Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 14 › Seite 258

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Juli 1915, Seite 258

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diesen Fall hin, wenn sie sagt Ps. 37, 16: „Das wenige, das
ein Gerechter hat, ist besser denn das große Gut vieler Gott⸗
losen.“ Aber in vielen, vielen Fällen ist die Armut oder der
geringe Besitz der Christen auch darin begründet, daß sie so
wenig für Gottes Reich geben. Gott spricht zu seinem Volk
durch Maleachi: „Bringet die Zehnten ganz in mein Korn⸗
haus, auf daß in meinem Hause Speise sei, und prüfet mich
hierin, spricht der HErr Zebaoth, ob ich euch nicht des Himmels
Fenster auftun werde und Segen herabschütten die Fülle“,
Mal. 3, 10. Das gilt nicht bloß für das Alte Testament,
sondern auch für das Neue, wie wir aus Luk. 6, 38 sehen:
„Gebt, so wird euch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt
und überflüssig Maß wird man in euren Schoß geben; denn
eben mit dem Maß, da ihr mit messet, wird man euch
wieder messen.“

10. Wer nach kleinen Gaben für das Evangelium trachtet,
ladet Gottes Zorn auf sich und das Land, in dem
er wohnt. Man lese das erste Kapitel des Propheten Haggai.
Die Juden waren aus der Gefangenschaft zurückgekehrt und
machten sich eifrig daran, Güter zu sammeln und eigene Häuser
zu bauen. Nachdem sie genügend für sich gesammelt und ge⸗
baut hatten, wollten sie auch des HErrn Haus bauen. Durch
den Propheten Haggai hält Gott dem Volk das Unschickliche
dieses Verfahrens vor: „Dies Volk spricht: Die Zeit ist noch
nicht da, daß man des HErrn Haus baue. Aber eure Zeit
ist da, daß ihr in getäfelten Häusern wohnt, und dies Haus muß
wüste stehen?“ Aber der Prophet zeigt auch klar an, welche
Strafe auf diese Sünde folgen werde. Er sagt: „Schauet,
wie es euch gehet: ihr säet viel und bringet wenig ein,
darum daß mein Haus wüste stehet, und ein jeglicher eilet auf
sein Haus. Darum hat der Himmel über euch den Tau ver⸗
halten und das Erdreich sein Gewächs. Und ich habe die
Dürre gerufen, beide über Land und Gebirge.“ Im Neuen
Testament redet Gott in bezug auf dieselbe Sünde nicht minder
scharf: „Irret euch nicht; Gott läßt sich nicht spotten!“ Wenn
wir Dürre und andere Plagen im Lande haben, so ist das
sicherlich eine Strafe für die ungläubige Welt, die Gottes Wort
nicht achtet und Gott auch für die leiblichen Güter nicht dankt.
Aber wir Christen sollen zu solchen Zeiten auch uns selbst
prüfen, ob nicht auch wir durch unsere Undankbarkeit und durch
unser Geizen beim Geben für das Evangelium ein Landschade
geworden sind. Die Welt ist blind. Aber wir Christen sind
weise Leute. Wir Christen wissen, daß alle irdischen Gaben
von Gott kommen. Wir wissen auch, daß wir durch Christum
den Himmel und die Seligkeit haben. Außerdem wissen wir,
daß Gott uns die geistlichen und leiblichen Güter vornehmlich
zu dem Zweck gibt und läßt, damit wir damit der Predigt
des Evangeliums dienen. Wenn wir nun die eigenen Häuser
bauen und des HErrn Haus wüste stehen lassen, dann haben
wir Dürre und andere Plagen als das Gericht Gottes anzu—
sehen, das zuerst am Hause Gottes, das heißt, an den Christen,
anfängt. Dann ist es Zeit, Buße zu tun, auch öffentliche Buß⸗
gottesdienste zu veranstalten und das Trachten nach kleinen
Gaben für das Evangelium aufzugeben. Dies führt Luther
in seiner Vorrede auf den Propheten Haggai aus. Luther
schließt diese Vorrede mit den Worten: „Gott will auch mit⸗
essen, oder sie sollen auch nichts zu essen finden.“

11. Endlich, wer für die Predigt des Evangeliums nach
kleinen anstatt nach reichen Gaben trachtet, der veranlaßt Gott,

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ihm das Evangelium zu entziehen. Das ist dann
das Ende, das größte Unglück, das über uns kommen kann.
Bekannt sind Luthers Klagen über Deutschland. Er sagt
immer wieder, Deutschland habe zu seiner Zeit das Evange⸗
lium so hell und rein wie nie zuvor. Aber Deutschland stelle .
sich faul und lässig gegen das Evangelium. Nur wenige gäben

willig für dasselbe. Diese Sünde werde Gott mit Entziehung
des Evangeliums strafen. Er schreibt: „Sie (die Undank⸗
baren] werden beides verlieren, das Leibliche und das Geist⸗
liche. Denn auf diese Sünde müssen notwendig die schwersten
Strafen folgen, und ich glaube fürwahr, daß die Gemeinden
in Galatien, Korinth usw. aus keiner andern Ursache von den
falschen Propheten zerrüttet worden sind, als weil sie ihre
rechten Lehrer vernachlässigt haben.“ (St. L. IX, 748.) Das
wollen auch wir uns zur Warnung gesagt sein lassen. Wir
haben jetzt auch das Evangelium so rein und lauter wie die
Christen zur Zeit der Apostel. Nun laßt uns ja zusehen, daß
wir uns Gott dafür recht dankbar erweisen, auch durch williges
und reichliches Geben für das Evangelium, damit es bei uns
erhalten und weit, weit durch uns ausgebreitet werde. „Daß
wir das Evangelium und Predigtamt haben“, sagt Luther,
„was ist's anders denn Blut und Schweiß unsers
HErrn? Er hat's ja durch seinen ängstlichen blutigen
Schweiß erworben. . .. Soll nun Christus, Gottes Sohn,
nichts anderes damit verdient haben bei uns, denn daß etliche
solch sein teuererworben Amt verfolgen usw., die andern aber
die Hand abziehen, weder Pfarrer noch Prediger ernähren, noch
etwas dazu geben, daß es doch erhalten würde; überdas die
Kinder auch davon abwenden, auf daß solch Amt ja bald zu
Boden gehe, und Christi Blut und Marter umsonst sei usw.
Wenn es so soll in deutschen Landen gehen, so ist mir's leid,
daß ich ein Deutscher geboren bin oder je Deutsch geredet oder
geschrieben habe. Und wo ich's vor meinem Gewissen tun
könnte, wollte ich wieder dazu raten und helfen, daß der Papst
mit allen seinen Greueln wieder über uns kommen müßte
und ärger drücken, schänden und verderben, denn je zuvor ge—
schehen ist. Vorher, daͤ man dem Teufel diente und Christi
Blut schändete, da standen alle Beutel offen. und war des
Gebens zu Kirchen, Schulen und allen Greueln kein Maß;
da konnte man Kinder in Klöster, Stifte, Kirchen, Schulen
treiben, stoßen und zwingen mit unsäglichen Kosten, das alles
verloren war. Nun man aber rechte Schulen und rechte Kirchen
soll stiften, . . . da kann niemand zu geben, da sind alle Beutel *
mit eisernen Ketten zugeschlossen usw. Ich bitte Gott um ein I
gnädiges Stündlein, daß er mich von hinnen nehme und nicht 4
lasse sehen den Jammer, so über Deutschland gehen mußs...
Gott gebe, daß ich lügen müsse und in diesem Stück ein falscher
Prophet sei, welches geschehen würde, so wir uns besserten und
unsers HErrn Wort und sein teures Blut und Sterben anders
ehrten, denn bisher geschehen.“ (St. L. X, 456 f.)

Gedenke doch, wieviel Güter dir dein Gott umsonst ge.

geben und noch täglich gibt, nämlich Leib und Seele, Haus.
Hof, Weib und Kind, dazu weltlichen Frieden, Dienst und Ge⸗
brauch aller seiner Kreaturen im Himmel und auf Erden; über
das alles auch das Evangelium und Predigtamt, Taufe, Sakra⸗

ment und den ganzen Schatz seines Sohnes und seines Geistes. 3

— und du wolltest nicht ein Tröpflein Dank erzeigen, sondern
Gottes Reich lassen untergehen? (Luther.)

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