Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 9 › Seite 167
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 27. April 1915, Seite 167
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er uns diese Arbeiter in Gnaden schenken wolle! Die Ernte ist
groß, aber wenig sind der Arbeiter! Die Aussendung vier
neuer Arbeiter wird aber die Ausgaben ganz bedeutend ver—
mehren. Wollen die lieben Christen auch dies wohl bedenken!
Im Anschluß hieran sei mir éine Bemerkung erlanbt. Der
Bericht des Allgemeinen Kassierers weist ja für die Kasse für
Heidenmission einen ganz ansehnlichen Kassenbestand auf. Da
möchte nun mancher denken: „Da die Kasse so wohl versorgt
ist, so brauche ich jetzt nichts für Heidenmission zu geben.“ Das
wäre aber verkehrt, denn dieser Kassenbestand ist eben dadurch
entstanden, daß die Kommission es für rätlich hielt, während
des Krieges keine größeren Neubauten, Landkäufe usw. zu
unternehmen. Eine lange Reihe von Gesuchen um Bewilli—
gungen sind daher von der Kommission zeitweilig zurückgestellt
worden. Wären die Gesuche bewilligt worden, dann würde un—
sere Kasse wohl nur einen kleinen Bestand aufweisen. Sobald
aber der Krieg beendigt ist, müssen diese Arbeiten schleunigst
ausgeführt werden, soll unsere Mission nicht unersetzlichen
Schaden leiden. Wir müssen dann das nachholen, was wir
jetzt hätten tun sollen, aber um der unsicheren Weltlage willen
nicht ausführen konnten. Das wird große Summen erfordern.
Dazu kommt dann noch, wie schon gesagt, die Aussendung von
wenigstens vier neuen Arbeitern. So laßt uns denn beizeiten
dafür sorgen, daß, wenn der schreckliche Krieg endlich vorüber
ist, wir mit doppelter Kraft an den Ausbau unserer Heiden—
mission gehen können.
Aus einem vom 3. März datierten Briefe Frau Missionar
A. Hübeners sehen wir, daß Missionar A. Hübener, der ja inter—
niert wurde, gesund ist, und daß es ihr selbst und ihren Kind—
lein im Bergheim gut geht. Sie rühmt es mit dankbarem Her—
zen, daß die Missionare sich ihrer in ihrer Bedrängnis so liebreich
annehmen. Jul. A. Friedrich.
Zur kirchlichen Chronik.
Das neue Gebäude unsers Progyninasiums in Oakland, Cal.,
wurde am 11. April eingeweiht. Eine Beschreibung des Ge—
bäudes und nähere Angaben über die Einweihungsfeier werden
in einem Artikel über diese Anstalt in einer der nächsten Num⸗
mern des „Lutheraner“ folgen. G.
Brasilien. In dem Bericht über die Versammlung unsers
Brasilianischen Distrikts in der letzten Nummer dieses Blattes
heißt es: „Auch unsere Missionare hatten hierunter nämlich
unter einer allgemeinen Krisis] schwer zu leiden, zumal ihnen
nur ein Teil der nötigen Unterstützung, und eine Zeitlang gar
kein Zuschuß aus der Missionskasse gewährt werden konnte wegen
Mangels an Geld, so daß man ihnen bereits an vielen Orten den
Kredit kündigte.“ Leider verhält es sich so, wie hier mitgeteilt
ist; doch wird es nötig sein, zur Erklärung folgendes hinzu⸗
zufügen: Von unserer hiesigen Missionskommission sind die
Quartalsendungen ganz regelmäßig stets abgeschickt worden.
Diese reichten jedoch nicht mehr für die gesteigerten Bedürfnisse
aus, so daß die Missionskommission in Brasilien Gelder zu
hohem Zinsfuß borgte. Die Schuld stieg fortwährend und ver—
schlang, als sie von den Gläubigern eingefordert wurde, eine
ganze Quartalsendung, infolgedessen die Missionare leer aus⸗
gingen. Unsere hiesige Kommission war von diesem Stande der
Dinge leider nicht unterrichtet. Der Präses des Brasilianischen
Distrikts schickte um Weihnachten vor einem Jahre einen aus⸗—
führlichen Bericht an P. K. Schmidt und den Unterzeichneten;
jedoch gelangten die Briefe nicht in unsere Hände. Wir wurden
erst von der Notlage in Kenntnis gesetzt durch den mündlichen
Bericht P. Mahlers bei seiner Rückkehr aus Brasilien im letzten
Sommer. Wir waren darüber sehr bestürzt und beauftragten
sofort unsern Allgemeinen Kassierer, den ganzen rückständigen
Gehalt aller Pastoren auf telegraphischem Wege alsbald nach
Brasilien zu senden. Da inzwischen der Krieg ausgebrochen war,
so vergingen wieder einige Wochen, bis das Geld sicher abgeliefert
werden konnte. Zugleich wurde an alle Missionare in Brasilien
ein persönlicher Brief geschrieben, in dem wir ihnen unser herz⸗
liches Bedauern aussprachen, daß sie in solche Not geraten seien,
und ihnen die Versicherung gaben, daß es in Zukunft nicht wieder
vorkommen werde. Obiges erklärt auch, daß die Schulden für
unsere brasilianische Mission vor einem halben Jahre so plötzlich
gestiegen sind. F. Pfotenhauer.
„Unsere Studentenkasse ist in Not.“ So stand kürzlich wie—
der im „Lutheraner“ zu lesen. Unsere Leser wissen, daß inner—
halb unserer Synodaldistrikte kleinere Kreise von Gemeinden
Studentenkassen errichtet haben, aus denen für das Kostgeld
armer Schüler auf unsern Anstalten gesorgt wird. Auf die
Notwendigkeit solcher Unterstützung armer Studierender hat schon
Doktor Luther hingewiesen, wenn er zum Beispiel an einer Stelle
also schreibt: „Wo man einen frommen, begabten Knaben findet,
den sollte man auf eine höhere Schule schicken. Ist der Vater
arm, so sollten andere Christenleute dazu helfen. Hier sollten
die Reichen ihre Testamente zu geben, wie denn die getan haben,
die etliche Stipendia“ (das ist, Unterstützungsgelder für arme
Studierende) „gestiftet haben. Das möchte ein löblich, christlich
Testament sein; da hätte Gott Lust zu und Gefallen daran, und
er würde dich wiederum segnen und ehren, daß du auch Lust und
Freude daran haben würdest. Wohlan, ich hab's gesagt, ihr
lieben Christen habt euren Propheten gehört. Gott gebe uns,
daß wir seinem Worte folgen zu Lob und Dank unserm lieben
HErrn Christo für sein teures Blut, das er für uns so mildiglich
vergossen hat. Er behüte uns vor dem greulichen Laster der Un⸗
dankbarkeit und Vergessung seiner Wohltaten! Und so auch hin⸗
fort die Lehre des Evangelii rein auf der Kanzel soll bleiben,
daß auch unsere Nachkommen sie haben und hören mögen, so ist
man nicht allein schuldig, die Kirchendiener [Pastoren] zu ver⸗
sorgen, sondern auch mit allem Fleiß daran zu sein, daß die hohen
Schulen mit tüchtigen Personen bestellt werden, denen man ihren
Unterhalt auch treulich reiche, damit Leute mögen auferzogen
werden, die nicht allein schlichte, gemeine Prediger sind, geschickt,
die christliche Gemeinde im Wort Gottes zu unterrichten, sondern
auch sonderlich gelehrte Leute, die auch den Rotten und falschen
Geistern wehren können. Dazu sollen helfen und geben nicht
allein Fürsten und Herren, sondern., auch Bürger und Bauer.“ —
Das ist eine Erinnerung in rechter Weise, eine echt evangelische
Ermahnung, da dem Christenvolk unter Hinweis auf Gottes
Gnade und Liebe das Herz warm gemacht wird, das Nötige zu
tun, daß der Kirche durch Ausbildung treuer und tüchtiger Pfarr—
herren die reine Predigt des Evangeliums erhalten bleiben möge.
Und wer wollte sagen, daß es in unsern Tagen nicht ebensowohl
nötig ist wie einst im Zeitalter der Reformation, vor dem
„Laster der Undankbarkeit und Vergessung göttlicher Wohltaten“
zu warnen? G.
über einen Umstand, der die Ausbreitung unserer Kirche in
neuen Gebieten stark behindert, klagt in dem eanadischen „Mis⸗
sionsfreund“ ein Einsender, der mit den Verhältnissen vertraut ist.
Derselbe weist erst hin auf den Segen, den Gott auf unsere eana⸗
dische Mission gelegt hat. „Nehmen wir zum Beispiel das Jahr
1906, und vergleichen wir das mit dem jetzigen Stand der Mis—⸗
sion, so ergibt sich, daß die Zahl der Pastoren um 300 Prozent
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