Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 9 › Seite 169
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 27. April 1915, Seite 169
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sind. Auf solche Fälle wird sie einmal ihre Ansprüche gründen,
wenn sie Millionen verlangt, wo andere Kirchen Hunderte erhalten
haben. Zu denken gibt auch, daß in der Legislatur von Massachu⸗
setts jenes constitutional amendment to prohibit the sectarian
application of publie money“ mit 134 gegen 87 Stimmen
niedergestimmt worden ist. G.
Auf das schändliche Treiben der Ens auf ihren Jahres⸗
versammlungen ist schon in früheren Jahrgängen des „Luthe⸗
raner“ hingewiesen worden. Der Leser entsinnt sich vielleicht noch
der Berichte über das tolle Saufen und Fressen und das scham⸗
lose Gebaren auf offener Straße, die seinerzeit aus Detroit bei
Gelegenheit einer solchen Zusammenkunft der Elks gebracht
wurden. Damals haben auch die weltlichen Zeitungen Detroits
bittere Klage geführt, daß die Stadt Tausende von Dollars für
Dekorationen verausgabt hatte, um diese Horden willkommen zu
heißen. Das Detroit Journal gebrauchte in einer Besprechung
der skandalösen Aufführung der Ordensglieder und ihrer (weib⸗
lichen) Freunde den Ausdruck: „such a mob as the EIks“'. (Mob
ist so viel wie Rotte, Gesindel.) Ganz ähnliches wird aus frühe⸗
ren conventions der Elks in Philadelphia, Cincinnati, Balti⸗
more usw. solchen unserer Leser, die an diesen Orten wohnen, im
Gedächtnis sein. Nach der Versammlung in Philadelphia sagte
der Puble Ledger in einem Leitartikel, das Betragen der „Brü⸗
der“ sei ein derartiges gewesen, daß die Bürgerschaft Phila⸗
delphias, falls sie um eine Abstimmung gefragt würde, es ohne
weiteres ablehnen würde, je wieder eine solche Konvention zu
haben. Bei dem großen Umzug sind damals etwa 1000 Mann
von der Hitze überwältigt worden, hauptsächlich weil sie zu stark
getrunken hatten. Aus Cincinnati wurde geschrieben: „Wir
haben Szenen gesehen, die uns schamrot machten, und die Bürger
der Stadt bezeugen es, daß der Wollust in der unflätigsten Weise
gefrönt worden ist.“ Die Elks sind somit eine Loge, die sogar
dem verdammenden Urteil ehrbarer Weltmenschen anheimge⸗
fallen ist. G.
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Aus dem Gemeindeleben.
2. Willem kriegt einen Schreck und wird eifrig.
„Guten Tag, Willem! Ei, wohlauf? Habe mich heute
morgen in der Kirche nach dir umgesehen, konnte dich aber nicht
finden. War das ein Gedränge! Ja, wenn am Palmsonntag
die Kinder konfirmiert werden, da sieht man viele in den Kirch⸗
bänken, die sonst sich wenig um Gottes Wort kümmern. Die
reine Neugierde treibt sie her. Aber, aber, sie haben etwas zu
hören bekommen, und hoffentlich hat's eingeschlagen. O unser
Pastor hat ganz erhebend und tiefergreifend die Hirtentreue
unsers Heilandes geschildert und uns gezeigt, wie wir, die Alten
und die Jungen, dem HErrn IEsu im Glauben und im Leben
treu sein sollen und durch Gottes Gnade auch treu sein können.
Willem, es ist mir noch nie so in die Seele gefahren wie heute
morgen, was das heißt, ein treuer Christ sein. Dann haben
unsere lieben Kinder ihr Konfirmationslied gesungen, und als
sie an den Vers kamen:
Ich gebe dir, mein Gott, aufs neue
Leib, Seel' und Herz zum Opfer hin,
Erwecke mich zu neuer Treue
Und nimm Besitz von meinem Sinn;
Es sei in mir kein Tropfen Blut,
Der nicht, HErr, deinen Willen tut,
da ist mir's warm ums Herz und feucht um die Augen geworden.
Als schließlich unser Pastor noch eine wichtige Vermeldung machte,
habe ich mir gesagt: Schade, daß der Willem heute nicht hier ist!
Das würde ihn gewiß interessieren. Und nun, wie geht's? Bett⸗
lägerig bist du gerade nicht, und krank siehst du mir überhaupt
nicht aus. Wie geht's?“
„Danke schön für die Nachfrage, Fritz! Jetzt geht's wieder
ganz gut. Wenn aber der Mensch Pech haben soll, dann hat er's,
und immer zur verkehrten Zeit. Auf heute waren wir nach New
York eingeladen. Meiner Frau Schwester Sohn, mein Patenkind,
ist nämlich heute morgen auch konfirmiert worden, und da sollten
wir mit dabei sein. Letzte Nacht bekam ich aber so schreckliches
Zahnweh, daß ich's kaum aushalten konnte. Frau und Kinder
habe ich heut' früh fortgeschickt und gesagt: „Geht nur hin! Die
Tante hat sich gerichtet und die Enttäuschung wäre groß, wenn
sich niemand von uns bei der Einsegnung ihres Altesten zeigen
würde. Vergeßt mir aber nicht, die schöne Bibel mitzunehmen,
die ich dem Jungen gekauft habe!' Dann bin ich zum Zahnarzt
gegangen, und als der endlich fertig war, na, da war der Gottes⸗
dienst beinahe aus. So weit habe ich einen trübseligen Palm⸗
sonntag gehabt. Was gibt's aber Neues? Du sagtest doch, der
Pastor hätte etwas Besonderes vermeldet.“
„Ja, Willem, etwas ganz Besonderes! Er sagte, eine wich—
tige Angelegenheit läge zur Beratung vor, die jedes Glied der
Gemeinde nahe anginge. Darum sollten sich am Ostermontag,
abends um acht Uhr, alle stimmberechtigten Glieder zu einer Ge⸗
meindeversammlung einfinden. Es handele sich nämlich um“ —
„Schon gut, schon gut, Fritz! In den Gottesdienst gehe ich
gerne, das weißt du. Daß ich gerade heute Unglück haben mußte,
tut mir leid, aber helfen konnte ich es nicht. Mit den Gemeinde⸗
versammlungen aber bleibe mir nur vom Leibe! Ich habe mir
alles reiflich überlegt und bin zu dem Schluß gekommen, daß es
viel besser ist, wenn ich meinen Beitrag pünktlich bezahle, fleißig
zur Kirche gehe und sonst mir weiter keine Sorgen mache. Meine
Frau stimmt auch ganz mit mir überein.“
„Du hast doch sonst eine gute Erkenntnis, Willem, und triffst
gewöhnlich den Nagel auf den Kopf. In diesem Stück stehst du
aber doch ganz schief. Bist du denn abends zu müde, um die
Gemeindeversammlungen zu besuchen?“
„Müde bin ich schon, Fritz, und etwas abgespannt von der
Tagesarbeit, wenn der Feierabend kommt. Das kannst du dir
schon denken. Von sieben Uhr morgens bis sechs Uhr abends sich
abschaffen, ist gerade kein Kinderspiel. Aber zu müde —
nein! Doch, frei von der Leber weg geredet: Ich denke, auf
mich kommt es in der Gemeindeversammlung
nicht an. Wir haben einen gewissenhaften, treuen Pastor, der
schon weiß, wie es nach Gottes Wort in einer Gemeinde zugehen
soll. Wer das nicht glaubt, hört nicht zu, wenn gepredigt wird.
Und unser Kirchenvorstand besteht aus lauter tüchtigen Männern,
die schon zum Rechten sehen. Wenn jemand zu ermahnen ist, so
sind die Altesten da, die unserm Pastor zur Seite stehen. Und
wenn Reparaturen vorzunehmen sind am Gemeindeeigentum, so
wird das von den Trustees besorgt. Außerdem haben wir noch
unsere Vorsteher. Wenn die zwölf Männer nicht wissen sollten,
was gut und recht ist, meinst du, daß ich dann noch raten könnte?
Nein, ich bleibe dabei, und niemand kann mir das aus dem Kopf
reden: Auf mich kommt's gar nicht an! Was soll ich mich da
viel baddern“!“
„Du verwechselst etwas, Willem. Gewiß halten unsere
ültesten, Trustees und Vorsteher zusammen mit unserm Herrn
Pastor Vorstandsversammlungen ab. Aber der Vorstand ist doch
nur ein beratender und nicht ein gesetzgebender Körper für unsere
Gemeinde. Ich rede von Gemeindeversammlungen.
Was sagt denn unser Heiland? Wenn ein Bruder, der sich ver⸗
sündigt hat, sich nicht privatim weisen lassen will, so heißt es
Matthäi 18 nicht: Sage es dem Vorstand, sondern: So sage
es der Gemeinde.“ Wenn aber die Gemeindeglieder einen sün⸗
digenden Bruder ermahnen wollen, um ihm wieder zurechtzu⸗
helfen, ein jeder nach der Gabe, die ihm der liebe Gott gegeben
hat, so müssen die Gemeindeglieder zur Versammlung zusammen⸗
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