Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 9 › Seite 163
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 27. April 1915, Seite 163
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denen das Gedächtnis der im Verlaufe des Jahres beerdigten
Glieder des Ordens alljährlich gefeiert wird. Wir wollen eine
solche Leichenfeier im nachstehenden kurz aus eigener Anschauung
beschreiben.
Der Ort dieser Feier war die episkopalische Christ Church
in St. Louis, das Datum der 6. Dezember 1914. Nach einem
Aufmarsch von episkopalischen Geistlichen und Chorknaben, die
sich zu diesem unchristlichen Gottesdienst hergaben, folgte die
Eröffnungszeremonie durch die St. Louiser Loge der EIks.
Ein Beamter der Loge, der Kaplan, meldete dann, daß jetzt
nach dem Brauch der Elks die jährliche Totenfeier beginne,
und daß dieses geschehe “to commemorate the virtues of our
honored dead“, „um an die Tugenden unserer teuren Toten
zu erinnern“. Dreimal wurde der Name eines jeden während
des Jahres verstorbenen Gliedes der St. Louiser Zweigloge
aufgerufen, und von einem andern Beamten der Loge dann
vom Haupteingang der Kirche aus die Antwort gerufen, daß
der Betreffende nicht anwesend sei, weil er während des ver—
gangenen Jahres das Zeitliche gesegnet habe. Bei jedem
Namen wurde ein Licht eines im Altarraum stehenden Leuch—
ters ausgelöscht. Die Antwort wurde bei jedem aufgerufenen
Gliede etwas anders formuliert. Bei einem hieß es: „Er
ist ins ewige Leben eingegangen“, bei andern: „Er ist in das
Land gegangen, aus dem keiner zurückkehrt“ — also von einer
Auferstehung weiß man in diesem Ritual nichts —; „Er ist
zur Großloge droben berufen worden“; „Er ist in das große
Jenseits hinübergegangen“; „Er ist aus seiner irdischen Tätig—
keit in eine höhere im Jenseits abgerufen worden“ usw. —
alles Phrasen, die allerdings jeden verstorbenen Logenbruder
seligsprachen, wie das ja alle Logenformulare tun, die aber,
wie das Logenweise überhaupt ist, in keinem Falle diese Selig⸗
sprechungen mit dem Glauben an den Heiland IEsum Chri—
stum begründeten, dessen Namen auch nicht nannten und auch
mit keinem Worte die christliche Hoffnung der Auferstehung
zum ewigen Leben zum Ausdruck brachten. Wie der Leser
sieht, sind es Redensarten, die auch in einer jüdischen Synagoge
oder in einer türkischen Moschee keinen Anstoß erregt hätten.
Die Lehre, die zum Ausdruck kam, war diese: Jeder EIK
kommt in den Himmel (wenn es einen Himmel gibt). Und
zwar wegen seiner großen und vielen Tugenden wird der
Elk selig. Das wurde ausdrücklich gesagt. Zweck der Feier
sei, „to perpetuate their virtues“ — „um ihre Tugenden in
immerwährendent Gedächtnis zu halten“. Auch von der
„purity of their motives“, „den reinen Beweggründen“ derer,
die in das „spirit land“ („Land der Geister“) gegangen seien,
wurde geredet. Damit schloß die Zeremonie der Lichtaus—
löschung, auf die sich die Elks nicht wenig zugute tun, die
aber eine echt heidnische Zeremonie ist und nur auf
Leute paßt, deren Glück mit diesem Leben verlischt, wie die
Schrift sagt Hiob 21, 17: „Wie wird die Leuchte der Gott—
losen verlöschen, und ihr Unglück über sie kommen! Er
wird Herzeleid austeilen in Seinem Zorn“ und in den
Sprüchen Salomos, Kap. 24, 20: „Der Bö se hat nichts zu
hoffen, und die Leuchte der Gottlosen wird verlöschen.“
Gerade eine Loge, die, wie die Elks, der ungezügelten Fleisches⸗
lust dient und daher für jenes Leben nichts zu hoffen hat, be⸗
dient sich mit gutem Rechte einer Zeremonie, die das Ster—
ben im Bilde darstellt als ein Ausgehen in die äußerste
Finsternis.
*
Wie sich' das Ritual in echt heidnischen Ausdrücken („das
unbekannte Land“, „das Land der Geister“ usw.) ergeht, wenn
es vom Zustande nach dem Tode redet, so sind auch die An⸗
sprachen und Reden, die bei der Totenfeier der Elks wie über—
haupt bei Logenbegräbnissen gehalten werden, heidnischer Art.
Hüten wir uns davor, das für Christentum zu halten, wenn
ein solcher Logenpfaffe nach seinem Ritual von „Hoffnung auf
ein besseres Jenseits“, wohl gar von „Wiedersehen nach dem
Tode“ und von „Unsterblichkeit“ redet. Das sind Redensarten,
die auch die alten Heiden gebraucht haben, und die auch jetzt
noch sehr oft in dem Munde derer gefunden werden, die aus
ihrer Feindschaft gegen das Evangelium und aus ihrem Un⸗—
glauben gar kein Hehl machen. Bei der Totenfeier, der wir
beiwohnten, sagte der Redner des Abends, den der Episkopal⸗
pastor auf seine Kanzel ließ, folgendes:
„Diese ist die sogenannte Sacred session' unsers Ordens.
Wir wollen denen, die im Laufe des Jahres aus unserer
Mitte geschieden sind, den letzten Tribut zollen. Wir freuen
uns heute abend, wenn wir an die vielen guten Werke
denken, die von ihnen geschehen sind. Wir wollen uns vor—
nehmen, daß wir in unserm Leben die Tugenden zeigen,
die jene kennzeichneten, dem Guten in ihrem Leben nacheifern
und so leben, daß wir, wenn unser Tod kommt, hinausgehen
können als solche, die guter Zuversicht sind. Der Tod
hat unsichtbare und unbeschreibliche Schrecken. Wir haben es
zu solchen Zeiten wie dieser mit Gott zu tun. Aber die Liebe,
die Gerechtigkeit und die brüderliche Gesinnung, welche die jetzt
Verstorbenen bei Lebzeiten bewiesen, haben uns gelehrt,
so zu leben, daß unsere guten Werke nach unserm Tode fort⸗
leben mögen. Gott in seiner unendlichen! — Gnade? nein
— „Gerechtigkeit wird manchen, die wir für schwach und
gering hielten, verleihen, daß sie Fürsten seien. Was sie unrecht
getan haben oder an Pflichten unerfüllt ließen, sollen wir aus
unserm Gedächtnis auslöschen. Mögen wir dagegen die drei
wirklich rühmenswerten Tugenden: Liebe, Gerechtigkeit und
brüderliche Gesinnung, immerdar üben!“
Das ist wörtliche Wiedergabe von Sätzen aus dieser Ge—
dächtnisrede des Elk-Bruders. Von Buße, Glauben, Gnade
kein Wort; auch wurde der Name des Heilandes nicht ge—
nannt, auf sein heiliges Verdienst, das allein uns die Tür
zum Himmel aufschließt, nicht einmal andeutungsweise hin⸗
gewiesen. Statt dessen hat man die nackte Werklehre, nach
der kein Mensch selig werden kann, und die im allerschärfsten
Gegensatz zur Lehre des Evangeliums steht, vorgetragen.
Auf solche Totenfeiern läßt sich das Wort IEsu anwenden,
das er zu einem sprach, der sein Jünger werden wollte: „Folge
du mir und laß die [geistlich! Toten ihre leiblich! Toten be⸗
graben.“ Wer ein Jünger JEsu sein und ihm im Glauben
nachfolgen will, der kann nicht teilhaben an den Übungen einer
solchen Religion und kann nicht Glied sein in einem Verein,
dessen Grundsätze so offenbar dem Worte Gottes widersprechen.
Nicht anders als mit dem Totenfest der Elks verhält es
sich mit den Begräbniszeremonien der Logen überhaupt. Es
fehlt zwar der Mummenschanz mit dem Namenaufrufen und
Lichtverlöschen, aber die vorgetragenen Lehren sind dieselben.
Was auch von unserer Seite gegen die Logenbegräbnisse ein⸗
gewandt wird, hat der bekannte Präsident Blanchard von dem
methodistischen Wheaton College einmal, wie folgt, ausgeführt:
„Das Begräbnisritual ist zusammengesetzt aus Schrift⸗
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