Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 14 › Seite 257

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Juli 1915, Seite 257

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23 7.79
Und ich sahe einen Engel 75 *
Siegen mitten durch den

8 Himmel, der hatte ein ewig
Evangelium, zu verkündigen
denen, die auf Erden siden
und wohnen, und allen Hei⸗
den, und Geschlechiern, und
Fprachen, und Völkern, und
sprach mil groher Slimme:
Lürchter Gott, und gebei
üihm die Chre; denn die Zeit
seines Gerichts ist ommen,
und betel an den der gemachi

hat Himmel, und Erde, und

Aeer, und die Wasser-
runnen. Ossb. Joh. 14, 6.7.
. ——

——

Herausgegeben van der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Ztaaten.
Redigiert von dem Lehrerkolleginm des theologischen Seminars in St. Louis.

71. Jahrgang.

St. Louis. Mo., den 6. Zuli 1915.

——

Nr. 14.

—

Vom Geben für Gottes Reich.

Auszug aus einem Synodalreferat von D. F. Pieper.

2. Die Gefahr der kleinen Gaben. (Schluß.)

7. Wer nach kleinen Gaben trachtet, der betrübt den
Heiligen Geist, der in ihm wohnt. Jeder Christ, auch
der schwächste, ist ein Tempel des Heiligen Geistes. Mit dem
Glauben an die von Christo erworbene Vergebung der Sünden
zieht der Heilige Geist in unsere Herzen ein. „Wisset ihr
nicht“, ruft der Apostel allen Christen zu, „daß ihr Gottes
Tenipel seid, und der Geist Gottes in euch wohnet?“ 1 Kor.
3, 16. Und der Heilige Geist ist tätig in uns. Er erfüllt
uns mit Liebe zu Gott und dem Nächsten. Er treibt uns
auch an, willig und reichlich von unserm irdischen Gut Christo
für sein Reich darzureichen. Folgen wir nicht dem inneren
Lehren und Antrieb des Heiligen Geistes, so betrüben wir den
Heiligen Geist und können ihn wohl ganz aus dem Herzen
vertreiben. Gar mancher hat dadurch, daß er sein Herz vor
den Bedürfnissen des Reiches Gottes verschloß, Glauben und
Seligkeit verloren.

8. Wer nach kleinen Gaben trachtet, hindert den Bau
des Reiches Gottes auf Erden. Das ist aber nichts
Geringes. Damit ein Reich Gottes hier auf Erden sei und
erbaut werde, ist der Sohn Gottes Mensch geworden und hat
sein Blut am Kreuz vergossen. „Christus mußte leiden und
auferstehen von den Toten am dritten Tage und predigen lassen
in seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden unter allen
Völkern“, Luk. 24, 46. 47. Zur Predigt des Evangeliums
steht die Welt noch, Matth. 24, 14. Zur Predigt des Evan—
geliums sind auch wir Christen, die wir eigentlich in den
Himmel gehören, noch in dieser Welt. Ja, durch uns gerade
soll die Predigt geschehen. Das ist die göttliche Ordnung.
Für die Verkündigung des Evangeliums will Christus unser
Gebet, unsern Mund und auch unser irdisches Gut gebrauchen.
Wie schrecklich, wenn wir durch Verweigerung unsers irdischen
Gutes den Bau des Reiches Christi auf Erden hindern!

9. Wer nach kleinen Gaben trachtet, verhindert damit, daß
Gott ihm reichlich irdische Güter gibt. Gott han—
delt nach der Regel, die er sehr klar und deutlich publiziert hat
Luk. 6, 38 und an vielen andern Stellen: „Gebt, so wird euch
gegeben.“ Das scheint in einzelnen Fällen nicht zuzutreffen,
weil Gottes Wege mit den einzelnen Menschen oft wunderbar
verschlungen sind, so daß wir die Fäden nicht auseinander⸗
finden können. Gott sieht, was unser menschliches Auge nicht
sehen kann, nämlich warunt einem Menschen gerade Armut
oder doch wenig irdisches Gut nötig ist, damit er auf dem
schmalen Wege zum ewigen Leben bleibe. Aber in den meisten
Fällen werden auch wir Menschen wahrnehmen können, daß
den reichlichen Geber von Gott auch reichlich wiedergegeben

wird. Ich kenne Leute in der Synode, die sich reich gegeben
haben. Sie gaben reichlich für das Evangelium, so reichlich,

daß sie von vorsichtigen Freunden gewarnt wurden, sie möchten
doch des Gebens nicht zu viel machen. Aber sie blieben beim
Geben und wurden dabei zur allgemeinen Verwunderung
immer wohlhabender. Selbst von schweren geschäftlichen Ver—
lusten erholten sie sich überraschend schnell. Gott handelte mit
ihnen nach seinem Wort: „Gebt, so wird euch gegeben.“ Ich
habe auch Leute gekannt, die sich arm gegeben haben. Sie
trachteten, wenn es sich um das Geben für das Evangelium
handelte, nicht nur nach kleinen Gaben, sondern benutzten ge—
wisse Umstände, sich denr Geben ganz zu entziehen, und siehe da!
mit ihrer finanziellen Prosperität ging es sehr bergab. Und
was sie auf ihre Nachkonimen vererbten, gedieh auch diesen
nicht, weil es “tainted money“ war. Das ist verfluchtes Geld,
das man im Besitz behält oder vererbt, was man dem Hei—
lande für das Evangelium vorenthalten hat. Gott erbarme
sich unser aller! Er lasse uns die Sünde des Geizes erkennen,
darüber Buße tun, Vergebung durch das Blut Christi erlangen
und danach dem verfluchten Geiz wehren! — Aber sind nicht
Christen auch oft deshalb arm, weil sie aus Gottesfurcht
manchen Gewinn nicht einstreichen, durch den Weltmenschen
sich bereichern? Ganz gewiß. Die Heilige Schrift weist auf

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