Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 9 › Seite 165
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 27. April 1915, Seite 165
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wie sie von der christlichen Kirche geführt wird.
vor Augen malt.
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Spott. So hat er zum Beispiel eine Karikatur, ein Spott⸗
und Zerrbild, betitelt: „Pastor Charles T. Russell in der Höhle
der Kritiker“, herstellen und verbreiten lassen, auf dem Russell
in der Stellung eines Lehrers oder Predigers imponierend da—
steht. Vor ihm kriechen sieben höhere Kritiker auf allen vieren
in Furcht und Wut auf dem Boden herum. Ihre Gestalten
und Gesichter sind teils tierisch, teils menschlich, teils teuflisch.
Neben dem Bücherschrank der Kritiker steht eine Wandtafel mit
der Überschrift: „Die Glaubenslehre Babylons.“ Unter dieser
Überschrift werden unter anderm aufgezählt die Theosophie, der
Spiritismus, die Evolution und die Lehre von der
Dreieinigkeit.
Russell weiß, daß gerade die höheren Kritiker die Lehre
von der Dreieinigkeit leugnen — ein neuer Beweis seiner
Unehrlichkeit.
Noch weiterer Unehrlichkeit macht sich Russell schuldig
durch grobe Entstellung der Lehre von der Dreieinigkeit,
Russell be⸗
hauptet, die christliche Kirche lehre drei Götter in einer
Person; sie lehre ferner, der Sohn und der Vater seien eine
Person. Er schreibt (Bd. 5, S. 60 ff.): „Die Lehre von der
Dreieinigkeit, wie sie von den kirchlichen Glaubensbekenntnissen
verkündigt wird, behauptet, der Vater, der Sohn und der
Heilige Geist seien eine Person.“ Ferner: „Sie wider—
sprechen den trinitarischen Anschauungen, wonach die beiden
[Vater und Sohn! eine Person seien.“ Endlich: „An
dieser Lehre von drei Göttern in einer Person
wird . . . unter der Christenheit dennoch krampfhaft fest⸗
gehalten, und zwar auch von den Protestanten, die sich ganz
und nur auf die Bibel gründen wollen.“
Russell weiß sehr wohl, daß wir nicht drei Götter in
einer Person lehren, sondern das Gegenteil: einen Gott
in drei Personen. Ist das also nicht grobe Unehrlichkeit?
Auch andere Lehren der christlichen Religion malt Russell
seinen Anhängern im Zerrbild vor, so zum Beispiel die Lehre
von der Versöhnung. Er schreibt (Bd. 5, S. 36): „Da würde
kein Raum mehr bleiben für die beinahe gotteslästerliche, aber
trotzdem unter den frommen Namenchristen so stark verbreitete
Ansicht, wonach der himmlische Vater im Begriffe stand, in
seinem Zorne den menschlichen Sünder zu schlagen und zu
quälen; daß aber sein himmlischer Sohn, unser HErr JEsus,
voller Liebe und Erbarmen (welche Eigenschaften der Vater
nach dieser Anschauung nicht besitzt), dazwischengetreten sei und
die Rachsucht des Vaters befriedigt habe, indem er den Zornes—
schlag, zu dem der Vater ausgeholt, empfangen und ertragen
habe statt des Menschen.“ Welch furchtbare Lästerung! Sicher—
lich weiß Russell, daß die christliche Kirche Gott den Vater nach
der Schrift zwar als heilig und gerecht, nimmermehr aber als
„rachsüchtig“ darstellt. Er weiß, daß sie ihn als einen Gott
der Liebe und des Erbarmens den trostbedürftigen Sündern
Welchem „Lutheraner“-Leser ist nicht schon
oft im Gotteshaus das Herz warm und froh geworden, wenn
sein Pastor auf der Kanzel einen Lobpreis der göttlichen Gnade,
Barmherzigkeit und Liebe anstimmte, wenn er zum Beispiel
seiner Gemeinde den Johannesspruch zurief: „Sehet, welch eine
Liebe hat uns der Vater erzeiget, daß wir Gottes Kinder
sollen heißen!“? Wie schändlich verkehrt Russell in dem oben
angeführten Satz diese köstliche Lehre von Christi Versöhnungs⸗—
leiden, den Kern des ganzen Christentums!
Beweissprüche für die kirchliche Lehre von der heiligen
Dreieinigkeit hier anzuführen, wird nicht nötig sein. Sie sind
in unsern Kreisen jedem wohlgeschulten Konfirmanden bekannt.
Wer sie vergessen hat, schlage sie im Katechismus nach.
Die Lehre von der Dreieinigkeit beweisen nicht nur die
Sprüche, die alle drei Personen der Gottheit nennen, wie zum
Beispiel der Taufbefehl und der apostolische Segen, sondern auch
die vielen, vielen Sprüche, die die ewige Gottheit Christi und
die Persönlichkeit des Heiligen Geistes bezeugen. Wer sich in
seinem Glauben an die Lehre von der heiligen Dreieinigkeit
befestigen und dieses seines Glaubens von neuem froh werden
will, der lese mit Aufmerksamkeit und Andacht die erwähnten
Sprüche, wie sie, allerdings nur zum kleinsten Teil, in unserm
Synodalkatechismus so schön und übersichtlich zusammengedruckt
sind. Dann wird er auch mit neuer, freudiger überzeugung
einstimmen in den Vers:
Gott Vater, Sohn und Heil'ger Geist,
Für alle Gnad' und Güte
Sei immerdar von uns gepreist
Mit freudigem Gemüte.
Des Himmels Heer dein Lob erklingt
Und: Heilig! heilig! heilig! singt.
Das tun wir auch auf Erden.
F. P. W.
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Nachrichten aus unsern Missionen.
Brasilien. Aus einem Briefe Präses Heines an die Kom⸗
mission: „In unserer Missionsarbeit läßt der liebe Gott uns
manches Leid, aber auch viel Freude erleben. Zu dem Leid
rechne ich den Mangel an Arbeitern, der sich gerade jetzt wieder
sehr fühlbar macht. Wir warten schon lange so sehnsüchtig auf
die beiden Kandidaten, die ja aus der vorjährigen Kandidaten⸗
klasse heraus für uns bestimmt worden waren, während einer
nach Argentinien hätte gehen sollen. Sollte die Überfahrt der
nun erwarteten Kandidaten fürs erste wirklich gar nicht mög—
lich sein? Jedoch wenn diese neuen Kandidaten jetzt auch kom⸗
men, so decken die doch nicht den Bedarf. Die Sachen stehen
hier jetzt so, daß wir noch in allernächster Zeit vier weitere
Arbeiter benötigen. Die beiden zunächst kommenden Kandi⸗
daten sind schon je einer für die Gebiete Erechim und Guarany
bestimmt. Diese Gebiete müssen zuerst besetzt werden. Sie
haben sich im Laufe der Zeit derartig ausgedehnt, daß sie so
nicht weiter versorgt werden können. P. Weber hat gegen⸗
wärtig 14 Gemeinden. P. Busch schreibt: ‚Ich bin durch die
letzten Strapazen krank geworden, und ich weiß nicht, ob ich
mich so bald erholen kann.“ Ja, wären diese beiden sehnlichst
erwarteten Kandidaten nur erst da!
„Fast dasselbe gilt von dem Kandidaten, der nach Argen⸗
tinien soll. Wir haben aber jetzt außerdem noch vier weitere
vakante Gemeinden zu besetzen. Zuerst gilt dies von der Ge⸗
meinde Toropy, wo früher P. R. Müller stand. P. Heyner
wurde ja dessen Nachfolger. Letzterer hat vor drei Wochen
sein Amt an dieser Gemeinde wegen Krankheit niedergelegt.
Ich war vorige Woche dort und habe die Angelegenheit für
die bevorstehende Vakanz geregelt. Der Grund, der P. Heyner
bewogen hat, sein Amt niederzulegen, ist durchaus berechtigt,
denn sein Zustand ist so, daß er nicht weiter amtieren kann.
P. Schröter übernimmt vorderhand seine Gemeinden mit. Dies
machte jedoch einen Umzug in eine andere seiner eigenen Ge⸗
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