Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 9 › Seite 162
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 27. April 1915, Seite 162
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162 S Der utheranet
Wir wollen keine Naturgeschichte von Rio Grande do Sul
schreiben, aber doch in aller Kürze auf obige Fragen antworten.
Wie ist das Klima? Während der Norden Brasiliens,
als in der heißen Zone gelegen, ewigen Sommer hat, treten
in den Südstaaten, besonders in Rio Grande do Sul, die
beiden Hauptjahreszeiten, Sommer und Winter, scharf hervor.
Der Sommer bringt mit sich große Hitze und lange Trocken—
perioden. Der Winter ist die Regenzeit. Da strömt der Regen
unaufhörlich hernieder und verwandelt die Bäche in Flüsse,
die Flüsse in reißende Ströme. Die Flußniederungen werden
zu Seen, und die Berichte von Überschwemmungen häufen sich.
Die Wege sind dann vielerorts grundlos, und das Reisen ist
ein beschwerlich Ding.
Da Brasilien auf der andern Halbkugel der Erde, also
südlich von der Mittags-⸗ oder Sonnenlinie, liegt, so sind die
Jahreszeiten gegen die unsrigen vertauscht. Die Sommer—
monate sind Oktober bis Mai und die Wintermonate Juni
bis September. Weihnachten fällt demnach in die heißeste
Jahreszeit, und das bekannte Weihnachtslied von dem Reis,
das mitten im kalten Winter ein Blümlein bracht hat, findet
in Brasilien kein Verständnis. Nebenbei bemerkt, die Rosen
blühen in Brasilien das ganze Jahr hindurch. Die Weihnachts⸗
zeit verliert in Brasilien viel von ihrer dem Nordländer ge—
wohnten Traulichkeit. Es fehlen die langen Abende, die der
schaffenden und emsig vorbereitenden Liebe so zustatten kom—
men; denn Dezember ist dort die Zeit der kürzesten Nächte
und längsten Tage. Auf dem Lande macht zur Weihnachts—
zeit die Feldarbeit am meisten zu schaffen. In den Städten
zieht sich das Leben nicht in den traulichen Kreis des Hauses
und der Familie zurück, sondern drängt sich auf die Straße
hinaus. Jedermann flieht die drückende Hitze in geschlossenen
Räumen und strebt hinaus ins Freie. Doch haben sich die
Deutschen in Brasilien die Weihnachtsfeier mit Christbaum nicht
nehmen lassen, und in allen unsern Gemeinden ist Weihnachten
mit seiner Kinderfeier wohl das schönste Fest. Sehbst die Bra—
silianer haben von den Deutschen vielfach die Christbaumsitte
übernommen.
Die Hitze ist im Sommer nicht so übermäßig hoch. Das
Thermometer steigt selten über 100 Grad. Die Durchschnitts⸗
temperatur mag 80 bis 85 Grad sein. Was den Sommer
in Rio Grande do Sul so lästig macht, ist die andauernde
Hitze durch so viele Monate hindurch. Alles atmet auf, wenn
dann die kühlere Zeit kommt. Im Winter fällt das Thermo—
meter zuweilen nachts bis auf den Gefrierpunkt, so daß am
Morgen das grüne Gras mit Reif bedeckt ist. Nur auf dem
Gebirge fällt zuweilen auch Schnee. Auf Reifnächte folgt ge—
wöhnlich ein sonniger Tag, und die Sonne besitzt auch im
Winter eine ziemliche Kraft. Nur wenn der kalte Westwind,
der Minuano, weht, der von den schneebedeckten Anden kommt
und drei Tage anhält, fröstelt man auch in der Sonne. Un⸗
angenehm ist auch an den regnerischen, kalten Wintertagen der
Aufenthalt in den Wohnungen, da man die Wohnstuben nicht
heizen kann, es sei denn mit Olöfen. Wie man daher in
unserer Schule in Porto Alegre Hitzferien kennt, so auch
Kälteferien.
Der Februar ist der heißeste Monat und der Juli der
kälteste. Im Sommer machen sich die heißen Nordostwinde
lästig und im Winter die kalten Süd⸗ und Südwestwinde.
Häufige Gewitter, die aber von wenig beängstigender Natur
sind, brausen über das Land. Nur in den eisenreichen Ebenen
oder Campos haben die Gewitter oft einen recht gefährlichen
Charakter. Stürme von solcher Gewalt, wie sie hierzulande
auftreten, kennt man in Rio Grande do Sul nicht. Höchstens
fallen einem Sturm einige morsche Bäume oder etliche bau⸗
fällige Hütten zum Opfer.
Ist das Klima in Rio Grande do Sul gesund? Im all—
gemeinen ist zu sagen, daß uns Nordländern die beständige
Wärme nicht gerade zuträglich ist. Das Blut erfährt eine
große Veränderung. Doch ist ein Unterschied in dieser Be—
ziehung zwischen dem Hochland und Tiefland. Auf deni Hoch—
land, wo sich unsere meisten Gemeinden befinden, ist das Klima
nicht ungesund. In Porto Alegre dagegen, dessen Lage nur
wenig höher ist als der Meeresspiegel, herrschen Darnikrank—
heiten, Lungenleiden, Blutkrankheiten usw. Im ganzen Lande,
besonders aber im Tiefland, ist die Luft sehr feucht. Man
kann Bücher und Kleider nicht genug vor Verschimmelung be—
wahren und hüten. Krankheiten, die sonst so häufig in heißen
Ländern auftreten, die man aber in Rio Grande do Sul nicht
zu fürchten hat, sind Gelbfieber und Malaria. Das häufige
Vorkommen von Tyuphus in Porto Alegre ist wohl den schlechten
Wasserverhältnissen zuzuschreiben.
Wir wollen hier abschließend bemerken, daß in den letzten
acht Jahren auch in den als ungesund verschrienen nördlichen
Städten Brasiliens vieles gebessert worden ist. So hat be⸗
sonders die Bundeshauptstadt von Brasilien, Rio de Janeiro,
eine große Umwandlung erfahren. Früher als gefährlich von
den Reisenden gemieden, wird sie jetzt gern aufgesucht. Die
früher so häufigen Gelbfieber- und Pockenepidemien sind in
den letzten Jahren dank dem Eifer und der Umsicht der Ge—
sundheitsbehörden nicht mehr aufgetreten. Rio de Janeiro
und Santos gelten jetzt als gesunde Orte, und unsere Brasilien⸗
fahrer brauchen diese Städte nicht zu meiden. Nach der langen,
einsamen Meeresfahrt ist der Besuch der naturschönen Bundes-—
stadt Rio de Janeiro ein hoher Genuß. MA. f.
—— —
Wie die Toten ihre Toten begraben.
Ein Wort über die Totenfeier der Elks und über Logen⸗
begräbnisse im allgemeinen.
Die Loge der Elks hat unter ihren Statuten einen Para—
graphen, welcher besagt, daß solche, die sich zur Mitgliedschaft
melden, an „das Dasein eines höheren Wesens“ glauben müssen.
Leute, die sehr unsichere Vorstellungen von der christlichen Re⸗
ligion haben, lassen sich durch diese Bedingung der Gliedschaft ö
in den Elks überzeugen, daß ein Christ gar wohl dem Orden
angehören kann. Solche müssen daran erinnert werden, daß
nach diesem Paragraphen — es ist der 144. in den Statuten
des Ordens — auch der Teufel zur Mitgliedschaft berechtigt
wäre; denn von dem Glauben an ein Dasein Gottes sagt die
Schrift: „Die Teufel glauben's auch und zittern.“ (Jak. 2, 19.) ]
Doch gibt es, abgesehen von dem schändlichen Treiben der
Elks bei ihren Jahresversammlungen, auch in dem Ritual dieses
Ordens Beweise dafür, daß mit jenem 144. Paragraphen keines⸗
wegs gesagt sein soll, daß die Glieder desselben Christen sein
müssen. Daß dieser Orden wohl eine Religion treibt, aber
eine heidnische Religion, geht aus den Zeremonien hervor, mit
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