Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 9 › Seite 166
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 27. April 1915, Seite 166
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166 EDer „Tutheraned
meinden nötig. Sodann ist ein anderes Gebiet seit vorigem
Jahre vakant, Rincao dos Valles und Umgegend. Das sind
die übrigen Gemeinden von unserm früheren Gebiet Nao me
Toque. Wir müssen hier wieder einen eigenen Pastor haben;
denn einmal ist dies Gebiet zu weit entlegen, um anderweitig
bedient werden zu können, und sodann ist dort auch vieles teils
wieder, teils neu zu gewinnen. Der diesem Gebiet am nächsten
wohnende Pastor ist Petersen, der aber anderthalb Tage zu
reiten hat, wenn er dorthin will. Sie können sich denken, wie
schwierig die Arbeit und auch wie mangelhaft sie unter den
jetzigen Verhältnissen dort ist.
„Endlich sind zwei neue Gemeinden zu uns gekommen.
Die eine ist in der Nähe P. Rehfeldts. Sie wurde früher von
einem sogenannten Pastor bedient und kann 80 stimmberechtigte
Glieder stark werden. Hier ist besonders pastorale Arbeit not—
wendig. P. Rehfeldt hat aber schon reichlich genug Arbeit,
da er außer seiner Parochie auch noch meine frühere Gemeinde
in Morro Pellado zu bedienen hat. Die andere neue Gemeinde
ist Paraiso. Sie hat sich von der Rio Grandenser Synode ab⸗
gezweigt. Sie ist sehr groß, zählt 200 stimmberechtigte Glieder.
Wenn wir sie halten können, wird dies die größte Gemeinde
unsers Distrikts sein. Die Gemeinde hatte einen dreijährigen
Streit mit dem früheren Pastor, der sie zwingen wollte, dein
Berliner Oberkirchenrat beizutreten, damit er später pensions—
berechtigt würde. Zu diesem Zweck mußten aber Statuten
gerichtlich recorded werden, was er ohne Rat und Wissen der
Gemeinde bewerkstelligen wollte. Die Gemeinde bat mich, zu
kommen und die Sache bei ihnen in Augenschein zu nehmen;
auch wurde zugleich die Bedienung durch uns beantragt. Ich
reiste hin und traf eine große Versammlung, wie ich in Bra—
silien noch keine Gemeindeversammlung erlebt habe; über 100
Mann waren zugegen. Ich ließ das mir namens des Vor—
standes zugesandte Schreiben von der ganzen Versammlung nach
zweimaliger Verlesung erst beglaubigen und suchte die Sache
durch öffentliche Fragen zu erkunden. Die Leute gaben mir
alle bereitwilligst Auskunft. Als wir uns auf die notwendigen
Punkte behufs kirchlicher Bedienung unsererseits geeinigt hat⸗
ten, veranlaßte ich die Versammlung, einen Beruf auszustellen.
Anf dieser Versammlung wurde mir auch einmal so recht klar,
wie die Riograndenser manchmal mit ihren Gemeinden han—
tieren. Behufs vorläufiger Bedienung dieser Gemeinde habe
ich die Gemeinde in Cafundo veranlaßt, ihren Pastor, A. Becker,
während der Vakanzzeit dorthin ziehen zu lassen. Es würde
uns sehr leid tun, wenn wir nicht in absehbarer Zeit dieser
neuen Gemeinde einen eigenen Pastor stellen kömiten. In der
Nähe steht keiner unserer Pastoren, der sie mitversorgen könnte;
auch ist sie zu groß und hat allein eine ganze Kraft nötig.
Es gehören auch noch zwei Filialen zu dieser Parochie. Weiter
ist zu bedenken, daß der dortige Missionar von dieser Parochie
seinen vollständigen Unterhalt bekommt. Auch die Leute haben
mir gefallen. P. Becker, der ja gegenwärtig dort ist, lobt sie
auch. Er wird von allen freundlich behandelt und möchte gern
dort bleiben; aber er kann ja nicht, da er, wie gesagt, bereits
eine eigene Gemeinde hat.
„Diese beiden letzten Gemeinden, die wir neu bekommen
haben, wollte ich mit zu den Missionsfreuden rechnen. Ja,
der liebe Gott scheint uns gerade dieses Jahr trotz aller son—
stigen Schwierigkeiten wegen Mangels an Arbeitern und hin—
sichtlich der Finanzen doch noch eine besondere Ernte schenken
zu wollen. Auch das Gebiet Ijuhy, wo die Pastoren Milller)
und Petersen stehen, hat ganz bedeutend zugenommen. Hier!
wird auch sehr bald ein dritter Pastor nötig werden. Nun,
Ende nächsten Jahres gehen ja unsere eigenen Kandidaten aus, ö
fünf an der Zahl. Das wird schon eine gute Hilfe sein.
„Zum Schluß möchte ich es Ihnen noch einmal ganz be⸗
sonders ans Herz legen, daß Sie die nötigen Schritte tun,
damit uns recht bald weitere vier Arbeiter gesandt werden. ö
Ich habe versucht, Ihnen unsere Lage so gut als möglich dar⸗
zulegen; Sie werden daraus sehen, wie sehr wir die Leute 1
nötig haben.“
Indien. Am Sonntag Lätare, den 14. März, wurde!
P. H. Hamann, M. A., in der Immanuelskirche zu New York
von P. P. Rösener feierlich als Missionar für Indien abge⸗
ordnet. Er reiste am 27. März mit seiner Frau auf dem
Dampfer „Mongolia“ von San Francisco nach Indien ab. 4
Mit ihnen reist. Fräulein Luise Bröker, Braut Missionar!
R. Görß' in Nagercoil. Am 3. April war die Reisegesellschast!
glücklich in Honolulu, Hawai, angekommen. Missionar Ha⸗ ů
mann ist für die Arbeit in Ambur II designiert, wo er sonder⸗
lich in der großen Lower Secondary School tätig sein wird.
Der SErr führe ihn glücklich auf sein Arbeitsfeld und setze ihn
zum großen Segen für viele!
Missionar Theo. Gutknecht von Nagercoil, Travancore, hat
am 9. März die Heimreise nach Amerika in Begleitung seiner
Familie angetreten und wird etwa am 26. April in San Fran⸗
cisco landen. Sobald er sich etwas erholt hat, wird er gerne 1
bereit sein, solchen Gemeinden, die es wünschen, mit Vorträgen;
über unsere Arbeit in Indien zu dienen.
Unsere Heidenmission leidet infolge des Krieges und ande— ö
rer Zwischenfälle sehr an Arbeitermangel. Mit einigen
Worten möchte ich unsern lieben Christen die gegenwärtige Not—
lage beschreiben. Im Jahre 1913 verlor unsere Mission einen
ihrer ältesten und erfahrensten Arbeiter, Missionar F. Mohn.!
Der Gesundheitszustand seiner Frau zwang ihn nämlich, aus!
der ihm so lieb gewordenen Arbeit auszuscheiden. Am 27. Ok— x
tober 1914 nahm der SErr unsern teuren Missionar G. O. ö
Kellerbauer durch einen seligen Tod aus der Arbeit. Missionarz
H. Nau, der in Deutschland seinen Heimatsurlaub verleben
sollte, ist durch den Krieg verhindert, auf sein Arbeitsfeld zu⸗1
rückzukehren. Die Missionare A. Hübener und J. Williems!
sind in Ahmednagar in Indien als Kriegsgefangene interniert,
und nur Gott weiß, wann sie wieder in die Arbeit eintreten
können. Missionar Theo. Gutknecht muß Heimatsurlaub neh⸗
men, da er schon seit Jahren an Malaria leidet. Missionar!
R. Freche, der nun schon seit seinem letzten Urlaub über zehn
Jahre im tropischen Klima gearbeitet hat, ist Heimatsurlaub
gewährt worden. Da er aber deutscher Bürger ist, so ist 63l
fraglich, ob es ihm erlaubt werden wird, Indien zu verlassen.
Er hatte die Absicht, mit Missionar Gutknecht nach Amerika z ö
kommen. Da aber in Missionar Gutknechts letztem Brief nichts
davon gesagt wird, so befürchte ich, daß ihm die Erlaubnis zu
Abreise verweigert worden ist. Das wäre aber sehr zu be— ö
dauern, denn Missionar Freche sollte Erholung haben. Die
lieben Christen sehen also, welch große Lücken in den Reihen
unserer Missionsarbeiter entstanden sind. Daß das Werk dasl
leiden muß, wenn nicht schleunigst Ersatz geschafft wird, ist klar.
So hat denn die Kommission beschlossen, wenigstens vier neue
Missionare zu berufen. Ihr lieben Christen, bittet Gott, daß
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