Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 9 › Seite 171

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 27. April 1915, Seite 171

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„Fritz, das wäre aber eine Schande! Danken sollte er
unserm Lehrer für den Liebesdienst! Und nun sollte er eine
längst abgetane Sache in der Gemeindeversammlung vorbringen
wollen? Das verstehe ich nicht.“

„Ja, Willem, ich sagte dir doch, daß unser Pastor heute
morgen eine wichtige Gemeindeversammlung angesagt hat, weil
— fall mir nur nicht wieder ins Wort! —, nun, weil unser
Lehrer einen äußerst wichtigen Beruf an die Schule der großen
Gemeinde in C. erhalten hat. Und da sollten nun alle Glieder
die Gründe in Erwägung ziehen, die geltend gemacht werden,
warum wir ihn in Frieden ziehen lassen müßten.“

„W—a—5, Fritz, unser Lehrer ist fortberufen worden?
Ihr wollt ihn doch nicht ziehen lassen? Was fällt euch ein!
Nie würden wir einen besseren Lehrer wiederbekommen.““

„Wenn aber der Herr Peters dafür sprechen sollte! —

„Fritz, der Bruder Peters ist mir lieb und wert, aber schließ⸗
lich ist er doch nicht mehr als du oder ich in der Gemeinde.
Und wenn er dafür sprechen sollte, daß wir unsern Lehrer ziehen
lassen müssen, dann halte ich eine Rede dagegen, wie ihr noch nie
eine gehört habt. Was er dann von mir denkt, ist mir ganz einer⸗
lei. Unsern Lehrer lassen wir nicht ziehen!“

„Aber, Willem, wenn die Majorität der Glieder meinen
sollte! —

„Nichts da, Fritz! Du kommst doch zur Versammlung?
Wenn wir unsern Mund beizeiten auftun und ein vernünftiges
Wort sprechen, werden die Glieder einstimmig beschließen, daß
unser Lehrer bleiben soll. Hast du Zeit, Fritz? Ich möchte doch
noch gar zu gerne einen Besuch machen. Komm mit!“

„Entschuldige mich, Willem, ich muß heimgehen; meine
Frau erwartet mich. Ich lade dich aber ein zum Abendessen —
deine Familie kommt ja doch erst spät nach Hause —, und dann
gehen wir zusammen in die Kirche.“

„Danke herzlich für deine freundliche Einladung, Fritz, aber
ich muß sie ablehnen. Wir sehen uns nachher im Gottesdienst.
Erst muß ich doch den Hermann und den Philipp aufsuchen und
hören, was sie zu der Sache zu sagen haben. Ich kann dir ver⸗
sichern, die werden heute morgen ordentlich erschrocken sein, als
sie die Vermeldung hörten, daß unser Lehrer einen Beruf er—
halten hat.“

„Aber, Willem, das sind ja die beiden, die auch so selten
zur Gemeindeversanimlung gekommen sind!“

„Ja, ja, gerade deshalb muß ich sie sprechen. Ich muß denen
einmal ein Licht aufstecken und ihnen klar machen, daß sie zur
Versammlung kommen müssen. Brauchst mich nicht so verwundert
anzuschauen, Fritz, aber das ist eine wichtige Gemeindesache, um
die sich alle Glieder kümmern sollten. Und wenn der Hermann
und der Philipp hören, wieviel es darauf ankommt, daß jedes
Gemeindeglied seine Pflicht erfüllt, werden sie schon kommen.
Verlaß dich darauf! Auf Wiedersehen, Fritz, heute abend in
der Kirche. Und die guten Leute in C. sollen schon erfahren, daß
wir wissen, was wir haben, und es auch festhalten; denn unsern
Lehrer bekommen sie nicht!“ A. v. S.

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Todesanzeigen.

Gerade am Beginn der arbeitsvollen stillen Woche erging
von dem Oberhirten der Kirche an einen ihrer fleißigen und be⸗
tagten Diener der Ruf: Es ist genug, mein treuer Knecht! Dein
Tagewerk ist vollbracht. Die Zeit der Mühe und Sorge ist zu
Ende, und du sollst nun ruhen und ewigen, seligen Feierabend
genießen. Es war dies nämlich P. C. W. Baumhöfener.
Derselbe wurde geboren am 17. Dezember 1846 in Glissen, Pro⸗
vinz Hannover. Nachdem er vom sechsten bis zum dreizehnten
Jahre in der Schule des Kantors Hormann unterrichtet worden

U

war, zog er mit seinen Eltern nach Minden, Westfalen, wo er bis
zu seiner Konfirmation die Stadtschule besuchte. Im Jahre 1866
wanderte er mit zwei Neffen nach Amerika aus und arbeitete eine
Zeitlang in einem Geschäft in St. Louis. Zwar hielt er sich an⸗
fangs aus Unkenntnis der hiesigen kirchlichen Verhältnisse zu
einer „evangelischen“ Gemeinde; aber als er einmal in die dor⸗
tige evangelisch-lutherische Immanuelskirche kam, hörte er den
damaligen Prof. Brauer predigen und wurde davon so ergriffen,
daß er sich von da an zu des seligen P. Büngers Gemeinde hielt.
Durch dessen Zureden entschloß sich denn auch Baumhöfener, ein
lutherischer Pastor zu werden und in das praktische Prediger⸗
seminar in St. Louis einzutreten, wo er wegen des damaligen
großen Predigermangels schon im Jahre 1868 sein Examen
machte und einen Beruf an die Gemeinde in East St. Louis an⸗
nahm. Drei Jahre darauf nahm er einen Beruf nach Shell
Creek, Nebr., an, wo er fleißig unter großen Entbehrungen bei
den zerstreuten Glaubensgenossen missionierte und in der Um⸗
gegend eine Anzahl Gemeinden sammelte und daher noch zu den
Pionieren unserer Synode gehörte. Dann folgte er einem Beruf
an die Gemeinde zu Pebble Creek bei Scribner, Nebr., wo er
sieben Jahre lang im Segen wirkte. Im Jahre 1880 wurde er
von der St. Johannesgemeinde bei Homestead, Jowa, berufen,
wo allerlei Schwierigkeiten seiner warteten; doch unter seiner
eifrigen, treuen Arbeit wuchs eine wohlgegründete, bekenntnis⸗
treue Gemeinde heran, aus der im Lauf der Jahre drei Tochter⸗
gemeinden hervorgegangen sind. Obschon schwer erkrankt, ließ er
sich nicht abhalten, am Palmsonntag dieses Jahres die Konfir⸗
mation zu vollziehen, obwohl er die Handlung teilweise sitzend
verrichten mußte. Am Montag aber nahm die Krankheit der⸗
maßen zu, daß er sein Ende mit raschen Schritten herannahen
fühlte und sich durch Gebet, Absolution und Abendmahl auf ein
seliges Abscheiden vorbereitete; und schon am Dienstagmorgen
um 7 Uhr hauchte er nach kurzem, schwerem Leiden seinen Geist
aus und ging, wie wir zuversichtlich hoffen, ein zu seines HErrn
Freude. Sein Alter hat der Entschlafene gebracht auf 68 Jahre,
3 Monate und 13 Tage. Das Begräbnis fand am Nachmittag
des Karfreitags statt. Die Trauerversammlung aus der St. Jo⸗
hannesgemeinde und den Nachbargemeinden war so zahlreich, daß
eine große Anzahl draußen vor der Kirche bleiben mußte. Auch
die meisten Amtsbrüder des Entschlafenen aus der Südöstlichen
Spezialkonferenz hatten ihre dringende Arbeit für die Festtage
liegen lassen, um ihm das letzte Geleite zu geben. Im Hause
leitete P. Heine die Trauerfeier, P. Bonovsky amtierte am Grabe,
und in der Kirche hielt der Unterzeichnete die deutsche und
P. Kitzmann die englische Predigt, während P. W. Baumhöfener
den Lebenslauf verlas und eine Ansprache an die Hinterbliebenen
richtete. — Der für uns gestorbene und auferstandene Heiland
aber schenke dem Entschlafenen und uns allen einst einen fröh⸗
lichen und seligen Ostermorgen! J. H. Brammer.

Am 24. März starb im Hause seines Schwiegersohnes, des
Herrn Bussert, in P. E. Zapfs Gemeinde, Lehrer emeritus
August Classen. Er wurde am 12. Januar 1833 in Ratze⸗
burg, Mecklenburg, geboren. Nach vollendetem Studium auf
dem Schullehrerseminar in Addison wurde er im Jahre 1870 von
der Gemeinde des Unterzeichneten berufen. Dieser Gemeinde
diente er dreißig Jahre lang. Vor fünfzehn Jahren legte er
sein Amt wegen eines Herzleidens nieder. Nach dem Tode seiner
Frau vor etwas mehr als zwei Jahren zog er in P. Zapfs
Gemeinde. Dieser hat ihn in seiner letzten Krankheit auch treu⸗
lich besucht. Am Palmsonntag wurde der Entschlafene zu Grabe
getragen. Im Hause amtierte P. E. Zapf, am Grabe P. P.
Sauer. In der Kirche predigte der Unterzeichnete über Ps. 31, 6.

H. Succop.

— R—H— pꝛpß7 —p— —⅛—

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