Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 14 › Seite 263
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Juli 1915, Seite 263
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hat ein erstaunliches Wachstum aufzuweisen, was die Leserzahl
anlangt. Diese Zeitung ist das Organ der Christian Fellow-
ship, einer weitverbreiteten Organisation innerhalb der Sozia⸗
listenpartei, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, zu zeigen,
daß Christentum und Sozialismus zusammengehören.“ Man
merke: „innerhalb der Sozialistenpartei“!
Der Cyristian Socialist empfiehlt auch, ebenso wie die
Partei, Bücher, die den ärgsten Unglauben lehren, ohne ein
Wort der Warnung, so zum Beispiel das durch und durch
gottesleugnerische Buch Bebels „Die Frau und der Sozia⸗
lismus“. Als ein Buch, das den „christlichen“ Sozialismus
lehren soll, ist wiederholt von dem Blatte als Prämie für drei
neue Leser angepriesen worden TNe Call of the Carpenter von
B. White, so in der Nummer vom 1. November 1913. Und
was in diesem Buche von dem „Zimmermann“ gelehrt wird,
ist deutlich angezeigt in der beigesetzten Beschreibung: „Es hat
den tiefsten Eindruck gemacht unter allen Werken über Chri⸗
stentum und Sozialismus seiner schonungslosen materialisti⸗
schen und antitheologischen Auslegung des Lebens Christi und
Anwendung seiner Lehre wegen. Ein großes und ergreifendes
Buch.“
Als Muster von dem, was genanntes Blatt seinen Lesern
als „christlichen“ Sozialismus auftischt, hier nur ein paar
Beispiele.
In der Nummer vom 1. Juli 1913 bringt ein Rev. G. D.
Brooks einen Artikel unter der überschrift „Unser täglich
Brot“; darin heißt es: „Wir haben ein Gemeinwesen nötig,
in welchem nicht Wettbewerb der höchste Grundsatz ist, sondern
Mitarbeit. Die Menschen müssen lernen, zusammenzukommen
als Brüder und für das gegenseitige Wohlergehen zu leben.
Ein jeglicher sehe nicht auf das Seine, sondern auf das, das
des andern ist', sagt der Apostel. Das ist der oberste Grund—
satz des Christentums; es ist das Herz der Versöhnung; es
bedeutet das Beste für die übrigen. Das ist es, was JEsus
getan hat, und es ist das, was noch heute einen Menschen zum
Christen macht. . . . Das Reich Gottes ist ein soziales Ideal
für die Erde, und es bedeutet, daß sein Wille geschehen soll
wie im Himmel, so auch auf Erden, oder wie er getan wurde
von JEsus auf Erden. Das heißt, daß das Reich Gottes kom⸗
men wird geradeso und gerade so weit, als die Menschen be—
ginnen werden zusammenzuleben, als wenn sie alle Christusse
wären. Wenn diese Zeit kommt, wird die Frage des täglichen
Brots leicht beantwortet werden. Die Selbstsucht wird sterben,
und die Menschen werden zusammenwirken für das Gemeingut,
das Wohlergehen aller.“
In der Nummer vom 15. November wird das Vaterunser
ausgelegt, die zweite Bitte also: „„Dein Reich komme.“ Bist
du wirklich aufrichtig und wünschest, daß dein Gebet erhört
werde, warum stimmst du denn nicht, wie du betest? Wie
kannst du erwarten, daß Gottes Reich komme, während du
darauf bestehst, zu stimmen für die Fortsetzung des Reiches
Satans, welches besteht in dem Profitsystem?“
In der Nummer vom 15. Mai hat Eugen Debs einen
langen Artikel; darin sagt er über die Zukunft: „Reichtum
wird es geben für alle; so leicht wird er zu erwerben sein,
daß es keine Veranlassung zum Stehlen mehr geben wird, und
in solcher Fülle wird er vorhanden sein, daß Armiut verschwin—
den wird, ebenso Unwissenheit, Krankheit, Verbrechen, eins nach
dem andern. .. Okonomische Freiheit wird die Menschheit
zu einer höheren Stufe erheben, als je zuvor bekannt war.
Reichtum und Muße für alle!“
Welche Verwegenheit gehört doch dazu, zu behaupten, das
sei „christliche“ Lehrel Der SErr Christus hat das gerade
Gegenteil gelehrt. Er hat den irdischen Sinn, der nur das
leibliche Brot und gute Tage auf Erden sucht, scharf gestraft;
er hat gesagt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ „Das
Reich Gottes ist inwendig in euch.“ Von der letzten Zeit hat
er verkündigt: „Die Ungerechtigkeit wird überhandnehmen auf
Erden.“ Paulus schreibt Röm. 14, 17: „Das Reich Gottes
ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede
und Freude in dem Heiligen Geist.“ ö
„Abraham, Moses, JEsus und Marx — alle Juden —
bezeichnen die vier großen Zeitabschnitte der menschlichen Ge⸗
schichte“ Ihr Geist erfüllt die Welt, ihr Ruhm wird die Erde
auf immer verherrlichen. Die Dankbarkeit gegen die andern
drei kann den höchsten Glanz IEsu nicht verringern. Er ist
nicht neidisch; mögen seine Nachfolger nicht törichterweise ver—
suchen, um seinen Ruhm zu erhöhen, den Wert der andern drei
zu verkleinern.“ So lautet eine Bemerkung der Redaktion
in letztgenannter Nummer des bezeichneten Blattes. Welche
Lästerung IEsu ist es, ihn nicht nuur mit Abraham und Moses,
sondern auch mit dem Gottesleugner und Christushasser Marx
als Weltverbesserer auf eine Stufe zu stellen! Welch eine
entsetzliche Unverschämtheit ist es, daß ein Blatt, das sich „christ⸗
lich“ nennt, solch haarsträubende Dinge druckt!
Dies wird genügen für jeden Christen, auch den schwächsten
in der Erkenntnis, den fälschlich „christlich“ genannten Sozia⸗
lismus von Herzen und mit Abscheu zu verwerfen. L. S.
Unsere Mission in Südamerika.
5.
Andere Länder, andere Völker, andere Sitten.
In einem Stück freilich herrscht keine Verschiedenheit unter
den Menschen, wo sie auch auf der weiten Erde wohnen mögen,
sei es in Amerika oder in Europa oder in Asien oder in Afrika.
In einem Stück sind alle Menschen einander gleich, von welcher
Hautfarbe sie auch sein mögen, seien sie weiß, gelb, rot oder
schwarz. Alle Menschen liegen gleicherweise unter der Sünde,
und alle Menschen sind gleicherweise durch Christum erlöst.
Das macht die Mission in aller Welt nötig. Das macht
aber auch die Missionsweise allenthalben gleich. Den erlösten
Sündern muß das Wort Gottes gebracht werden.
Im übrigen muß der Missionar, der nach fremden Län—
dern geht, umlernen. Andere Länder, andere Völker, andere
Sitten. Der Missionsfreund aber muß, will er anders die
Verhältnisse richtig werten, die fremden Völker und ihre Art
studieren.
Was für Menschen leben in Südamerika, besonders in
Südbrasilien, und wie ist ihre Sitte und Art?
Indianer waren, wie hier in Nordamerika, die Ur—
einwohner Brasiliens. Die Indianer Brasiliens standen im
Gegensatz zu ihren Volksgenossen in Mexiko und Peru auf
einer sehr tiefen Stufe der Verwilderung. Sie gehörten den
Botokuden und Koroados an. Sie sind von den Entdeckern
und Eroberern ihres Landes grausam verfolgt worden. Heute
sind nur noch überreste der einst volkreichen Indianerstämme
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