden
Besseres geben als reine Lehre und Festigkeit in der Wahrheit?
Alles andere können wir entbehren, wenn wir nur das Evan—
gelium behalten. Gott sei Dank, daß er uns in eine solche
Synode hineingeführt hat! Und wir sagen zu unsern recht—
gläubigen Brüdern, die noch nicht dazu gehören: Kommt und
genießt mit uns das Glück der vollen Synodalgliedschaft und
helft uns auch andere stärken, wie wir selber gestärkt wor⸗
den sind! L. D.

Darum soll ich gute Werke tun, daß dadurch mein Glaube

bewährt und erkannt werde, auf daß andere Leute auch zum

Glauben gebracht werden. (Luther.)

Das Gymnasium in Bronxville.

Im Jahre 1881, zur selben Zeit und aus ähnlichen Grün⸗
den wie die Anstalten in Milwaukee und New Orleans, wurde
auch unsere Concordia in Bronxville gegründet. Von 80 Be⸗
rufen, die in dem Jahre eingegangen waren, konnte aus Mangel
an Kandidaten nicht die Hälfte bei der Verteilung berücksichtigt
werden. Und das war nicht das Schlimmste. Die Einwan⸗
derung war damals stark, die Zahl der Neueingetretenen in
dem einzigen Gymnasium, das unsere Synode damals hatte,
war gering, so daß man sich viel Sorge darum machte, woher
man in Zukunft genug Prediger nehmen sollte. Während der
Delegatensynode zu Fort Wayne im Mai 1881 beschlossen nicht
nur die Delegaten des Illinois⸗ und des Nordwestlichen Di⸗
strikts, in Milwaukee ein Gymnasium ins Leben zu rufen,
sondern alle Distrikte wurden während dieser Synode „ermun—
tert, nach und nach Progymnasien zu gründen“. Mit „großer
Freude“ begrüßte damals der „Lutheraner“ die Nachricht, daß
die Gemeinden im Osten vom September an ein Progymnasium
in New York haben würden. Und im folgenden Jahre, als
die Anstalt zum erstenmal im „Lutheraner“ angezeigt wurde,
machte D. Walther in einer Bemerkung darauf aufmerksam
und schrieb unter anderm: „Der Mangel an rein lutherischen
Predigern wird mit jedem Jahre immer größer. überallher
in diesem gesegneten Lande ertönt laut und dringend der Ruf
in unsere Kirche: „Kommt und helft uns!ꝰ?“ Man hoffte, daß
durch die neuen Anstalten mit der Zeit mehr Studenten ins
Predigerseminar zu St. Louis gelangen, und so der dringenden
Predigernot abgeholfen würde. Man hat sich darin nicht ge—
täuscht.

Im September 1881 wurde mit 12 Schülern der Anfang
gemacht. Im ersten Jahre gehörte diese Anstalt der New Nork—
Lokalkonferenz, doch hatte sie weiter keine Kosten davon; denn
die St. Matthäusgemeinde gab die nötigen Schulräume her,
und die Lehrer ihrer Schule erteilten den Unterricht.

Im nächsten Jahre, 1882, übernahm der Sstliche Distrikt
die Anstalt und richtete eine zweite Klasse ein. Im Jahre darauf
wurde eine dritte und im Jahre 1892 eine vierte Klasse hinzu⸗
gefügt. Als im Jahre 1896 die Allgemeine Synode das Mittel⸗
gymnasium übernahm, wurde die Zahl der Klassen auf drei
reduziert, doch wurde 1902 wieder eine hinzugefügt, und in
den Jahren 1906 und 1907 wurden die beiden Oberklassen
eingerichtet, so daß es nun ein Vollgymnasium wurde.

Die ersten dreizehn Jahre benutzte das Progymnasium die
Räume der St. Matthäusschule. Anfangs September 1894
aber wurde die Anstalt nach Hawthorne (Neperan), N. Y.,
verlegt. Dort war ein Grundstück von 17 Acker für §59000
gekauft, und ein schönes Gebäude mit Waschküche errichtet
worden. Später wurde noch eine Turnhalle gebaut, so daß
die Synode dort ein Eigentum im Wert von etwa 877,000
hatte. Doch schon im ersten Jahre mußte berichtet werden:
„In den ersten Monaten war der Wassermangel sehr fühlbar,
später stand mehr Wasser zur Verfügung; doch müssen noch
Anstalten getroffen werden, das Gebäude mit ausreichendem
Wasser zu versehen.“ Das hat man auch redlich versucht, aber
ohne Erfolg. Schließlich entschloß man sich, den Platz in Haw⸗
thorne zu verkaufen und anderswo neu anzufangen. So kam
die Anstalt nach Bronxville. Im Juni 1908 zogen wir fort
von Hawthorne, gaben unsern Unterricht bis Weihnachten 1909

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